Überlastungsanzeige

Dieses Thema im Forum "Arbeitsrecht / Gesundheitsrecht / Krankenpflegegesetz" wurde erstellt von camen, 21.09.2009.

  1. camen

    camen Newbie

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    liebe KollegInnen,
    ich habe bereits viele "Überlastungsberichte" gelesen und es frustriert mich immer mehr. Seit fast 9 Jahren arbeite ich auf einer urologischen Station mit 24 Betten. Zu den "normalen" OP´s und der fachgerechten Betreuung, kommen in der letzten Zeit immer mehr "akutgeriatische" Patienten dazu,
    die tausend Routinetätigkeiten und der Dokumentationswahnsinn sowieso ....und ich muß euch sagen, ich bin am Ende.
    Wie viele Kollegen, renne ich meinen eigenen Ansprüchen hinterher...will wenigstens die Patienten menschenwürdig gut betreuen..ihnen das Gefühl geben, dass sie sich wohl fühlen können und dass sie sicher sind, zumindest während meiner Dienstzeit. Es wird einfach immer schwerer und schlimmer...
    Dazu kommt die Angst mir könnte, im Stress, was wichtiges entgehen...bzw. dass es jemandem schlecht geht, womöglich stirbt, und ich war eben gerade mit anderem beschäftigt.
    Ich bin mittlerweile auch richtig wütend auf die Leute die uns die Gelder bzw. die Stellen streichen und ich sehe es, bei Gott, nicht ein mich für diese Deppen irgendwann vor einem Richter rechtfertigen zu müssen.
    Also habe ich beschlossen, zu jedem dieser Dienste eine Überlastungsanzeige zu schreiben. Und ich wünschte, alle KollegInnen würde das auch machen!
    Irgendwann werden sich die Fälle auffällig häufen, in denen Menschen ernsthaft wegen der Zustände in deutschen Krankenhäusern zu schaden gekommen sind.
    Und dann soll es nicht Schwester XY sein, die über die Klinge springen muß, sondern eben der entsprechende Sesselpupser!!!
    Was meint ihr dazu?

    liebe Grüße aus Berlin
    Camen
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Kennst du die Größe des Papierkorbes deiner PDL?

    Ü-Anzeigen lohnen nur wenn nachgewiesen werden kann, dass alle Möglichkeiten der Personalrekrutierung ausgeschöpft sind.
    Dann muss man entsprechende Rechtsvorgaben anhängen.
    Das Papier gehört an ff. Adressen der Hierarchie entsprechend: z.B. PDL, Pflegedirektor, Chefarzt, Ärztl. Direktor, Personalrat... habe ich jemanden vergessen? Gut macht es sich, das Ganze nicht mit Hauspost zu versenden, sondern dies per Einaschreiben über dei Post zu tun.
    Es sind- je nach Naturell der entsprechenden Personen, ev. heftige Reaktionen zu erwarten. Deshalb: das Ganze muss abgesichert sein, dass nicht ein einziger Kollege bei nachfolgenden Gesprächen umfällt und das ganze ad absurdum führt.

    Übrigens: steter Tropfen höhlt den Stein, glaubt man. Stimmt aber leider nicht immer. Es wurden in den letzten Jahren soviele Ü-Anzeigen abgegeben, dass die entsprechenden Stellen leider nur noch mit einem müden Nicken reagieren und wenn sie nett sind es nicht wegwerfen sondern im hintersten Ordner abheften.

    Fühlst du dich für die entsprechende Schicht nicht ausreichend abgesichert, kannst du dies deinem in der Schicht anwesenden Vorgesetzten anzeigen. Das beiderseits unterschriebene Blatt würde ich aber nicht aus den Händen geben, allenfalls eine Kopie.
    Bei diesen Aktionen ist auch immer zu bedenken, dass es ganz schnell ind ie Richtung: nicht belastbar gehen kann. Das kann dir in bestimmten Situationen in die Füße fallen.


    Elisabeth

    *offtopic* Axo: Die Stellen werden nicht von der PDL gestrichen. Die muss nur mit ihrem Budget auskommen. Das Budget ist bestimmt von den Einnahmen des Krankenhauses. Dieses wiederum von den Gnaden der Krankenkassen. Und letztere schieben den Pat. vor. *grübel* Wobei, wahrscheinlich wird mit dem demographischen Wandel und der Zunahme der Multimorbidität eh zukünftig eine schwierige Situation aufs Gesundheitswesen zu kommen.
     
  3. camen

    camen Newbie

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    Hallo Elisabeth,
    Danke für Deine Antwort.

    Auch ich habe mich im Vorfeld über die "Formalitäten" und die rechtlichen o.ä Folgen bei einer Überlastungsanzeige informiert. Davon hättest Du bei Deiner Antwort ausgehen können.
    Es geht mir darum, dass es für mich persönlich (wenn das ein Kollege anders sieht, ist es eben so) scheinbar keinen anderen Weg gibt, eindeutig und nachweißbar die Mißstände auf meiner Station nicht einfach mitzutragen- und die pfleg. Verantwortung abzugeben.
    Ob die Anzeige in einem Ordner landet oder sonstwo ist mir egal, denn sollte es zu "einem Zwischenfall" kommen, wird man sie ausgraben müssen!
    Glaub mir, die Gründe dafür könnte ich sehr gut jedem gegenüber vertreten und das mache ich nicht als ein verschüchtertes Schwesterchen, sondern als argumentativ starke und selbstbewußte Krankenschwester. So habe ich das schon immer gemacht.
    Mit den Leuten, die unsere Stellen streichen, meine ich nicht meine PDL, sondern n paar Etagen höher- die verantwortlichen Politiker. Ich bewundere das Durchhaltevermögen meiner PDL-habe Mitleid wegen ihrer Position im System-und respektiere sie menschlich wie fachlich.

    Liebe KollegInnen, habt ihr eine bessere Idee sich persönlich rechtlich abzusichern? (Gespräche....bla,bla,gab es auch schon reichlich und sehr vielen geht es auch so wie mir)

    liebe Grüße
    Camen
     
  4. medsonet.1

    medsonet.1 Poweruser

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    Hallo,

    als Gewerkschaftler kann ich dir nur 2 Ratschläge geben, aber beide führen kurzfristig nicht unbedingt zum Erfolg:

    1.) am nächsten Sonntag die "richtigen Politiker/Parteien" wählen (wenn es die überhaupt gibt?)!

    2.) alle Kolleginnen und Kollegen gewerkschaftlich organisieren!
    Gewerkschaften sind als "Lobby" für die Arbeitnehmer in vielen politischen und gesellschaftlichen Ausschüssen/Gremien vertreten. Je mehr Mitglieder sie haben, desto gewichtiger ist ihr Einfluss.

    Gruß

    medsonet.1
     
  5. Melisande

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    Hallo Camen,

    ich habe festgestellt,daß überall im Haus Baustellen sind,die Überstunden verursachen.
    Die Baustellen sind zu wenig Personal,hoher Krankenstand,Überstunden bei mehr und mehr multimorbiden Patienten.Die bleiben auch viel zu lange im Haus,benötigen Diagnostik und Therapie ohne Ende.....

    Man kann der PDL klar sagen,daß unter der hohen Bettenbelegung ,pflegeintensiven Patienten und durch die Überstunden das Pflegepersonal langsam mürbe und krank wird.Die Nachtdienste machen die Kollegen regelrecht schwindelig und krank.

    Was wichtig wäre,daß die anderen Stationen auch mit dem Instrument Entlastungsanzeigen reagieren.Eben daß die PDL nicht bestimmte Leute im Visier hat,denen man dann Unfähigkeit oder schlechte Belastbarkeit vorwirft.....
    Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen,macht es Sinn.

    Unsere Entlastungsanzeigen sind vorbereitet und ruhen im Schrank.

    Ich weiß auch selber,daß die PDL gut mit den Entlastungsanzeigen leben kann,wurde vor Jahren schon mal so ausgesprochen.Aber Mitleid,na ja,die bekommt im Gegensatz zu dir ein gutes Geld.....deshalb solltest du das anders sehen ;)).
    Wir haben die Entlastungsanzeigen an alle Stellen im Haus geschickt,Personalrat,PDL,Klinikchef.

    Gutes Gelingen
    Melisande
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Als Einzelgänger bist du chancenlos. Du verpulverst Kraft, die du anderweitig sonnvoller nutzen kannst.

    Persönliche Feindbilder helfen dir wenig. Bist du mit deinem Problem schon mal bei einem Politiker vorstellig geworden?

    Ansonsten schließe ich mich medsonets Ausführungen voll an: Gerwerkschaft, Betriebsrat ansprechen und um Rechtsberatung bitten.

    Elisabeth
     
  7. PflegeagenturWest

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    Entschuldigt bitte,wenn ich etwas anderer Meinung bin,aber eine 24-Betten-Station ist nun wirklich noch eine "Kleine" und ich nehme mal stark an,daß Ihr da bestimmt nicht nur zu Zweit seid. Wir als ex. Personal sind "interdisziplinär" ausgebildet,was heißt,daß wir sämtliche Krankheitsbilder betreuen können sollten und man sich somit nicht nur auf die Uro z.B. versteifen kann. Überlastungsanzeigen sind insofern reine Bumerangs,weil sie auf den Verfasser mit der Kündigung enden können und zumindest den Eindruck entstehen lassen,der Verfasser wäre nicht belastbar. Wir sind zum Teil auf einer 20-Betten-ITS im Spät zu Zweit und ich muß sagen,daß es zwar verflucht anstrengend ist,aber ne Überlastungsanzeige würde keiner schreiben. Also man kann da unterschiedlicher Meinung sein,aber ich persönlich meine, 24 Betten sind wirklich noch wenig und da siehts dann irgendwie nach Jammerei aus. Nix für ungut bitte !
     
  8. Lin

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    Wie kannst du das sagen? Weißt du wie das "Patientengut" aussieht, wieviel Personal/Hilfspersonal vorhanden ist, wieviel Servicepersonal, Patiententransport, wieviele OPs?
    Sorry, aber ich würde mir nicht anmaßen, den Aufwand zu beurteilen, wenn ich nicht selbst dort arbeite.

    Gruß,
    Lin
     
  9. Melisande

    Melisande Senior-Mitglied

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    Wer nichts tut,hat schon verloren.

    Die meisten Kollegen stecken der Kopf in den Sand und wissen nicht mehr,was ein normales, entspanntes Arbeiten bedeuten kann.
    Wenn eine Station keine Ressourcen mehr hat,wenn eine Station nicht mehr weiß wie und wo sie Zeit einsparen kann,weil alles schon straff durchorganisiert ist ,dann muß man sagen,die Mißstände müssen nach oben durchdringen.
    Wenn keine Zeit mehr bleibt:Patient in die Dusche bringen-b.waschen helfen,Haare waschen ,Zähne putzen,Strümpfe regelmäßig wechseln,Betten beziehen,
    wenn sich mehr Fehlerteufelchen eingeschlichen haben:
    Medikamente stellen,Visite ausarbeiten etc.
    Leider sind sich die Kollegen viel zu defensiv und uneinig,als daß sich eine akzeptable Lösung in der Ferne abzeichnet.
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Und wer zuviel als Einzelgänger tut, kann sich selbst verlieren. Manchmal muss man dem Druck ausweichen und nicht mit viel Kraft Gegendruck erzeugen wollen.

    Elisabeth
     
  11. Melisande

    Melisande Senior-Mitglied

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    Wenn die Stationen nichts unternehmen,überlegen viele Kollegen,
    wo sie ein anderes Betätigungsfeld finden.
    Dabei ist es ja das hohe Ziel,die Mitarbeiter und Ausbilder motiviert bei der Stange zu halten.
    Ebenso die Patienten .Wenn ich die Zeit für eine Patientenmobilisation nicht aufbringen kann und der Patient umso mehr im Bett verweilen muß,dann ist das keine ausreichende Pflege,die den Patienten vorwärts bringt und dem Genesungsprozeß dient....
    Melisande
     
  12. camen

    camen Newbie

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    Ich danke Dir, liebe lin!
    Wenn Du diese Antwort an mister oder misses Pflegeagentur west nicht gegeben hättest, wäre sie von mir gekommen.

    Da haben wir wieder jemanden, der die Arbeitsintensität anhand der Bettenanzahl festlegt. Sollte es die Person noch interessieren, wir sind tatsächlich nur zu zweit in einer Schicht. Wenn Du dich nicht auskennst, solltest du fragen, bevor Du andere beurteilst.
    Ich gehe eher immer davon aus, dass wir alle in diesem Beruf unglaublich viel leisten.
    übrigens, ich bin eigentlich in einem "sicheren Raum" unter Kollegen und da gibt es für mich kein abfälliges "jammern", sondern Respekt und Verständnis.

    Camen
     
  13. PflegeagenturWest

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    Liebe camen,
    dies war nun bestimmt nicht "abfällig" gemeint und eine Wertung sollte es auch nicht darstellen. Sicher,ich hätte lieber vorher fragen sollen,wieviele Kollegen Ihr im Dienst seid,jedoch bin ich,vielleicht dummerweise,vom Großteil der Kliniken ausgegangen,die ich kenne und die haben nunmal nen Patiententransportservice,Stationshilfen usw.,so dass für das ex. Personal die Arbeit schon unglaublich erleichtert wird. Müßte man solche Tätigkeiten wie OPs bringen und holen,Essen holen und servieren,Nachttische und sonstiges abwischen usw.,wäre man tatsächlich in vielen Fällen überlastet. Doch da die allermeisten Kliniken solche Servicedienste haben,bleibt für uns unsere "eigentliche" Arbeit und die ist auf ner 24-Betten-Station bestimmt zu schaffen. Mach mal nen Spätdienst im Klinikum Markendorf in Frankfurt/O.,da sind zwei Leute für 40 Betten zuständig und fahren OPs und Essen noch selbst durchs Haus. Dies ist dann wirklich eine Überlastungsanzeige wert! Wie gesagt,ich wollte nicht Deine Arbeit werten,aber ich kenne Zustände,welche Deine Beschreibung wirklich verdienen.
     
  14. Joerg

    Joerg Poweruser

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    Meinst Du nicht, dass das dann wirklich schon mehr als gefährliche Pflege ist?
    Wer da keine Überlastungsanzeige schreibt ist wirklich selbst schuld. Ich würde diese Verantwortung mit Sicherheit nicht übernehmen und das hat nix damit zu tun, dass ich nicht belastbar bin.
     
  15. Lin

    Lin Poweruser

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    @all:
    Muss der AG auf solche Überlastungsanzeigen reagieren und in welcher Form? Wenn nein, welchen Sinn haben sie dann? Sichern sie das Pflegepersonal ab?
    Sorry, wenn ich so dumm fragen muss, aber ich habe noch nie davon gehört (ich glaube, in Ö gibt es so etwas gar nicht).

    Gruß,
    Lin
     
  16. definurse.bs

    definurse.bs Senior-Mitglied

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    welchen Weg würdest du wählen, nicht die Verantwortung zu übernehem?

    Eine Überlastungsanzeige wird dich nicht der Verantwortung gegenüber deiner Arbeit entbinden, ein nicht Antritt deines Dienstes wäre Arbeitsverweigerung.
    So bald du deinen Dienst antrittst bist du für dein Tun gemäß deiner Ausbildung verantwortlich, d.h konkret: Du muß auf grund deiner Ausbildung entscheiden, welche Arbeiten proritär zu erledigen sind und welche Arbeit wenn sie nicht erledigt wird, am wenigsten Schaden anrichtet. Von dieser Entscheidung kann dich weder dein Arbeitgeber noch eine Überlastungsanzeige entbinden.
    Solltest du eine falsche Entscheidung treffen, wird eine Überlastungsanzeig dich ganz sicher nicht vor den rechtlichen Konsequenzen schützen können. Das sollte allen Pflegenden bewußt sein!
    Für mich sind Überlastungsanzeigen nicht das Papier wert, auf denen sie geschrieben werden!
    Beate
     
  17. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wie schon oft hier im Forum fällt auf, dass wir uns schwer tun unsere Arbeit, unseren Arbeitsaufwand zu beschreiben.

    Auf die Ü-Anzeige bezogen: es nutzt nichts, in einen Ü-Anzeige zu schreiben- ich muss xx Pat. versorgen und es ist nicht zu schaffen, wenn ich gute Pflege leisten soll.
    Was bedeutet die Anzahl für die Pflegeintensität? Da kann ich 20 Pat. haben mit A1/S3 und ich kann 20 Pat. haben mit A3/S3- um mal die Extreme aufzuzeigen. Die PPR gilt immer noch als anerkanntes Mittel in D die Pflege zu beschreiben. LEP hat sich leider nur ansatzweise durchsetzen können.
    Ein größeres Problem sehe ich in der Definierung: Gute Pflege. Selbst Pflegequalität ist nur diffus beschrieben bzw. wird an Drehbuchstandards festgemacht.

    Elisabeth

    @Camen- ich habe den Eindruck, dass deine große Enttäuschung sich langsam in eine unbändige Wut verwandelt. Du greifst all und jeden an, der nicht sofort deiner Meinung ist.
    Aber vielleicht täuscht meine Wahrnehmung ja auch. Ich kann nur deine Worte interpretieren und kenne dich als Person nicht.
     
  18. medsonet.1

    medsonet.1 Poweruser

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    Hallo,

    da ich bei einigen Beiträgen den Eindruck gewinne, daß viele nicht genau wissen, was eigentlich eine Überlastungsanzeige bedeutet, kurz der rechtliche Hintergrund:

    Arbeitsschutzgesetz

    § 15 Pflichten der Beschäftigten

    (1) Die Beschäftigten sind verpflichtet, nach ihren Möglichkeiten sowie gemäß der Unterweisung und Weisung des Arbeitgebers für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge zu tragen. Entsprechend Satz 1 haben die Beschäftigten auch für die Sicherheit und Gesundheit der Personen zu sorgen, die von ihren Handlungen oder Unterlassungen bei der Arbeit betroffen sind.
    (2) Im Rahmen des Absatzes 1 haben die Beschäftigten insbesondere Maschinen, Geräte, Werkzeuge, Arbeitsstoffe, Transportmittel und sonstige Arbeitsmittel sowie Schutzvorrichtungen und die ihnen zur Verfügung gestellte persönliche Schutzausrüstung bestimmungsgemäß zu verwenden.



    § 16 Besondere Unterstützungspflichten
    (1) Die Beschäftigten haben dem Arbeitgeber oder dem zuständigen Vorgesetzten jede von ihnen festgestellte unmittelbare erhebliche Gefahr für die Sicherheit und Gesundheit sowie jeden an den Schutzsystemen festgestellten Defekt unverzüglich zu melden.
    (2) Die Beschäftigten haben gemeinsam mit dem Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit den Arbeitgeber darin zu unterstützen, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Arbeit zu gewährleisten und seine Pflichten entsprechend den behördlichen Auflagen zu erfüllen. Unbeschadet ihrer Pflicht nach Absatz 1 sollen die Beschäftigten von ihnen festgestellte Gefahren für Sicherheit und Gesundheit und Mängel an den Schutzsystemen auch der Fachkraft für Arbeitssicherheit, dem Betriebsarzt oder dem Sicherheitsbeauftragten nach § 22 des Siebten Buches Sozialgesetzbuch mitteilen.


    Eine Überlastungsanzeige ist daher eine arbeitsvertragliche Verpflichtung des Arbeitnehmers und muss erstellt werden, selbst wenn man die Meinung vertritt (leider oft zu recht), sie ändert sowieso nichts.


    Gruß


    medsonet.1
     
  19. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    So einfach ist es leider nicht. Es gibt keine Definition, was zuviel und was richtig ist. Man orientiert sich also an den leistungen ähnlich arbeitender MA. Und da haste schlechte Karten, wenn du als Alleingänger eine Ü-Anzeige abgibst.
    Überlastung= schafft das geforderte Arbeitspensum nicht. Nicht von ungefähr wird deswegen mittlerweile empfohlen das "kind" lieber Entlastungsanzeige zu nennen.

    Hier findet man neben den von medsonet angeführten Beispielen nich weitere Gesetzestxte, die man mit nutzen könnte: http://www.konfliktfeld-pflege.de/dateien/text/database/down/Infopost_49_06_Ueberlastungsanzeige.pdf

    Und ganz wichtig: die Situation, den Arbeitsanfall so konkret wie möglich beschreiben. Die nicht mehr möglichen Arbeiten (Überwachungspflicht, Präventionen) detailiert aufführen.

    Das alles schreibt man nicht mal so nebenbei auf ein DIN A4 Bogen. Vielleicht liegts auich daran, dass so wenige Entlastungsanzeige von erfolg gekrönt sind.

    Wir schaffen unsere Arbeit nicht mehr, weil wir zuwenig Personal haben- was bekommt eine PDL da an Infos um ggf. bei den geldgebenden Instanzen argumentieren zu können?

    Elisabeth

    PS Der DBfK hat auch gerade wieder den Fehler gemacht, mit der Umfrage in der Pflege"nation" einen Personalmangel abzubilden. Er hat mit der Umfrage lediglich die Stimmung unter den Pflegekräften aufzeigen können. Und wir wissen alle, dass bis vor wenigen Jahren (im Vergleich zu heute) auf sehr hohem Niveau gejammert wurde. Jetzt ernten wir die Folgen.
     
  20. definurse.bs

    definurse.bs Senior-Mitglied

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    Danke für die rechtlichen Erläuterungen bzgl Überlastungsanzeigen.
    Gerade letzte Woche hatte ich das Vergnügen, einer Veranstaltung unseres Betriebsrates und unserer Rechtsabteilung zum Thema Überlatungsanzeigen beizuwohnen.
    Es sicher immer gut, eine Überlastungsanzeige zu stellen, um möglichst alle entsprechenden Abteilungen des Hauses über den nicht zu bewältigenden Arbeitsanfall zu informieren.
    Mehr kann eine Überlastungsanzeige nicht leisten.
    Die rechtliche Lage ist leider so, wie ich sie geschildert habe: Eine Überlastungsanzeige schützt uns nicht, vor den rechtlichen Konsequenzen, sollte ein Patient einen Schaden erleiden.
    Beate
     
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