Übergabe - das tägliche Elend

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Peppo, 30.06.2015.

  1. Peppo

    Peppo Junior-Mitglied

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    Hallo zusammen,

    das ist mein erster Thread hier im Forum. Ich habe mir vorgenommen auch in Zukunft aktiv teilzunehmen und freue mich auf die Resonanz.

    Nun aber zum Thema:

    Ich ärgere mich seit jeher über die Gestaltung der Übergaben in der Krankenpflege. Um es auf den Punkt zu bringen ärgere ich mich über:
    • die (zu lange) Dauer
    • die häufige und deplatzierte Wertung
    • die Strukturlosigkeit
    • den hohen Ressourcenverbrauch
    Teilweise erlebe ich Übergaben die 1 Stunde dauern und 4-7 Krankenschwestern und Pfleger permanent im Büro hocken und sich vom Vormittag erzählen. Viele unnötige Diskussionen oder eben auch viele viele Wertungen lassen diese Blase immer größer werden.

    Der Begriff der Psychohygiene (eigentlich ein hässlicher Begriff) hat sicher seine Daseinsberechtigung. Dennoch kann dies auf verschiedene Arten passieren.

    Wir sprechen immer wieder davon, dass wir zu wenig Personal haben. Ändert sich daran etwas? Nicht wirklich oder? Sollten wir dann nicht damit beginnen Möglichkeiten zu finden mit denen wir Ressourcenfresser aufspüren und eliminieren können? Dann nämlich könnten wir dazu übergehen uns mit dem zu beschäftigen weswegen wir eigentlich in der Psychiatrie arbeiten - wegen dem Patienten.

    Ich kann mir einige Veränderungen dazu vorstellen, bin aber sehr gespannt auf eure Rückmeldung zu dem Thema. Ich kann nicht glauben, dass ich der Einzige bin, dem dieses Thema am Herzen liegt.

    Was meint ihr dazu?

    Herzliche Grüße, Peppo
     
  2. Elfriede

    Elfriede Poweruser

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    Die Organisation und Durchführung der Übergaben gehört zur Kernkompetenz der jeweiligen Stationsleitung. Versuche doch mal ein "Leitungsmeeting" zur "Standardisierung der Übergabe" zum "Zwecke der Qualitätssicherung".

    Dass Du die "Schwafelstunde" damit hinter das Dienstende verschieben möchtest, muss in der "Einladung" ja nicht uuuuuunbedingt erscheinen. Hole unbedingt Euren QmB hinzu: Wenn Euer Standard bezahlte Schwafelstunden erlaubt, möchte ich so`n Teilchen auch haben (gerne per PN)!
     
    #2 Elfriede, 30.06.2015
    Zuletzt bearbeitet: 30.06.2015
  3. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Kennt man!

    Startpunkt sind die Führungskräfte vor Ort. Ggf. eine kleine Analyse, dann eine kleine Fortbildung. Die kannst auch selber machen. Aber objektiv. Dazu eine Zeitvorgabe.

    Nachhalten!

    Dazu bekommst du das aus einigen Mitarbeitern nie raus. Die gibt es. Solange es nur "einige" sind, wird das aufgefangen. Auch wenn es für Konflikte sorgt.

    Aber das nur nebenbei. Geh das Thema an, nach dem nächsten Projekt... ;)
     
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  4. verenalgo6

    verenalgo6 Stammgast

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    Lieber Peppo,

    oh ja, wer kennt es nicht...;) Bei uns sind die Übergaben allerdings zeitlich fest terminiert, selten wird die Dauer um wenige Minuten überschritten... abgesehen von der Übergabe an unsere Ärzte, aber dies ist ja ein anderes Thema.

    Wir gehen auch in der Übergabe recht strukturiert vor:
    • Name
    • Alter
    • Suizidstufe
    • aktuelle Ausgangsregelung
    • und natürlich aktuelle Anliegen/Themen/Planungen bzw. kurze Darstellung der Einweisungshintergründe bei Neuaufnahmen

    Insgesamt kann ich nur sagen läuft es bei uns in diesem Bereich wirklich gut!

    Nähere Infos gerne auf Anfrage. ;)

    Liebe Grüße
     
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  5. pflegekraft87

    pflegekraft87 Stammgast

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    Wenn du jetzt in der Somatik arbeiten würdest, würde ich dein Thema sehr gut nachvollziehen können. In der Psychiatrie besteht doch aber die meiste Zeit aus endloser Kommunikation, möglichst alles bis ins kleinste Detail zu zerpflücken. Zumal man wohl kaum unter dem selben Zeitdruck steht, dem man auf den meisten Somatischen Stationen ausgesetzt ist. Zumindest war das so in der Psychiatrischen Klinik, in der ich gearbeitet habe.

    Wertungen sind unangebracht, gehören aber zwangsläufig dazu. Bei uns auf Station (innere) haben wir eingeführt, das möglichst nur derjenige redet der sich übergibt. Klar können auch die Eindrücke der nächsten Schicht zur Sprache gebracht werden, das erfolgt dann allerdings kurz und bündig.
     
  6. Peppo

    Peppo Junior-Mitglied

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    Bisher höre ich daraus, dass eine richtige Alternative zur bisherigen Übergabe nicht gedacht ist. Ich habe es auch immer so erlebt, dass die Übergabe als heilige, goldene Kuh angesehen wird und man lieber nur vorsichtig an das Thema geht (wenn überhaupt). Ich finde es schön, wenn zumindest die Struktur eine gute ist und nicht ewig diskutiert wird.

    "Endlose Diskussionen" gehören aus meiner Sicht nicht zwangsläufig dazu. Ich denke, dass die Zeit hauptsächlich am Patienten verbracht werden sollte. In diesen Diskussionen sind meist die ersten 1-4 Sätze konstruktiv, danach wird es meist inhaltsleer(er). Das nächste Projekt ist bei mir sowieso immer und soll auch zeitnah angegangen werden.

    Auch wenn es vielleicht unpopulär erscheint: Ich werde die Übergabe komplett abschaffen. Zumindest in der Form wie es sie bisher gab. Was meint ihr dazu? :schraube:

    Den Einwand mit den Qualitätsmanagern werde ich mir aber auf jeden Fall mal überlegen.
     
  7. -Ben-

    -Ben- Stammgast

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    Pflegerische Übergaben sind grundsätzlich ein kritisches Thema, bei uns sind es meist eher die zahllosen weiteren (interdisziplinären) Besprechungen, die dem noch obendrauf kommen. Umso wichtiger ist eine klare Struktur; vor allem bei täglichen Übergaben sollte es immer jemanden geben, der darauf achtet (Struktur, Themen, Uhrzeit,...).

    Pflegeübergaben in einer Psychiatrie komplett abzuschaffen, halte ich aus fachlicher und organisatorischer Sicht für absolut falsch. Nirgendwo ist die umfassende Informationsweitergabe so wichtig wie dort. Als Mitarbeiter muss ich wissen, welche Patienten derzeit suizidgefährdet sind oder wo genaue Absprachen erforderlich sind, welche Zwangsmaßnahmen laufen oder kürzlich liefen, auf welche Patienten ich warum explizit achten muss und wie der Verlauf ist; insbesondere bei meinen Bezugspatienten, welche Selbstverletzungen es jüngst (Tag/Vortag) gab, Ausgangsregelungen und Unterbringungen, Neuaufnahmen etc. pp. Andernfalls werden Personal und Patienten einer Gefahr ausgesetzt und eine professionelle Tätigkeit ist kaum möglich, auf akute Geschehnisse kann ich ohne Vorwissen nicht adäquat reagieren. Dem individuellen Bedürfnis des Patienten kann ich demnach auch nicht mehr gerecht werden. Nun wäre die Alternative dies durch eine tagesaktuelle Pflegeplanung zu ersetzen, aber dann wird noch mehr Zeit im Dienstzimmer und nicht beim Patienten verbracht; demnach keine sinnvolle Lösung.

    Ben
     
  8. Peppo

    Peppo Junior-Mitglied

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    Zu diesen Punkten würde ich gerne Stellung nehmen:

    Meine Meinung war nicht, die Übergaben in der Psychiatrie abzuschaffen. Sondern die Art und Weise zu verändern. Aus welchem Grund dokumentieren wir denn? Für die Krankenkassen? Für den Richter? Nein, in erster Linie sollte die Dokumentation dafür benutzt werden um es als Informationstool zu nutzen.

    Das Ziel müsste sein, dass eine qualitativ hochwertige Dokumentation erstellt (ja, Schulungen!, was wird dokumentiert und wie?) und zusätzlich mit Pflegediagnosen und -planungen gearbeitet wird. Und damit meine ich wirklich gearbeitet wird und nicht bloß ein Papiertiger bleibt.

    Es gibt immer auch Anteile die nicht dokumentiert werden können (Bauchgefühl, Brainstorming usw.). Auch dies hat eine große Relevanz. Dies könnte man in einer kurzen zeitlich festgelegten Runde besprechen (5 Minuten?). Für Zielbesprechungen, Prozederemeetings oder oder oder gibt es ja genug andere (interdisziplinäre) Gefäße.

    Aus meiner Sicht macht man etwas falsch wenn man durch eine aktuelle Pflegeplanung (noch) mehr Zeit im Dienstzimmer verbringt. Eine vernünftige Pflegeplanung wird aus meiner Sicht immer zusammen mit dem Patienten erstellt und nicht im stillen Kämmerlein. Für die Pflegediagnosen gilt im Übrigen dasselbe.
     
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  9. -Ben-

    -Ben- Stammgast

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    Auch, wenn es nicht Deine Meinung gewesen sein sollte, habe ich es so verstanden. Wir dokumentieren aus Gründen der Abrechnung, auch wegen rechtlichen Notwendigkeiten. Die Formulierungen in der Dokumentation sind - aus unterschiedlichen Gründen - aber oft nicht dieselben, wie ich in der Übergabe nutze (auch dies nicht grundlos); zudem übergebe ich evtl. auch unabdingbare Informationen, die nicht dokumentiert wurden (Interpretationen, Meinungen...).
    .
    Lies bitte nochmal, was ich geschrieben habe. Es ist eben KEINE sinnvolle Alternative. "Immer" ist nicht möglich (zumindest auf Akut-Stationen), aber im Regelfall sollte das so sein, dem stimme ich zu. Die Praxis sieht dennoch oft anders aus und hat wiederum viel mit Zeit zu tun; ein Kreislauf, der unterbrochen werden muss - aber sicherlich nicht durch Einschränkung von Kommunikation.

    Warum funktionieren strukturierte und knappe Übergaben denn in manchen Häusern und in manchen offensichtlich so gar nicht?

    Ben
     
    #9 -Ben-, 01.07.2015
    Zuletzt bearbeitet: 01.07.2015
  10. Peppo

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    Das wäre dann das gesamte Zitat... ;)

    Aus meiner Sicht ist es aber eine sinnvolle Alternative. Ich sehe eben große Vorteile darin, dass mehr (Zeit-)Ressourcen freigesetzt werden, die Dokumentation besser genutzt wird (Verlaufsberichte im Besonderen, ich nehme nicht an, dass diese für Abrechungen genutzt werden) und zusätzlich eine Wertung der Patienten abgestellt wird ("Oh mann, die Müller aus der 3 ist schon wieder besoffen zurückgekommen.", der nächste Dienst geht unbehafteter in den Spätdienst).

    Im Übrigen spreche ich in erster Linie von Mittagsübergaben. Morgens und abends macht es für mich auch weniger Sinn.

    Und eben genau diese "gewonnene" Zeit kann man auf den Stationen als Zeit für die Bezugspersonenarbeit nutzen (auch auf Akutstationen).
     
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  11. mary_jane

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    Es wäre hilfreich zu wissen wie die Übergabe genau bei euch abläuft. Je nach Bereich und Station unterschiedet sich sowas ja erheblich. Bisher kann ich mir noch nichts Konkretes vorstellen, außer das es zu lang dauert und zu viel Irrelevantes besprochen wird.

    Übergeben alle gleichzeitig an die jeweilige übernehmende Pflegekraft? Übergibt je einer vom Frühdienst unter Anwesenheit der gesamten Folgeschicht? Sitzen alle in einem Raum? Gibt es Übergaben "am Bett" zu bestimmten Zeiten? Gibt es Pflegevisten? Ist irgendeine Struktur durch die Leitungsebene vorgegeben worden? Gibt es eine allgemeine Übergabe für alle mit wichtigen Kurzinfos die alle betreffen?

    Ich habe als Schüler mal auf einer Station einen Einsatz gehabt, welche eine "stille Übergabe" getestet haben. Es wurde also nur das Wichtigste kurz geschildert was für alle relevant war und der Rest wurde in der Kurve/Dokumentation/Pflegeplanung durchgelesen. Bei Fragen konnte man sich dann noch an den Kollegen wenden.
    Leider weiß ich nicht, wie der Testversuch angenommen wurde und ob dies tatsächlich so weitergeführt wurde.
     
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  12. Peppo

    Peppo Junior-Mitglied

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    Stille Übergabe ist übrigens ein netter Ausdruck dafür. Das ist es auch was ich meine. Ich habe diese Art der Übergabe auch bereits erlebt. Ich versuche mal die Fragen so gut wie möglich zu beantworten:


    Ja, zum Teil. Auf manchen Stationen mit Bereichspflege abwechselnd.


    Siehe oben.


    Ja.

    Nein.

    Ja, aber nur rudimentär. Anhand der Dokumentation wird übergeben. Inhaltlich hat sich eine bestimmte Linie ergeben nach der die Infos vorgetragen werden.

    Ich nehme an, dass Du meinst ob sie interdisziplinär sind. Ja, das sind sie. Mit Teilfokus auf die Pflege.
     
    #12 Peppo, 01.07.2015
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 01.07.2015
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  13. amezaliwa

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    Hallo Peppo,
    gibt es für strukturierte Übergaben denn nirgendwo detaillierte Infos, Lektüre, Leitfäden was auch immer?

    Ich stelle mir vor, dass das für eine vernetzte PDL einfacher ist da ranzukommen. Stell doch mal ein, was dem nahe kommt, was Du Dir vorstellst. Vielleicht kommt das dem nahe was bei uns im Haus umgesetzt wurde. Wir haben Struktur, eine klare.

    Zu Beginn: Allgemeine wichtige Info an alle, Schichtleitung informiert Schichtleitung
    Ähnlich dem was verenalgo6 schreibt geht es dann weiter, wiederum jeder erhält die relevantesten Fakten zu jedem Patienten. Unterschied: Der Schwerpunkt. Es reichen meist 2 Sätze. Lass es mal 4 sein. Mehr braucht es eigentlich nicht.

    Dann folgt die Bereichsübergabe, der Gang ans Bett immer mittags und abends, früh - vereinzelt. Die Zeit ist knapp bemessen, da ist wenig Raum für's abschweifen. Leider gibt es Störungen jedes mal, viele und unterschiedliche.

    Was mich deswegen tatsächlich stört und sehr ärgert ist die in meinen Augen mangelnde Wertschätzung anderer was unsere Übergabezeit anbelangt. Wurde schon x-mal kommuniziert, geht ins eine Ohr rein - ins andere raus. Wir haben eine Psychiatrie, die Stationsgröße stimmt in etwa mit unserer Somatik überein, die Arbeitszeiten sind die selben, somit auch die Übergabezeiten.

    Vor 1-2 Jahren wurde die Struktur der Übergabe auf den Allgemeinstationen angegangen. Ausgehend von der Leitungsebene. Habe keinen Namen, nach was da vorgegangen wurde - ich vermute mal - ein vorhandenes Konzept, man geht da ja nicht blauäugig ran und eiert irgendwie rum.:sdreiertanzs:Das Interesse und die Mitarbeit vom Personal war da.

    Mich irritiert etwas, trotzdem... der Grundtenor. Dich ärgert etwas, was Du doch konkret angehen kannst, wenn Du bei der Übergabe anwesend bist. Was auffällt, sollte doch problembezogen, direkt mit denjenigen auch besprochen werden, kurz und im richtigen Ton - nicht hier, nicht in dieser Form.

    Wenn in Deiner Anwesenheit privates besprochen wird, ständig gewertet wird - wie kommt's dazu? WENN mal jemand vorbeischaut, guckt doch jeder das er sich verkrümelt, nur nicht den Anschein erwecken es wär nix zu tun, :-?. Kann mich jedoch grad nicht erinnern wann das zuletzt der Fall war, die Präsenz meiner PDL auf Station.
     
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  14. Peppo

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    Hallo amezaliwa,

    vielen Dank für Deine ausführliche Schilderung. Ich denke, dass die Art und Weise der Übergaben auf den Stationen bei uns nicht groß abweichend ist von anderen Häusern. Es ist wahrscheinlich so eine Art "Standard-Ding". Sicherlich gibt es Leitfäden oder Standards für Übergaben. Ich schätze aber, dass sich diese immer auf die mündliche Form beschränken. Und eben diese möchte ich verändern.

    Wie ich bereits im Eingangspost geschrieben habe, habe ich meine Ideen und Vorstellungen dazu. Mich interessiert einfach eine breite Meinung. Vor allem auch aus anderen Häusern mit anderen Erfahrungen. Dass ich mich über etwas ärgere, bedeutet nicht, dass ich es nicht angehe. Ich mache dies nur gerne gezielt und immer als Projekt der Pflege.

    Off Topic: Ich glaube, dass sich meine Arbeit als PDL sehr von der Arbeit anderer PDLs unterscheidet. Ich bin jeden Tag mehrfach auf jeder Station und interessiere mich einfach nach wie vor für die Arbeit auf der Station. Einige Patienten betreue ich immer noch als PN. Wir erarbeiten Veränderungen grundsätzlich gemeinsam und führen "Versuchsballons" auf Pilotstationen durch. Wenn ich auf die Station komme, bleiben die Leute trotzdem sitzen wenn sie nichts zu tun haben (ohne Konsequenzen). Und wir reden über private Dinge (nicht bei der Übergabe).

    Von daher fungiert dieser Rahmen für mich ein wenig als Stimmungsbarometer. Und eine Richtung konnte ich schon sehr gut spüren. :angry:

    Nochmal zum Thema: Was ist es denn, das einen so sehr an der (ausschliesslich) mündlichen Übergabe festhalten lässt? Ist es ein: "Das war schon immer so-Ding"?

    Übrigens würden die verärgernden Störungen bei der Übergabe komplett wegfallen. Vielleicht ein Anreiz? :wink:
     
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  15. Elfriede

    Elfriede Poweruser

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    Eine ausschliesslich mündliche Übergabe ist nicht im Sinne der Qualität (nicht nachvollziehbar/belegbar). Einer ausschliesslich schriftlichen Übergabe fehlen die "Zwischentöne" und die Möglichkeit der raschen Nachfrage.

    "Das war schon immer so" wurde mit der Einführung des verbindlichen Qualitätsmanagements standrechtlich erschossen. Eine straff organisierte und protokollierte mündliche Übergabe ist im stationären Bereich das Mittel der Wahl
    (Protokoll quittiert von abgebender und übernehmender Schicht).
     
    #15 Elfriede, 01.07.2015
    Zuletzt bearbeitet: 01.07.2015
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  16. verenalgo6

    verenalgo6 Stammgast

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    Könnt ihr das mit der "stillen Übergabe" vielleicht nochmal etwas detaillierter erklären? Hört sich interessant an... und dennoch, ich wäre aus meiner jetzigen Sicht heraus völlig dagegen mündliche Übergabe komplett zu ersetzen. Auch wenn "Bauchgefühle" oder Eindrücke theoretisch gesehen vielleicht nicht in eine Übergabe gehören - ich möchte die Meinung (vor allem von den Erfahrenen) Kollegen nicht missen! Klar ist mir auch, dass das Berichtete der Kollegen in einer Übergabe den nächsten Dienst bereits "beeinflusst". Aber gerade weil ich dies weiß gebe ich mir doch meist Mühe positiv zu formulieren, Veränderungen objektiv zu benennen u.ä.. Und auch nach einem längeren Urlaub, Krankheit, Teilzeitkraft oder oder... stelle ich es mir unglaublich schwer und wenig zeit-/ressourcensparend vor erstmal die Berichte der letzten 5 Tage (und das u.U. von 38 Patienten zu lesen...).

    Ja, lange und unnütze Übergabe sind sinnlos, definitiv... aber jetzt mal nur meine ganz persönliche Meinung (ich habe in den letzten vier Jahren ca. 12 Stationen durchlaufen...): Mir scheint als ob die Übergaben vor allem auf Stationen die einen extrem langen "Überlappungszeitraum" der Schichten haben so extrem ausgedehnt werden...

    Lg
     
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  17. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    Diese als off topic bezeichneten Angaben finde ich jetzt eigentlich nicht unwichtig, sie erklären ja so einiges.

    PN - primary nursing?

    Wieder zum Thema. O.k., dann haben wir KEINE ausschließlich mündliche Übergabe. Wir haben auch keine Papierkurven mehr, sämtliche Doku - PC, Spezialprogramm zusätzlich zum KIS. Im Zimmer ist auch jeweils ein PC, Funktionsbereich halt.

    Der Weg hin zur Übergabe komplett ohne mündliche Übergabe - gelesen hab ich davon (USA, Nordeuropa?). Ein wesentlicher Baustein dafür wäre sowas wie unsere komplett papierlose Kurve (die alle aus dem Team an jedem PC einsehen können). Ausreichend - finde ich das trotzdem nicht.

    Austausch ist weiter wichtig, Übergabe versteh ich nicht als rein einseitige Infoweitergabe. Da hab ich tatsächlich den Standpunkt - das ist so ein dingens, das man unbedingt strukturiert beibehalten sollte. Bereichspflege, wir haben sie überall, auch.
     
  18. Peppo

    Peppo Junior-Mitglied

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    Mich freut aber die Resonanz zu dem Thema!

    PN = Primary Nursing

    Die standrechtlich erschossenen "Das war schon immer so" finde ich witzig und gut... :lol1:

    Vielleicht sollte ich aber auch noch mal deutlich sagen, dass ich nicht im Sinn habe auschliesslich einlesen zu lassen!!
    Dabei würde ich es ebenfalls so denken, dass "Zwischentöne" verloren gehen. Das wäre sicher ungünstig.

    Um auf den Punkt zu kommen, würde ich mal meine genaue Vorstellung zum Besten geben:

    Ich spreche im Folgenden nur über die Übergabe am Mittag, wobei man auch ebenso bei Zwischendiensten verfahren könnte. Die morgendliche und abendliche Übergabe schliesst sich aufgrund der Sinnhaftigkeit aktuell aus. Dies erschliesst sich aus den Uhrzeiten und Abläufen.

    • Ein möglicher Ablauf: Der Spätdienst kommt um 12:30 Uhr auf die Station (Begrüssung, Glas Wasser oder Kaffee, sonstige Vorbereitung für den Dienst) und zieht sich mit der Dokumentation (digital oder Papier) zurück in einen (bestenfalls) separaten Raum und liest die Verlaufsberichte der letzten Dienste nach dem letzten eigenen Dienst. Im günstigsten Fall wären das 1-2 Dienste. Ich ungünstigsten wären es Wochen. Dazu könnte man aber eine einfache und klare Regelung finden (Z.B. ab 1 Woche Abwesenheit einer Pflegeperson wird eine mündliche Übergabe Sicherung aller Informationen durchgeführt).
    • Für den günstigsten Fall sind dies max. 10 Minuten. Das habe ich bereits mehrfach getestet. :biggrin:
    • Nachdem die Pflegepersonen sich eingelesen haben kommen sie zurück ins Stationsbüro und treffen sich mit den restlichen Kollegen. Dabei können Rückfragen zur Dokumentation gestellt werden (Verständnisfragen, Prozedere). Dies dient im Übrigen auch dazu, dass die Art der Doku überdacht und verbessert wird. (zeitliche Vorgabe)
    • In diesem Rahmen wäre es dann auch denkbar, dass genau diese "Zwischentöne", "Bauchgefühle" und "Ideen" zum tragen kommen.
    • Während der Zeit des Einlesens (oder danach) wäre es für den Frühdienst möglich PN-Gespräche zu planen (Behandlungsplan, Prozedere, Pflegediagnostik, Expositionsübungen besprechen oder durchführen usw.)

    Die Vorteile die ich sehe:
    • Zeitersparnis
    • Ressourcengewinn
    • Verbesserung und Aufwertung der Dokumentation
    • Dokumentation wird direkt am Patienten durchgeführt (Diagnostik)
    • Aufwertung des Berufstandes intensivere und hochwertigere Arbeit am Patienten
    • Reduktion wertender Inhalte in Übergaben (wer wertet schon schriftlich?)
     
  19. verenalgo6

    verenalgo6 Stammgast

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    Hmm, also so ganz verständlich sind mit Deine genannten Vorteile der "stillen Übergabe" jetzt ehrlich gesagt noch nicht. Ok, das Berichte weniger wertend verfasst werden, da bin ich voll dabei (dafür aber eben auch eher defizitär...)... Aber ob du dabei, im Gegensatz zur mündlichen Übergabe, Ressourcen und Zeit sparen kannst? Das leuchtet mir ehrlich gesagt nicht ganz ein...und auch die qualitativ hochwertigere Arbeit bzw. die Aufwertung unseres Betufsstandes durch eine Veränderung der Übergabe scheinen mir (zumindest auf den ersten Blick!) nicht ganz nachvollziehbar.

    Du schreibst von 10 Minuten Zeit im besten Falle - darf ich Fragen wie viele Patienten ihr bei Euch auf Station begleitet? Ich würde mich als flink beim Lesen beschreiben, aber das würde ich nicht schaffen;) Ein klick ins Stammblatt, kurzer Blick in die Anamnese, aktuelle Berichte, vielleicht noch der letzte Scan vom Konsil usw...
    Auch räumlich wäre es bei uns (aktuell) nicht möglich sich an einen PC zum "in Ruhe nachlesen" zurückzuziehen...bzw. nur einer hätte diese Möglichkeit.

    Ich will deine Idee wirklich nicht schlechtreden o.ä., bitte verstehe mich da nicht falsch, aber ich habe bisher eben noch meine Zweifel an diesem Modell:-)
    Noch dazu laufen die Übergaben bei uns wie gesagt m.E. nach eh ziemlich gut und zur Mittagsübergabe kommt bei uns eh nur ein "frischer Kollege" (da wir 10h und geteilte Dienste arbeiten) d.h. vielleicht kann ich mich deswegen vielleicht auch weniger Gut in deine Situation versetzen...

    Lg
     
  20. Peppo

    Peppo Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    30.06.2015
    Beiträge:
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    Beruf:
    Krankenpfleger, selbstständiger Dozent
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    Hoher Norden
    Akt. Einsatzbereich:
    Psychiatrie
    Funktion:
    Pflegedienstleitung
    Danke für Deine Rückmeldung.

    Nein, ich verstehe das nicht als "Schlechtreden". Alles gut. ;) Wir haben Stationen mit 12 und 24 Patienten. zusätzlich teilstationäre. Im Spätdienst kommen immer mindestens 2 Personen. Aktuell führen wir noch die Papierakte.

    Du siehst also, das sind bereits ziemliche Unterschiede.

    Dass Zweifel an dem Modell auftreten werden, war mir bewusst. Ich habe das aber auch schon mit vielen anderen Dingen vorher erlebt. Irgendwann werden sie dann zum Standard und man kann es sich kaum noch anders vorstellen.

    Ich sage auch nicht, dass dies der Weisheit letzter Schluss ist. Dennoch bin ich überzeugt, dass man auch einfach mal mutig sein muss und ausprobieren darf. Ich werde auf jeden Fall mal berichten wie es hier weiter geht. Wir haben jetzt geplant noch im Juli die erste Projektsitzung zu machen und dann im August zu starten. :streit:
     
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