Überdosierung durch Arzt

Dieses Thema im Forum "Pharmakologie" wurde erstellt von Mausie, 25.07.2013.

  1. Mausie

    Mausie Stammgast

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    Hallo alle zusammen,

    ich muss da einfach mal was loswerden, weil mir das auf der Seele brennt. Ich finde es ja sowieso schon schlimm, dass wir bei den Kindern so viel und so schnell sedieren, aber was sich unsere Ärzte leisten dürfen, versteh ich nicht. Ich muss dazu sagen, ich hab das übergeben bekommen und war selbst nicht in der Situation dabei, aber es regt mich trotzdem auf.

    Vor zwei Wochen hatten wir ein Kind mit Verbrühung des Thorax. Zum Verbandswechsel wurde das Kind dann sediert, das ist ja auch alles in Ordnung so und absolut gerechtfertigt. Aber unsere Oberärztin hat das Medikament (Ketamin) vollkommen überdosiert. Das Kind hat 15 kg gewogen, hätte also max. 30 mg Ketamin haben dürfen. Sie hat dem Kind aber 70 mg verabreicht, und das Kind hat nach dem Verbandswechsel gekrampft und ist Atemdepressiv geworden. Was ist daraus geworden? Nichts. Ich finde es erschreckend, wie selbstverständlich manche Ärzte mit Medikamenten dieser Art umgehen. Schlimm finde ich natürlich auch, dass die Schwester das gesehen, aber nichts gesagt hat. Andererseits sagt unsere Lehrerin zwar immer, dass wir eine Art "Anwalt der Patienten" sind, aber bemächtigt uns das wirklich dazu den Ärzten auf die Finger zu klopfen? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gesammelt?
     
  2. BettyBoo

    BettyBoo Poweruser

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    Natürlich bemächtigt es uns dazu, den Ärzten nicht "auf die Finger zu klopfen" aber "über die Schulter zu schauen" und auch mal einzuschreiten! Das sind auch nur Menschen und sie machen Fehler, und dazu ziemlich gravierende, so wie den, den du berichtet hast.
    Es kommt immer darauf an, wie man es sagt, aber die Ärzte, denen ich etwas gesagt habe, waren so gut wie immer kooperativ und haben Wert auf meine Meinung gelegt.
     
  3. monaluna

    monaluna Poweruser

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    Es ist immer schwierig Situationen zubeurteilen, wo man nicht dabei war. Normalerweise geht kein Arzt unbedacht mit seinen Pat. um und ob aus es Nachwirkungen hatte, kann man als Schülerin, Schwester oft gar nicht beurteilen, natürlich wird es nicht breitgetreten.

    Aber grundsätzlich würde ich, wenn ich sehe das der Arzt, ein Medikament verabreicht was viel zuhoch ist, nachfragen, und zwar so das keine Angehörigen oder Patienten dabei sind, bzw. es nicht hören.
    Dann ein bissle nett verpacken, "ich bin mir nicht sicher ob ich das richtig verstanden haben, wieviel mg möchten sie vom Ketanest haben. Das Kind wiegt 15 kg, lt. Beipackzettel wären das 30mg, ist das so richtig!" Wenn er darauf nicht reagiert würde ich definitiv nochmals nachfragen, warum er überdosieren will und evtl. einen Oberarzt oder weiter höher in der Rangordnung einschalten.

    Bzw. wuerde ich im worst-case scenario mich verweigeren, das Medikament so zugeben.
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Es werfe der den ersten Stein,d er ohne Sünde ist....

    Auch Ärzte sind Menschen und können Fehler machen. Es kommt immer darauf an, wie man mit dem Fehler umgeht. Jemanden ans Kreuz zu nageln, ist jedenfalls net der richtige Weg. Eher geht es darum: wie konnte es zu dem Zwischenfall kommen und wie kann der zukünftig vermieden werden.

    Elisabeth
     
  5. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Wenn ich einen solchen Fehler sehe (und als Pflegekraft erkennen kann, dass es sich um einen Fehler handelt), dann habe ich nicht nur die Berechtigung, einzuschreiten, sondern die Pflicht. Ich hätte ansonsten im Falle eines Schadens eine Mitschuld. (Das gilt übrigens nicht nur für die Fehler der Ärzte.)

    Die Bezeichnung "auf die Finger klopfen" finde ich dagegen unangebracht. Ein absichtliches Fehlverhalten halte ich im beschriebenen Fall für unwahrscheinlich. Einen Arzt darauf aufmerksam zu machen, dass die angeordnete Dosis zu hoch sei, hat nichts mit Bestrafen zu tun.
     
  6. Lillii

    Lillii Poweruser

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    Solche Situationen kenne ich wirklich gut.
    Auch im Außerklinischen Bereich. Bei einer REA letztens: nach 25 Min reanimation unter Gabe der Standard Medis kam der Patient wieder. Blutdurck aber immer noch nicht messbar. Puls um die 140 lt. EKG. Habe mehrmals gemessen, bin nie über eine Systole von 40 gekommen. Habe auch mehrmals bei der Notärztin nachgefragt, nicht einen Arterenolperfusor aufziehen zu sollen, wurde mehrfach abgelegt. Als der Pat. adnn in die Klinik kam, war die erste Anweisung des Stationsarztes: 2 x Arterenolperfusor aufziehen und wir sind dann mit 20 ml/ h rein :-)

    Auch auf jetziger Arbeit sieh tman solche Dinge natürlich öfter, da erlaube ich mir aber noch keni Wort. Man wird eh damit abgetan "noch nicht viel Ahnung zu haben"..
     
  7. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Die Fachinfo sagt, ab dem 25fachen der üblichen Dosis ist Ketamin vital lebensgefährlich.

    Da wart ihr ja noch nicht ...

    auch Ärzte vertuen sich mal und liegen mit angewendetem Erfahrungwissen etwas daneben.
    Ich denke jeder der schon ein paar Jahre dabei ist, hat mal einen Fehler gemacht oder sich etwas verschätzt...

    Also: Wenn man etwas bemerkt: Ansprechen!!!


    Und nachher groß rum zu tönen, "was sich Ärzte leisten dürfen" ist absolut fehl am Platz.

    Noch dazu warst du nicht dabei.
     
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