Trauergespräch mit an Demenz erkrankten Angehörigen

Dieses Thema im Forum "Leben und Tod im Krankenhaus, Umgang mit Sterbenden" wurde erstellt von Sonnenblume81, 09.07.2008.

  1. Sonnenblume81

    Sonnenblume81 Newbie

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    Hallo,

    wer kann mir einen Tipp geben wie ich mich in folgender Situation richtig verhalte?

    Also ich bin seit kurzem in dem Altenheim tätig und vor ca. einer Woche fing eine Bewohnerin, mit fortgeschrittender Demenz, nach dem Abendessen an immer sehr traurig zu werden und sucht ihren verstorbenen Ehemann (vor 2 Jahren verstorben).

    Das erste mal wie sie mich nach dem Ehemann gefragt hatte, habe ich sie dahin orientiert, das der Gatte schon verstorben ist. Verständlicherweise brach die arme Frau in Tränen aus und verstand nicht, wie sie dieses Erlebnis vergessen könnte. Mir fiel es auch sehr schwer sie richtig zu trösten, denn ich konnte ihre Gefühle gut nachvollziehen und ich wüßte auch nicht was man in solch einer Situation sagt.
    Gut irgendwie hat es dann doch geklappt, das sie sich wieder etwas beruhigte und später dann auch zu Bett ging.
    Am nächsten Tag, war wieder alles ok.

    Aber ein paar Tage später, kurz nach dem Abendessen, suchte die Bewohnerin ihren Ehemann in den anderen Zimmer und fragte mich wieder ob ich wußte wo er sei.
    Da ich die Reaktion von letzten Mal noch im Kopf hatte, habe ich ihr nicht gesagt das er verstoben ist. Aber leider muss sie gespürt haben, das ich weis wo er ist, denn sie fragte immer wieder nach, mit Tränen in den Augen. Ich habe ihr dann gesagt, er wäre im Urlaub und sie hat sich etwas beruhigt. Danach hatte ich ein richtig schlechtes Gewissen, das ich die Bewohnerin angelogen habe.

    Wie verhält man sich in solch einer Situation richtig??
     
  2. honigelefant

    honigelefant Newbie

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    sowas kenne ich. ich habe 1 jahr praktikum im altenheim gemacht und war in einem bereich speziell für demenzerkrankte. dort wurden die bewohner auch oft "belogen". ich weiss auch nicht, wie man richtig auf so etwas antworten soll und darum möchte ich auch eigentlich nie in einem altenheim arbeiten, weil ich das traurig finde. bei uns wussten viele sogar nichtmal das sie in einem altenheim sind. eine bewohnerin dachte mal, das eine andere bewohnerin ihre tochter war und das war schon sehr nervenraubend ihr das klar zu machen, das es nicht ihre tochter ist.
     
  3. Giana

    Giana Stammgast

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    Stellv. Wohnbereichsleitung
    Habt ihr schon mal was von validation gehört? ich habe vor kurzem eine Fortbildung dazu gemacht. Ihr müßt die Gefühle und antriebe des bewohners erkennen und wiederspiegeln.... z.B. bei der traurigen Bewohnerin, die ihren Mann sucht, da sagst du solche sätze wie " sie sind sehr traurig und auch verzweifelt". Sie haben dann das Gefühl, dass du sie verstehst! Und zum schluss wendest du noch ein Zitat an, wie zum Beispiel: "Wer die sehnsucht kennt, weiß wie ich leide!" Natürlich ist es mit einer Minute nicht getan. Ich hatte in meinen Letzten Nächten eine Bewohnerin, die sehr traurig, verzweifelt und hilflos war. Die gefühle habe ich in einem Gespräch von einer halben std wiedergepiegelt, und sie war danach viel ruhiger und konnte schlafen gehen. Ich war ein kleines bisschen stolz, weil ich es das erste mal richtig gemacht habe.
     
  4. Stiften

    Stiften Junior-Mitglied

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    Akt. Einsatzbereich:
    stat. Altenpflege
    Wir haben eine Bewohnerin, die jeden Morgen berichtet, dass die Nazis letzte Nacht ihren Bruder hinterrücks erschossen haben.

    Hier ist Validation die beste Möglichkeit, dem Bewohner zu helfen. Einige Pflegekräfte sagen ihr jeden Tag, dass ihr Bruder schon seit vielen Jahren tot ist, aber das macht die Frau nur noch verwirrter und dazu noch unglücklich.

    Ich gehe immer, Tag für Tag, auf das Thema ein, wie wenn es stimmt, dass ihr Bruder tatsächlich erst letzte Nacht ermordet wurde, stelle Fragen dazu und bekunde mein Beileid.

    Dann fühlt sich die Bewohnerin meist verstanden und in ihrer immer wiederkehrenden schweren Stunde der Trauer nicht allein gelassen.

    Für mich ist das kein "Belügen", sondern Therapie und Zeichen für Fürsorge!
     
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