Trachealkanülen

Rasmus

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Hallo,
Thema Trachealkanülen,spez.Sprechkanülen:
-Laßt Ihr die "Seele"über Nacht drin?
-Wie lange laßt ihr die Kanüle selbst liegen?

Arbeite auf einer Strahlentherapie,z.Zt.viele Trachealkanülen zu versorgen,aber keine einheitliche Regelung in dieser Frage.Lt.Fortbildung "Tracheostoma"darf eine Kanüle bis zu 30 Tagen liegen.Praktiziert Ihr das?

Vielen Dank für Eure Antworten!

Greetings,Rasmus
 

Rasmus

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Ich nochmal...
Sind Euch die Antworten ausgegangen?Oder ist das Thema zu lappidar?Ich warte trotzdem noch auf Antworten.

Greetings,Rasmus
 

carmen

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Hi Rasmus,

bitte entschuldige die späte Reaktion.

Hab vor 4 Jahren mal für 3 Jahre in einer Reha-Klinik am Bodensee gearbeitet. Dort kamen aus diesem Einzugsgebiet alle an Krebs Erkrankten, operierten oder bestrahlten Pat. hin, sofern sie eine Reha wünschten.
Es waren alle Krebsarten vertreten. :cry1:
Natürlich auch Pat. mit Tracheal oder Sprechkanülen.
An diesem Haus war es so Standart, dass die Trachealkanülen, ohne Sprechfunktion, abends gereinigt (mit spezieller Bürste und Pulver) und sofort mit Seele wieder eingesetzt wurden.
Die Sprechkanülen wurden gereinigt, wie oben genannt, und über Nacht in einer speziellen Lösung liegen gelassen.
Wie oft diese Kanülen gewechselt wurden, entzieht sich echt meines Erinnerungsvermögens, sorry, das weiß ich nicht mehr. :weissnix:

Hab auf der jetzigen Onko-Stat., in einem Akutkrankenhaus, noch keinen Trachealkanülenträger gehabt. Wir sind spezialisiert auf BC, Lymphome, Magen-Darm Ca, Mamma-Ca und Autoimmunerkrankungen sowie Plasmozytome.

Konnte ich Dir ein wenig weiter helfen? :knabber:

LG

Carmen
 

Rasmus

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@Carmen,
Das hilft schon ein wenig.
Auf unserer Strahlentherapie ist es ganz unterschiedlich:Bei einigen Pat.Seele raus,über Nacht in Reinigungslösung.Morgens wieder einsetzen,natürlich in geputztem Zustand.
Andere Pat.lassen die Seele über Nacht drin,nur morgens zum Putzen kurz raus.
Die Kanülen selbst werden genauso individuell gehandhabt.Jedes Tracheostoma hat so seine Eigenheiten,eine allgemeingültige Handhabung gibt es da nicht.Auch unsere HNO arbeitet so,ich hab heute deren Stationsarzt kontaktet.
Vielen Dank für die Antwort!

Greetings,Rasmus
 

carmen

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Hi Rasmus,

wie wär es mit einer Standartisierung betreff Kanülenpflege?
Natürlich müßte dann für JEDE Kanülenart ein anderer Standart gelten.

Ist das ein Vorschlag?

LG

Carmen
 

Rasmus

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Carmen,
Es gibt einen Standard zur Hygiene bei Trachealkanülen,aber der ist bei uns mehr graue Theorie...Denn bei jedem Pat.ist es anders,der eine nimmt die Seele raus,der andere nicht.Der eine entfernt das Ventil,der andere nicht.Bei dem einen darf die Kanüle als Ganzes nie entfernt werden,nur der HNO darf das,oder aber,es liegt Atemnot vor.Und wieder bei jemand anders darf die Kanüle raus,geputzt werden u.dann wieder eingesetzt werden...
Ein guter Vorschlag,mit dem Standard.Wenn man sich doch einigen könnte...

Greetings,Rasmus
 

Elisabeth Dinse

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Hallo @all

Warum darf der mündige Patient nicht selbst entscheiden, wie er verfährt? Wenn ich es recht verstanden habe, dann hatte der Patient die TK bereits vorher. Er hat also den Umgang damit gelernt und ein für ihn optimales Ritual entwickelt. Warum das zerstören? Es ist doch etwas, was ihm Sicherheit bietet. Muss denn immer alles standardisiert werden?

Der Mensch ist sehr facettenreich- er läßt sich nur schwer in eine quadratische Form pressen.

Elisabeth
 

Rasmus

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Elisabeth,
Natürlich überlassen wir die Entscheidung,wie mit den Kanülen verfahren werden soll,dem Träger selbst.
Momentan sind jedoch Pat.auf Station,die nicht in der Lage sind,die Kanülen selbst zu reinigen,herauszunehmen oder gar wieder einzusetzen.Da liegt dann die Handhabung in unseren Händen...
Montag wars,da hatte eben ein solcher Pat.(Hemiparese rechts)mit akuter Atemnot zu tun.Also,flott auf der HNO angerufen u.den Dr.rangeholt.Mit einem Handgriff war die Kanüle draussen,das Stoma mittels Stomaspekula offengehalten.
Dann ließ sich aber die Kanüle nicht mehr einsetzen,weder sanft noch etwas herzhafter.Die Assistenärztin hat alles versucht,bis schließlich schon etwas Blut kam...Ich war ständig am Absaugen,um eine Aspiration zu vermeiden.
Der OA von der HNO kam u.hat die Kanüle wieder reinbekommen.Allerdings mit viel Glück,sagte er selbst.Jetzt wird über eine Schnitterweiterung nachgedacht,damit solche Dramen in Zukunft vermieden werden können.

Greetings,Rasmus
 

Schlucki

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Hallo,

ich arbeite in einer neurologischen Reha als Schlucktherapeutin und habe täglich mit Trachealkanülen zu tun.

In unserem Haus gibt es bereits Standards zum Wechsel und zur Reinigung von Trachealkanülen:

- bei Plastik-Kanülen mit Innenseelen(z. B. Shiley, Portex, Rüsch, Tracoe): Wechsel: alle 14 Tage - Reinigung der Innenseelen: mind. 1 x pro Schicht (3 x täglich) oder bei starker Verunreinigung

- bei Plastik-Kanülen ohne Innenseele (z. B. Lanz Evac, Rüsch ...):
Wechsel alle 7 Tage oder bei zu starker Verunreinigung

- bei Silber-TKs mit Innenseelen: Wechsel: alle 7 Tage und Reinigung der Innenseelen: mind. 1 x pro Schicht oder bei Verunreinigung

- bei Silber-TKs ohne Innenseelen: täglicher Wechsel oder Wechsel 2 x pro Tag (auch hier wieder: je nach Verunreinigung)

Wir machen damit sehr gute Erfahrungen und dass eine Kanüle bis zu 30 Tagen liegen bleibt finde ich äußerst fragwürdig. Alleine der hygienische Zustand der TK ist dann wohl sehr unzureichend!
Vielleicht konnte ich Dir hiermit etwas weiterhelfen.

Liebe Grüße
Agnes
 

obärschwester

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Hallo @all,
auch ich arbeite seit einigen Jahren mit neurologischen und daher meist schluckgestörten Patienten. Da es mittlerweile eine Unmenge verschiedener Kanülen gibt, lässt sich das Handling nicht so einfach standardisieren. Nach meiner Erfahrung gehen die HNOs eher lax damit um, also zusätzlich zu den Anordnungen die Herstellerangaben (s.a. Medizinproduktegesetz) konsultieren. Wir haben in der Langzeitpflege gute Erfahrungen mit den Dauerkanülen von Portex (Blueline Ultra), Fahl und optimierten Kanülen von Heimomed gemacht. Diese haben den Vorteil von wechselbaren "Seelen", so dass dem Patienten hohe Wechselfrequenzen erspart bleiben können, die Kosten durch selteneren Wechsel in Grenzen bleiben und Hygiene durch einzeln zu beziehende "Seelen" gewahrt bleibt. Wir wechseln die Innenkanülen und die Reinigungsbürsten 1x/Woche, die Kanüle alle 30 Tage (außer, der Cuff geht vorher kaputt o.ä.), VW erfolgt 1x tgl. Desinfektionsmittel sowohl für Stoma als auch für die "Seele" nur bei MRSA-Patienten nötig.
Grüße, V.
 
P

Piratte

Gast
Unsere Patienten bekommen als Erstausstattung eine Sprechkanüle
Länge x und eine non-Sprechkanüle Länge x-+5mm

Die Sprech ist für den Tag, die andere für die Nacht, hier gibt es auch
2 Seelen, damit nachts nur einfach getauscht werden kann, um nicht
putzen zu müssen.
Larynektomierte Patienten bekommen halt zwei non-Sprech Kanülen.

Gewechselt wird also zweimal am Tag.
Die unterschiedliche Länge der Kanülen ist hat den Zweck, dass es
die Trachealschleimhaut entlastet, wenn nicht immer Druck auf die
selbe Stelle ausgeübt wird.
Außerdem ist durch den Wechsel eine komplette Reinigung des
Tracheostomas möglich, man muss nicht unter der Kanüle mit
Wattestäbchen rumfummeln. Man kann gut reinigen und eincremen.

Das bezieht sich auf die Ausstattung, die der Kehlkopflosenverband stellt.


Unser zweiter Ausstatter ist Heimomed, das kommt ein bisschen auf
(sorry) die Lebenserwartung der Patienten an bzw. deren sozialen Status.
Nicht jeder weiß das hochwertige Material vom KKL-Verband zu schätzen.
Das Material ist billiger und halt nicht so hochwertig, Plastikkanülen sind
eben billiger als Silber.

Ich persönlich bevorzuge (natürlich) die Silberkanülen.
Lassen sich leichter reinigen, bei geringerem Wanddurchmesser ist das
Lumen deutlich größer als bei Plastik. Und es gibt keine Allergien.
 

SunnySunshine

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Krankenschwester
Hallöchen;

ich arbeite auf der Pulmologie/Onkologie. wir nehmen die Sprechkanüle eigendlich jeden Tag raus und reinigen sie. Die "Seele", also das Innenleben reinigen wir 1x pro Schicht und bei Bedarf , kommt drauf an wie viel Sekre die Patienten produzieren. Und über Nacht ist es ganz unterschiedlich. Oft hat der Patient ja schon zu hause ne Kanüle und dann machen wir es so wie er es gewohnt ist. Bei allen anderen legen wir nachts auch oft ne geblockte Trachoflex ein mit feuchter Nase , wenn nicht dann lassen wir die Seele drinn.Ist natürlich bei einer massiven Sekretproduktion ein Risiko. Da der patient es ja nicht unbedingt merkt, wenn die Seele dicht ist wenn er schläft.
Aber ich denke, das sollte man je nach Patient entscheiden.

Liebe Grüsse

SunnySunshine
 
P

Piratte

Gast
Wobei, wenn die Plastikkanüle zu ist (und das passiert auch oft trotz feuchter Nase),
muss man die ganze Kanüle entfernen, also erst mal Bändchen ab und so.

Wenn die Seele drin ist, braucht man beim Verlegen nur rauszuziehn

--> Zeitgewinn.

Edit: Allerdings haben unsere Kanülenpatienten alle eine Dauerverneblung.
 

SunnySunshine

Newbie
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Hamburg
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Krankenschwester
Hallöchen,

da hast du natürlich recht mit der feuchten Nase, die kann sich genau so dicht setzen. Aber wenn ne Sprechkanüle dicht ist reicht es lsider oft nicht, nur die Seele raus zu nehemen.
Nur wir haben halt die Erfahrung gemacht, dass ne geblocke Kanüle zur Nacht um einiges besser ist. Es ist allerdings oft für die Patienten nicht so angenehm, lässt sich aber nicht änderen, weil wir halt auch viel Patienten mit einer NIB (Nichtinvasive Beatmung)haben. Und was wollt ihr mit dem anschließen von Dauerverneblern erreichen?Hält die Kanüle doch nicht frei und fördert oft noch die Sekretolyse.
Bei uns kriegen dir Pat zu festen zeiten ihre Inhalationen und wir fahren ganz gut damit!

Liebe Grüsse

SunnySunshine:razz1:
 

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