Tätigkeitsbericht Notaufnahme

Dieses Thema im Forum "Tätigkeitsberichte" wurde erstellt von Werner Rathgeber, 09.09.2005.

  1. Werner Rathgeber

    Werner Rathgeber Stammgast

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    Hallo @ all!
    Ich arbeite in der Zentralen Notaufnahme Bereich Innere Medizin eines Krankenhauses der Maximalversorgung und möchte Euch einen Tagesablauf schildern:

    Wir verfügen über zwei Aufnahmeräume mit jeweils drei Plätzen und zusätzlich über drei "Intensivplätze" auf die besonders kritische Patienten kommen (zb. zn.Krampfanfall, Chest-Pain, Intoxikationen:freakjoint: ). Alle diese Plätze verfügen über einen Monitor.
    Ein weiterer seperater Raum ist für Infektiöse Pat. gedacht (v.a. Mennigites,MRSA-wenn vorher bekannt)
    Die sich daran anschließende Station verfügt über 12 Betten, davon 9 mit Monitormöglichkeit, sowie ein 5 Matratzen, ja wirklich nur Matratzen, umfassendes "Aquarium",wo unsere reichlich vorhandenen Schluckspechte ihre 3 Promille und aufwärts unter Telemetrieüberwachung ausschlafen können.
    Hier haben wir viele "Stammgäste".
    Unsere Regelbesetzung sind 3 Pflegekräfte und 2 Ärzte,sowie tagsüber ein Oberarzt für die Station.
    Wir verlegen im Moment bis maximal Mitternacht auf die Normalstationen,
    so das alle Patienten, die später kommen ihre erste Nacht bei uns verbringen, ebenso wie Patienten die nur eine Nacht bei uns bleiben, wie z.b. Stromunfälle, Rauchgasintoxikationen usw.
    Außerdem bleiben Patienten bei uns, für die weitere Untersuchungen, wie Gastro, EEG oder Konsile geplant sind.
    Nach der morgendlichen Übergabe um 6 Uhr, werden die Patienten pflegerisch versorgt, ein Teil der Pat. kann nach ärztlicher Anweisung sofort auf die Sationen verlegt werden. Alle anderen kommen zu Untersuchungen oder werden nach der Oberarztvisite, die ab halb neun läuft, entlassen.
    Solange kein Pat. in den Aufnahmeräumen unsere Aufmerksamkeit benötigt, helfen wir dabei alle zusammen. Ansonsten ist einer in dieser Zeit für beide Aufnahmeräume zuständig.
    Gegen 10 Uhr beginnt der Hauptansturm und bis zur Übergabe an den Spätdienst kommt man meistens aus seinem Aufnahmeraum nicht mehr raus.
    Reicht der Platz vorne nicht mehr aus, haben wir auch die Option, Patienten auf freien Bettplätzen der Station aufzunehmen.
    Die pflegerische Aufnahmeroutine nach der Übergabe durch den Rettungsdienst, die übrigens bei uns i m m e r an den aufnehmenden Arzt und die Pflegekraft gemacht wird, beinhaltet Vitalwerte und ein EKG, sowie bei entsprechenden Krankheitsbildern auch U-Status und B-HCG im Urin.
    Überwachungspflichtige Patienen werden an den Monitor angeschlossen, Papierkram beschränkt sich bei uns auf Kurvenführung und ausdrucken von Laborzetteln. Für den Rest is der Doc zuständig.
    Ach ja, ein Wertsachennachweis bei bewußtlosen Pat.( Alkohol,Intox,Apoplex....)
    gehört auch noch dazu!
    Sollte sich herausstellen, das ein Patient intensivpflchtig ist, organisiert der Doc einen Platz und der Patient wird mit Monitor, Sauerstoff, Defi und Notfallrucksack
    mit Arzt und Pflegekraft auf die ca. 500 m entfernte Station gebracht.
    Für Fahrten zu Röngten,Gastro, Verlegungen, usw. haben wir einen eigenen Fahrdienst, der nur für uns zuständig ist.:king:
    Für Pat. die nach der Diagostik stationär aufgenommen werden, suchen wir einen Platz nach möglichkeit auf einer fachspezifischen Station und melden sie dort telefonisch mit Namen,Pflegestufe und vorläufiger Diagnose an.
    Sollte auf einer Fachstation kein Platz sein, wird er/sie auf eine andere Station verlegt.
    Wartet ein Patient auf Konsile oder Laborkontrollen, wird er in Absprache mit Arzt und Pflegekraft auf unsere Station verlegt und dort weiter betreut.
    Übergabe an den Spätdienst erfolgt um 12:20 Uhr, dann gehst in die Mittagspause!!:daumen:
    Nach der Pause ist der Frühdienst für Nebenarbeiten wie auffüllen,Bestellungen,Steri etc.. zuständig, wenn die Aufnahmeräume nicht nach Hilfe rufen!
    Der Spätdienst ist ab 14:12 Uhr auf sich allein gestellt, die Pausenablösung erfolgt nach Absprache und Pat.aufkommen durch den Stationsdienst.
    Übergabe an den Nachtdienst erfolgt um 20:20 Uhr.
    In der Nacht gehts genauso weiter wie am Tag.
    Ab Mitternacht füllen sich die Plätze der Station meistens sehr schnell!
    So das dem Frühdienst ab sechse nicht langweilig wird!:lol:

    So das wars!
    Warte gespannt auf Eure Reaktionen!
    Viele Grüße
    Werner
     
    flexi gefällt das.
  2. Nutella Woman

    Nutella Woman Poweruser

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    Läuft die Übergabe auf die Fachstationen immer problemlos ab? Kenne das nur so, daß das PP meckert wie die Kesselflicker und keine Patienten übernehmen will... besonders Pflegepatienten sind sehr unbeliebt...Außerdem wollen sie voll ausgearbeitete Kurven und Anordnungen haben. Macht ihr das auch?? Respekt, daß ihr bis Mitternacht verlegt - bei uns wurde nur bis 20 Uhr verlegt... :wink:

    Die jetzt nicht mehr auf einer Aufnahmestation arbeitende,
    Nutella Woman
     
  3. missedpig

    missedpig Junior-Mitglied

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    Moin Moin!

    Die Problematik mit der Verlegung kenn ich auch sehr gut. Betten sind frei aber die Kolllegen wollen keinen "Pflegefall", speziell in der Inneren ein kühner Wunsch!
    Habt Ihr die Möglichkeit über Computer rauszufinden wo wer Betten frei hat? Wir wurden da auch oft belogen.

    Grüße Misse (die auch nicht mehr auf der Aufnahme arbeitet)
     
  4. Maniac

    Maniac Poweruser

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    "Ihr" wollt einem ja auch nicht glauben, da krieg ich immer die Krise am Tel.

    Hallo, habt ihr n Männerbett frei? Appendix...
    Hi. Nö, nur Privat
    Glaub ich nicht, was ist mit 3??
    Nee, da können wir nicht belegen.
    Warum?
    (ich schon leicht genervt - was geht sie das an!?) Präfinal.
    Aha, und 14
    infiziert ...
    Na gut, tschüss...
    Tschüss...

    Wie man sieht kann bei uns jeder gucken welche betten belegt sind und welche nicht...
    Es sei erwähnt das wir jetzt nach der Renovierung nur noch 2er Zimmer haben.
     
  5. missedpig

    missedpig Junior-Mitglied

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    Moin Moin!
    Tut mir Leid Maniac, wollte Dir nicht auf'n Schlips treten. Wie immer gibt es zwei Seiten und die Mitte ist wahrscheinlich richtig. Wenn die Patienten schon im Flur übernachten und man für die Versorgung noch 2 Leute mehr bräuchte ist die Verzweiflung groß und jedes Nein von den Stationen ein Schlag ins Gesicht:boxen: . Umgekehrt können die sich auch keine Betten aus'm Ärmel zaubern aber man wünscht es wäre so!

    Lg Misse
     
  6. Maniac

    Maniac Poweruser

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    hab ich auch nicht so aufgefasst :-)

    wollte nur wie du schon sagst die andre Seite mit einbringen!

    Du hast sicher recht mit deiner Aussage - in beide Richtungen!
     
  7. silveryshine

    silveryshine Junior-Mitglied

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    @ Werner Rathgeber:
    Sehr interessanter und informativer Beitrag!

    Ich selber war nur 5 Wochen während meiner Ausbildung in der Zentralen Notaufnahme und seitdem weiß ich - DAS ist es! Mir hat der Einsatz so gut gefallen, dass ich unbedingt in einer Notaufnahme arbeiten möchte.
    Mittlerweile bin ich examiniert und arbeite auf einer Neurologie/ Stroke Unit. ist zwar auch recht interessant und spannend, aber ich möchte dort nicht bleiben. Mit dieser Entscheidung habe ich zwar lange gerungen, aber nun doch vor ein paar Tagen Versetzungsantrag gestellt. Vielleicht wird ja mein Traum bald war, dann kann ich euch mal berichten, wie es bei uns läuft! ein bisschen zittere ich ja schon, bin ja noch in der Probezeit...

    Viele Grüße
     
  8. Mobitz

    Mobitz Poweruser

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    Da würde mich mal etwas interessieren. Welche Qualifikation haben diese Mitarbeiter denn.
    Inwieweit sind sie im Notfallmanagement geschult.

    Ansonsten: Sehr interessanter Bericht.
     
  9. Werner Rathgeber

    Werner Rathgeber Stammgast

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    Hallo,
    unsere "alten" Fahrdienstler haben meines Wissens alle einen 4 Wochen Pflegehelferkurs absolviert, bei den Zivis weiß ich es leider nicht.
    Pat. nach Gastro, die Dormicum bekommen haben müssen von einer examinierten Pflegekraft abgeholt werden.
    Nach einem ordentlichen, schriftlichen Rüffel unserer Pflegedirektion lassen sich für die meisten (Pflege-)Patienten auch innerhalb von 3 bis 5 Telefonaten Plätze finden. Allerdings gehen wir auch auf Wünsche ein, wenn z.b. ein Patient erst ein paar Stunden später kommen soll. Dies geht aber auch nur, weil wir über mehrere Bettplätze auf unserer Station verfügen.
    Viele Grüße
    Werner
     
  10. spielemann

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    Hallo Werner Rathgeber,
    mich interessiert der Artikel zur Aufnahmestation.
    Wir betreiben seit 2 Jahren auch eine Aufnahmestation, seit 4 Monaten in neuen Räumen.
    Es gibt leider immer wieder Probleme, unteranderem mit der pflegerischen Besetzung.
    Unsere Aufnahmestation besteht aus 3 Untersuchungsräumen und 5 Zimmern mit insgesammt 12 Betten.
    Wir sind besetzt mit 4 Pflegekräften und einer Stationssekretärin im Frühdienst und ebenso im Spätdienst. Im Nachtdienst sind 2 Pflegekräfte anwesend.
    Bei uns werden alle internistischen Patienten die in das Haus kommen versorgt.
    Das sind pro Tag im Schnitt 50 Patienten. Bei diesen wird Standardmäßig immer ein EKG, RR, Fiebermessung, Blutentnahme und eine Pflegeanamnese durchgeführt.
    Alle Patienten die auf der Aufnahmestation versorgt werden werden dort durch das Personal auch administrativ aufgenommen.
    Im Untersuchungsbereich wird entschieden, ob der Patient auf dem Bettenbereich der Aufnahmestation weiterversorgt werden muß oder ob er auf eine weiterführende Station verlegt werden kann.
    Wenn der Patient im Bettenbereich der Aufnahmestation verbleibt und evtl. an das Monitoring angeschlossen werden muß ( 6 Monitorplätze ), wird für den Patient eine komplette Kurve angelegt und alle restlichen Dokumentationstätigkeiten durchgeführt. Erweiterte Pflegeanamnese, Pflegeplanung, Wunddokumentation, Bradenscala etc.
    Dann werden vom Bettenführenden Bereich alle Tätigkeiten gemacht die sonst auch auf einer Station erfüllt werden.
    Wir haben für Transporte zur Diagnostik etc. Tagüber einen eigenen Transportdienst.
    Der Verbleib der Patienten soll nicht länger als 24 Stunden sein, durchschnittlich ist der Verbleib ca. 12 Stunden es gibt aber auch mal Patienten die auch 3 Tage auf der Station betreut werden. Meist sind dies Intermediate Care Patienten und sehr Arbeitsaufwendig.
    Wie wird das bei euch gehandhabt.
    Wie ist es auch auf anderen Aufnahmestationen mit der personellen Besetzung.
    Grüsse
    Axel
     
  11. Werner Rathgeber

    Werner Rathgeber Stammgast

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    Hallo Axel,

    wie in meinem Bericht steht, verfügen wir über 9 Aufnahmeplätze, diese können bei Bedarf am Tage jedoch bis auf auf 14 Plätze erweitert werden.
    Diese zusätzlichen 5 Patienten kommen in zwei Zimmer der Aufnahmestation, in denen sich alles benötigte Material befindet.

    Es darf sich hierbei allerdings nicht um schwerkranke Patienten handeln, sondern um eher "profane" Krankheiten wie v.a.Pneumonie etc.

    Die Patienen bleiben bis nach dem Eintreffen der Laborwerte und den Abschluß der ärztlichen Untersuchung auf ihren Stellplätzen. Danach werden sie, naürlich nach Absprache mit dem Arzt, entweder auf eine Fachstation verlegt oder kommen auf unsere Aufnahmestation wo sie entweder auf Konsile warten oder am nächsten morgen auf die Fachstationen verlegt werden.

    Intensivpflichtige Patienten werden nach Rücksprache mit der ICU jederzeit verlegt.

    Als "besonderen Service" behalten wir Patienten für die Allgemeinstationen auch mal ein paar Stunden länger, wenn das Bett noch nicht zur Verfügung steht.

    Krampfanfälle, Stromunfälle sowie Intoxikationen werden in den meisten Fällen auf unserer Station versorgt und überwacht.

    Auch Patienten, die direkt von einer Station einbestellt werden ( hauptsächlich Nephro- und Onkologie ) werden nach vorheriger Anmeldung durch die aufnehmende Station bei uns mit Blutabnahme, EKG und Röngten versorgt und dann ohne die Befunde abzuwarten auf die Station verlegt.- Service is our success!

    Außerdem veranlassen wir Röngtenaufnahmen für die Ärztliche Bereitschaftspraxis oder schreiben EKG`s für die Alkoholentzugsstation, die sich bei uns auf dem Gelände befindet, aber dem Bezirk gehört.

    Pflegeanamese oder -planung findet bei uns in der Aufnahme nicht statt, da alle Fachstationen unterschiedliche Schwerpunkte setzten.
    Allerdings informieren wir unsere Pflegeüberleitung per Formblatt, wenn wir einen Patienten mit Versorgungsproblemen (z.b. Wohnngsöffnung) aufnehmen.

    Ich hoffe, das ich Deine Fragen alle beantworten konnte!

    Viele Grüße aus München nach Kiel!

    Werner
     
  12. spielemann

    spielemann Senior-Mitglied

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    Hallo Werner,
    ich habe doch noch ein paar Fragen.

    Wie liegen die Patienten auf ihren Stellplätzen?
    Liegen sie im Bett und sind entkleidet (Nachthemd, Krankenhaushemd)?
    Werden die Patienten bei Bedarf gelagert?
    Wird bei Bedarf eine ZVD-Meßung durchgeführt?
    Werden chronische Wunden behandelt, Fotodokumentation, Wunddokumentation etc.?


    Wieviele Zugänge bekommt ihr pro Tag?
    Wieviele Patienten bekommt ihr in Hochphasen in der Stunde?

    Bis zur Entlassung nach 24 Stunden?

    Wie klappt es Patienten auf den Stationen "los" zu werden? Bei uns ist Bettennot ein Standardbegriff, viele Patienten liegen Stundenweise auf dem Flur, bis ein anderer Patient entlassen wurde. Somit ist die Lust Patienten zu bekommen nicht recht gross.

    Wie werden Informationen des Rettungsdienstes übergeben und wie wird die pflegerische Leistung/ Aktivitäten an dem Patienten dokumentiert?

    Schon mal im Vorraus Danke für die Antworten
    Grüsse
    Axel
     
  13. Werner Rathgeber

    Werner Rathgeber Stammgast

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    Hallo Axel,

    Wir haben durchschnittlich ca. 55 Patienten pro Tag, wobei die Spitze bei 78 Patienten liegt, von denen 7 Intensivpflichtig waren.
    Der Patientenandrang ist sehr unterschiedlich: von null in drei Sunden bis zu 8 in 10 Minuten habe ich schon alles erlebt.

    Die Patienten werden vom Rettungsdienst auf unsere Stryker-Liegen umgelagert, von denen wir 35 Stück zur Verfügung haben.
    Auf diesen Liegen bleiben die Patienten bis zur Verlegung auf Station bzw. bei ambulanten Patienten bis zur Entlassung.

    Pflegepatienten werden, sollten sie länger auf der Liege liegen, gelagert. Allerdings nicht strikt nach Plan, sondern nach zeitlicher Möglichkeit.
    Die durchschnittliche Verweildauer von Patienten, die in die Peripherie verlegt werden beträgt 2 Std 30 min.

    Der Rettungsdienst übergibt die Patienten immer an einen Arzt und ein Durchschlag des RTW-Protokolls bleibt bei den Patientenunterlagen.
    Alle Patientenunterlagen werden in einer mit dem Patientennamen beschrifteten Box gesammelt und bei der Verlegung in einem Briefumschlag mitgegeben.

    Auf unserer Aufnahmekurve werden alle Medis und Maßnahmen, sowie Zustandsveränderungen und auch Abwesenheiten des Patienten ( zu Untersuchungen) mit Uhrzeit und Handzeichen dokumentiert.
    Ebenso der Ist-Zustand des Patienten bei Aufnahme.
    Eine Stocker-Kurve wird nur angelegt, wenn der Patient bei uns
    bleibt.

    Der Großteil der Übergaben und Protokolle ist jedoch sehr schlecht, so das der Doc oft ganz von vorne mit der Anamese anfangen darf. (Ich fahre selber ehrenamtlich als Rettungsassistent, drum kann ich das beurteilen.)

    Entkleidet und in ein Flügelhemd, Eigentumsnachweis und Identband versehen werden bei uns nur A3-Patienten, sehr zum Ärger unserer Intensivstationen, die dies bei jedem Patienten machen.
    Aber dafür gibt es dort einen extra Aufnahmedienst!

    Fotodokumentation können wir leider nicht mehr machen, da unsere Polaroidkamera den Geist aufgegeben hat. Die Verwaltung sagt es gibt keine neue, weil zu teuer!

    Ein MRSA-Screening wird bei jedem Patienten mit MRSA-Anamese, sowie bei Altenheimbewohnern und multimorbiden Patienten durchgeführt.
    Glücklicherweise verfügen wir über einen seperaten Aufnahmeraum für infektiöse Patienten aller Art und im SAP erscheint eine Warnung,wenn der Patient bei uns im Haus bekannt ist.

    ZVD- Messung erfordert einen zentralen Zugang, den die meisten unserer Ärzte mangels Übung gar nicht legen können. Sollte ein ZVK bei uns erforderlich sein, so wird die Anästhesie angerufen, die in legt. Dies habe ich bisher nur ein mal erlebt.

    Stromschläge, Räusche aller Art, Intoxikationen, bleiben, sofern sie nicht intensivpflichtig sind oder werden, auf unserer Aufnahmestation bis zur Entlassung.

    Die Verlegungen auf die Stationen funktioniert meistens.
    Es gibt Beschlüsse der Krankenhausleitung wonach jedes freie Bett von uns belegt werden kann ohne Rücksicht auf die Fachrichtung und die Pflegestufe.
    Auch ist es möglich internistische Patienten auf chirugische Stationen zu verlegen.

    Vor kurzem habe ich eine Frau mit einem chronischen subduralem Hämatom, bei dem die Neurochirugen nicht operieren wollten, direkt auf die physikalische Medizin verlegt. Passt doch oder?

    Wir versuchen jedoch immer sowohl fachspezifisch als auch nach Pflegestufen
    zu verlegen.

    Im Gegenzug übernehmen wir bei Bettenmangel auch chirugische Patienten
    über Nacht.

    Sollte es größere Probleme geben haben wird jederzeit die Möglichkeit eine PDL über Händy zu erreichen.

    Stehe für weitere Fragen gerne zur Verfügung!

    Viele Grüße

    Werner
     
  14. spielemann

    spielemann Senior-Mitglied

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    Hallo Werner,
    ich würde gerne wissen, wie ihr 25 bis 30 Patienten, davon vielleicht 3 - 4 Patienten Intensivpflichtig, pro Schicht mit 3 Pflegekräften versorgt?
    Ich kann mir das nicht recht vorstellen. Wir sind 4 Pflegekräfte bei ungefähr ähnlich vielen Patienten und schaffen die Arbeit häufig nicht in dem Umfang wie es erwartet wird.
    Grüsse
    Axel
     
  15. Werner Rathgeber

    Werner Rathgeber Stammgast

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    Hallo Axel,

    kommt darauf an, was von Euch erwartet wird. ( Und vor allem, wer was von Euch erwartet!)

    Eins ist klar: Bei dieser Patientenanzahl kannst Du keinen Pat. "satt und sauber",mit allem versorgt (incl. Pflegeplanung) auf die Stationen verlegen.

    Dies ist aber auch nicht von uns verlangt.

    An erster Stelle stehen bei uns Vitalzeichenkontrolle, sowie ein EKG.
    Meist beginnt bei uns die Pflege, da der Arzt noch mit einem
    anderen Patienten beschäftigt ist.

    Bei den Übergaben durch den Rettungsdienst ist immer der Arzt mit dabei, so das er besondere Wünsche wie Monitorüberwachung oder besondere Blutabnahmen sofort anordnen kann.

    Bei Kranheitsbildern wie z.b. "Chest- Pain", z.n. Krampfanfall, Intoxikationen....
    ist Monitorüberwachung eh obligat.

    Mit einer "kleinen" Pflegeanamnese ( Tel. von Angehörigen, Versorgung, vorhandene Dekubiti) sind die wichtigsten Tätigkeiten am Patienten meist nach ca. einer viertelstunde getan. Ab zum nächsten!!!

    Patienten, die auf Untersuchungen warten, werden nach Rücksprache mit dem Arzt auf unsere Station gelegt. Hier sind zwei Zimmer für "Warteschleifen" reserviert.

    Wir sind in der (Un)glücklichen Lage, das wir jede Woche mindenstens
    2 Rettungsdienstpraktikanten bei uns zu Gast haben.
    Diese sind (wenn entsprechend fitt und motiviert) eine große Hilfe, da sie bei hohen Andrang fleißig mithelfen dürfen. Egal ob als Fahrdienst oder zum EKG
    schreiben.

    Ist einer mit einer Intensivfahrt unterwegs, übernehmen die anderen zwei
    die restlichen Patienten. Hier kommt es aber auch durchaus mal vor, das Patienten etwas länger warten müssen.

    Wenn alle Planstellen demnächst besetzt sind, können wir mit 4/4/3 Besetzung arbeiten.

    So, das wars!

    Viele Grüße
    Werner
     
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