Tätigkeitsbericht: Kinderintensivstation

Dieses Thema im Forum "Tätigkeitsberichte" wurde erstellt von Gaby, 09.06.2002.

  1. Gaby

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    Tatigkeitsbeicht/Kinderintensivstation

    7 Uhr:

    Allgemeine Patientenübergabe vom Nachtdienst an den Tagdienst am Schwesternstützpunkt. Der Nachtdienst stellt die Kinder mit Namen, Diagnose, Alter und Positionsnummer vor. Er berichtet über besondere Vorkommnisse und gibt und gibt einen groben Überblick vom Krankheitsverlauf. Kennen alle anwesenden die Pat. dann fällt die Übergabe oberflächlicher aus. Der Nachtdienst berichtet über pflegerische Besonderheiten z. B. wenn ein Patient sehr unruhig war, oder ein Patiententransport geplant ist. Aufgrund dieser Übergabe wird die Zimmeraufteilung entschieden. Bei voller Belegung der Station (8-Betten, zwei Patientenzimmer) kommen in jedes Zimmer drei Schwestern. Schüler haben ihre Bezugsperson. Jede Pflegeperson sucht sich ihren/ihre Patienten selbst aus, Priorität haben diejenigen, die bereits ihren zweiten Tagdienst haben.

    7 Uhr 15:

    Patientenübergabe im Zimmer beim Patienten. Ausnahme größere Kinder. Bei größeren wachen Kindern wo es keine Probleme gibt, oder die Kinder es wünschen findet die Dienstübergabe ebenfalls beim Pat. statt. Gegebenenfalls kann man sich dann noch draußen am Stützpunkt weiter austauschen.

    Wir arbeiten mit 5 verschiedenen Patientenblättern.

    Haemodynamikblatt:

    - Kreislaufsituation, (Herzfrequenz, RR – wie gemessen wurde), ZVD, Temperatur (wie gemessen) LAP, PAP, ICP, ...
    - Beatmung – welche Beatmung, wie lange der Patient schon so beatmet ist, wurden in der letzten Zeit Beatmungsparameter verändert? Wie sehen die Blutgase aus? Wie die Elyte? Wie sieht die Sättigung an der Pulsoxy. aus?

    Bilanzblatt:
    - Wie viele Drainagen hat der Patient und wie viel fördern diese?
    - Harnmenge
    - Ein/Ausfuhr ...

    Ärztliches Blatt:

    - Enterale Ernährung – wie oft, wie viel?
    - Parenteral – welche Infusion? Laufgeschwindigkeit der Infusionen?
    - Bypässe,
    - I.v. Medikamente wie oft – Dosierung?
    - Orale Medikamente? ....

    Verordnungsblatt für den mitverantwortlichen Bereich:

    - Alarmgrenzen außerhalb der Normwerte
    - Drainagen Sog/Höhe
    - PM-Frequenz
    - Bilanzziel und noch vieles mehr.

    Pflegeblatt:

    - Arterie, Venflon, ZVK, Schrittmacherdrähte – wo liegen sie – wie lange?
    - Drainagen wie lange liegen sie – wie verbunden, womit gepinselt?
    - Angabe von Verbänden – wie wurden die Einstichstellen gereinigt?
    - Beatmung – welche Tubusgr.? Wo fixiert? Oral oder nasal? .....
    - Wann wurde der Patient das letzt mal gewaschen, das Bett gemacht?
    - Mund- Lippen- Nabel- Augenpflege

    Neurostatus:

    Gibt Auskunft über Bewusstseinslage, Spontanatmung, Hustenreflex, wie die Pupillen reagieren, Bewegungsmuster des Patienten .....

    Lage des Patienten:

    Wann wurde das letzte mal gelagert? Wie? Besonderheiten? Wie reagiert der Patient darauf, was bevorzugt er.

    Verdauungstrakt:

    Welche Ernährung, wie verabreicht? Wie hat das Kind sein Fläschchen getrunken? Letzter Stuhl? Erbrechen? Wie sieht der Bauch aus? Windelwechsel .....

    Eigene Beobachtungsblätter gibt es für CAPD, Schädelhirntrauma. Ebenso ein eigenes Blatt wenn das Kind isst und trinkt.

    All das wird bei den Pflegerunden erledigt, kontrolliert und dokumentiert (einfach abhacken) Besonderheiten werden speziell dokumentiert.

    Im Anschluss an die Dienstübergabe kontrolliere ich die Alarmgrenzen des Monitors u. der Beatmungsmaschine. Arterie und ZVD werden kontrolliert und neu eingeeicht. Sogkontrolle bei den Drainagen.

    Falls ich den Patienten nicht kenne, lese ich mir die Pflegebericht und die ärztl. Dekurse durch.

    Um 8 Uhr beginnt die erste Pflegerunde. Die Visite beginnt ebenfalls um 8 Uhr. Je nach Patientenposition muss man sich seine Arbeit einteilen. Vor der Visite wird die Bilanz gerechnet, die i.v. Medikamente verabreicht. Die Laufgeschwindigkeit der Infusionen und Bypässe kontrolliert. Augen- und Mundpflege beim spedierten/relaxierten Patienten, Kontrolle ob der Patient abzusaugen ist. Die Patienten werden auf den Rücken gelegt bzw. wenn sie am Rücken liegen bis nach der Visite. (zum Röntgen oder Ev. Drainageentfernen so liegen gelassen). Munteren Patienten stellt man sich natürlich vor – bzw. wird vom Nachtdienst vorgestellt. Nachfragen ob sie etwas benötigen.

    Nach der Visite wird die Blutabnahme gemacht. Meist ändert sich bei der Visite noch einiges und daher macht es wenig Sinn diese vorher zu machen. Nach der Visite werden angeforderte Thoraxröntgen von den Röntgenassistenten gemacht.
    Es dauert ein wenig, bis wir die Röntgenbilder auf die Station bekommen. Sobald wir die Bilder haben findet die Röntgenvisite statt.

    Bei kleinen Kindern unter 2 Jahren ist dreistündlich Pflegrunde u. Bilanz. Bei größeren Kindern 4 stündlich.

    Bei Kindern unter 2 Jahren haben wir 3 stündliche Pflegerunden (8-11-14-17-20-23-2-5 Uhr bei größeren Kindern 4 stündliche Pflegerunden (8-12-16-20-24-4). Soweit die Vorgabe. Bei munteren oder Kinder die im Aufwachen sind verhält es sich natürlich ein wenig anders. Auf diese Kinder muss man natürlich individueller eingehen. Soweit die Kinder es benötigen gibt es natürlich unendlich viele Abweichungen von diesen Zeiten. Das ganze wird halt dann dementsprechend dokumentiert.

    Die Kinder werden bei uns am Vormittag gewaschen und die Verbände neu gemacht. Manchesmal warten wir mit dem waschen und eincremen auf die Eltern.

    Bekommen wir eine geplante Aufnahme, sprechen wir uns mit der Station wohin unsere Kinder gehen ab und transferieren sie dann zum besprochenen Zeitpunkt.

    Im Anschluss daran die Patientenposition neu aufgerüstet, ja nach Erkrankung und Alter des Kindes. Ein Patientenbett wird hergerichtet.

    Handelt es sich um Kinder die wir nach einer Herzoperation abholen, wird abgeklärt wer den Transport macht. Wir wechseln uns monatsweise ab. Ein Monat bekommen wir die Kinder mit Anästhesisten und Anästhesiesr./pfl. An die Station, im nächsten Monat fahren wir die Transporte.

    Um 10 Uhr beginnt bei uns die Besuchzeit. Die Eltern können dann bis 19 Uhr bei ihren Kindern bleiben. Sind zwischendr. Eingriffe nötig, oder kommt eine Aufnahme müssen die Eltern das Zimmer verlassen. Da dies leider oft länger dauert. Sind viele Eltern dann sehr verärgert. Die Eltern haben natürlich sehr viele Fragen, viele möchten eine ärztl. Auskunft – der Arzt muss verständigt werden.

    Sehr selten haben wir Kinder die etwas zum Essen bekommen – das müssen wir von der Nachbarstation kommen lassen. Babynahrung wird in der Milchküche bestellt.

    Für die Infusionen ist ein eigener Infusionsdienst zuständig, jeden Tag ein anderer aus dem Team. Der Infusionsdienst dauert 6 Stunden. Dieser richtet die Infusionen u. Bypässe für die Station. Umgehängt wird einmal in 24 Stunden. Bei kleinen Kindern unter 2 Jahren um 17 Uhr und bei größeren Kindern um 16 Uhr.

    Am Abend erledigt einer aus dem Zimmer dann die ganzen Nebenarbeiten. Der Notfallswagen wird kontrolliert, Absaugschläuche nachgefüllt ....

    Am Abend schreiben wir dann unsere Pflegeberichte und dokumentieren alles, was nicht in den Kurven ersichtlich.

    Um 19 Uhr haben wir dann Dienstübergabe. Der Nachtdienst übernimmt die Kinder. Gegen 19:30 haben wir es dann geschafft.

    So läuft es bei uns, liebe Grüße aus Wien

    Wenn Fragen habt, meldet euch

    Gaby
     
  2. Rabenzahn

    Rabenzahn Poweruser

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    Beruf:
    AN-Pfleger
    Ort:
    Kassel
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    in Rente
    Hallo Gaby,

    das ist ein bärenstarker Bericht, auf dem sich die lange Wartezeit gelohnt hat. Er ist so umfangreich und interessant. Gleichzeitig gibt es so viele Fragen die ich jetzt gar nicht alle stellen kann.
    Gratulation :lol:
    Es wäre schön, wenn auch andere Kolleginnen und Kollegen so informativ schreiben würde.

    Wegen meinen vielen Fragen melde ich mich dann.

    :lol: :lol: SUPER
     
  3. Kps2001

    Kps2001 Stammgast

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    203
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    0
    Ich muß Rabenzahn Recht geben...

    Bin ja erst im ersten Ausbildungsjahr, habe weder von der Intensivstation noch von Kinderpflege Ahnung, aber das war für mich verständlich... Auch die Ausführungen zu Euren Patientenblättern finde ich sehr gut! Ich finde hier zeigt sich schon der Vorteil Eurer 12h Schichten ... Ihr wißt, was den ganzen Tag über gewesen ist und seid in Eurer Arbeit somit sicherer und flexibler, was den Patienten sicher nur zu Gute kommt!

    Klasse! :D :D
     
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