Tachypnoe bei Wachkoma

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Neurologie / Neurochirurgie" wurde erstellt von Blackcat, 08.04.2011.

  1. Blackcat

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    hallöle!
    zur abwechslung hab ich mal ne fachliche frage an euch.....
    meine wachkoma-patientin entwickelt von zeit zu zeit tachypnoen, vermehrtes schwitzen, tw auch tachykardien bis 112- dies passiert tw "aus dem Nichts heraus", manchmal, nachdem man sie auf die ihr eher unliebe rechte seite gelagert hat.
    ihr vater versucht dies nun durch vermehrte Inhalation in den griff zu bekommen (für mich eher nicht logisch), die mutter versucht es schonmal mit bürstenmassagen, was schon eher zu klappen scheint. manchmal hilft auch ein lagern auf die linke seite.
    mich würde in diesem zusammenhang mal die ursache interessieren.
    ich persönlich vermute ja einen zusammenhang durch den hypoxischen hirnschaden, den meine patientin erlitten hat, WRZ, Atemzentrum etc.
    kann mir das evtl. jemand bestätigen bzw mir die genauen zusammenhänge erklären?? vielleicht auch tips geben, was man machen kann, um diesen zustand zu verbessern??
    mein problem ist ja eigentlich nicht meine patientin, sondern vielmehr der vater, der mit dieser situation gar nicht zurecht kommt, völlig hilflos ist und meine patientin durch hektisches zureden versucht, zu beruhigen, was natürlich keinen wirklichen erfolg zeigt. zumal er diese atmung auf die angebliche nervosität meiner patientin schiebt, was ich so nicht bestätigen kann.
    vielleicht kann ich ihm ja einmal die zusammenhänge erklären. auch wenn der bruder der patientin neurologe ist, auch er hat da wenig möglichkeiten, auf den vater einzuwirken.... :-(
    hab zwar da recht wenig hoffnung, dass es was bringt, aber versuchen kann man es ja mal.....
    für eure tips und erklärungen bin ich euch jetzt schon dankbar....
    nach solchen nächten wie heute bin ich auch immer völlig platt, weil ich neben meiner patientin auch meistens noch den vater betreuen und beruhigen darf.....mit nur geringstem erfolg......bei beiden....^^

    lg die cat
     
  2. Julien

    Julien Poweruser
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    Ich kenne deine Patientin nicht, aber rein von den Symptomen, und da es ja öfter beim Lagern auf die rechte Seite passiert... Mal an Schmerzen gedacht?
     
  3. Valnir

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    Guten Morgen,
    das war auch die Richtung in die meine Gedanken gingen. Ich habe öfter Pat. mit Hirnschäden gepflegt und ebenso oft gehabt, daß diese aus dem Nichts heraus Tachykardien, Tachypnoen und vermehrtes Schwitzen entwickelt haben. Sicherlich kann das auch eine Fehlfunktion im Atemzentrum zur Ursache haben aber in den meisten Fällen war es Stress oder Schmerzen bzw. das Erstere resultierend aus dem Zweiteren.
    Zumeist habe ich ersmal geschaut in welchen Situationen das vermehrt auftritt, hier hast du ja schon einen Ansatzpunkt. Die ungeliebte rechte Seite.

    Die Möglichkeiten dagegen etwas zu machen sind natürlich begrenzt. Entweder eine vernünftige Schmerztherapie oder die rechte Seite zu meiden, was aufgrund der Dekubitusprophylaxe wohl eher nicht in Frage kommt bzw. sehr genau abgewogen werden muss.
    Vielleicht kann man auch versuchen der Situation den Stress zu nehmen in dem man eine Atmosphäre schafft in der sie sich Wohl fühlt. (Musik, Gerüche, Lichtverhältnisse)

    Was den Vater betrifft - Hmmm... Was du erzählst klingt wirklich nicht förderlich, betreffend der Inhalation (Mit welchen Medis?) könnte man dem Vater sagen daß ein zuviel an Inhalation ebenso Schaden verursachen kann wie ein zu wenig. Ansonsten mal ein Vieraugen Gespräch suchen und diese Situation durchsprechen um gemeinsam einen Lösungsansatz zu finden. Für ihn ist das sicherlich auch eine Stresssituation, derweil ich nicht weiß wie er Tachypnoen und Tachykardien auffasst. Für Laien ist das ja erstmal "gefährlich". Ihm da zu erklären daß eine Frequenz von 112 nicht schädlich ist und Tachypnoen von (ich sag jetzt einfach mal) 26/Min ebenfalls nicht schädlich sind könnte vielleicht auch helfen.

    Ich kann nachvollziehen, daß hier der Vater mehr Probleme bereitet als die Patientin selbst, im KH war es immer angenehm, da man solche Leute einfach mal aus dem Zimmer schicken konnte. Vielleicht konnte ich dir etwas Helfen, vielleicht können das auch noch andere.

    mfg Val
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Die Tachypnoe und das Schwitzen sind eine Form der nonverbalen Kommunikation- sind also net unbedingt organisch verursacht.

    Was jetzt genau der Auslöser ist- kann man leider nur mutmaßen, da du net nachfragen kannst.
    Lagerung genau beobachten. Verschwindet die Tachypnoe, wenn du sie zurückdrehst.

    Der Vater will helfen. Er scheint instinktiv wahrzunehmen, dass da was net stimmt. nur- er zieht die falschen Schlussfolgerungen. Offensichtlich hat man ihm beigebracht, dass Tachypnoe und Schwitzen nur bei einer Hyperkapnie auftreten.
    Vater aufklären. Dabei Beispiele wählen, die er ev. aus dem Alltag kennt. Die Folgen dieser Aufklärung mit beachten. Es ist net unbedingt einfach zu begreifen, dass derjenige kommuniziert.

    Beschäftige dich mal mit BasStim. Net nur mit den Pflegehandlungen sondern mit den Hintergrundsgedanken. Stichwort: somatischer Dialog, Wahrnehmungspsychologie, Neurowissenschaften.

    Elisabeth

    PS Welche Vorkenntnisse bringts du mit bei der Betreuung diseses Pat.? Hast du schon ein Basisseminar BasStim besucht?
     
  5. Blackcat

    Blackcat Senior-Mitglied

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    hey - danke soweit für eure antworten!
    ja, manchmal verschwindet die atmung und auch das schwitzen, wenn ich sie wieder links lagere. tw lasse ich sie auch nur 1 h auf der rechten seite liegen, aber manchmal geht das eben nicht, gerade, wenn ich sie eben erst rechts gelagert habe. und oft ist es eben so, dass genau dann der vater runterkommt um nach dem rechten zu sehen.... :-( blöd dann....
    schmerzen könnten sicher auch eine ursache sein - die frage ist nur: wo??^^ ich kann se ja schlecht prophylaktisch mit voltaren eincremen am ganzen körper..... evtl. kann ich ja mal nen versuch mit novalgintropfen machen, die hat se ja eh in der medarfsmedikation. sicherlich ist das nicht DIE lösung aber vielleicht hilft es ja bei der problemfindung. sollte die symptomatik nicht verschwinden, sind es vielleicht ws keine schmerzen.... oder??
    basale stimulation habe ich in der ausbildung kennengelernt. leider habe ich dazu noch keine fb besuchen können, ich hatte erst eine kinästhetik-fb - auch ganz nett, hilft mir aber in diesem fall nicht so wirklich weiter...leider....
    werde aber mal im team anregen, dass wir mal ne fb zu diesem thema bekommen....ne tracheostoma-FB wäre in diesem zusammenhang auch mal ganz nett, aber das ist nen anderes thema....die werde ich wohl mal demnächst privat machen....
    ja, ihr vater ist wirklich nen schwieriger fall. habe schonmal versucht, ihm zu erklären, dass dies eine folge des hypox.hirnschadens ist, da ist er völlig unter die decke gegangen und hat mir unfähigkeit unterstellt.
    sicherlich ist das auch nur ein ausdruck seiner eigenen hilflosigkeit, da seine versuche, die tochter zu beruhigen, oft auch scheitern.
    bzw er folgert aus seinem aktionismus und dem verschwinden der symptomatik den erfolg seiner endlosen inhalationen. ist nat. quatsch, aber das kann man ihm leider nicht sagen, das will er nicht hören und kann es auch nicht verstehen.
    ich kann es mir nur so erklären, dass inhalation (mit NACL),das einzige ist, was er überhaupt aktiv an seiner tochter machen kann, was dann auch einen sichtbaren erfolg (absaugen von sekret bzw inhalationsflüssigkeit) hat.
    so kommt er dann immer wieder auf dieses mittel zurück, auch wenn es bei tachypnoen und starkem schwitzen keinen erfolg bringt.
    so versuche ich es mir immer zu erklären.
    er ist auch richtig verzweifelt, fleht mich quasi an, das schwitzen und diese atmung zum verschwinden zu bringen, was ich natürlich mal eben so auch nicht kann. leider.....hab ich ihm ja auch schon gesagt, aber das kann er im moment so nicht verstehen.
    ich denke oft, was für ein glück ich habe, dass ich persönlich nicht in so einer sit. bin, die aushalten muss und nicht wirklich etwas an dem leiden der tochter bewirken kann...
    aber das ist ja ein anderes thema, auch wenn es sicherlich in diesem zusammenhang zu beachten ist....

    lg cat
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich würde als Angehörige auch den Aufstand proben, wenn du mir erklären wolltest, dass das vegetative Entgleisungen sind- ich aber gesehen habe, dass bestimmte Maßnahmen Erfolg zeitigen.
    Wie schon geschrieben: er erfasst instinktiv, dass was net stimmt. Er will helfen. Leider scheint er bis jetzt nur somatisch orientierte PKs/Ärzte kennen gelernt zu haben. So orientiert er sich (wie du übrigens auch) an den Möglichkeiten Organe zu beeinflussen.

    Er braucht ne Anleitung. Da machen sich die basalen Pflegehandlungen sehr gut. Weise ihn darin ein.

    Hier ein interessanter Link: www.a-zieger.de | Prof. apl. Dr. med. Andreas Zieger . Die Homepage ist durchaus auch geeignet für den Vater.

    Vielleicht hat einer deine Kollegen bereist dieses Buch: Wachkoma von Peter Nydahl (Hg.) - Buch portofrei bei Weltbild.de kaufen

    Kurze Erklärung zum Thema Nonverbale Kommunikation: http://www.wachkoma.it/projekte/pdf/broschuere.pdf

    Skala Expressive Kommunikation und Selbstaktualisierung (SEKS) >>> http://www.a-zieger.de/Dateien/Vortraege/HandoutANIMKlagenfurt2005.pdf S. 8-10


    Elisabeth


    PS Habt ihr irgendwas in der Versorgung geändert? Haben Pflegekräfte gewechselt? Treten die Probs unabhängig vom Personal auf, meint: egal, wer da ist?
    Woran liegt es, dass plötzlich die rechte Seite abgelehnt wird? Hat jemand dummerweise beim Drehen am Arm gezogen und ein Schultersyndrom provoziert? Sehr schmerzhafte Sache.

    PSPS Handelt es sich hier eigentlich um die gleiche Pat, wegen derer du schon mal nachgefragt hast bezüglich Asthma?
     
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