Studie: Dauerkatheter als Dekubitusprophylaxe - Studiendesign?

narde2003

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. Aber auch ohne diese,aus rein pflegerischen Gründen kannst nen DK legen,z.B. bei stark erhöhtem Decubitusrisiko durch dauerndes Einnässen
Hallo ZNA-Öse,
da muss ich dir leider wiedersprechen. Wenn man den Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, 1. Aktualisierung 2010 als Grundlage nimmt, so fördert ein BDK das Dekubitusrisiko.
Es gibt hier eine Studie der schwedischen Pflegewissenschaftlerin Anna-Kristina Ek. Die Dame hat nachgewiesen, dass der transuretrale BDK zu einer schlechteren Durchblutung des Sakralbereiches führen kann. Dies liegt daran, dass dies zu einer Reizung der Harnröhre und Harnblase führt. Bereits nach einer Liegezeit von über 8 Stunden, werden diese Areal (Harnröhre und Harnblase) vermehrt durchblutet, was wiederum zu einer verringten Durchblutng im Os Sakrum Bereich führt.
Deshalb dient der BDK nicht der Dekubitusprophylaxe - unabhängig von anderen Indikationen für einen solchen Katheter.

Das sagt auch Gerhard Schröder in einem Artikel bei CNE und das schon im August 2007.

lg
Narde
 

ZNA-Öse

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Hallo narde,
lieben Dank für's korrigieren...ich schäm mich richtig,daß ich nicht auf dem Laufenden bin,sorry !!
Wollte ja nix Falsches weitergeben,sondern hab's eben so geschrieben,wie's speziell bei mir läuft und das is die ZNA,wo wir uns über solche Dinge nur bedingt Gedanken machen. Ich merk schon,mir fehlt das pure Stationsleben,weil so richtig Pflege mit allem Drum und Dran kenn ich nur noch aus'm Lehrbuch oder vom Erzählen unserer Schüler...traurig traurig :cry::eek1:.
 

Elisabeth Dinse

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...Es gibt hier eine Studie der schwedischen Pflegewissenschaftlerin Anna-Kristina Ek. Die Dame hat nachgewiesen, dass der transuretrale BDK zu einer schlechteren Durchblutung des Sakralbereiches führen kann. Dies liegt daran, dass dies zu einer Reizung der Harnröhre und Harnblase führt. Bereits nach einer Liegezeit von über 8 Stunden, werden diese Areal (Harnröhre und Harnblase) vermehrt durchblutet, was wiederum zu einer verringten Durchblutng im Os Sakrum Bereich führt.
...
Irgendwie erinnert mich die Aussage an Sanyrene- das Mittel, dass Sauerstoff ins Gewebe bringen konnte und so einen Dekubitus verhindern half.

Ich kann es irgendwie net glauben. Wie erfolgten die Messungen der Durchblutung? Wurde dabei auf eine druckfreie Zone zurückgegriffen oder hat man die Durchblutung des dekubitusgefährdeten Areals unter Druckeinwirkung ausgeführt?


Wie sieht es damit aus, dass Pat./Bew. mit einem BDK einfach weniger oft bewegt werden? Damit würde ich ein erhöhtes Dekubitusrisiko begründen?

Elisabeth
 

narde2003

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Wenn du dir die Studie besorgst, kannst es sicher nachlesen. Ich habe sie leider nicht vor mir liegen, sondern habe das meinen Unterlagen, dem Expertenstandard und einem Artikel in CNE über Dekubitusprophylaxe entnommen. Aber das hatte ich auch schon oben erwähnt.

Wahlweise könntest auch noch Herrn Gerhard Schröder oder Frau Panfill anschreiben, die sind auch am Expertenstandard beteiligt.

Ich bin nur ein kleines Licht das den Expertenstandard in der Klinik umsetzt und habe ihn nicht geschrieben.
 

Elisabeth Dinse

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Wenn du dir die Studie besorgst, kannst es sicher nachlesen. Ich habe sie leider nicht vor mir liegen, sondern habe das meinen Unterlagen, dem Expertenstandard und einem Artikel in CNE über Dekubitusprophylaxe entnommen. ...
Werd mal nachfragen, ob die Bibo mir das besorgen kann. Meld mich dann.

Elisabeth
 
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mary_jane

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@Narde
weißt zufällig den Titel der Studie und/oder den Verlag?
 

narde2003

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Nein, ich weiss nur wer sie gemacht hat, aber Schröder und Panfill sollten sie kennen.

Es geht auch explizit nur darum, dass ein BDK zur Dekuprophylaxe kontrainidiziert ist, nicht um grundsätzlich gegen eine DK.
 

thorstein

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Die schwedische Pflegewissenschaftlerin
Anna Christina Ek hat sich bereits Anfang der
achtziger Jahre mit dem Phänomen der Inkontinenz
in Verbindung mit Dekubitus auseinander
gesetzt. Sie stellte fest, dass Patienten mit
einem transurethralen Blasendauerkatheter
mehr Dekubitalgeschwüre entwickelten als die
Kontrollgruppe, die inkontinent war, aber
keinen Katheter hatte. Bisher konnte aber
lediglich in Tierexperimenten gezeigt werden,
dass der transurethrale Katheter bereits nach
acht Stunden zu einer so genannten sterilen
Infektion führt, also einer Reizung der Harnröhre
und der Blase. Dadurch kommt es zu
einer vermehrten Durchblutung in diesem
Bereich. Das Blut wird aus dem Bereich des
Sakrums (Kreuzbein) und des Gesäßes abgezogen,
wodurch die Durchblutung in diesem
Bereich schlechter wird. Gerade im Krankenhaus
wird standardmäßig ein transurethraler
Katheter gelegt, um einen Dekubitus zu verhindern.
Die vorangegangenen Aussagen gelten
aber nicht für suprapubische – d. h. oberhalb

der Schamgegend – angelegte Katheter.


http://www.wfi.ch/sites/dl/download/Dekubitus.pdf

Wir reden also von den achziger Jahren und verifiziert nur im Tierexperiment????
 

ZNA-Öse

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Dann hab ich ja doch nix wirklich Wichtiges verpaßt...puhhhh :hicks:.
Das ist dann also sone Studie,die mangels Verifizierung den Weg in die Öffentlichkeit doch nicht so gefunden hat,wie's wohl geplant war,sonst hätte es,zumal die Studie aus den 80igern stammt,Folgen für Standards etc. gehabt,die jetzt noch aktuell sein müßten.
War ja meine Meinung zum DK als Decubitusprophylaxe nicht falsch,hat ja noch niemand das Gegenteil bewiesen.
 

narde2003

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Na ja, der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege in der 1. Aktualisierung von 2010 findet den DK zur Dekuprophylaxe auch kontraindiziert.
 

-Claudia-

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Ich glaube kaum, dass sich die menschliche Physiologie in den letzten 30 Jahren groß verändert hat.

Wenn es keine neueren Studien zu dem Thema gibt, die der ersten Studie widersprechen, sind ihre Ergebnisse auch heute noch gültig.

Wäre aber eine interessante pflegewissenschaftliche Studie. Potentielle Probanden gibt's ja genug.

Aber inwiefern dies die BDK-Anlage zur gefährlichsten Tätigkeit machen soll, wüsste ich jetzt nicht - einen Dekubitus kann man auch auf andere Weise entwickeln.
 

Paula Puschel

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Wer, glaubst Du, sind die Probanden bei klinischen Studien? Natürlich forscht man auch an Menschen!
Sicher forscht man auch an Menschen.
Aber wenn ich mir eine mögliche Studie anschaue, stelle ich mir vor dass man einer Gruppe von Patienten nen DK legt, einer anderen Gruppe nicht, und dann schaut man wer zuerst einen Dekubitus bekommt?
Das ist meiner bescheidenen Meinung nach ethisch nicht vertretbar ;)
Und ich weiß nicht ob dementiell erkrankte oder delirante oder verwirrte Patienten die Einwilligung zu einer Teilnahme an einer klinischen Studie geben können. Und bei Patienten zu testen die keinen DK brauchen scheidet ja iwie auch aus, man testet Chemotherapeutika ja auch nicht an gesunden ;)
Also ich kann mir eine solche Studie nicht am Krankenhauspatienten vorstellen, und ich weiß auch nicht ob sowas überhaupt repräsentativ wäre...
Außerdem möchte ich nochmal klug******ern und betonen, dass man Hypothesen nicht verifizieren kann ;)
 

-Claudia-

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Das ist zwar ziemlich off-topic, aber was weißt Du von quantitativer Forschung?

Sicher forscht man auch an Menschen.
Aber wenn ich mir eine mögliche Studie anschaue, stelle ich mir vor dass man einer Gruppe von Patienten nen DK legt, einer anderen Gruppe nicht, und dann schaut man wer zuerst einen Dekubitus bekommt?
Das ist meiner bescheidenen Meinung nach ethisch nicht vertretbar ;)
Du beobachtest Patienten mit und ohne Dauerkatheter und erfasst die Dekubitusinzidenz. Inwiefern ist dies ethisch nicht vertretbar? Die Prophylaxen werden ja weiterhin durchgeführt.

Und ich weiß nicht ob dementiell erkrankte oder delirante oder verwirrte Patienten die Einwilligung zu einer Teilnahme an einer klinischen Studie geben können.
Könnten sie nicht, aber inwiefern bräuchte ich sie denn zur Erfassung der Dekubitusinzidenz?

[
man testet Chemotherapeutika ja auch nicht an gesunden
Selbstverständlich testet man Medikamente auch an gesunden Probanden. Zytostatika wahrscheinlich nicht, das würde aber auch wenig Sinn ergeben.

Also ich kann mir eine solche Studie nicht am Krankenhauspatienten vorstellen, und ich weiß auch nicht ob sowas überhaupt repräsentativ wäre...
Letzteres käme natürlich auf die Größe der Studie an.

In einer pflegewissenschaftlichen, quantitativen Studie wurde die Hypothese, Eisen und Fönen schütze vor Dekubiti, widerlegt. An welchen Menschen wurde Deiner Meinung nach geforscht, wenn nicht an Patienten im Krankenhaus?
 

Elisabeth Dinse

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...
Du beobachtest Patienten mit und ohne Dauerkatheter und erfasst die Dekubitusinzidenz. Inwiefern ist dies ethisch nicht vertretbar? Die Prophylaxen werden ja weiterhin durchgeführt. ...
Was machst du, wenn der DK als Prophylaxe angesehen wird? Dann steckst in einem ethischen Dilemma.


In einer pflegewissenschaftlichen, quantitativen Studie wurde die Hypothese, Eisen und Fönen schütze vor Dekubiti, widerlegt.
Ist eine interessante Frage wie das Studiendesign hier gestaltet war. Wurden Messungen durchgeführt? Ist das Ergebnis nur auf Erfahrungs- und Beobachtungswerte gestützt? Wie groß war die Patientengruppe? usw.

Elisabeth

PS Btw.- wir beantworten mittlerweile net mehr die Eingangsfrage. Kann man den Thread teilen?
 

Paula Puschel

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Das ist zwar ziemlich off-topic, aber was weißt Du von quantitativer Forschung?
Das ist jetzt wirklich off-topic, ich habe gerade mein Methodenmodul im Psychologiestudium absolviert. Die Grundlagen der empirischen Forschungsmethoden sowie der Statistik sollten also sitzen ;)

Nungut, will ich mal weiter ausholen:

Ích habe die spezielle Fragestellung in diesem Thread so verstanden, dass es darum geht ob Patienten mit DK weniger häufig einen Dekubitus bekommen, als Patienten zB mit Schutzhose.
Das war das, was am Anfang des Threads in den Raum geworfen wurde.
Wenn ich diesen Sachverhalt nun untersuchen möchte, kann ich natürlich Patienten untersuchen die aus anderen Gründen einen DK liegen haben, das wird mir aber dann wenig über die eigentliche Fragestellung aussagen.
Schließlich sind Patienten die statt Inkontinenzprodukten einen DK bekommen meist bettlägerig und in einem schlechten AZ und/oder EZ.
Also wird die Validität einer Untersuchung an "einigermaßen gesunden" Patienten nichts über die zu untersuchende Grundgesamtheit an Patienten aussagen. Und dort sehe ich dann auch ethische Probleme. Wenn ich davon ausgehe das Pat mit Methode A mehr Dekubiti bekommen als mit Methode B, wie kann ich dann Patienten der Methode A aussetzen?
Das würde ich als ethisch bedenklich einstufen.
Vorher sollte man schon alles möglichst genau abgeklärt haben. ehe man mit Theorien an den Menschen geht.

Und wenn ich nun an verwirrte Patienten denke, die wohl den Großteil der Grundgesamtheit ausmachen, wie wollen die einer Studie zustimmen? An welchen Kriterien will man fest machen welcher mit Methode A versorgt wird und welcher mit Mtehode B?
Haben alle Patienten, an denen getestet wird, die selben Grunderkrankungen?
Wenn allein einer Diabetiker ist, ist der ganze Test nicht mehr valide.

Also ich sehe das alles als sehr problematisch an.
Ich hoffe ich habe mich jetzt klarer ausgedrückt, auch wenns weiterhin extreeeeem offtopic ist.
 

-Claudia-

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Wenn ich davon ausgehe das Pat mit Methode A mehr Dekubiti bekommen als mit Methode B, wie kann ich dann Patienten der Methode A aussetzen?
Das würde ich als ethisch bedenklich einstufen.
Unter diesem Aspekt machst Du die quantitative Forschung aber komplett undurchführbar. In der quantitativen Forschung werden ja nahezu ausschließlich aufgestellte Hypothesen überprüft. Teste ich die Wirksamkeit eines neuen Medikaments oder den Effekt einer neuen Operationsmethode, so erfasse ich immer die Daten der Studiengruppe mit der neuen sowie die der Kontrollgruppe mit der herkömmlichen Maßnahme. Da man aber in der Regel davon ausgeht, dass das neue Verfahren besser ist (ein schlechteres würde man ja nicht auf den Markt bringen wollen), wäre es nach Deinem Gedankengang ethisch nicht vertretbar, einen Menschen in die Kontrollgruppe aufzunehmen.

Ich sollte also gar nicht forschen und immer das neueste Verfahren anwenden, ohne vorher herauszufinden, ob die gewünschte Verbesserung überhaupt erreicht wurde? Das kann's ja nun auch nicht sein.
 

narde2003

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Ich bin dann mal dem Wunsch des Abkoppelns nachgekommen. Sollte noch was fehlen, bitte PN an mich.
 

Paula Puschel

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Unter diesem Aspekt machst Du die quantitative Forschung aber komplett undurchführbar. In der quantitativen Forschung werden ja nahezu ausschließlich aufgestellte Hypothesen überprüft. Teste ich die Wirksamkeit eines neuen Medikaments oder den Effekt einer neuen Operationsmethode, so erfasse ich immer die Daten der Studiengruppe mit der neuen sowie die der Kontrollgruppe mit der herkömmlichen Maßnahme. Da man aber in der Regel davon ausgeht, dass das neue Verfahren besser ist (ein schlechteres würde man ja nicht auf den Markt bringen wollen), wäre es nach Deinem Gedankengang ethisch nicht vertretbar, einen Menschen in die Kontrollgruppe aufzunehmen.

Ich sollte also gar nicht forschen und immer das neueste Verfahren anwenden, ohne vorher herauszufinden, ob die gewünschte Verbesserung überhaupt erreicht wurde? Das kann's ja nun auch nicht sein.
Nunja, ich gehe davon aus dass OP-Methoden und Medikamente vor der klinischen Anwendung ausgiebigst geprüft wurden. Das beginnt ja im Normalfall im Labor, dann kommt der Tierversuch, dann kommen Studien an ausgewählten Freiwilligen, und erst ganz zum Schluss werden Präparate an Patienten in der Klinik ausprobiert. Dieser Prozess dauer nicht umsonst Jahre.
Man sollte schließlich dort, wo es um Menschen und deren Gesundheit geht, nicht einfach "herumexperimentieren".

Und Ja, ich sehe durchaus Schwierigkeiten bei der empirischen Untersuchung von pflegerischen Aspekten! (Was genau meinst du mit "quantitative" Forschung? Der Begriff ist mir so nicht geläufig, möchte ich nicht qualitatives erforschen?)

Aber man kann das Design einer solchen Studie mal im Kopf durchspielen.

Meine Hypothese lautet: Bettlägerige Patienten haben mit transurethralem Dauerkatheter weniger Dekubitalulzerationen als bei der Verwendung von Schutzhosen.

Für die Statistiker:
H0: µ0=µ1
H1: µ0 =/ µ1

Ich lege den Versuch an mit einer Versuchsgruppe V1, die einen DK erhalten, einer Versuchsgruppe V2, die eine Schutzhose bekommen und einer Kontrollgruppe K, die gar keine Inko-Versorgung erhält.
Aus der Grundgesamtheit aller Patienten, die inkontinent und bettlägerig und verwirrt sind, wähle ich randomisierte Probanden für eine Stichprobe aus. Sagen wir mal n=1000 Patienten in verschiedenen deutschen Krankenhäusern.
Bei allen Patienten sollen alle anderen Prophylaxen ganz normal durchgeführt werden, am Ende schauen wir dann wieviele Dekubiti es gibt.

Klingt ja jetzt erstmal toll.

Ich seh da dann aber doch so einige Probleme:
Zum einen die Frage, wer jetzt genau zur Grundgesamtheit gehört. Alle Patienten? Alle mit DK? Alle mit Demenz? Patienten im Krankenhaus, oder auch im Heim doer zu Hause? Auch Patienten mit Diabetes oder Durchblutungsstörungen?
Dann die Frage wer bekommt einen DK? Das Legen eines DKs sollte nur unter strenger Indikation erfolgen, ist die Teilnahme an einer Studie eine ausreichend strenge Indikation, um den Patienten dem Risiko einer möglichen Verletzung oder Infektion auszusetzen?
der Patient soll an einer groß angelengten Studie teilnehmen, diesem muss er zustimmen, kann ein dementer Patient das? Wenn nicht, dann kann ich eine solche Maßnahme mit ihm auch nicht machen!
Was ist nun, wenn keiner der Patienten einen Dekubitus bekommt? Und was ist wenn einer einen kriegt? Ist das dann gesichert auf Grund der Maßnahme, oder liegt es vllt an etwas ganz anderem?

Ich bin der Meinung dass man an Menschen nunmal keine klassischen Experimente durchführen kann, schließlich befinden wir uns im Krankenhaus "im Feld" und nicht im Labor.
Da würde sich eher eine Beobachtung anbieten, doch auch da stellt sich mir die Frage nach der Validität der Studie.

Daher wäre ich doch sehr dafür erstmal die Effekte einer DKs im Tierversuch zu untersuchen, bevor man damit an Menschen heran geht.

Aber um nochmal auf die Pharmazeutischen Studien zurück zu kommen:
Medikamente werden ja nicht einfach wahllos an irgendwelchen Leuten getestet.
Entweder es melden sich Freiwillige die die Präparate unter genau kontrollierten Bedingungen einnehmen, oder es erhalten sie Patienten, die an einer bestimmten Erkrankung leiden und die mit der Erprobung eines neuen Medikaments einverstanden sind und die über Risiken und möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt wurden.
Einfach mal so was an Patienten ausprobieren wird wohl hoffentlich niemand.
Gut, ich hoffe dass ich meinen Standpunkt so langsam wissentschaftlich beleuchten und klar machen konnte, auch wenns daher etwas länger geworden ist.
 

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