Stationsalltag? Praxisanleitung? Wie läuft das genau?

Dieses Thema im Forum "Praxisanleiter und Mentoren" wurde erstellt von Niamh, 14.11.2005.

  1. Niamh

    Niamh Newbie

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    Hallo zusammen :-)

    Seit September bin ich im Unterkurs und bin gerade in der 2. Woche meines ersten Praxiseinsatzes. Bisher renne ich eignentlich nur durch die Gegend und bring irgendwelche Sachen von a nach b. Zwar bin ich meistens einer Schwester zugeteilt, aber wirklich was am Patienten mache ich nicht. Bisher habe ich einer Frau den Rücken gewaschen und eingecremt und x-mal Steckbecken geleert - sonst nichts.
    Vitalzeichenkontrolle darf ich manchmal machen, allerdings möchte die Station, dass Blutdruck und Puls mit so einem elektronischen Gerät gemacht wird, anstatt "von Hand", was ich sehr schade finde. So hab ich das Gefühl das gar nicht richtig lernen zu können. [Ah, bin übrigens auf einer Kardiologie :-) ]

    Außerdem werd ich von manchen regelrecht dazu gedrängt Medikamente zu richten und auszuteilen... Obwohl sie wissen, dass ich das im 1. Jahr nicht darf. "Die Praktikantin macht das auch", heißt es immer... :(
    Mich hat eine schon gefragt, ob ich desinteressiert sei, da ich ja nichts tue. Naja.. ich würde ja gern..,aber werde ja ständig rumgeschickt und wenn Desinteresse bedeutet, dass ich mich an die Regeln halte und nunmal Dinge nicht tue, die ich nicht darf?!

    Nächste Woche Dienstag bekomme ich eine Praxisanleitung. Ich hab überhaupt keine Ahnung was ich da machen muss und richtig Panik :(
    Mir hat man in der Schule gesagt, dass uns das auf Station genauer erklärt wird. Das Problem ist nur - mir gibt niemand wirklich Auskunft auf der Station.
    Die mir zugeteilte Schwester hat fast nie die gleiche Schicht wie ich und ich treff sie einfach kaum. Alle sagen mir ich soll doch sie fragen... :(

    Meine Frage an euch ist nun, wie das normalerweise auf einer Station abläuft, also so von den alltäglichen Dingen und was genau bei der Praxisanleitung läuft.

    Danke fürs Lesen :-)

    Viele Grüße und schönen abend,
    Niamh
     
  2. Änneken

    Änneken Junior-Mitglied

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    Hallöchen,
    meinen ersten Praxiseinsatz hatte ich auch auf der Cardiologie!
    Hab direkt beim schnuppereinsatz mit der Vitalzeichenkontrolle angefangen, waschen etc.
    Nun ja des mit den Laufen kann man halt nicht immer vermeiden.. zB. Blutproben wegbringen oder Pat. zu einer Untersuchung bringen.
    Zum Tabl. stellen:ich sollte des auf meiner jetzigen Station auch machen habe mich dann aber mal erkundigt bei meiner Lehrerin, und sie meinte dann ich solle es leicht dezent ansprechen das die schule das gar nicht gerne sieht!
    Kannst du den mit überhaupt keiner Schwester sprechen?
    Sag doch mal das du des jetzt mal sehen möchtest oder so, wenn gerade was anfällt was du gerne machen möchtest

    Liebe Grüße
    Anne
     
  3. Sr.Anne

    Sr.Anne Junior-Mitglied

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    Also, Tabletten stellen im ersten Lehrjahr finde ich unverantwortlich und fahrlässig. (Nichts gegen dich) Eigentlich solltest Du in den ersten Einsätzen die Grundpflege vertiefen und Vitalzeichenkontrolle verinnerlichen. Patientenbeobachtung ist auch sehr wichtig. Alles was über dein theoretisches Wissen heraus geht, ist interessant, aber du musst es noch nicht beherrschen. Ich würde dir raten, nur das zu machen, mit dem Du dich wohl fühlst.

    Bei einer Praxisanleitung kann es durchaus zu einer Ganzwaschung kommen. Bei uns war das so, dass wir der Unterrichtsschwester einen Tag vorher sagen mussten, ob wir einen Pat. haben und dann mussten wir ein Stammblatt ausfüllen und im Verlauf der Ausbildung Pflegeplanungen schreiben. Wir bekamen gesagt, was wir so grob machen sollten. Grundpflege, Verband, etc. So eine Praxisanleitung ist natürlich auch die Chance zu sagen, dass du nicht die Möglichkeit bekommen hattest einen Pat. vollständig zu versorgen.

    Ich wünsche Dir alles Gute.
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hi Niamh

    was hast du bisher in der Schule gelernt? Nutze die Zeit zur Beobachtung. Nie wieder wirst du dafür soviel Zeit haben.
    Wie sitzt der Pat.? Bekommt er so optimal Luft? Probiers zu Hause aus. Wie würdest du dich bewegen, wenn du deine Lage verändern solltest? Probier es aus und versuche dem Pat. ähnliches anzubieten.
    Was isst der Pat.? Bekommt er genug Kalorien? Trinkt er genug?
    Wie sieht die Haut des Pat. aus? Worauf achtet der Pat. bei der Körperpflege, wenn er es selbst macht? Stimmt das mit dem Gelehrten überein?

    Steckbecken leeren: wie sehen die Ausscheidungen aus? Welche Schlußfolgerungen kann man daraus ziehen? Steckbecken reichen: an alles gedacht? Wie ists mit der Möglichkeit des Hände reinigens danach für den Pat. ?
    Was hindert dich, die Pulsfrequenz mit der Hand nachzuzählen bzw. zeitgelich zu zählen (Kontrollmöglichkeit?) Welche Beobachtungen kannst du dabei machen: Pulsqualität?

    Aus diesen ganzen Beobachtungen ergeben sich sicher Fragen. Fragen zum eigenen Fachgebiet beantworten Pflegekräfte gerne. Es wird auch als Interesse gewertet. Allgemeine Fragen werden günstigerweise in der Schule beantwortet. Pflegekräfte machen vieles aus der Routine heraus. Man nennt sowas auch verkörperlichte Intelligenz. Diese Aspekte sind auf Anhieb durch die Kollegen nicht immer erklärbar. Manchmal, wenn die Zeit es erlaubt, liest noch mal jemand nach und erklärt es dann. Das ist aber nicht die Norm. Man mag es den Kollegen nachsehen: 8 Stunden Dienst- da will man zu Hause nicht noch weiter arbeiten müssen.

    Die Erwartungen, dass auf der Station jemand kommt und den gewohnten "Frontalunterricht" weiterführt- das können wir nicht mehr leisten in der angespannten Personalsituation. Wichtig erscheint mir die Eigeninitiative des Azubis zu lernen. Und zum Lernen muss man nicht nur an die Hand genommen werden: Prinzip Selbstverantwortung.

    Elisabeth
     
  5. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    Hallo,

    ...und genau da setzt die neue Ausbildung an!

    Verantwortung für das eigene Lernen tragen: der Dozent "kaut nicht mehr alles vor". Die häufigen Gruppenarbeiten, referate und PoL werden ja auch in anderen Threads diskutiert. Sinn und Zweck ist es, selbständig zu arebiten ...auch mal eigene Fragen entwickeln etc.
    Durch den fächerintegrativen Unterricht und die Arbeit mit Fallbeispielen werden die Schüler ausserdem besser auf komplexe Berufliche Situationen vorbereitet.

    Ein Problem stellen sicherlich die Rahmenbedingungen dar....der Schüler erscheint nur noch mit dem Schlüssel 1:9 auf dem Stellenplan; das Personal wird immer knapper.

    Pflegepersonal steckt in Sachen Ausbildung quasi in der "Zwickmühle":
    Sie haben einen Versorgungsauftrag , d.h. sie müssen sich um die Pat. kümmern (welche auch immer älter und multimorbider werden). Zum anderen haben sie auch einen Bildungsauftrag...d.h. sie sollten eigentlich auch Schüler in ihrem Lernen in der Berufspraxis unterstützen.
    Leider geht letzteres oft unter.
    Ich glaube, dass viele KS gerne mit dem Schüler arbeiten würde, es jedoch aus zeitlichen Gründen nicht können.

    Der Schüler steht auch zwischen zwei Stühlen: Die Motivation und der Wunsch , das schulische Wissen in die Praxis umsetzten zu wollen......und auf der anderen Seite auf der Station "funktionieren zu müssen".

    In meinen Augen wird dieser "Spagat"welchen wir von den Auszubildenden verlangen, immer größer...auf dere einen Seite fliessen in die theoretische Ausbildung nun auch Erkenntnisse aus der Pflegewissenschaft mit ein und wird deutlich aufgewertet...auf der anderen Seite seite muss der Schüler die Auswirkungen der Personalknappheit erleben und durch "Springertätigkeiten" mit kompensieren!

    Sicherlich gibt es jetzt schon viele hauptamtliche PA`s, welche sich intensiv um den Schüler kümmern.
    Und eine Freistellung für diese Tätigkeiten ist zu begrüßen, da die Schüler somit eine gute Anleitung erhalten.

    Ich bin allerdings gespannt, wie sich diese Situation für die Schüler in den nächsten Jahren entwickeln wird...
     
  6. Wieland

    Wieland Stammgast

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    Verantwortung für das eigene Lernen tragen. Wenn es wenigstens so wäre. Zur Zeit sieht es in meiner Ausbildung so aus das entweder ein lehrer ein Thema endlos vor sich hinkaut ohne das Bewegung in der Sache ist oder wir machen eine Gruppenarbeit. Die Ergebnisse werden dann allen anderen vorgestellt so das jeder dann über alles bescheid weiß. So die Theorie. Bloß das die Qualität der Vorträge unterschiedlich ist und eventuelle Fehler auch von den lehrern einfach abgetan wird. Am Ende stehen wir da und wissen nun nicht wirklich was iwr eigentlich wissen sollen oder was richtig ist. Konsequenz. Man muss alles in seiner Freizeit nacharbeiten.

    Auf Station wird man als Vollkraft eingesetzt. (jetzt nichts gegen das personal persöhnlich. Habe bis jetzt immer super nette Stationen gehabt) Aber wenn man die Arbeit nur schaffen kann wenn Mentorin Zimmer A und B macht und der Schüler Zimmer C und D kann nicht von begleiteten Lernen auf Station die Rede sein. Meine Mentorinnen haben sich jetzt immer sehr viel Mühe gegeben und am Ende gesagt das sie gerne mehr Zeit gehabt hätte mehr mit mir zusammen zuarbeiten.

    Dann die Praxisanleitungen. Man ist die ganze zeit im Dienst und plötzlich kommt die Praxisanleitung und will die Welt auf den Kopf stellen. (piepen wir den arzt wegen jeder Kleinigkeit an, wenn der Patient plötzlich keine Lust mehr hat ist der schüler dran schuld - hätte sowas ja planen müssen - und quatschen wir solange auf den Patienten ein warum er denn ruhe haben will, nehmen wir die Halluzinationen einer dementen Patienten todernst und werfen den Schüler ihre Anschuldigungen vor usw.)
    Viele Dinge die bei einer PA gemacht werden sind sehr toll und sollte eigentlich Standart in der Pflege sein aber bei der derzeitigen Personalsituation ist es eine Farce.
     
  7. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    Hallo Wieland,
    für einen Lehrer ist es natürlich kein Freibrief zu sagen: die erarbeiten sich das jetzt selber, ich muss mich um nichts mehr kümmern....Fakt ist, das die Vorbereitung, Betreuung und Besprechung von Selbstlernphasen in der Regel mindesten genauso lange dauern wie das runterbeten eines Frontalunterrichters. Die Verantwortung und der Aufwans sind aus meinen Erfahrungen her sogar noch ein wenig größer....


    Was Du von den Stationen beschreibst, geht ja in einen ähnliche Richtung wie mein Thread...

    Ich glaube, die Kunst eines Praxisanleiters ist es, die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis so weit wie möglich anzugleichen.
    Ein Praxisanleiter soll sich den die Berufsidealen der Schule annähern, ohne den Blick für die Realität des Stationsalltages zu verlieren....ich glaube, dass auch ein PA diesen Theorie-Praxis Konflikt aushalten muss.

    So eine Praxisanleitung ist doch aber für Dich auch eine gute Möglichkeit, Dein gelerntes Wissen - incl. das schreiben einer Pflegeplanung- mal umzusetzen.
    Letztendlich unterscheidet dieses Dich von einem "angelernten Laien": dieser kennt nur einige Handgriffe, welche er schnell, routiniert und unreflektiert ausführt.
    Du hast innerhalb von 3 Jahren das "Ideal" gelernt....welches Du dann in der Praxis auf Station um einiges reduzieren muss....aber Du hast es "in peto".
     
  8. Wieland

    Wieland Stammgast

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    Das ist klar.
    Es wäre auch wirklich schön wenn man das gelernte auch wirklich umsetzten könnte, (Nur durch die praktische Tätigkeit kann man sein theoretisches wissen erst wirklich verinnerlichen).

    In meinen letzten Einsatz konnte ich eine Pflegeplanungswoche beobachten. Ich war erstaunt wie gute einige der Patienten Fortschritte machen konnten innerhalb der kurzen Zeit. Es waren auch immer 2 Schüler für 4 Patienten da. Wieviel besser und effektier wäre für viele Patienten der Stationsaufenthalt wenn man das alles durchsetzten könnte. Aber es fehlt Personal. Die einzige Natwort die ich von Lehrern in der Schule daraufhin bekommen habe war aber "Das sie das auch wissen aber das man durch Planung und effektives arbeiten da irgendwie(!) kompensieren könnte"

    Das die PAs auch unter einen gewissen Druck stehen glaube ich. Aber manchmal wünsche ich mir als Schüler etwas mehr Verständniss.
     
  9. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    @Lillebrit

    warum lernt der Azubi nicht bereits in der Schule Prioritäten zu setzen. Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwähren, dass Pflegelehrer schon lange den Bezug zur Realität verloren haben.

    Wie kann es sein, dass in der Prüfung etwas abgeprüft wird, was nur für diesen Auftritt trainiert wird- oft ohne den Sinn der Handlung überhaupt verstanden zu haben.

    Warum gibt es während der Ausbildung kein Fach Gesundheitsökonomie? Oder wie läßt sich erklären, dass sowenige frisch examinierte Pflegekräfte etwas von dieser Materie verstehen?

    Was wird während der Ausbildung an Burnout- Prophylaxe für den Azubi angeboten? Mir fällt auf, dass auch Azubis zunehmend an den Ansprüchen (hier durch die Schule vorgegeben) zerbrechen.

    Elisabeth
     
    #9 Elisabeth Dinse, 20.11.2005
    Zuletzt bearbeitet: 20.11.2005
  10. Viki

    Viki Senior-Mitglied

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    Hallo,

    hat zufällig lust jemand Niamh auf die letzten Fragen genauer zu antworten?
    " Meine Frage an euch ist nun, wie das normalerweise auf einer Station abläuft, also so von den alltäglichen Dingen "

    Das wäre wohl ganz nett, habe gerad eine ähnliche Situation und kann irgendwie gar nicht einschätzen, was in den nächsten 5 Wochen von mir erwartet wird und was ich so können sollte (bin übrigens auf einer Kinderstation)

    Irgendwie habe ich Angst, zu wenig zu lernen und mit nem Defizit auf die nächste Station zu kommen...

    Viele Grße Viki
     
  11. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    @ Elisabeth:

    Sorry, habe Deinen Beitrag erst jetzt registriert....
    Die Schule hat die Aufgabe, die Berufsideale- und somit auch alle neuen Erkenntnisse aus verschiedenen Wissenschftsdisziplinen- zu vermitteln und abzuprüfen. Wenn die Schulen sagen: " Oh...naja, in der Praxis machen die das eh niemals......dann nehmen wir das mal aus dem Lehrplan raus" dann schrauben wir unseren Anspruch an die Qualifikation runter!

    Was sollte denn alles auf der "Streichliste" stehen....

    -> Pflegeplanung nach dem Pflegeprozess- denn so ausführlich kann man das auf einer Internistischen Station ja nie machen.....?

    -> Hnadlungskonzepte wie die Basale Stim. oder Kinästhetik....eh keine Zeit dafür ?

    -> Korrektes zubereiten von Infusionen oder Injektionen....soooo genau nimmt man es ja in der Statuionsroutine nicht damit?

    -> Hygienische Aspekte...wer desinfiziert sich schon jedesmal die Hände, bevor er an den Pflegearbeitswagen geht?

    ...das könnte ich jetzt noch endlos fortsetzen.....

    Wenn wir Pflege so lehren, wie es in der Praxis teilweise ausieht...tja, dann könne wir die Ausbildung auch auf 1,5 Jahre verkürzen.
    Prüfungen würde eh jeder bestehen.......

    Bleibt natürlich die Frage, ob dann die bestehenden Kräfte nicht zu teuer sind....wenn man die Vergütung an den Wissensstand anpasst, dann würde das Bedeuten, dass die Pflegekräfte auch für 5 Euro / Stunde zu haben sind!
    *mal ganz sarkastisch bin*

    Es ist doch Fakt, dass eine Examinierte- die im Berusalltag ist -zwar nicht immer schulisch arbeitet...aber ben trotzdem weiss, wie es korrekt auszuführen ist!
    Wir geben den Schülern eine breite Wissensbasis an die Hand....aus dieser müssen sie im Alltag situativ das passende auswählen.

    @niamh:
    Tja... die Arbeitsabläufe sind abhängig von der Fachdisziplin der Station sowie deem Organisationsprinzip ( also Funktions- oder Bereichspflege).
    Es gibt nicht "den" Stationsablauf, welchen ich Dir hier jetzt dezidiert beschreiben könnte.

    Im Allgemeinen fallen für Unterkursschüler solche Aufgaben an wie:

    -> Vitalzeichenkontrolle (Puls, RR, Temp.)

    ->Unterstützung bei der Körperpflege und beim ankleiden ( Waschschale stellen, Begleiten in die Waschecke, Duschen des Pat. ....)

    -> Mobilisation (aufstehen, Position im Bett unterstützen etc.)

    -> Prophylaxen ( Dekubitus-, Pneumonie etc.)

    -> Vereteilen des Essens sowie anreichen der Nahrung

    .....

    Hattest Du schon Deine PA?
    berichte doch mal...

    LG,
    Lillebrit
     
  12. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Pflegeprozess ist eine wunderbare Möglichkeit Wissen zu vermitteln. Der Azubi wird angehalten in Kausalitätszusammenhängen zu denken.
    Eine Pflegeplanung auf der Station muss/ kann nicht so differenziert sein, wie die Ausbildung fordert. Der Azubi sollte aber begreifen, dass dieses Instrument notwendig ist um Pflegeleistungen transparent zu machen. Dieses Ergebnis fehlt mir nach der Ausbildung. Meist wird die Pflegeplanung als zu aufwendig abgelehnt. Dem Azubi wurde offensichtlich nicht der Unterschied zwischen einer "schulischen" und einer "praxisnahen" Planung beigebracht.


    Meine Erfahrung ist, dass Pflegelehrer diese Konzepte oft als "Regieanweisung" verstehen und die Inhalte dieses Konzept á la Kochbuch vermitteln. Ein Konzept muss man lebendig vermitteln, Beispiele aus dem Alltag gehören dazu. Dann kann ein Azubi auch nachvollziehen, dass es sich lohnt bei dem einen oder anderen Pat. das eine oder andere anzuwenden. Bei allen Anwendungsbeispielen aus den Konzepten sollte stets der zeitliche Rahmen auf den Stationen beachtet werden. Außerdem muss der Azubi lernen, das die Zeitwahrnehmung oft subjektiv verzehrt ist. Auch da fehlt es dem Azubi: Reflexion der eigenen Handlung unter Berücksichtigung der eigenen Grenzen.

    Azubis fehlt nach der Ausbildung das Gefühl für Verantwortung für die eigenen Handlungen. Mich erschreckt, wie wenige darüber informiert sind, dass es eine Durchführungsverantwortung oder Remonstrationspflicht gibt.

    Werden vielleicht doch "kleine dressierte Affen ausgebildet? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwähren bei all den Checklisten, Standards und Skalen. Wenn auch 2005 immer noch unterrichtet wird: herzwärts waschen, Reihenfolge beachten - zuerst den fernen Arm, Waschwasserwechsel nach... (wonach eigentlich), Betten beziehen nur zu zweit (Bezug auf rechst drehen und die Decke dann in die Zipfel geben), ein Kopfkissen vom Pat. ohne Bezug auf dessen Laken gilt als Kardinalfehler, Waschschüssel im Bett- die Todsünde überhaupt, usw. usw.. warum der Azubi diese Tätigkeiten so machen soll, kann er selten erklären- der Lehrer übrigens auch nicht.

    Interessant in diesem Zusammenhang die Antwort eines Pflegelehrers auf die Frage nach dem Sinn der Selbsterfahrungsübungen (in diesem Haus übrigens die verschärfte Form: man musste sich waschen lassen mit Aussparung des Intimbereiches, einzigstes Zugeständnis: Trennung nach Geschlecht): das steht so im Curiculum. Wie kann ich erwarten das kreative, selbstbewußte Pflegekräfte aus solchen Schulen kommen, wenn doch bereits in der Ausbildung Anpassung um jeden Preis verlangt wird.

    Elisabeth (die 8h ver(sch)wendet hat zur Vermittlung basaler Inhalte mit dem Ergebnis das erwartet wird: belebende und beruhigende GKW)
     
  13. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    Hallo,

    also zur Pflegeplanung:
    Diese ist in der Berufspraxis- je nach Station und Haus- leider mehr und mehr zum "Abrechnungsinstrument" verkommen. Vorgefertigte Tabellen , in denen man nur noch ankreuzen muss.....
    DAS war aber nicht im Sinne des Erfinders *g*. Die Schule lehrt also die Basics....den Pat. zu betrachten und aus dem Zusatnd Pflegeprobleme selber herliten und formulieren zu können; Ziele zu benennen und geeignete Masnahmen zu finden.
    Ja nach Einsatzgebiet können die Schüler das so mehr oder weniger umsetzen. Auf einer Internistischen Station weren die Schüler keine so idealen Rahmenbedingungen haben wie z.B. in der Psychiatrie oder einem Altenheim.....aber es wird ja nicht lediglich für ein Haus ausgebildet !
    Viele Schüler werden in Zukunft ihre Tätigkeit im häuslichen Kontext oder einem Altenheim o.ä. aufnehmen. Allerdings hat dort fast jedes Haus eine andere Dokumentaion.......die Schule kann es also nur so vermitteln, wie eine Pflegeplanung im Idealfall auszusehen hat; das umlernen findet dann in der Praxis statt.

    Das moderne Handlungskonzepte häufig leider nur Rezeptartig vermittelt werden sehe ich auch so...das Problem liegt meines Erachtens in der fehlenden Qualifikation und Erfahrung im Alltag mit diesen Konzepten.
    Es ist - leider- üblich, dass ein Dozent selber nur nen Kinaesthetics-Grundkurs absolviert hat, nun aber meint alles zu wissen und auch vermitteln zu können.
    Da werden dann Sachen aus dem eignen GK unreflektiert übernommen und "Handgriffe" nachgeturnt. Viele wissen eben nicht, das Kinaesthetics genau das nicht ist!
    Sicher guibt es einige Lehrer, welche die Qualifikation zum Trainer haben. Das Problem sehe ich aber in den hohen Ausbildungskosten sowie dem immensen zeitlichen Aufwand. Bis man sinen ersten GK geben darf, dauert es i.d.R. 2 Jahre......man hat ca. 1000 Stunden investiert; war ca. 70 Tage abwesend und muss auch mit einem Kostenaufwand von Rund 10 Tsd. Euro rechnen.
    DAS können sich immer weniger AG leisten......auch als Selbstzahler muss der AG Deinen Arbeitsausfall kompensieren !

    Zu den anderen Sachen:
    Aufgabe der Schule ist es , eine breite Wissensbasis der idealen Pflege nach neuesten Wissenschaftlichen Erkenntnissen zu vermitteln. Hierzu bekommen die Schüler am Anfang eine "etwas engere Vorgabe" der Tätigkeiten....dieses sollen sie in der Praxis üben.

    Die Fähigkeit, selber Entscheidungen zu treffen und die geegnete Massnahme von vielleicht 25 bekannten auszuwählen erfolgt erst durch Erfahrung!
    man kann sein Handeln nur reflektieren und begründet entscheiden, wenn man aus der Praxiserfahrung weiss, welche Konsequenzen und Wirkung das eigene Tun hat!

    In meinen Augen ist ein KPS nach dem Examen nicht fertig...er fängt dann erst an, sein Wissen zu vertiefen.
    Das lernen in der Praxis findet auf den Stationen statt. Die Schüler bekommen am Lernort Schule etwas vermittelt, was sie dann in die Praxis mitbringen und dort ausprobieren, anwenden oder vertiefen. So etwas braucht Zeit! Die Schule kann den Praxistransfer lediglich anbahnen.....der eignetliche Transfer wird auf Station von den Mentoren und PAs geleistet!

    Natürlich können wir hier nicht so pauschal von "dem Schüler", "dem Lehrer", "der Station" sprechen.....wir werden- was das anbelangt- unterschiedliche Erfahrungen haben.
    Der Auftrag der Schulen ist es jedoch, Berusideale zu vermitteln. Dozenten wissen mit Sicherheit auch, dass die Berufspraxis anders aussieht.

    Aber was wäre der Alternativvorschlag? Zu sagen, dass wir nur noch 1:1 das vermitteln, was in der Praxis läuft? Dann können wir die Ausbildung auf 1 Jahr verkürzen! Wir hätten dann aber auch keine Begründung mehr für examinierte Pflegekräfte....denn der Wissenstand entspräche dann etwa dem eines FSJ lers. Tja....dann wären examinierte auch zu teuer...man könnte ungehindert "Billigkräfte" anheuern!

    In meinen Augen ist eine anspruchsvolle Ausbildung etwas, womit wir uns von diesen abheben und begründet sagen können, das wir mehr leisten können.
     
  14. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hi lillebrit

    ich würd mich gerne noch mehr zum Thema praxisnahe Pflegeplanung austauschen wollen- aber das passt irgendwie nicht zu diesem Thema. Ob man da mal wieder den "Strang" teilen sollte/könnte?

    Elisabeth
     
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