Spiegel-Therapie bei Phantomschmerz

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Chirurgie" wurde erstellt von narde2003, 17.05.2007.

  1. narde2003

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    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    wer von euch kennt die Spiegeltherapie bei Phantomschmerz? Ich habe vor kurzem davon gehört und mich auch im Netz schon etwas schlau gemacht, nun möchte ich gerne von euren Erfahrungen damit lesen.
    Die Spiegeltherapie soll auch in der Neurologie bei Apoplexpatienten gute Erfolge bringen.

    Neugierige Grüsse
    Narde
     
  2. Unitarier

    Unitarier Junior-Mitglied

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    Hallo Narde,

    da Du ja schon vorinformiert bist, möchte ich für die anderen das Wesentliche noch einmal kurz ausführen, um dann eine Antwort auf Deine konkrete Frage zu geben.

    Es ist so, dass das Gehirn im Schmerzentrum (und anderen Zentren) noch weiterhin den Schmerz einer Stelle produziert, die nicht mehr da ist. Das Gehirn kommt nicht klar mit dem optischen Input eines nicht vorhandenen Gliedmaßes. Es will daher das fehlende Glied durch Schmerz ersetzen. In der Spiegeltherapie muß der Patient in den Spiegelschauen und ruft sozusagen dem Gehirn die Erinnerung an das fehlende Glied wieder wach. Nun wird also dem Gehirn suggeriert, das es gar nicht mehr nötig ist, das fehlende Glied durch Schmerz zu ersetzen, denn es glaubt jetzt, durch die optische Reizung, das es ja da ist. Der Effekt kann verstärkt werden, wenn beim Schauen in den Spiegel gleichzeitig mit dem gesunden Glied Bewegungsübungen vollführt werden. Wenn mit dem gesunden Körperteil auch noch Berührungen mit Gegenständen vollzogen werden, Bälle rollen z.B. und dann in den geschickt plazierten Spiegel geschaut wird, dann kann sogar im Phantom die Berührung wahrgenommen werden und der Schmerz vergeht vorübergehend für Stunden, sowas ist vorgekommen. Langfristig jedoch müssen die Übungen durchgeführt werden (6 Monate wohl auf jeden Fall), um Schmerzlosigkeit auf Dauer zu erreichen. Die Methode funktioniert auch bei Schlaganfallpatienten, die unter Lähmungen oder Wahrnehmungsstörungen leiden.
    Man hat damit eine tolle Methode gefunden, Phantomschmerz und Wahrnehmungsstörungen zu therapieren. Allerdings, je eher man damit beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten und der Patient muß viel Geduld haben. In einem Falle ist nach Jahren des lebens mit dem Phantomschmerz die Therapie begonnen worden und hat auch Erfolge gebracht. Offenbar scheint es aber bei weiteren 15 Probepatienten einen Mißerfolg gegeben zu haben.
    Eine genaue Studie über die generelle Wirksamkeit der Spiegeltherapie wurde im Jahre 2006 in Aussicht gestellt. Ich bin jedoch nicht darüber informiert, ob und wann die anläuft oder ob sie schon begonnen hat. Daraus wird meiner Meinung nach ersichtlich, das es wohl noch keine breit angelegten und allgemeinen Erfahrungen im Pflegebereich mit der Spiegeltherapie geben dürfte.

    Herzlichen Gruß
    vom
    Unitarier
     
  3. stefan1981

    stefan1981 Senior-Mitglied

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    Davon hab e ich auch schon mal gehört. Habe es allerdings noch net gesehen.

    Wie läuft das mit der pychischen Betreuung? Sicherlich ist das für manche ein Schock wenn sie auf einmal ein 2 . Bein sehen - wo vorher nichts war!?

    Darf der Patient Schmerzmedikamente kriegen? Oder sind diese während der Therapie tabu?

    mfg Stefan
     
  4. Unitarier

    Unitarier Junior-Mitglied

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    Hallo Stefan,

    also genau weiß ich das nicht. Aber es scheint mir fast sicher, das in dem Augenblick, wo der Patient mit Hilfe solcher Therapie arbeitet, von Schock wohl nicht die Rede sein kann. Er weiß ja, das es nur sein Spiegelbild ist. Es geht ja um das Training des Gehirns, das sich aufgrund einer biologischen Vorgrammierung, zu einer Reaktion auf den optischen Reiz des fehlenden Gliedes, zur Schmerzproduktion entschlossen hat. Das sind Vorgänge im neurobiologischen Bereich, auch in der Therapie, in der es ja dann zu einer Umkehrung kommt. Es ist ja eine Überlistung des Gehirns, in der ihm ein zweites Gliedmaß vorgetäuscht wird. Jedoch sind die Zusammenhänge von Psyche und Schmerz ja bekannt und wirken hier möglicherweise auch zusammen, psychische Vorgänge sind ja durch das Gehirn gesteuert (Stichwort HOPS - Hirnorganisches Psychosyndrom). Das genau zu erörtern würde jetzt hier den Rahmen sprengen. Neurobiologisch-chemische Vorgänge bleiben sie dennoch.
    Das der Patient Schmerzmittel während der Therapie bekommt, dürfte eigenlich vom Prinzip her kontraindiziert sein, es sei denn, das man die Dämpfung des Phantomschmerzes mit Medikamenten in der Dosierung verringert, so dass er leicht spürbar und noch aushaltbar bleibt und dann, im Laufe der Therapie, die Dosis im Zuge der Besserung immer weiter verringert, bis man sie gar nicht mehr braucht. Aber das weiß ich nicht genau. Wenn ich Arzt wäre, würde ich das so versuchen. Schließlich muss man ja die Kontrolle über den Fortgang der Therapie haben. Mir erscheint das irgendwie logisch.

    Herzlichen Gruß
    vom
    Unitarier
     
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