Spannungsfeld Arzt - Pflegepersonal

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von Hupfie, 13.09.2007.

  1. Hupfie

    Hupfie Newbie

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    Hallo und guten Morgen!
    Ich lese seit einiger Zeit in diesem Forum und habe mich gestern dann auch endlich angemeldet, denn ich habe da auch mal ein Problem.

    Kurze Erklärung:
    Ich bin Krankenschwester, arbeite seit 4 Jahren in der Ambulanten Pflege, habe jetzt im Juni Weiterbildung zum Wundmentor gemacht.

    Seit ca. 8 Wochen haben wir eine Patientin mit ,vormals infiziertem, Hallux Valgus. Dieser war mit Fibrin belegt, welches wir mit Iruxol-Salbe ablösen sollten. Hat natürlich nicht sonderlich etwas gebracht. Die Patientin ging wieder ins Krankenhaus, Fibrinbelag wurde chirurgisch abgetragen, aber nicht komplett, danach weitere Versorgung mit Iruxol-Salbe.
    Aufgrund der Weiterbildung hatte ich einige Muster einer Wundauflage, die ich dem Hausarzt auch vorgestellt habe und er genehmigte diese. Die Woche drauf zeigte ich ihm Bilder, auf der die Wunde sehr gut aussah, mit sauberen Wundverhältnissen und keinerlei Mazeration. Dies war an einem Montag, an dem drauffolgenden Mittwoch ging er zum Hausbesuch und fand die Wunde zu feucht und aufgeweicht (wie er sagte). Meine Kollegin, die nach diesem Besuch den Verband machte, konnte keinerlei Mazeration feststellen.
    Der Verband sollte nun mit Rivanol-Salbe durchgeführt werden und die Patientin sollte die Wunde über Nacht offen lassen. Dies machten wir wiederum eine Woche, bis zum nächsten Hausbesuch. Bei diesem verordnete er Nebacetin-Salbe im Wechsel mit Iruxol-Salbe und Panthenol-Salbe auf die Umgebung.
    Gestern war ich nun nochmals bei ihm, um evtl. doch noch eine Änderung der Therapie zu erzielen, da ja die Wundauflagen noch vorhanden sind und auch nicht billig waren.
    Aber er kanzelte mich dort in der Praxis ab, das ich gedacht habe :schraube:. Unter anderem wies er mich darauf hin, dass früher ja alles viel einfacher war: der Arzt hat etwas gesagt und es wurde dann befolgt, es wurde einfach nicht so viel diskutiert und außerdem hätte er seine Zeit auch nicht gestohlen und er würde mit mir nun nicht weiter diskutieren.
    Leider mußte ich aber auch schon feststellen, das die fachliche Kompetenz im Bereich der Wundversorgung in dieser Praxis nicht sehr berauschend ist, denn es wird dort immer noch mit Wasserstoffperoxid eine Wundreinigung durchgeführt.
    Bis jetzt sind wir immer gut mit diesem Arzt ausgekommen und er lies auch mit sich reden, aber dieses Mal...:weissnix:

    Es geht mir bei meinem Problem nicht um die Therapie sondern:
    Wie geht ihr mit solchen Äußerungen um? Wie geht ihr mit solchen Ärzten um? Mit welchen Strategien kann man einen Arzt (der Gott in Weiß:besserwisser:) zum Umdenken bewegen?

    Über möglichst viele Ratschläge freut sich

    Hupfie
     
  2. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    Hallo,
    das sieht mir nach ganz klarem Kompetenzgerangel aus..."es kann doch nicht sein, dass die nicht studierte Pflegekraft mehr weiss als ich ".
    Eine echte Zwichmühle ist es in sofern, dass er die Weisungsbefugnis hat, Du aber die Durchführungsverantwortung...dazu kommt Dein immenses Fachwissen im Bezug auf Wundversorgung.

    Ich denke, ein offensives Vorgehen bringt bei diesem Arzt nicht viel...auf der Beziehungsebene macht er Dir halt klar, wer "was zu melden hat".
    Ich unterstelle ihm, dass er sich von kompetenten Pflegexperten "bedroht" fühlt.

    Du solltest erstmal die Anordnung befolgen ...so hart das jetzt ist. Wenn keine Besserung eintritt, dann unterbreitest Du ihm wieder einen Vorschlag.
    Wenn er merkt, dass Du kompetent bist (ohne dabei belehrend zu wirken), dann lässt er sih eventuell auch darauf ein.
     
  3. synapse

    synapse Stammgast

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    Hi,
    sicher hat meine Vorrednerin prinzipiell Recht. Jedoch ist bei diesem Ausprobierspielchen der Patient der Leittragende.
    Arztwechsel wäre natürlich eine feine Sache...
    Ich kann verstehen, dass Dich die ganze Sache nervt und frustriert.
    Denn ersteinmal kann es nur ausgesessen werden, bis Du wieder eine Chance siehst, ihm deine Ideen zu unterbreiten. Ich befürchte jedoch, so wie Du ihn bis dahin dargestellt hast, das er hier nie klein beigeben wird.

    Gruß
    Synapse
     
  4. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    Hallo,
    ich denke, dass ein Arztwechsel gut wäre...doch wenn die Pflegekraft diesen dem Pat. vorschlägt, dann gerät dieser in das Kompetenzgerangel ...
    Wem soll der Patient nun vertrauen? Der netten Pflegekraft, die jeden Tag kommt oder dem Herrn Doktor, den sie vielleicht schon seit 20 Jahren kennt?

    Wenn der Arzt mitbekommt, dass die Pflegekraft einen Arztwechsel vorschlägt, dann könnte das für den Pflegedienst recht unangenehem werden...

    Ist einfach eine verzwickte Situation.
     
  5. MiChung

    MiChung Gast

    Hallo,

    ich bin auch Lillebrits Meinung, was das "Kompetenzgerangel" angeht - das ist vielleicht mit viel Diplomatie zu lösen... aber ich denke ein nicht unerheblicher Aspekt der Geschichte werden auch die Kosten sein. Wenn die "Muster" aufgebraucht sind, befürchtet der Doc vielleicht, ein sehr teures Medikament verschreiben zu müssen und bevorzugt deshalb die "billigere" Variante. Vielleicht ist das ja auch irgendwie zu thematisieren und zu klären.

    LG
     
  6. Dopamin

    Dopamin Newbie

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    Guten Tag!

    Hupfi: Man es ist aber auch immer wieder das selbe mit den "Quaksalbern"! Wir haben drei O-Ärzte auf Station die drei verschiedene Linien fahren...

    Meine Taktik ist nicht aufzugeben...dennn wie schon gesagt ist der Patient der leidtragende bei diesem Spielchen...das ist mein erstes Argument...weiterhin bin ich echt ein Streber und scheue mich nicht davor mit einer fetten Materialsammlung bei der Visite aufzukreuzen um klar zu machen das auch "Neue" Sachen gut und vor allem wirksam sind und meine "Fachkompetenz zu demonstrieren"...wenn das nichts bringt argutmentiere ich mit "falscher Eitelkeit"...und dann nerve ich weiter...und weiter und weiter...ich kann wirklich zermürbend sein...sind die Fronten dann noch verhärtet suche ich mir UNterstützung (Assi´s, O-Arzt, Chef, Kollegen, Stationsleitung) einfach jeden den ich überzeugen kann und der das Zünglein an der Wage sein könnte...meistens geben die Ärzte dann nach...tun erst genervt und sagen so Dinge wie "mach doch was du willst" oder "wenn du denkst das das die beste Methode ist das zu handhaben"...wenn sich der Erfolg dann einstellt werden die meisten sehr kleinlaut...nach einiger Zeit auf Station habe ich mich schon als hartnäckig etabliert und mitlerweile wird kaum noch dirkutiert...ob es so richtig oder für dich nützlich ist wie ich es bei uns auf Station immer mache weiß ich nicht...viele von den ganz alten Kollegen sagen immer das ich mir gegenüber den Ärzten eine Menge herausnehme...allerdings finden sie es gut das "wir junges Gemüse" stolz sind "Pflegexperten" zu sein und uns nicht scheuen den Göttern in Weiß Paroli zu bieten...fachliche Kompetenz erwirbt man nicht nur durch ein Medizinstudium...auch ich selber habe die Erfahrung gemacht das die Ärzte einen nach anfänglichem Missmut sehr dafür schätzen und wenn die Schwellung der verletzten Eitelkeit abgeklungen ist auch gerne auf spezielleres Wissen (z.B. moderne Wundversorgung) zurück greifen!!

    Ich rate dir also im Interresse deines Patienten hartnäckig zu bleiben...so würde ich es machen:boxen:
     
  7. Brady

    Brady Gast

    Hallo Hupfie,

    jetzt nicht schlagen, aber wenn ihr bis jetzt immer gut mit ihm ausgekommen seid, was ist denn jetzt passiert?

    Als Arzt trägt er die Gesamtverantwortung der Behandlung, das ist nun erstmal auch Fakt. Vielleicht sollte man ihn auch mehr berücksichtigen?

    Auch aus seiner Lage heraus dies betrachten? Ein Arzt in der Praxis hat es heutzutage nun auch mal nicht so einfach. Kann es sein, dass er sich von allen Seiten, wie Krankenkasse, Pflege, Patienten, usw.. auch unter Druck gesetzt fühlt?

    Ist er durch eure Arbeit erleichtert mit seiner Tätigkeit oder eher noch mehr belastet?

    Ich würde, wenn es bis jetzt immer gut funktioniert hat, auch mal schauen, wo habe ich mich vielleicht zu weit rausgelehnt?

    Er geht auf Beziehungsebene mit seiner Äußerung, ist doch gar nicht so schlecht. Denn andere Ärzte die noch nicht so weit sind, bringen diese Aussage überhaupt nicht, sondern setzen sich erst gar nicht damit auseinander. Eine Teamarbeit mit euch und dem Arzt ist doch im Gange, sehe es sogar als gutes Zeichen. Ich würde es auch als positiv betrachten.

    Denn viele Ärzte in den Praxen sind oft Einzelkämpfer, werten ab, schlagen um sich, weil sie auch alleine da stehen. Wenn dann plötzlich jemand kommt, der alles anders haben will, das macht denke ich ihnen auch Angst.

    Denn wenn sowas so offen angesprochen wird, dann hat man die Möglichkeit zur Teamarbeit. Ängste, Vorstellungen und auch Wertvorstellungen kommen zur Sprache. Auseinandersetzung ist der Anfang einer guten Kommunikation, auch wenn sie jetzt erstmal negativ rüberkommt. Aber es ist eine Chance, er hat von sich was preisgegeben...
    Also in diesem Sinne dranbleiben....

    Liebe Grüße Brady
     
  8. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    Hallo,
    der Aspekt, dass der Arzt es vielleicht gerne ändern würde, aber auch den Kostenfaktor sieht, ist wahrscheinlich gar nicht mal so unwahrscheinlich.
    Ein niedergelasener Arzt kann nicht "aus dem vollen Schöpfen" wie die Kollegen in der Klinik! Wenn er sein Budget überschreitet, dann zahlt er privat drauf! Ich denke anders sieht es aus, wenn sowas auf Privatrezept läuft...wobei dann natürlich die Pat. die Hauptlast zu tragen hat (und eventuell nicht kann?).
    Gerade spezielle Sachen in der Wundversorgung sind immens teuer...
     
  9. Hupfie

    Hupfie Newbie

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    Hallo!
    Jetzt will ich mich auch mal wieder äußern.
    Also, die Patientin mußte jetzt zum Hautarzt und der meinte, dass die Wunde gut aussähe und wir sollten sie jetzt mit Panthenol-Salbe weiterversorgen. Nun sind natürlich alle weiteren Überredungsversuche überflüssig... :angry:

    Zum Aspekt mit den Kosten muß ich sagen, dass dieser Hausarzt uns die Pflaster schon verordnet hatte, diese aber in der Apotheke nicht vorrätig waren und es somit einen Tag länger gedauert hat. Nun haben wir die guten Pflaster und machen Panthenol-Salbe auf die Wunde. :wut:

    Also der Arzt hatte aber wahrscheinlich einfach einen schlechten Tag, denn am übernächsten Tag nach meiner Unterredung mit ihm forderte er mich an, ich solle mir doch bitte einen Patienten anschauen, der aus dem Krankenhaus gekommen ist und hat eine Wunde an der Ferse. Vielleicht hatte er auch eine von diesen netten Regressforderungen bekommen und bezog diese auf alle seine Bereiche.
    Schauen wir mal, wie es dort weiter geht.

    Ich finde es aber allgemein problematisch mit unseren Hausärzten, diese von der modernen Wundversorgung zu überzeugen. In allen Bereichen gibt es Fortschritte und Neuigkeiten und in der Wundversorgung machen wir es so, als wüßten wir nichts über die Wundheilung, sondern benutzen Dinge, die schon längst hätten vom Markt gemußt.
    Ich finde es einfach nur traurig, denn wie ja schon mal geschrieben, es geht immer auf Kosten des Patienten und seiner Lebensqualität. Diese Spielchen mit dem ausprobieren von Salben ist meines Erachtens halt immer wieder der falsche Weg.

    Gruß Hupfie
     
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