Sinnvolle Beschäftigung dementer Bewohner

Dieses Thema im Forum "Millieugestaltung in der Altenpflege" wurde erstellt von Bravado, 08.12.2007.

  1. Bravado

    Bravado Newbie

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    Hallo!

    Empfindet ihr die Beschäftigung eurer dementen Bewohner im Altenpflegeheim ausreichend und sinnvoll?
    Ich habe bis jetzt in 5 unterschiedlichen Altenpflegeheimen gearbeitet und das aktuelle ist das einzigste das es sich leistet ein ganzes Team von 7 Mitarbeitern für die sinnvolle Beschäftigung, meist dementer Bewohner zu beschäftigen.

    Meiner Meinung nach ist dies aber wirklich dringend notwendig, da eine Beschäftigungstherapeutin nicht für das ganze Heim zuständig sein kann.

    Außerdem ist mir aufgefallen das in meinem jetzigen Heim, die Beschäftigung sowie 10-Minuten-Aktivierung in den Papiergebundenen Durchführungsnachweisen vermerkt ist, somit gerät es nie in Vergessenheit und wird wirklich durchgeführt.

    Außerdem gibt es bei mir auf der station auf eine Mitarbeiterin die Beschäftigung sehr gern macht. Diese beschäftigt sich 4-5x/Woche mit Dementen in der Einzelbetreuung um diesen Bewohnern sinnvolle Beschäftigung zu geben.
    Sie kommt auch rein wenn sie frei hat und einen solchen Einsatz von Seiten der Mitarbeiter habe ich selten erlebt.

    Wie sieht es in euren Einrichtungen in Sachen Beschäftigung aus?

    Bin schon auf eure Antworten gespannt!

    Pfia God Bravado
     
  2. Brady

    Brady Gast

    Hallo Bravado,

    was verstehst Du unter sinnvoller Beschäftigung? Beschäftigungstherapie?

    Ich habe bei diesem Wort schon eine Abneigung; sorry. Für mich wäre "Aktivierung" passender.

    Aber ich lasse mich gerne überzeugen.

    Liebe Grüße Brady
     
  3. Chefkoch

    Chefkoch Gast

    Was ist eine sinnvolle Beschäftigung für demente Bewohner?

    Hi !

    Ich habe Beschäftigung von dementen Bewohnern in mehreren Altenheimen kennen gelernt. Manche Heime haben nur eine "einfache Beschäftigung" der Bewohner, die eher mit einer Betreuung gleichzusetzen ist. (z.B. zähle ich dazu die "Zeitungsschau")
    Andere Heime (vielleicht eher Kleinere oder welche, die private Träger haben) betreiben eine intensivere Beschäftigung und gehen mehr auf einzelne Bewohner ein.

    Bei uns wurden immer viele Spiele (aller Art) und Bewegungstrainings (leichte Gymnastik) gemacht. Aber auch Rätsel oder Gesang durften nicht fehlen. So eine Art Beschäftigung gibt es nicht in allem Heimen. Aber auch die Schwester oder der Pfleger muss dazu angehen und sollte gut zu den alten Leuten passen. Ich kenne nur sehr wenige Pflegekräfte, denen eine "Beschäftigungstherapie" für demente Bewohner Spaß macht, weil es nicht immer leicht ist, es den älteren Leuten recht zu machen.

    Am besten sind immer die Spiele, wo man etwas Werfen oder Fangen musste angekommen. Mit leichten Rechenaufgaben wurde es dann schon wieder zu schwer. Aber die Dinge, die kleine Kinder gerne machen, sind auch bei alten Leuten beliebt.

    MfG - der Chefkoch
     
  4. Anica

    Anica Junior-Mitglied

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    Wir haben 2 Aktivierungstherapeutinnen für 20 Bewohner . Ich arbeite auf ner Langzeitpflegestation welche langsam umfunktioniert wird in eine Demenzabteilung .
    Täglich ist also immer eine Therapeutin da , die mit den Bewohner Gymnastik macht, bastelt, malt , kocht und bäckt und vieles mehr....
    Für uns als Pflege ist es eine enorme Arbeitserleichterung, die ich nicht missen möchte , wobei ich aber auch weiss dass es nicht überall gleich ist , schon gar nicht in Deutschland....leider.......

    liebste Grüße Anica
     
  5. Schreiberling

    Schreiberling Gesperrt

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    Hallo,

    wir bieten seit fast zwei Jahren in unserem Heim den so genannten "Treff" an, eine Art "Nachtcafé", hier können sich die Bewohner ab Nachmittags bis spät am Abend aufhalten und werden dort betreut und aktiviert. Gerade die dementen Bewohner nehmen dieses Angebot sehr gerne an, das das Programm doch sehr umfangreich ist.
    Der "Treff" organisiert sich selbst und versorgt sich auch selbst aus der Küche, das heisst, es wird jede Mahlzeit gemeinsam selbst hergestellt. Das Aktivierungsangebot ist breit gefächert, wird von der betreuenden Pflegekraft individuell festgelegt, je nach dem welche Bewohner gerade da sind. Das geht von Bewegungsübungen, Gedächtnistraining, sämtliche hauswirtschaftliche Tätigkeiten über Besuch von Ausstellungen und Veranstaltungen, bis hin zum gemeinsamen Einkaufen, etc...
    Bei unseren dementen Bewohnern, die weg- bzw hinlaufgefährdet sind konnten wir feststellen, dass sie seither weniger von uns gesucht werden mussten, da sie sich gerne dort aufhalten, solange sie eine sinnvolle Aufgabe erhalten.

    Gruß Schreiberling
     
  6. Chefkoch

    Chefkoch Gast

    Antwort: Sinnvolle Beschäftigung dementer Bewohner

    hallo Schreiberling,

    das finde ich eine sehr gute Idee. Die Umsetzung kann ich mir zwar nicht ganz so gut vorstellen, aber ihr habt ja mehr Erfahrungen damit gemacht. Es ist sicherlich eine andere Art von Beschäftigung der alten Leute.

    Hauptsache es wird von den Bewohnern angenommen und ist für das Personal zu schaffen. Klingt sehr vielversprechend und interessant... ;)

    Grüße, der Chefkoch
     
  7. Schreiberling

    Schreiberling Gesperrt

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    Hallo Chefkoch,

    natürlich hatten wir auch unsere Anlaufschwierigkeiten, mittlerweile hat sich aber alles super eingespielt.
    Unsere Einrichtung ist in drei Ebenen/Stationen unterteilt, jede Woche im Wechsel ist eine Fachkraft einer Ebene für den "Treff" eingeplant, zur Unterstützung ist immer eine FSJ-lerin oder ein Zivi mit dabei. Somit sind auch solche Dinge wie z.B. Toilettengänge abgesichert.
    Die Arbeitszeit für die Fachkraft beginnt um 14.00 oder 15.00 Uhr (je nach Programm) und endet zwischen 21.00 und 22.00 Uhr. Hierbei wird natürlich ein hohes Mass an Flexibilität erwartet, aber natürlich auch entsprechend vergütet.
    Seit Einführung des "Treffs" haben wir auch eine zusätzliche Nachtwache, um die Versorgung und das zu Bett bringen der Bewohner zu gewährleisten.

    Bisher haben wir von diesem Projekt nur profitiert, nicht zuletzt die Bewohner natürlich auch!

    Gruß Schreiberling
     
  8. Chefkoch

    Chefkoch Gast

    Servus Schreiberling,

    so in etwa wie bei euch die Einteilung des Pflegepersonals des "Treffs" ist, kenne ich es bereits aus einem Altenheim. In kleineren Heimen wird es vielleicht nicht gleich als "Treff" oder "Nachtkaffee" betitelt, aber es handelt sich meist um ein ähnliches Beschäftigungsangebot.

    In dem Heim, wo ich lange Zeit war, gab es auch 3 Stationen/Wohnbereiche, wo immer eine Pflegekraft für die Beschäftigung und intensive Betreuung der Bewohner zuständig war. Die Dienstzeiten waren (wie bei euch) anders, als normale Pflege. Die Unterstützung durch nicht ausgebildete Kräfte (FSJ, Zivi, Praktikanten) kam bei den älteren Leuten immer gut an, denn so kamen wieder neue und vorallem jüngere Leute mit in die Runde, die die Beschäftigung aufgelockert und bereichert haben. Es wurden Spiele aller Art, Bewegungsübungen, Gedächtnistraining (Rätsel), häusliche Tätigkeiten oder Veranstaltungen angeboten.

    Es gibt viele Altenpflegeheime, die eine Beschäftigung anbieten, aber ich habe auch schon gehört, dass manche Heime da ganz drauf verzichten. Wieso gibt es so etwas und warum wird sich dort nicht weiter um die alten Leute gekümmert? Sind das dann noch Altenpflegeheime oder sind Einrichtungen ohne jegliche Betreuung eher in die Kategorie "Betreutes Wohnen" einzuordnen? Denn ganz ohne ein besonderes Beschäftigungsangebot wird es den alten Menschen sicher schnell langweilig...

    Schönen Abend!
    der Chefkoch
     
  9. Schreiberling

    Schreiberling Gesperrt

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    Genau das war der Grund, so etwas bei uns einzuführen. Den Bewohnern wars langweilig und es musste etwas passieren.

    Ich denke, das liegt an dem Interesse und dem Engagement des Betreibers einer solchen Einrichtung, in wie weit etwas für die Bewohner getan wird. Ein Heim, das auf solche Angebote ganz verzichtet wird über kurz oder lang spätestens am Zulauf bemerken, dass dies nicht der Weg ist...

    Gruß Schreiberling
     
  10. pflegedino

    pflegedino Junior-Mitglied

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    Hallo Alle

    was mir bei den Ausführungen etwas fehlt, ist der Hinweis auf die Biografie des Senioren. Es ist gerade bei Dementen unmöglich, neue Fertigkeiten zu erlernen, sondern Beschäftigung muss auf in früheren Jahren erlernte und geübte Tätigkeiten zurück greifen.

    Der beschriebene Nachttreff ist eine sehr gute Sache, da der Eintritt der Dunkelheit von dementen Menschen als bedrohlich empfunden wird. Sie fühlen sich dann oft bedroht- äussern dies durch Unruhe, durch Umherwandern...

    Der Begriff "sinnvoll" hat für mich in der Dementenbetreuung keine Bedeutung; es geht nicht darum, dass Sinn entsteht, sondern dass der betreffende Mensch mit seiner Tätigkeit zufrieden ist. Wenn ein dementer es als interessant empfindet, den Tisch mit Essensresten zu beschmieren, dann sehe ich persönlich darin zwar keinen Sinn, aber derjenige offensichtlich schon. Wenns ihm guttut, dann beschmiere ich gemeinsam mit ihm den Tisch....zumindest werde ich ihn bei seiner Tätigkeit keinesfalls stören.

    Abgesehen von der Demenzbetreuung- was passiert mit den Menschen mit schwersten Beeinträchtigungen? Wie werden die aktiviert- betreut? Daran würde ich die Qualität der Betreuung messen, nicht an der Anzahl der Gruppen- und Gymnastikstunden für relativ fitte Bewohner.

    Übrigens gehört ein Betreuungskonzept zu den Parametern bei der Qualitätsprüfung durch den MDK; also sollte jedes Heim eines haben.

    Gruß Dino
     
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