Servicekräfte vs. Pflegekräfte

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Touhy, 24.10.2006.

  1. Touhy

    Touhy Stammgast

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    Hallo,

    wir haben heute über dieses neue Pflegekonzept, bzw. Versorgungskonzept auf einigen Station der Uniklinik Frankfurt (?) gesprochen.
    Also es soll wohl so sein, dass es dort nur noch Servicekräfte bzw. angelernte Pflegekräfte gibt. Also eine Einheit, die zum Waschen der Patienten kommt und die nächste dann zum Bettenmachen und dann die nächste zum Blutdruckmessen und so weiter. Angeblich soll es auf diesen Stationen dann nur noch eine Krankenschwester/Pfleger geben, der dann alles koordiniert und so. Hat jemand davon gehört? Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, wie das funktioniert. Wer macht die Prophylaxen? Krankenbeobachtung? Wohin verschwinden die ganzen examinierten Krankenschwestern?

    Touhy
     
  2. Crizzy

    Crizzy Stammgast

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    Hallo!

    Genau zu diesem Thema hat unsre Lehrerin letztes Mal auch etwas gesagt, und zwar dass examinierte GKP wohl in absehbarer Zeit von z.B. Arzthelferinnen (=Servicekräfte?!) ersetzt werden und deshalb die neue PflegeAusbildung auch mehr in Richtung Gesundheitspflege und Beratung ginge um dann noch irgendwo Fuß fassen zu können....
    Frag mich auch wie ich mir das dann vorstellen soll :weissnix:

    Liebe, fragende Grüße....
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wieviele (handwerkliche) Tätigkeiten werden heute schon von "Ungelernten" Kräften erledigt? Da ist der Zivi, der einen Pat. wäscht. Da ist die FSJlerin die BZ macht, RR mißt und pulst. Da ist der Schüler im ersten Lehrjahr, der Insulin gibt oder Heparin subcutan injiziert. usw., usw., usw.
    Der Beweis, dass es geht ist längst erbracht.

    Und trotzdem wird es Probleme geben. Pflegekraft muss lernen so etwas wie Limits vorzugeben. Sie muss Probleme und Risiken im Vorfeld erkennen und entsprechende Beobachtungsmaßnahmen ansetzen und diese kontrollieren. Pflegekräfte werden sich also zukünftig nicht mehr allein auf ihre Intuition bzw. sinnliche Wahrnehmung verlassen können. Pflegekräfte der neuen Generation werden mehr den je über Fach- und Methodenkompetenz, über Personale Kompetenz usw. verfügen müssen.

    Und ja- es wird am Bedarf vorbei ausgebildet.

    Elisabeth
     
  4. Wishmaster

    Wishmaster Newbie

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    Ich halte es für sehr gefährlich, sämtliche Leute mit qualifizierten Fachkenntnissen von den Betten abzuziehen (wie im Beispiel des ersten Beitrages), weil die professionelle Krankenbeobachtung und somit einer der wichtigsten Faktoren überhaupt auf der Strecke bleiben wird, wenn "Funktionseinheiten" tätigkeitsorientiert über die Station laufen und der, der eigentlich die Verantwortung trägt, die Patienten eher selten zu Gesicht bekommt.
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Laut der Beschreibung von Touhy handelt es sich nicht um ungelernte Kräfte sondern um entsprechend geschulte Kräfte.
    Was sind qualifizierte Fachkenntnisse? Waschen kann jeder, der über ein angemessens Maß an Epathie verfügt.
    Ab wann ist eine Krankenbeobachtung als professionell zu betrachten? Blutdruckmesse kann jeder nach kurzem Anlernen.
    Warum ist eine professionelle Pflege nur garantiert, wenn man sie selbst ausführt? Zivi, FSJler und Azubis arbeiten bereits heute zum gößten Teil ohne Aufsicht.

    Und wenn wir uns im Ausland umschauen. da finden wir diese Modelle schon zu Hauf.

    Nur weil uns etwas ungewöhnlich erscheint, muss es nicht unbedingt schlecht sein. Die Entscheidung hat ja auch Gründe und Ursachen. Wir befinden uns derzeit wohl in der größten Umstrukturierung des Gesundheitswesens. Da wird auch Pflege sich anpassen müssen an neue Marktbedingungen. Nur wer flexibel auf diese Einflüsse reagieren kann, wird überleben.

    Elisabeth
     
  6. Aloha

    Aloha Poweruser

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    @Elisabeth:

    Du hast geschrieben, dass am Bedarf vorbei ausgebildet wird. Gibt es dazu Zahlen/Schaetzungen? Wuerde mich mal interessieren, in welchen Dimensionen sich das Ganze befindet.

    Zum Thema:

    Der Ansatz ist sicherlich richtig und notwendig. Die Krankenschwester ist fuer die Koordination und Ueberwachung des Stationsablaufes verantwortlich. Sie muss entscheiden, wem welche Aufgaben uebertragen werden koennen.
    Es muss also gewaehrleistet sein, dass sich die Pflegekraft ein umfassendes Bild aller ihr zugeteilten Patienten machen kann. Denn ich denke, dass man in Deutschland eher versucht, mehr einzusparen als moeglich - daher auch die Einwaende und Bedenken.
    Da hier das Ausland angesprochen wurde (nehmts mir nicht uebel, dass ich hier einhake :D ): mit allen Hilfskraeften, die dort zur Verfuegung stehen und diverse Taetigkeiten uebernehmen, hat eine einzelne Pflegekraft weniger Patienten zu betreuen, als das im Schnitt in Deutschland ist (was ich Euren aktuellen Beitraegen zur Stationsbesetzung entnehme).

    Weiss denn jemand genaueres ueber das neue Konzept? Ich will es ja nicht verurteilen, bevor ich mehr darueber weiss.....

    LG Aloha
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Die Zahlen des Arbeitsamtes bezüglich verfügbarer Pflegekräfte spricht aus meiner Sicht schon Bände.

    Auf der anderen werden Pflegekräfte händeringend gesucht... mit einer geringeren Qualifikation und somit billiger.

    Elisabeth
     
  8. Michl

    Michl Gast

    @ Touhy

    Kam dabei auch Primary Nursing zu Wort?
    Dann dürften die Station gegen den Trend nicht größer als 16 - 20 Patienten sein, wenn vormittags und nachmittags nur je eine Fachpflegekraft anwesend ist.

    Ohne Primary Nursing kann ich mir dieses System nicht vorstellen. (Vorstellen vielleicht schon :( )Ein Zurück in die Funktionspflege, die Verantwortlichkeiten wechseln zwischen den Schichten und der Patient läuft unweigerlich Gefahr, keine geplante Pflege zu erhalten, weil sich niemand zuständig fühlt.

    Davor sind aber noch einige organisatorische Dinge zu beachten:
    Für wie viele Patienten ist dann eine examnierte Kraft zuständig?
    Wer ist für die Patienten zuständig, wenn sie in Pause ist?
    Wer macht Transporte bei Risiko-Patienten, die eine potentielle Fachbetreuung brauchen?

    Grüße
    Michl
     
  9. Aloha

    Aloha Poweruser

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    Danke Elisabeth fuer die Antwort und den link!

    Bin weiterhin gespannt, ob noch mehr Informationen zum Thema kommen.
    Ich habe auf die Schnelle nur das hier gefunden:

    http://www.ahr-service.com/downloads/2006-02_krankenhaus_umschau.pdf

    Aber so "extrem" wie im Eingangspost beschrieben, laeuft es da ja nicht ab.

    Und dann gibt es noch den Artikel:

    IntegrierteVersorgung: (link funktioniert bei mir nur in HTML-Format)

    Seite 46/47 sind zum Thema interessant. Hier geht es um eine Arbeitsverschiebung, also keine Wegrationalisierung von Krankenschwestern, sondern Abgabe von Taetigkeiten an Servicekraefte und dafuer Uebernahme aerztlicher Taetigkeiten.
     
  10. Touhy

    Touhy Stammgast

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    Darf ich noch mal zum Ausgangspost zurückkommen?

    Mein Beitrag ist eher als Frage zu verstehen.
    Es gibt bereits einen Thread, der sich auf Vorbehaltsaufgaben der Krankenschwestern/Pfleger bezieht und daher denke ich, dass eine
    Verlagerung dieser Diskussion in diesen Thread nicht so sinnvoll ist.

    Alles was ich geschrieben habe, sind Sachen, die ich vom Hörensagen (Chef) kenne.
    Also Aussagen, dass es sich um angelernte Kräfte und einjährige Kräfte (KPH)
    handelt, habe ich nie getroffen.
    Also bitte hier keine Spekulationen verbreiten aus Aussagen, die ich nie
    getroffen habe.

    Meine Frage dazu war, ob jemand etwas genaueres weiß über dieses
    konkrete Konzept aus Frankfurt und wie es dort läuft und wie zufrieden die
    dort angestellten Pflegekräfte sind.
    Also nochmal, weiß jemand etwas darüber?
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wieso interessiert dich diese Frage? Hat euer Chef vor ähnliches einzuführen? Was bringt dir dann die Frage mit der Zufriedenheit? *neugierigbin* Wahrnehmung ist immer subjektiv. Das hast du ja auch an unseren Beiträgen bemerkt.

    Deine Eingangsfragen waren übrigens:
    Die Fragen haben wir versucht zu beantworten.


    Elisabeth
     
    #11 Elisabeth Dinse, 25.10.2006
    Zuletzt bearbeitet: 25.10.2006
  12. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Das was in Frankfurt angedacht ist, klingt wie die Arbeitsorganisation der Pflegekräfte aus dem Ursprungsland der deutschen DRG`s. In Sydney`er Krankenhäusern ist die Arbeit genau so organisiert. Die ex. Schw. plant, organisiert und koordiniert alles um den Patienten mit den Clinical Pathways als rotem Faden. Die Arbeit machen dann Teilzeitkräfte mit entsprechend notwendigen Qualifikationen.
    Der (gravierende) Unterschied zu Deutschland ist die deutlich höhere Entscheidungskompetenz dortiger Pflegepersonale was z.B. Medikamente angeht.
    MfG
    rudi09

     
  13. soli69

    soli69 Newbie

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    Oh ja, davon habe ich auch schon viel gehört in unserer Klinik. Teilweise(am WE) arbeite ich schon so als ex. KS.

    Ist ätzend und braucht starke Nerven. Es wird wohl so demnächst laufen, aufgrund unserer Gesundheitspolitik, leider?

    Ich frage mich jeden Tag, wo soll es noch hin führen und wie lange halten wir es als Pflegepersonal noch durch?

    Welche Rechte haben wir als PP? Wo bleiben wir?

    Lg. Soli
     
  14. Hasebmp

    Hasebmp Newbie

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    In unserem Krankenhaus sind inzwischen auch auf jeder Station je 2 Servicekräfte eingesetzt worden und dafür musste auf jeder Station eine ex. Krankenschwester gehen leider. Unsere Servicekräfte wurde innerhalb von kürzester Zeit auf alles getrimmt. Kürzeste Zeit = 1 Mon. Theorie und 1 Mon. Praxis. Die haben innerhalb von 1 Woche das Waschen gelernt. Ja und und wenn man dann jetzt mit ihnen "zusammenarbeitet" merkt man das schon manchmal. Viele sind extrem unhöflich und denken sie seien Graf Koks von Sonstwas. Sie nehmen sich ganz schön was raus. Und neulich bin ich dann bei einem Pat. gewesen nachdem er wasser gelassen hatte und habe Intimpflege durchgeführt und da war deutlich zu erkennen das sie morgens z.B. nicht die Vorhaut zurückgeschoben hatte. Oder aber den Dekubitus am Steiß nicht gesehen oder weitergeleitet hatte. Sie haben aber auch ihre Vorteile. Bei Tätigkeiten wie Betten desinfizieren und neu beziehen nach Entlassungen oder Essen austeilen und solchen Tätigkeiten möchte ich sie nicht missen. Vitalzeichenkontrolle dürfen sie bei uns zum Glück nicht durchführen.
    Im Großen und Ganzen bin ich dennoch gegen Servicekräfte, da sie uns die Stellen wegnehmen, die sowieso schon immer mehr abgebaut werden. es ist echt traurig mit anzusehen. Vor allem wenn eine Servicekraft dann mit "Schwester" angesprochen wird, weil sie sich von der Berufskleidung kein Stück unterscheidet. Wenn ich mir vorstelle einmal Pat. zu sein und da könnte eine Servicekraft kommen und ihre Kompetenzen überschreiten wird mir ganz anders. Vor allem denke ich da an Pat. der älteren Generation die die kleinen Namensschilder nicht mehr lesen können...
     
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