Sensibilitätsstörungen bei Down Syndrom

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Grangepflecheschilerin

Gast
Hallo liebe MitleserInnen,

ich habe alles getan und gemacht, das halbe Internet durchsucht aber leider nichts Brauchbares gefunden - ev. können mir die Experten unter euch weiterhelfen?!

Eine junge Frau mit Down-Syndrom (oder auch "Trisomie 21"), welche ich derzeit betreue kratzt sich eine Wunde am Arm immer wieder auf. Eine Kollegin meinte zu mir, dass das andauernde Aufkratzen mit der Sensibilität ihrer (also der zu Betreuenden) Haut zu tun hätte, dass also die Reizleitung gestört sei.

Mich persönlich interessiert jetzt ob diese Sensibilitätsstörung personen- ODER behinderungsbezogen (also bei Menschen mit Down-Syndrom allgemein) besteht?!

Habt ihr eine Idee wie man das Aufkratzen vermeiden bzw. verringern kann?! Dauerndes Ermahnen bringt nämlich nichts, es kommt auch vor dass das halbe T-shirt verblutet ist - als "Ausrede" kommt immer der gleiche Spruch "Ich mach's ja nie wieder!". (Ich arbeite in einer offenen, stationären Wohneinrichtung für Erwachsene mit geistiger Behinderung)

Vielen Dank schonmal für eure Mithilfe!

Viele Grüße von der Grangepflecheschilerin
 

Anika

Senior-Mitglied
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10.05.2005
Beiträge
135
Beruf
Dipl. Pflegepädagogin; Krankenschwester
Ich kenne auch jemanden, der so eine Stelle hatte, die er sich immer und immer wieder blutig gekratzt hat, und die folglich nicht heilen konnte. Ein Dermatologen hat daraufhin gesagt, dass es zwei Möglichkeiten gibt, damit die Wunde endlich heilt:
1. kann man sie operieren und eine primäre Naht machen
2. einfach aufhören zu kratzen
Letzteres ist nicht so einfach, darufhin hat der Arzt gesagt, dass man statt kratzen auch mit der flachen Hand leicht auf die Wunde klopfen kann immer wenn sie juckt, das hat den selben Effekt wir kratzen, nämlich, dass der Juckreiz gemindert wird. Vielleicht geht das mit Deiner Bewohnerin?
Ansonsten fällt mit nur Bandagieren ein bis es verheilt ist, wieder die Frage, ob die Bewohnerin das toleriert.
Viel Erfolg und berichte dann mal.
LG Anika
 

nadl.b

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Elmstein-Pfalz
Beruf
Kinderkrankenschwester
Akt. Einsatzbereich
interdisziplinäre Kinderintensivstation
Hallo!

Noch ein Tipp, der bei Kindern mit Neurodermitis häufig einen großen Erfolg hat!

Bastle deiner Bewohnerin ein Kratzklötzchen mit rauer Oberfläche und bring ihr bei, dass sie darauf Kratzen soll, wenn sie Juckreiz hat.
Häufig ist dann das Bedürfnis zu kratzen gestillt, und der Juckreiz schon dadurch gelindert!

Liebe Grüße
 
G

Grangepflecheschilerin

Gast
Hallo Elisabeth und alle anderen MitleserInnen,

zunächst einmal vielen Dank für eure Tipps und Anregungen zum oben genannten Thema, ich werde versuchen einige Sachen in meiner Arbeit zu berücksichtigen bzw. sie mit einzubauen.

An SVV hab ich auch schon gedacht - allerdings lassen meine Beobachtungen der letzten Zeit darauf schließen, dass es sich eben NICHT um dieses Symptom (?) handelt (u.U. bin ich auch -noch- nicht allzu bewandert im Thema "SVV"!?).

Beispielsweise fiel mir auf, dass sie sich zwischendurch im Gespräch, beim Spülen oder Malen ganz unbewußt (sie nimmt die Kratzerei erst wahr, wenn man sie darauf hinweist dass sie dies unterlassen soll!) am Arm kratzt bzw. mit ihren Fingernägeln über den ganzen Arm fährt.

Die Wunde um welche es sich handelt hat sie sich übrigens vor etwa 1 1/2 Jahren beim Arbeiten in der WfbM zugezogen, als ihr Arm auf einer Heizung lag (Ich weiß nicht genau, wie ich das formulieren soll!) - sie hat das Heiße nicht gespürt und schwuppi .. hatte sie eine relativ große Brandwunde.

Ich weiß, pädagogisch nicht sehr wertvoll - dennoch begegne ich ihr nach jedem neuen Aufkratzen mit dem Spruch "Das Nächste Mal gehen wir zum Sanitätshaus um dir eine hübsche Armprothese auszusuchen - irgendwann wird dein Arm abfallen wenn das so weitergeht!" - für den Moment erkennt sie den Ernst der Situation, jedoch hat sie am nächsten Tag alles wieder vergessen. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen jedesmal konsequent ihren Arm zu kontrollieren wenn sie vom Arbeiten wieder auf die Gruppe kommt - diese Konsequenz fruchtet nur sehr schwer und wird auch eine längere Zeit in Anspruch nehmen (bis eben alles verheilt ist).

Kommen wir aber noch einmal zur Ausgangsfrage:

Ist es möglich / Tatsache, dass bei Menschen mit Down-Syndrom die Reizleitung zum Gehirn gestört und somit eine Sensibilitätsstörung vorhanden ist?
Wo bekomme ich Informationen über den medizinischen / pflegerischen Aspekt dieses Themas her?

Vielen Dank schonmal für's Lesen und Antworten! :-)

Viele Grüße von der Grangepflecheschilerin
 

junni

Stammgast
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17.02.2006
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Fachkinderkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie
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Frühgeborenen- und Kinderintensiv
Funktion
stellv. Stationsleitung
Hallo!

Hab mal bei Wiki unter Trisomie 21 nachgelesen und da steht
Veränderungen in der Hirnrinde lassen außerdem darauf schließen, dass die Körperselbstwahrnehmung und die Bewegungswahrnehmung gestört sind, was häufig eine Ergotherapie notwendig macht.
Vielleicht hilft dir das weiter?

VG junni
 

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