Selbstwertgefühl und Mobilisation

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von hartwig, 02.02.2009.

  1. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Welche praktische Bedeutung hat das Selbstwertgefühl des Patienten für die Pflege? Folgendes Beispiel: Eine Gruppe von bettlägrigen Patienten (die Primärerkrankung soll hier keine Rolle spielen) wird mobilisiert. Gruppe 1 wird herkömmlich mobilisiert, Gruppe 2 wird unter kinästhetische Gesichtspunkten aktiviert. Nach einer gewissen Zeitspanne wird das Selbstwertgefühl gemessen. Ist ein Unterschied zu erwarten? Was ist eure Meinung?

    Mitunter hängt das Selbstwertgefühl mit der Selbstbeeinträchtigung oder Selbstbenachteiligung zusammen. Das bedeutet, man schützt sein Selbstwertgefühl indem man sein eigenes Verhalten (möglicherweise unbewusst) beeinträchtigt. Also beispielsweise, anstatt für das Pflegeexamen zu lernen renoviert man seine Wohnung (denn die hatte es schon lange nötig), fällt man dann durch das Examen hat man gleich die Entschuldigung parat, man habe sich schlieslich um seine Wohnung kümmern müssen, so schützt man sein eigenes Selbstwertgefühl. Man zweifelt also an seiner Fähigkeit, eine bestimmte Aufgabe zu meistern und sabotiert deshalb (absichtlich) seine Leistung.
    Kann ein solches Verhalten möglicherweise bei der Mobilisierung eine Rolle spielen? Wahrscheinlich kennen wir alle den Patienten, der eigentlich könnte, aber nicht so richtig will. Motorisch gibt es keine Gründe, warum wir den Patienten nicht zum Stuhl mobilisieren könnten, trotzdem haben wir keine Chance, er bleibt im Bett. Ist in einem solchen Fall ein Zusammenhang mit dem Selbstwertgefühl denkbar? Also, der Patient schützt sein Selbstwertgefühl, da er Angst hat, bei der Mobilisierung zu scheiter, was sein Selbstwertgefühl mindern würde, er entwickelt also eine Strategie der Selbstbeeinträchtigung (er müsse sich schonen) um sich nicht dieser Aufgabe stellen zu müssen?
    Was denkt ihr?


    Gruss Hartwig
     
  2. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    Der häufigste Grund für eine Ablehnung in meinem Bereich sind Depressionen, häufig mit einem vorausgegangenen frischen oder älteren Hirninfarkt, wo sich mir doch häufiger die Frage stellt, ob diese tiefe Traurigkeit + sich nach außen abschotten hirnorganisch bedingt sind oder aufgrund der Perspektivlosigkeit nach einem größeren Ereignis, beides zusammen wäre auch möglich.
    Grundsätzlich bekommt es mir nie gut wenn ich einen Patienten mobilisiere der das nicht möchte, nach kürzester Zeit möchte Patient x dann wieder ins Bett obwohl ich dafür in diesem Moment keine Zeit mehr habe weil jetzt die Patienten a - j dran sind, ich denke da ist es doch eher zweitrangig wie Patient x mobilisiert wurde. Patient x wird auf alle Fälle einen Grund finden nach kürzester Zeit wieder ins Bett zu dürfen.
     
  3. graógramán

    graógramán Senior-Mitglied

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    hallo hartwig,

    das was du sagst halte ich für durchaus denkbar.
    Wenn wir dazu mal genauer die beiden Situationen beleuchten:
    Die herkommliche Mobilisation, ist für den Pat. ja eigentlich immer eher passiv, weil die Pflege das macht, was am schnellsten geht, und da hilft der Patient wenig mit.
    Bei der Kinästhetik spürt der Pat. wie es, auch nur durch relativ wenig mithilfe seinerseits, große schritte nach vorne geht. Er hat immer Gefühl, dass er die Mobilisationen alleine geschafft hat. Und wenn nämlich schon von Anfang an die kleinen Dinge klappen hat der Pat. auch weniger Angst vor dem Aufstehen.

    Graógramán
     
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