Selbstschutz

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Ogni, 10.04.2006.

  1. Ogni

    Ogni Junior-Mitglied

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    Gewalt auf Station - Welche "letzte Chance" an Selbstschutz habt Ihr?

    Hallo!
    Nach 8 Jahren Dienst auf einer geschlossenen Aufnahmestation (für Frauen) musste ich mich heute wieder mit dem "worst case" an Gewalt beschäftigen!

    Konkret: Eine Patientin kehrte Alkohol- und THC-intoxikiert aus dem Ausgang zurück und bedrohte dann das gesamte Personal und Mitpat. mit einer Eisenstange (aus ihrem Schrank = Bügelstange).
    Da sie mit dieser Waffe auf alles einschlug und drohte, ging der Selbstschutz vor und wir erwarteten sehnsüchtig das Eintreffen der Polizei, die nach 15 Min. mittels Pfefferspray die Pat. "schachmatt" setzte.

    Da wir (mal abgesehen von Stühlen..haha) keine Selbstverteidigungs-Instrumente haben, möchte ich Euch fragen, was es in anderen Psychiatrien für den Fall aller Fälle gibt?
    Pfefferspray z.B.?

    -Bitte - es geht mir tatsächlich um den Fall - "wenn nichts mehr geht" - verbale De-Eskalation, Reizabschirmung usw. nicht fruchtet...

    Danke, Ogni
     
  2. Waerter

    Waerter Newbie

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    Hi, ich arbeite zwar momentan nicht mehr in der Psychiatrie, aber zu meiner geschützt/ geschlossenen zeit haben wir das "Problem" einfach mit "zwei Mann, zwei Ecken" gelöst, bzw. ich persönlich, bin eher breit und sehr kräftig gebaut, habe ein wenig Kampfsport erfahrung, und mache mir darum auch nichtbesonders ins Hemd bei solchen Aktionen. Aber, wie gesagt, wenn nicht mehr geht. Einfach drauf zu, soviele wie möglich und ab in die Gurte.
     
  3. Ogni

    Ogni Junior-Mitglied

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    Danke @ Waerter.

    Ich möchte die Situation noch konkretisieren! "2 Mann zwei Ecken" bestand bei uns aus 6 Kräften (darunter 3 Männer - alle mit langjähriger Erfahrung auf geschlossener Aufnahme-Abtlg.).

    Die Patientin schlug auf alles ein, was ihr in den Weg kam, dabei zerstörte sie sämtl. Inventar des Flurs und selbst unser "bruchsicheres" Glas zum Dienstzimmer erlitt nach dem 30. Schlag dagegen erste Brüche! Verbal nicht erreichbar.

    Wer hier (unbewaffnet) den Gegenangriff gestartet hätte, hätte die Stange mit Sicherheit irgendwo an seinem Körper gespürt...
     
  4. Gerrit

    Gerrit Senior-Mitglied

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    Hallo,

    Ich bin der Überzeugung dass Du Dein Patientenverhältnis irreparabel beschädigst wenn Du selbst zur Waffe (und sei es 'nur' ein Reizgas) greifst.

    Wenn nichts mehr geht - Polizei. Wir hatten auch in der forensischen Abteilung schon ein Sondereinsatzkommando und Polizeihunde im Einsatz (der Patient hat einen ausgebildeten Polizeihund erschlagen und zwei Beamten den Arm gebrochen bevor er überwältigt werden konnte).
    Aber DU bist in er Pflege, in der Therapie involviert und der Patientn sollte ja irgendwann auch wieder ein Vertrauensverhältnis zu Dir aufbauen können. Deine Position muss klar sein. Und wenn Du Dich mal in der Psychiatrie umhörst was für eine Meinung (egal ob berechtigt oder nicht) unter den Patienten über die Polizei vorherrscht, dann möchte ich nicht dazugezählt werden!

    Wenn nichts mehr geht dann hilft noch die Flucht - ist halt eine schwierige Situation wenn Mitpatienten angegriffen werden. Nicht umsonst haben unsere Stationszimmer einen Hinterausgang in den Flur gehabt!
    Evakuieren in sicherere Bereiche, notfalls halt die Station aufmachen und schauen dass ihr die Patientin oder eben die anderen Patienten raus bekommt und dann in sicherer Entfernung ein paar erfahrene Leute mit Handy in der Hand hinterher.

    Ich glaube sowas kann man kurz und knapp als eine Situation die besch****** ist zusammenfassen! [bescheiden natürlich - was habt denn ihr gedacht :wink:]

    Grüsse,

    Gerrit
     
  5. Brady

    Brady Gast

    Hallo,

    ich weiss zwar nicht was im Vorfeld der Auslöser für diese Situation war. Aber bei Gewalt ist immer Angst ein Auslöser. (Modell und Theorie von Aggressionen)

    Es sollte immer im Vorfeld versucht werden mit Kommunikation die Situation zu entschärfen. Ist dieses nicht mehr möglich, haben wir bei uns ein Arlamsystem, welches mit allen Stationen verbunden ist. Oft reicht die Präsenz von vielen Personen aus, um die von dem Patienten ausgehende Gewalt zu unterbrechen. Es ist egal aus welcher Berufsgruppe, Pflege, Ärzte, Therapeuten, usw.. Eine Person sollte versuchen mit dem Patienten zu reden um ihn zu beruhigen, nicht mehrere gleichzeitig.

    Bei uns ist in der Überlegung ein zusätzliches, mobiles Arlarmsystem anzuschaffen, da es in ungünstigen Fall passieren kann, daß ein Mitarbeiter nicht mehr den Arlarmknopf erreicht, oder es ist eben nicht genügend Personal da.

    In Ausnahmefällen wurde auch schonmal die Polizei und auch das Sondereinsatzkommando gerufen.

    Normalerweise steht ein fertiges Fixierbett immer auf einer geschlossenen Akutaufnahme bereit. (vor allen Dingen mit vollständigen Gurten). Wer packt wo an? und wann? Schlechte Kommunikation im Team bedeutet für den Patienten und den einzelnen Mitarbeiter auch hohe Verletztungsgefahr und es wird schmerzhafter für jeden, je länger der Zustand der Fixierung andauert. Es sollte klar sein, daß der Patient nicht aus Bestrafung hinaus fixiert wird, sondern zum Fremd- oder Eigenschutz.

    Im Team sollte die Fixierung nachbesprochen werden. Wieso ist es soweit gekommen? Auslöser? Was war gut? Was ist nicht oder schlecht gelaufen?
    Therapeutisch gesehen, ist es auch wichtig mit dem Patienten dies auch zu thematisieren. (Beziehungspflege, Vertrauensarbeit)

    Dann verweise ich noch mal gerne auf diesen Link:


    "Kontrollierter Umgang mit physischer Aggression und Gewalt".

    Dieses Programm wird bei uns im Hause durchgeführt und einige Mitarbeiter arbeiten jetzt als Multiplikator.

    www.kuga.de

    Liebe Grüße Brady







     
  6. @ Gerrit

    Ich finde es schön, daß Du ein gutes Verhältnis zum Patienten erhalten möchtest, offensichtlich auf die Gefahr hin, furchtbar Dresche zu kriegen.
    Wenn ein Patient auf mich losgeht, ist das Patientenverhältnis für mich gestört, und zwar dauerhaft. (Ich arbeite im somatischen Bereich, Aggression ist eher selten und meist von Betrunkenen.) Ich trage keine Waffe, aber es gibt Momente, in denen ich mir eine wünsche. Jeder Polizist nimmt das Recht für sich in Anspruch, Angriffe abzuwehren, nur ich soll deeskalieren, bis meine Nase blutet?
    Tut mir leid, aber das sehe ich anders. Ich greife nicht an, aber ich bereit, in Notwehr zu handeln. Auch, wenn der Angreifer eine traurige Kindheit hatte, im falschen Milieu aufwuchs, vom Papa vor fünfzig Jahren verhauen wurde, betrunken ist oder sonstige mildernde Umstände vorweisen kann.
    Auch für mich als Krankenpfleger ist irgendwann Schluß.
    Allerdings habe ich Kolleginnen, die ähnlich denken, wie Du. Wenn´s rappelt rennen sie schnell weg, rufen mir zu: "Mach Du mal." und hinterher beschweren sie sich gelegentlich, daß ich so böse war, wobei sie das natürlich viel gewaltfreier geregelt hätten.
    Wenn sie nicht gerannt wären.
     
  7. Ogni

    Ogni Junior-Mitglied

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    Schon mal Danke an alle... jetzt komm ich wieder, wo fange ich mal an ?:verwirrt:

    @Brady: Danke, ja, das weiß ich alles und mach es seit 8 Jahren. Fixierbett steht bereit, ich habe sie auch "sich austoben" lassen zunächst, wir waren 7 Mann, ich habe zu der Pat. seit 2 Jahren (ein "Immer-wieder-Kehrer") ein ganz gutes Verhältnis. Ich wollte sie auch allein verbal beruhigen...ABER angesichts der Stange und ihrer deutlichen Drohung und zahlreicher Einschläge am Fenster, hinter dem wir standen, ist der "kontrollierte Umgang" irgendwie nicht gelungen...
    Auslöser? hier: die Drogen-Langzeittherapie wurde nicht bewilligt (extern) = Patientin nun perspektivlos (hat nichts zu verlieren)., aggressive Tendenzen von jeder Aufnahme bekannt, nur nie so extrem.

    @Rigator: "Ich trage keine Waffe, aber es gibt Momente, in denen ich mir eine wünsche. Jeder Polizist nimmt das Recht für sich in Anspruch, Angriffe abzuwehren, nur ich soll deeskalieren, bis meine Nase blutet?"
    Danke, du sprichst mir aus der Seele! Wenn meine Nase blutet, dann habe ich in meinem Beruf falsch reagiert!

    @Gerrit:
    "dass Du Dein Patientenverhältnis irreparabel beschädigst "
    Ich denke, der PATIENT hat hier das Verhältnis beschädigt! Es liegt an mir und meiner Professionalität, damit umzugehen, es nicht nachzutragen und das Verhältnis wieder herzustellen, aber beschädigt habe ICH es nicht.
    Und: Diese Gefahr besteht bei allen (zuweilen notwendigen) Zwangshandlungen: ob die Zwangsmedik. oder Fixierung oder...

    "Deine Position muss klar sein."
    Ist sie, bei versuchter schwerer Körperverletzung wehren wir uns! Nur WIE im schlimmsten Fall???

    "Meinung unter den Patienten über die Polizei"
    War gestern sehr positiv, denn die Mitpatienten wurden durch die Polizei aus ihrer Gefahr "gerettet", was wir leider nicht schafften!


    Bin gespannt auf weitere Meinungen...
     
  8. Gerrit

    Gerrit Senior-Mitglied

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    Hallo!

    Hmm - ich glaube ihr habt mich falsch verstanden.

    Ich sage nicht dass jemand das Opferlamm (Apropos - schöne Ostern von einem Vegetarier :wink:) spielen soll oder sich nicht wehren soll!

    Ich finde es nicht gut dass ihr mir im Prinzip sagt "mit einer Waffe (oder was auch immer) unter dem Tisch fühle ich mich sicherer, was soll ich denn sonst machen?".

    So ein "Schuß" kann auch mal schnell nach hinten losgehen, spätestens wenn der Patient mal ins Dienstzimmer "gelangt" und selbst das Pfefferspray in der Hand hält.
    Abgesehen davon ist die Wahl eines geeigneten Mittels schwierig. CS-Reizgas hilft nicht immer, Pfefferspray übrigens auch nicht, gerade bei Menschen unter Drogeneinwirkung. Pfefferspray darfst Du als Privatperson nicht zur Verteidigung gegen Menschen bereithalten (ist was völlig anderes als der Einsatz in Notwehr!). Wenn der "Einsatz" schief geht, DANN hast Du ein Problem mit dem Patienten der sich nun in seiner Idee bestätigt sieht "die wollen mir schaden" (wollt ihr ja auch!).
    Daneben stellen sich noch ganz praktische Probleme. Gutes Sicherheitspersonal erlernt den Umgang mit solchen Medien.
    Wer würde denn die Mitarbeiter schulen? Wie (un)kritisch ist die Indikation zu stellen? Ab wann hast Du das Recht zur Waffe zu greifen? Beweise mal dass die Situation nicht mehr anders zu kontrollieren war. Wie oft bin ich aus Situationen herausgekommen wo ich dachte, oh - das war knapp! und es ging doch. Wäre das auch so gut gegangen wenn jemand mit dem Reizgas im Anschlag im Hintergrund gestanden wäre? Oder wie stellt Ihr Euch die Anwendung vor?

    Bei uns sind immer die erfahrensten Leute vorne beim Patienten gewesen, die "Masse" hat sich im Hintergrund gehalten. Jetzt drück' mal der Schülerin im Psychiatrieeinsatz das Pfefferspray in die Hand und sage "halt' Dich im Hintergrund, wenn's nicht mehr geht, dann..."? Es würde sicher für ein die Situation entspannendes Lachen sorgen, wenn dann 10 Mitarbeiter mit am Boden liegen!

    Ich fühle mich gerade wie eine Katze die man gegen die Fellwuchsrichtung streichelt wenn ich daran denke...

    Wenn eine Situation so außer Kontrolle läuft dass sie nicht mehr beherrschbar ist, und um nichts anderes geht es hier, dann gehört jemand anders her, das ist einfach nicht mehr unsere Aufgabe!
    Wir können nicht jede Situation beherrschen. Es gibt einfach Situationen wo unsere Grenzen erreicht sind!

    Wenn Du etwas für Deine persönliche Sicherheit tun willst, dann lerne Selbstverteidigung. Mein Favorit ist KravMaga(r), es gibt auch spezielle Trainings für Psychiatriemitarbeiter (z.B. Haltetechniken die effektiver und Patientenschonender etc. sind als "einfach festhalten"). Dann hast Du
    • eine Waffe "in der Hand" die nicht gegen Dich eingesetzt werden kann vom Angreifer und
    • die Dich auch nicht SO schnell in juristische Probleme führt wie eine Waffe,
    • es ist nicht der Druck weg weil sie seit Jahren unbeachtet im Schrank gestanden ist und
    • Du musst sie nicht erst vom Stationszimmer holen...
    Und zum Thema Patientenverhältnis: es ging mir um die Basis, nicht die akute Situation. Wenn's um überleben geht ist alles erlaubt. Es wäre für mich viel schwieriger Vertrauen aufzubauen wenn ich wüsste dass meine Pflegekraft mir gegenüber mit der ich über meine Gefühle und mein inneres Erleben sprechen soll eine Waffe in der Hinterhand bereit hält? Was sagt mir das (aus Patientensicht!) über ihre Kompetenz?

    Fazit: Keine Waffen auf Station, wenn's eskaliert Rückzug (vom Patient oder Patient von Euch ermöglichen) und Hilfe holen.

    Grüsse,

    Gerrit
     
  9. Ogni

    Ogni Junior-Mitglied

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    HI Gerrit!

    Ich gebe Dir zunächst einmal Recht, daß die Indikation und Anwendung streng festgelegt werden muss! Es muss klar sein, wann der Punkt erreicht ist, an dem der Patient mittels "Waffe" außer Fecht gesetzt werden darf und wie/wann/wer das von mir favorisierte Pfefferspray einsetzt.
    Der Mitarbeiter muss dringend geschult sein, Pflegeschüler und unerfahrene Kräfte haben an dieser Stelle nix verloren!!!

    Ich möchte jedoch weiterhin nicht zuschauen müssen, wie Mitpatienten oder Kollegen bewußtlos am Boden liegen, und niemand zur Hilfe oder zum Schutz dazukommen kann, weil dieser mit 100% Sicherheit dann der nächste ist, der am Boden liegt.

    Wir kämpfen derzeit mit einer zunehmenden Gewaltbereitschaft, insbesondere auf der Männer-Aufnahme und der Suchtstation. Ich denke, daß dies auch ein Spiegel der Gesellschaft ist, warum sollte es in der Psychiatrie anders sein, als in Hauptschulen? Dass dort die Lehrer mit Angst in das Klassenzimmer gehen, kann jeder nachvollziehen... warum fällt es so schwer, dass die Krankenschwestern, die 30 Jahre Berufserfahrung haben, inzwischen mehr und mehr Angst haben?

    Ich hoffe, daß sich die Dinge so entwickeln, dass wir keinen Sicherheitsdienst in den Krankenhäusern benötigen, wie es in den USA Gang und Gebe ist. Aber nachdenken müssen wir mal über die Veränderungen... bisher haben wir den USA alles nachgemacht...
     
  10. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Ogni,

    wir haben schon seit vielen Jahren einen Sicherheitsdienst in der Klinik. Der uns zum einen bei nächtlichen Gängen auf dem Weg begleitet, aber auch für solche Attacken zur Verfügung steht.

    Wir brauchen ihn mehr für den Gang über das Gelände, aber bei Bedarf kommen die Herren sehr schnell mit Hund.

    Auf besonders gefährdeten Stationen haben wir noch den "Schwester in Not" Drücker, der direkt auf Intensiv und beim Sicherheitsdienst ankommt.

    Ich arbeite übrigens nicht in der Psychiatrie, sondern in der Somatik.
    Auch nicht in den USA oder RSA sondern in München.

    Ich bin übrigens kein Freund von Waffen, egal welche für Pflegekräfte.


    Sonnige Grüsse
    Narde
     
  11. Brady

    Brady Gast

    Hallo Ogni,

    für die Einstellung/Haltung zum Patienten kann es nicht sein, daß man Pfefferspray in der Grundausstattung hat. Denn dann ist man auch schneller bereit in einer Akutsituation zu dieser Maßnahme zu greifen. Wir müssen uns verändern um die Situation zu verbessern, Übergriffe auf Mitarbeiter zu verhindern. .Das kann nicht mit Waffen sein. Gewalt erzeugt Gewalt.

    Bei uns wird mit dem Programm KUGA gearbeitet....Jeder Mitarbeiter wird geschult und ist Multiplikator...Es wurde von unserer Verwaltung finanziert und ist echt klasse.
    Der Vergleich mit Hauptschulen finde ich auch nicht so passend. Wobei das ist auch ein Problem, wo sich auch Strukturen verändern müssen.

    www.kuga.de

    Liebe Grüße Brady
     
  12. wir haben auf der station im tag und in der nacht jeweils 2 alarmgeber unmittelbar neben oder an uns ... druck aufs rote knöpfchen 3 sekunden lang ...alarm im haus ... die reißleine ziehen alarmiert auch den FSD - den forensischen sicherheitsdienst.

    wir haben keinerlei waffen auf station ... ich würde mich auch nie in der lage sehen, waffen für diesen fall benutzen zu können ...


    suchtschwesterchen :anmachen:
     
  13. ixjott67

    ixjott67 Junior-Mitglied

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    Hallo allerseits,

    "Gewaltübergriffe von Patienten auf Personal" ...auch bei uns in der Klinik immer wieder Thema. Ich arbeite auf der geschlossenen Suchtaufnahmestation.
    Im Oktober 2005 wurde ich von einem Patienten angegriffen und verletzt (Nasenprellung und Bisswunde). Dieser Patient hat ganz gezielt agiert und mit seiner Hepatitiserkrankung gedroht ( "Ich hab Hepatitis und ich beisse Dich....") Er war mit Benzodiazepinen und illegalen Drogen intoxikiert. Da seine Übergriffe ganz gezielt gegen mich gingen (obwohl noch 2 weitere Kolleginnen im Raum waren) und auch weil solche Ausbrüche in anderen Einrichtungen bei ihm bekannt sind, habe ich ihn wegen Körperverletzung angezeigt. Der gesetzliche Betreuer hat erst im nachhinein gesagt, das sein Betreuter zu solchen Aktion neigt und schon mehrfach Personal verletzt hat.
    Ich lass Euch hier mal wissen, wie es nachher ausgeht.
    Im übrigen denke ich, das es für uns keinerlei Möglichkeiten gibt "Waffen" zu tragen. Unsere Waffen sind halt eine gute Ausbildung/Weiterbildung, vielleicht in der Richtung etwas mit Selbstverteidigung.
    Allen hier allzeit gefahrlose Dienste und Freude an der Arbeit, auch wenns manchmal schwer wird!!!
     
  14. ixjott67

    ixjott67 Junior-Mitglied

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    Nochmal ich: gestern war die Verhandlung. Der Patient wird nun begutachtet in Richtung §63 oder § 64. Er hat die damalige Situation so geschildert, wie sie auch tatsächlich war - meinte allerdings er würd das nur aus Erzählungen kennen-er selber würd sich nicht mehr genau daran erinnern. Nach dem "Urteil" hat er sich noch bei mir entschuldigt. Als Zeuge wurde nur ich angehört- die beiden Kolleginnen mussten nicht mehr aussagen.
    Und ich? Mir war schon recht mulmig und irgendwie hatte ich den grösser in Erinnerung und auch hätte ich ihn nich wieder erkannt wenn ich ihn so in der Stadt oder so getroffen hätte. Nachdem was meine Kolleginnen nach dem Abend erzählten, weiss ich , nachdem er mir einen auf die Nase gegeben hatte, nur noch die Hälfte von der Rangelei.
    Ich bin sicher erfahren in meiner Arbeit und auch kein ängstlicher Mensch, aber seither bin ich schon "vorsichtiger" irgendwie.
     
  15. Katana

    Katana Stammgast

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    @Gerrit: Die Station aufmachen???????????????????? 8O 8O
    Ich habe in einer Forensik gearbeitet, wie soll ich denn da bitte in so einem Fall die Station aufmachen? Selbst wenn ich 30 Mann (die wir nicht haben) hinterher schicke, würden die Pat. sich aus dem Staub machen.

    Wir hatten auch ein Alarmsystem mit einem großen Knopf wenn man den gedrückt hatte kamen von allen Stationen die Pfleger angerannt...
    das hat immer gut funktioniert und bei uns gab es auch (zumindest in der Zeit wo ich dort war) keine größeren Eskalationen.
    Wir hatten kein Pfefferspray.
    Wir hatten tw. zur Abschreckung die Polizei da. Die kamen da mit einem Hundi und haben nach Drogen geschnüffelt und zur Abschreckung halt, wo bei tw. die Polizisten mehr Angst hatten als Patienten (kam einem zumindest manchmal so vor) hat aber trotzdem gefruchtet... (hin un wieder)
    Ansonsten denke ich gibt es einfach kein Patentrezept.

    Wir hatten den Fall, das eine Frau (Erkrankung weiß ich leider nicht mehr, ich glauch Schizophrenie mit Religionswahn) die wurde super ausfallend als wir ihr Blut abnehmen wollten. Fing an zu spucken und zu kratzen etc. so dass wir sie festhalten mussten dann hat sie versucht éinem Pfleger ins Gesicht zu beißen der ihr dann eine kleine Kopfnuss gab da hat sie dann gemerkt so geht es nicht und dann war gut, sie wurde natürlich nicht verletzt er hat sie auch mehr zurück gestossen.

    Gewalt in der Pflege (nicht nur in der Psychiatrie) ist nach wie vor ein Thema
    nicht nur wenn Pat. gewalttätig werden sondern auch Pflegepersonal.
     
  16. Gerrit

    Gerrit Senior-Mitglied

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    Hallo,

    das mit dem Station öffnen ist mehr für eine Akutstation gedacht gewesen - besser als dass die Patienten verletzt oder sogar getötet werden, oder?
    Du musst halt wissen was Du für Patienten auf Station hast - Güterabwägung je nach Situation. Wir hatten z.B. häufig offene Türen auf der Akut. Oft war es nur ein Patient wegen dem die Station geschlossen war. Auf den kannst Du dann ja ein Auge haben. Bei alle anderen - solange sie nicht akut Eigen- oder Fremdgefährdend sind - ist's nicht so tragisch, die bringt Dir die Polizei schon wieder wenn sie wirklich türmen sollten und nicht dürfen.
    Für die Forensik ist das Vorgehen vielleicht nicht wirklich gut geeignet - zugegeben. Alternativ kannst Du ja vielleicht auch versuchen nur den aggressiven Patienten raus zu bekommen? Auch eine Möglichkeit Abstand zu gewinnen.
    Das soll ja kein Standard-Vorgehen sein, sondern eine Möglichkeit für den Notfall!

    Ja, das mit dem vielbeschriebenen Alarmsystem ist schon OK, hatten wir auch. Die 5 min. bis die "Mannschaft" eintrifft müssen halt irgendwie überbrückt werden. Und um das irgendwie bei hochgradig fremdaggressiven Patienten ging's ja.

    Ja, aber andere Baustelle...

    Grüsse,

    Gerrit
     
  17. Krankerpfleger

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    Lass sie wüten und hol die polizei schließ dich ins Dienstzimmer ein oder sie in einen raum in dem sie grade ist. Die Polizei wird dafür bezahlt das sie da eingreift du nicht. Nützt nix wenn du hinterher im KH bist und so bleibt das gute Verhältnis auch erhalten. Das Inventar muß sie bestimmt eh selbst bezahlen.

    Grüße Der Danny
     
  18. sili

    sili Junior-Mitglied

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    Bei uns in der geschloßenen Akutpsych. musste immer eine Person die PSA (Personen-sicherungs-anlage) in der Tasche haben. Im Notfall konnte an der Schnurr gezogen werden und es ging Arlarm auf den 2 drüberliegenden Stationen und an der Pforte los, inerhalb von zirka 1 Minute waren also X- Leute hier, das die meisten Pat. einschüchterte und sie sich quasi ergaben.
    Auserdem waren Handschellen und Pfefferspray im Stationszimmer, das aber nie benutzt wurde!
     
  19. Schnabel

    Schnabel Junior-Mitglied

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    Wenn mich ein Patient eingreifen sollte, mich schlägt etc.
    in wie weit darf ich mich denn dann wehren?

    und wie gehts weiter, wenn man sich verletzt hat?
    muss man dann erst zum Betriebsarzt oder direkt ins Krankenhaus?
     
  20. Brady

    Brady Gast

    Hallo Schnabel,

    dies wäre dann die Gefahr einer fremdgefährdenden Gewalttätigkeit.
    Definition: Risiko, dass eine Person, Verhaltensweisen zeigt, die anderen körperlichen, emotionalen und/oder sexuellen Schaden zufügen könnten.

    Verschiedene Krankheitsbilder gehen auch oft mit Angst einher und da Angst oft ein Auslöser von Gewalt ist, versucht man erstmal andere passende Maßnahmenkataloge, bzw.eine Primärprävention zu betreiben. Sogenannte Deeskalationsstrategien.

    Diese können natürlich nur in enger Zusammenarbeit mit dem Team geschehen.

    Es sollte im Team reflektiert werden, wieso kam es zu den Übergriffen?
    Kritische Reflexion und Analyse eigener gewaltfördender Verhaltensweisen.

    Sollte es zu einen plötzlichen und unerwartenden Angriff auf deine Person kommen, darfst Du natürlich in dem Maße abwehren, damit Du selber nicht zu schaden kommst. Zurückschlagen wäre keine Maßnahme.

    Bei Arbeitsunfällen oder auch leider solchen Vorkommnissen gehen unsere Mitarbeiter in eine nahe gelegenden chirurgischen Ambulanz. (Durchgangsarzt) Dieser nimmt dies dann als Arbeitsunfall auf.
    Ob man dann stationär bleiben muss, entscheidet der D-Arzt.

    Deine Angst vor Übergriffen wird sich reduzieren, wenn Du mehr von den Patienten weißt, bzw. auch mehr über die Krankheitsbilder erfährst.

    Mein Rat, soviel Fragen wie möglich. Bei Angst, auch diese benennen. Es sollte darüber keiner lachen, sondern zeigt ein normales Gespür, welches sehr wichtig ist. Da es ein Zeichen dafür sein kann, dass sich im Verhalten des Patienten was verändert hat.

    Liebe Grüße Brady
     

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