Schwerstverletzte

Bettina1988

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hallo!
ich fang am 1. oktober meine ausbildung zur krankenschwester an. mich freuts scho voll, aber eine frage hätte ich noch. ich kann zwar blut sehen und auch verletzungen wie platzwunden machen mir in der regel nix aus.
aber ich möchte gern wissen, wie es euch ging, als ihr zum ersten mal ein abgetrenntes körperteil, offene brüche oder einen schwerstverletzten gesehen habt. wird so was nach einiger zeit zur routine oder braucht man lang, um sich an so was zu gewöhnen?
bin schon gespannt auf eure antworten
lg bettina
 

nekskorpio

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:mrgreen: schönen guten Abend,

ich laube das ist on Person zu Person unterschiedlich, anfangs wurde mir doch manch einmal schwindelig...mittlerweile komme ich ganz gut mit der Situation zurecht. :emba:


Eine Bkannte von mir konnte sich jedoch nie an den Anblick gewöhnen und hat die Ausbildung abgebrochen.

Musst dich aber nicht verunsichern, das ist eine Ausnahme gewesen. Sie hatte auch bereits vor der Ausbildung geäußert, damit Schwierigkeiten zu haben.


sonnige Grüße
 

Lichtenberg

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Es kommt auch ganz darauf an, wie groß das Krankenhaus ist, in dem Du die Ausbildung beginnst. Oft ist es so, dass kleinere Provinzkrankenhäuser der Regelversorgung richtige "Schwerstverletzte" garnicht aufnehmen, sondern sie direkt in ein größeres Krankenhaus gebracht werden. Trotzdem sieht man auch dort genug Dinge, wo es einem heiß und kalt werden kann.

Schwerstverletzte kommen über die Notfallaufnahme ins Krankenhaus und dort ist man in der Regel erst viel später in der Ausbildung eingesetzt. Von da werden die Patienten oft direkt in den OP und anschließend auf Intensiv verlegt und wenn sie stationär kommen, siehts meist schon nicht mehr so schlimm aus.

Natürlich wirst Du das in der Ausbildung alles mal sehen, aber man wächst wirklich darein und wenn Du mal mit etwas nicht zurecht kommst, sprich es aufjedenfall direkt an und schildere Deine Probleme. Das hilft!
 

spritzensusi

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Also ich habe mal in meiner Ausbildung während des OP- Einsatzes ein paar Tage im Schwerbrandverletzten- OP gearbeitet.
Das war am Anfang schon recht gewöhnungsbedürftig, da viele junge Menschen teilweise den gesamten Körper "verkohlt" hatten. Es wurden stundenlange Hauttransplantationen durchgeführt. Und es ist mordmäßig warm in so 'nem Schwerbrandverletzten- OP, denn die kühlen ja so schnell aus.

Polytraumen habe ich auch oft gesehen. Traurige Geschichten. Motaoradunfälle und Schusswunden.......

Also insgesamt schon schockierend aber ich bin dankbar, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Denn da sieht man erstmal wie sich das Ärzte- und Pflegeteam sich reinhängt und alles gibt um Leben zu retten.
Also während man solche Sachen sieht, arbeitet man eher mechanisch. Man überlegt sich erst in einer ruhigen Minute bzw. zu Hause, was man für schlimme Sachen gesehen hat.
 

stationswicht

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ich glaub auch, dass es oft von der betreffenden Person abhängt... je mehr man sich mit ihr identifizieren kann und denkt "ups, das hätte auch gut ich sein können", desto schwieriger wird's manchmal...
natürlich muss man immer einen gesunden Abstand bewahren, aber ich hoffe mal, dass ich nie so sehr abstumpf, dass mir sowas mal nix mehr ausmacht...........
 
S

sunair76

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Hallo!

Da muß ich mich jetzt auch mal zu Wort melden.Ich bin mittlerweile seit über 10 Jahren in dem Job und ich sage dir gleich das eine gewisse "Abstumpfung" nicht zu vermeiden sein wird.
Es ist so eine Art Selbstschutz.
Wenn man mit der Ausbildung beginnt ist man noch so voller Idealismus,mann möchte so viel anders machen,"gut" zu den Menschen sein.Mit der Zeit lernt man aber das es sehr wichtig ist,ebenso auf die eigene Gesundheit zu achten,sich abzugrenzen von dem Leid,den individuellen Geschichten die man täglich zu Gesicht bwz.zu hören bekommt.Sonst passiert es das man selbst krank wird.
Es geht nicht immer nur um die Dinge die man zu sehen bekommt die einen belasten ( Blut,Sekrete,Wunden etc.) sondern die Geschichten die dahinter stehen.Und DAS,so finde ich , sind die belastenden Dinge in diesem Beruf.
Deswegen mag ich den Begriff " abstumfen" gar nicht so sehr,würde es eher " selbst schützen " nennen.
Ich mache meinen Job mit viel Liebe und möchte auch nix anderes machen doch ich finde es wichtig das man lernt sich auch selber zu schützen.
Und je eher desto besser. :emba:
 

Coco206

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Mittlerweile habe ich auch einiges zu Gesicht bekommen, aber die äußeren verletzungen machen mir nicht so viel aus (hätte ich anfangs auch nicht gedacht).

Habe mittlerweile auch eine gewisse Distanz zu den Schicksalen,Erkrankten usw aufgebaut, aber dennoch gibt es hin und wieder Momente, in denen ich schlucken muss, das aber eher auf emotionaler Ebene und nicht bei schweren Verletzungen, Gerüchen o.ä.
"Selbstschutz" wurde schon genannt, ein guter Begriff in dem Zusammenhang, aber ich kann auch mir Gedanken über ein Schicksal machen, oder auch mal eine Geschichte mit nach Hause nehmen, ohne daran kaputtzugehen.

Bin ich etwas vom Thema abgekommen? Wenn ja, dann tut es mir leid. :emba:
 

stationswicht

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ich weiß, dass es die "Schwester Stefanie" nicht gibt

ich find's trotzdem schlimm, wenn manche so abgestumpft sind, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich in den Pat. reinzuversetzen

das hat in meinen Augen nix mehr mit Selbstschutz zu tun...


 

Coco206

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stationswicht schrieb:
ich weiß, dass es die "Schwester Stefanie" nicht gibt

ich find's trotzdem schlimm, wenn manche so abgestumpft sind, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich in den Pat. reinzuversetzen

das hat in meinen Augen nix mehr mit Selbstschutz zu tun...

Naja, da gibt es ja auch noch ein riesiges Feld dazwischen....
 
S

sunair76

Gast
Hallo Stationswicht (übrigens netter Name :mrgreen: )

Wollt nochwas dazu sagen.

Natürlich muß man sich in die Lage des Patienten versetzen können ,da hast du schon recht.....d.h. aber nicht das man mitleiden muß und ich werde nicht von meiner Meinung weichen dass das Selbstschutz ist und nicht Abstumpfung.
Eine gewisse "Abstumpfung" (mag das Wort immer no net) wird immer passieren,das lässt sich nicht vemeiden.

Nicht das jetzt hier bitte der Eindruck entsteht ich bin gefühllos,bin ich nicht,nur hab ich mit der Zeit gelernt das man sich abgrenzen muß,nicht alles in sich aufsaugen darf,aber dennoch von den Menschen die einem im Berufsalltag begegnen lernen kann.
In einem gesundem und erträglichen Maß.
Ich rede viel mit den Patienten,aber man muß sich auch die " sichere" Distanz bewahren.....um es schöner auszudrücken "Professionalität"

So.das war das Wort zum Freitag :wink1:
 

HHS

Poweruser
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Scherstverletzte habe ich ständig - was kein Wunder ist, wenn man in einer Spezialklinik arbeitet.

Obwohl ich nicht in der Notaufnahme, OP oder Intensiv arbeite, sondern auf Normalstation, sind die Bilder teils recht heftig. Weniger der eigentliche Unfall - sondern die Umstände, das junge Alter der Pat..

Trotzdem gibt es positives zu berichten: Es ist schön zu sehen, wie die Pat. wieder ins Leben zurückkommen, trotz ihrer Leiden wieder selbstständiger werden. daran kann man sich festhalten. Und wenn sie dann entlassen werden - umso schöner ist es!

Gruß
HHS
 

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