Schwenkeinlauf bei Herzinsuffizienz?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Innere Medizin" wurde erstellt von *Anni, 08.02.2010.

  1. *Anni

    *Anni Junior-Mitglied

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    Hallihallo!
    Ich hatte gestern auf der Arbeit ne riesige Debatte mit einer Chirurgin. Folgende Situation:
    Patientin, 84 Jahre alt, kam vorgestern mit kard. Dekompensation bei bekannter Herzinsuff. NYHA IV aus der Kurzzeitpflege zu uns. Die Patientin war in relativ schlechtem Allgemeinzustand, luftnötig bei kleinster Belastung, keine Mobilisation möglich. Wichtig zu sagen noch, die Dame hat extreme Hämorrhoiden!! Wirklich sehr sehr riesige, innere und äußere!
    So, nun hat die Pat. dann berichtet, dass sie seit 8 Tagen keinen Stuhlgang hat.... die Pat. hatte diverse Laxantien, Zäpfchen usw bekommen, kein Erfolg, dann haben wir ein Klysma gemacht, die Dame konnte die Flüssigkeit leider gar nicht halten. Digitale Ausräumung haben wir auch versucht, sie saß voll Stuhl, beim Tasten wusste man aber nicht, zieh ich jetzt am Stuhlgang oder an einer Hämorrhoide?
    So, dann wurde die diensthabende Chirurgin gerufen, sie sagte dann ich solle einen Schwenkeinlauf machen.
    Aber ich hab mich geweigert, weil ich es für absoluten Quark gehalten habe, bzw. halte und ich denke, dass ein Schwenkeinlauf bei NYHA IV eine Kontraindikation ist. Ich finde einen Schwenkeinlauf immer sehr kreislaufbelastend, es kollabieren ja nicht selten auch fitte, junge Patienten und daher habe ich es abgelehnt die Anordnung auszuführen. ( Im Web hab ich nichts gefunden...)
    Ich habe dann noch vorgeschlagen ein Rö-Abdomen zu machen, um zu schauen ob sie evtl schon einen Ileus hat, da meinte die Ärztin das wäre nicht nötig, man wisse ja das sie voll Stuhlgang ist....
    So, jetzt bin ich mal gespannt was ihr so dazu meint?? Wie hättet ihr reagiert?
    Im Nachhinein hat sie übrigens von den Laxantien und dem Klysma was ich statt des Schwenkeinlaufs gemacht habe, bestens abgeführt.
    LG *Anni
     
    #1 *Anni, 08.02.2010
    Zuletzt bearbeitet: 08.02.2010
  2. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Wieso sollte denn ein Schwenkeinlauf grundsätzlich kontraindiziert sein bei Herzinsuffizienz?
    Mal abgesehen von dem individuellen Beispiel (was wir ja nur halb kennen).

    Klar ist so etwas kreislaufbelastend, aber KONTRAINDIZIERT? - Nein!


    (Edit: Kollabiert ist mir dabei noch keiner. Habt ihr die Temperatur, die Menge und die Geschwindigkeit korrekt beachtet?)
     
  3. *Anni

    *Anni Junior-Mitglied

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    Ich fand es einfach nicht in Ordnung in dieser Situation einen S-Einlauf durchzuführen ,weil er sehr kreislaufbelastend ist.
    Ja, selbstverständlich habe ich bei den bisherigen die Temperatur und Co. beachtet!
     
  4. narde2003

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    Die Frage ist was ist belastender?

    8Tage keinen Stuhlgang oder eine HSE.
    Ich würde eher die Hämorrhiden als Kontraindikation sehen als den HSE - ein digitales ausräumen ist sicher auch nicht wenig belastend, vor allem für die Psyche und damit verbundene Atemnot.
     
  5. janine0302

    janine0302 Newbie

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    also, ein hoher einlauf ist ja nicht ohne sinn auf ärztliche verordnung. ich kann mich erinnnern das wir in der ausbildung auch gelernt haben, dass bei herzinsuffizienten pat kein hoher einlauf gemacht wird. kann aber leider auch nicht mehr sagen warum... hätte genauso reagiert. manchmal muss man sich einfach gegen die herr und frau doktoren durchsetzen denn auch die sind nicht allwissend..
     
  6. Es gibt aber einen Unterschied zwischen einem Schwenkeinlauf und einem Hohen Einlauf. Letzterer wird in Knie-Ellenbogen-Lage gemacht und oft mit einem Schwenkeinlauf verwechselt oder vermischt und dann "Hoher Schwenkeinlauf" genannt.
    Der Hohe Einlauf gilt als extrem kreislaufbelastend.
     
  7. *Anni

    *Anni Junior-Mitglied

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    Ja vielen Dank schonmal für eure Antworten!!

    @Janine: Ja, ich seh das auch so wie du, manchmal muss man den Ärzten eben widersprechen... denn sonst.... naja, kommt da oft nix gutes für den Pat. bei raus....

    Ok, in diesem Sinne :-) schönen Tag noch :daumen:
     
  8. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Aber scheinbar du erst recht nicht...
    Habt ihr zwei denn inzwischen raus wieso das so sein soll?

    Oder argumentiert ihr jetzt weiterhin mit "Ich hab gelernt sowas macht man nicht" wenn wieder ein Patient geschwenkt werden soll und verweigert die Anordnungen?
     
  9. Toolkit

    Toolkit Poweruser

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    Bei 8 Tagen Stuhlgang war der drohende Illeus, was Anni ja sicherlich in Betracht gezogen hat, mit Abstand am gefährlichsten.

    Natürlich ein hoher Schwenkeinlauf, bei dem sich die Patientin kurz auf die Seite drehen muss (mit Hilfe am besten, unter hoher Sauerstoffgabe, am besten vorher ausruhen lassen, danach adäquat lagern, die Pat. dabei unterstützen, korrekt den Schwenkeinlauf vorbereiten und einführen, alles abpolstern und vorbereitet sein zum reinigen <- das ist Pflege!) als dass man auf Grund naiver und verbitterter Ansichten eine ärztliche, korrekte Anordnung missachtet und einen großen abdominellen Eingriff riskiert, der die Pat. bei einer NYHA IV dann auch noch wahrscheinlich intesivpflichtig werden lassen kann.

    Finde es ein wenig schade, dass Anni hier nur die Antwort kommentiert, die sie hat hören wollen.

    MfG
    Tool
     
  10. *Anni

    *Anni Junior-Mitglied

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    Also erstens Maniac, finde ich bist du jetzt langsam ganz schön giftig!!
    Und zweitens, ich sagte ja bereits, dass es nicht um grundsätzliche Ablehnung der Maßnahme geht, sondern, dass man nunmal die jeweilige Situation beachten muss. Ich weiss jetzt auch nicht wo dein Problem liegt, oder was du hier nicht verstehst.
    Natürlich werde ich jetzt nicht jeden angeordneten Einlauf verweigern !!
    Dein Tipp von wegen, dass man natürlich Temperatur usw beachten muss....? Ist ja irgendwie logisch das es so gemacht wird oder??
    Es steht nirgendswo geschrieben, dass der Schwenkeinlauf bei Herzinsuff. eine Kontraindikation ist, aber wir sind ja selbstständig denkende Wesen, nur weil es nicht irgendwo im Buch steht, heisst es ja nicht, dass man alles bedenkenlos machen kann.....
    Es gibt ja eine Spanne von nicht empfehlenswert - kontraindiziert, oder?
     
  11. AndyW

    AndyW Junior-Mitglied

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    Hallo Anni,
    Ich werte es als positiv, dass du dir deine Gedanken zum Patienten machst und überlegst ob du diese Anordnung durchführen kannst! Letztendlich hast du ebenso eine Durchführungsverantwortung. Und bestimmte Massnahmen dürfen und sollen auch hinterfragt und diskutiert werden-häufig sind doch auch verordnende Ärzte dankbar wenn jemand mitdenkt und auf Komplikationen hinweist. Letztendlich schreibst du ja selber , dass du weisst, dass keinesfalls eine Kontraindikation für einen Einlauf besteht.
     
  12. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Also darf ich zusammenfassen:
    Du weißt jetzt, dass der Einlauf NICHT kontraindiziert ist, ja?!

    Dein letzter Satz, den ich vorher zitiert hatte, klang nämlich genau andersherum...

    Deshalb meine "giftige" Antwort.
     
  13. janine0302

    janine0302 Newbie

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    also jetzt mal ehrlich, hätte nie gedacht das man wegen eines schwenkeinlaufes so giftig werden kann. ich hatte es einen hohen einlauf genannt, als macht der gewohnheit. bei uns im spital verordnen die ärzte hohe einläufe und wünschen schwenkeinläufe...
    und zu meiner verteidigung: ;) ich verweigere nicht alle verordnungen die ich für sinnlos oder kontraindiziert erachte. ich diskutiere einfach mit den ärzten und wünsche dass sich der aa nochmals mit einem oa rückbespricht... und das hat sich schon oft bewehrt...
    also ihr lieben, wir sind alle ausgebildete pflegekräfte und sollten wissen was wir tun und nicht nur blinde ausüber von ärztlichen verordnungen sein. wir haben in den 3 jahren so viel gelernt dass es schade wäre, wenn wir nicht mehr mitdenken würden...
     
  14. great

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    Hallo zusammen, es tut mir leid das ich das Thema nochmal aufgreife, aber es juckt mich in den Fingern.
    Ich finde es grundsätzlich EXTREM wichtig, das eine Krankenschwester nicht einfach unreflektiert eine Arztanordnung ausführt. Habe da auch schon die eine oder andere Diskussion geführt.
    Aber Anni: Du betonst immer wieder, dass du es in der beschriebenen Situation für kontraindiziert gehalten hast.
    Deinen Vorschlag des evtl. bestehenden Ileus finde ich total logisch, käme mir auch zuerst in den Sinn. Aber gerade deshalb solltest du doch diesen Schwenkeinlauf machen!!!
    Und auch da schliesse ich mich meinen Vorgänger/innen an, bei guter pflegerischer Vor-und Nachbereitung ist ein Schwenkeinlauf sicher nicht angenehm, aber auch nicht so kreislaufbelastend, dass man deshalb Schlimmeres (großer abdomineller Eingriff) in Kauf nehmen sollte.
    Ach ja, über das digitale ausräumen bei massiven Hämorrhoiden, der psychischen Belastung für Patienten und Pflege bei der Durchführung, möchte ich gar nicht weiter schreiben...:evil1:

    Um zum Punkt zu kommen, liebe Anni, manchmal muss man bei allem "infragestellen" auch nachgeben, wenn denn die Argumentation des Gegenübers einfach zu gut ist:troesten: (du hattest ihn doch selbst schon erwähnt, den garstigen Ileus). Und das meine ich in keinster Art und Weise giftig!!!
     
  15. aquarius2

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    Mir ist bei Einlauf noch nie ein Patient kollabiert, ich kann mir aber vorstellen, dass so ein Einlauf für die Patientin sehr belastend ist. Sie hat sicher Probleme gehabt, längere Zeit relativ flach auf der Seite zu liegen. Wenn sie den Einlauf nicht einhalten kann ist es dazu auch noch sinnlos und die Hämorrhoiden regieren sicher auch sehr erfreut auf ein Darmrohr:dudu:.
    Aber was das wichtigste ist, sie hat auch ohne den Einlauf abgeführt, viele Wege führen nach Rom:engel:
     
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