Schwachstellen im Krankenhausalltag

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Stdentin27, 05.06.2009.

  1. Stdentin27

    Stdentin27 Newbie

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    Hallo zusammen,

    ich bin neu hier im Forum und möchte mich gerne einmal darüber informieren, welche Schwachstellen im Krankenhaus grundsätzlich zu beklagen sind. Der Zweck ist: ich mache eine Studie von der Uni aus über eine mögliche Prozessoptimierung der Arzneimittelversorgung.

    Viele Krankenhäuser benutzen ja noch eine "händische Dokumentationsform", d.h., die Medikamentenanforderung der Station gelangt mittels Anruf oder Fax an die Zentralapotheke und auch die Zusammenstellung der Medikamente in die entsprechenden Dispenser erfolgt durch die Krankenschwester in händischer Form. Die Überlegung ist nun, ob eine elektronisch gestützte Arzneimittelversorgung demgegenüber Vorteile mit sich bringen würde ?!

    Haben Sie diesbezüglich schon Erfahrungen gemacht und könnten mit etwas darüber berichten ?
    Oder könnten Sie mir auch bitte die Schwachstellen nennen, die verbessert werden müssten, damit Ihre Arbeit für Sie erleichtert wird ?


    Ich bin wirklich sehr dankbar für Informationen und würde mich wirklich sehr freuen, wenn sie mir einige Anregungen geben könnten.
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Kann man auch erfahren um welche Uni und welchen Studiengang es sich handelt?

    Elisabeth
     
  3. Stdentin27

    Stdentin27 Newbie

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    Natürlich, es handelt sich um die Uni Dortmund und den Fachbereich der Wirtschaftsinformatik. Können Sie mir da bitte weiterhelfen mit ein paar Informationen ?
     
  4. MoonKid

    MoonKid Stammgast

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    Wir möchten natürlich das Ergebnis der Studie erfahren! Klingt sehr interessant. In welcher Phase befindet sich die Studie? Gibt es bereits einen festgelegten Rahmen? Wer genau (Also wer sind Sie!?) macht die Studie? Wird die Studie fremdfinanziert? Gibt es einen Zeitplan?
    Eigentlich wollen wir so gut wie alle Infos die es dazu gibt!

    Den Begriff "Prozessoptimierung der Arzneimittelversorgung" verstehe ich nach Ihren Ausführungen jetzt einmal so, dass es darum geht, wie die AM zu den Patienten gelangen?
    Es geht also nicht um Logistik und Lagermanagment der Apothekenabteilung?

    Ich selbste kenne seit 6 Jahren (davon zwei als examinierter) die handschriftliche Dokumentation in verschiedenen Formen. Darüber hinaus habe ich drei Monaten in einem Haus mit vollständiger elektronischer Dokumentation gearbeitet. An jedem Bett ein Laptop oder PC, Werte vom Überwachungsmonitor werden direkt per Netzwerk in die Patientenakte übernohmen, wirklich alles (Vitalzeichen, Medis, Pflegemaßnahmen, Anordnungen, PPR, etc) wird am PC gemacht. Nur die Applikatoren (z.B. Perfusoren) waren nicht mit der Akte verbunden und konnten daher die Dosierung und das Medikament nicht überprüfen (sowas gibt es aber beispielsweise im AKH Wien).
    Darüberhinaus war ich im früheren Leben Softwareentwickler und habe daher einen zweiten spezielleren Blick auf die Thematik.

    Bei der handschriftlichen Anordnung des Arztes ergeben sich verschiedenen Probleme, die sich mit einer elektronischen Patientenakte lösen liesen.

    1. Lesbarkeit: Das wohl klassischste Problem.

    2. exakte Anordnung: Bedeutet, das Regeln (Medikament, Einzeldosis, Tageshäufigkeit, Applikationsform) nicht eingehalten werden und beisielsweise nur die Tagesdosis ohne Applikationsform angegeben wird. Eine entsprechende Software würde den Arzt auf fehlende Angaben hinweisen. Darüber hinaus würde eine Software auch, in Abhängigkeit des Patientenalters, -geschlechtes, -gewichts und -körperoberfläche, eine Abweichung von der (laut elektr. Beipackzettel) empfohlenen Dosis monieren können. Auch Wechselwirkung mit schon vorhandenen AM könnten bemerkt werden.

    3. zeitnahe Dokumentation: Oft werden Anordnunge auf Zuruf gemacht und erst später in die Kurve eingetragen. Hier müßte (formaljuristisch korrekt) die Pflegekraft die Anordnung mit genauer Zeit dokumentieren und der Arzt dies später abzeichnen. Oft passiert nicht einmal das. Und im Zweifelsfall werden noch nachzuholende schriftliche Anordnungen vergessen, oder (im Sinne der Dokumentenfälschung) so in die Kurve geschrieben, als hätte der Arzt es doch zeitnah angesetzt, obwohl dem nicht so war.
    Ein elektronisches System protokolliert genau, wann wer was in die Akte geschrieben hat. Somit läßt sich problemlos (im Zweifelsfall) herausfinden, wann wer was nachträglich angesetzt hat. Würde die Pflegekraft eine mündliche Anordnung in der Software ansetzen und somit als "vorläufig" markieren (den sie ist ja "nur" Pflegekraft), so würe die Software den Arzt bei jedem Login daran erinnern, dass hier noch was abzuzeichnen ist.

    Apotheke - Station
    Beispielsweise gibt es Medikamente die werden mit normalen Zettel bestellt, andere mit Sonderanforderung und meisten noch eine dritte Variante. Vorher soll man wissen, wie was bestellt wird.
    Mit einer ordentlichen Software liese sich sehr schön kanalisieren, welche Medis in welcher Form auf der Station zugelassen sind. Auch Sonderanforderungen würde die Software gesondern kennzeichnen und einen Arzt beim nächsten Login zum abzeichnen auffordern.
    Auch Besonderheiten bei Spezielanfertigungen (Zäpfchen im Eigenbau beispielsweise Dolantin 5mg; Crememischungen, etc) liesen sich mit einer Software realisieren.
    Auch ständiges Telefonieren liese sich reduzieren, weil die notwendige Kommunikation über die Software geschehen würde.

    Hm... Mehr fällt mir spontan nicht ein.

    Ach ja, die Software erinnert die Pflegekraft, wenn Medikamente überfällig sind (es ist 14 Uhr und für 12 Uhr stehen noch nicht abgezeichnete Medis in der Akte).

    Fragen? ;)
     
  5. Stdentin27

    Stdentin27 Newbie

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    Hallo, da bin ich wieder.

    Erst einmal vielen Dank für Ihren Beitrag: Ich werde jetzt erst noch etwas zu der Studie erzählen und dann habe ich auch noch ein paar Frgen, zu denen Sie mir bestimmt weiterhelfen könnten :

    Also: Die Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit einem bestimmten Krankenhaus,- dass ich aber aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nennen möchte/darf-, welches die Medikamentendokumentation ausschließlich händisch erledigt und die Medikamentenanforderungen der einzelnen Stationen gehen per Telefon/ Fax in die Zentralapotheke über.

    Die Studie wird vom Staat mit einer guten Summe unterstützt und es sind 15 Unternehmen daran beteiligt, mitunter auch Krankenkassen.

    "Wir" sind verschiedene Gruppen, die unterschiedliche Schwerpunkte in diesem Projekt behandeln aber auch die einzelnen Informatiklehrstühle der Uni, die sich verschiedene eHealth und Telematik-Projekte zur Forschungsaufgabe gesetzt haben.

    Unser Thema befasst sich dabei sowohl damit, wie die AM zu den Patienten gelangen als auch mit der Möglichkeit der sinnvollen Erfassung der Medikamente, wenn sie aus dem AM-Schrank entnommen werden, also auch mit dem Lagermanagement auf der Station und in der Zentralapotheke.

    So, Sie haben ja in Ihrem Beitrag unter 2.) geschrieben, dass bzgl. der exakten Anordnung der Medikamente noch Verbesserungspotenzial gäbe. Ist damit auch gemeint, dass der Arzt manchmal anstatt der exakten Nennung des Medikamentennamens nur einen Wirkstoff anordnet und die Schwester dann hinterher bei der Zusammenstellung der entsprechenden AM in Dispenser ihre Arbeit zunächst unterbrechen muss um noch einmal mit dem Arzt Rücksprache zu halten um welches Medikament es sich dabei genau handelt ?

    Und dann habe ich noch eine Frage: Sofern die Patienten AM bedürfen, die sie schon seit Jahren nehmen, die aber nicht in der normalen Hausliste geführt sind, dann müsste der Arzt doch im Moment des Verschreibens unmittelbar antizipieren, welche AM der Hausliste diesen Medikamenten gleichkommen. Dabei können doch auch Fehler auftreten, denn der Arzt verfügt nicht über so ein Medikamenten Know How wie die Apotheker, oder ? D.h., an dieser Stelle könnte man sich auch noch Verbesserungspotenzial wünschen ?

    So, soviel zu den Schwachstellen auf der Station. Doch wo ergibt sich in der Zentralapotheke noch Handlungsbedarf ? Die Stationsanforderungen kommen per Fax dort an, doch so viel Kosten/Zeitverlust entstehen doch dadurch auch nicht. Können Sie mir evt. auch ein paar Schwachstellen seitens der Zentralapotheke nennen ?
     
  6. MoonKid

    MoonKid Stammgast

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    Exakt. Eigentlich sollte die Software dem Arzt beim Nennen des Wirkstoffes die vorhandenen Medis vorschlagen aus dennen er auswählen kann. Darüber hinaus sollten die Software eigentlich alle zugelassenen Medis (also die Rote Liste) kennen und aber selbstverständlich zwischen im-haus-gelistete und nicht-gelistete unterscheiden können und dern User (Pflege, Arzt, Apotheker) entsprechend darauf hinweisen.

    Anhand es Wirkstoffes sollte die Software entsprechende Alternativen an bieten können. Obwohl ihnen ein Arzt an dieser Stelle sicherlich auch erklären könnte, das scheinbar gleiche Medikamente (also gleicher Wirkstoff) von unterschiedlichen Herstellern, doch "irgendwie anders wirken". Ggf. sollte man an diesem Punkt mit der Software gleiche eine Sonderanforderung (also Bestellung nicht-gelisteter Medis) anstoßen können.

    Der Weg per Fax/Telefon oder sonst einer handschriftlichen bzw. gedruckten Form, ist gewohnt fehleranfällig.
    Wie bereits erläutert, sollte schon beim Bestellen für den Bestellenden ersichtlich sein, welche Art Medikament (gelistet, nicht-gelistet, extramischung, extraanfertigung (zäpfchen marke eigenbau)) es ist.
    Bestellt man (so wie ich es zur Zeit tue) per Fax, bekomme ich ein paar Stunden später meistens einen Apothekerrückruf, der mir erbost erklärt, das Medi A einen anderen Anforderungsschein braucht und Medi B gar nicth gelistet ist und warum jetzt überhaupt wir da kein anderes nehmen können, blabla
    Bestellung per Software ermöglicht auch das Nachvollziehen der älteren Bestellungen. Bestelle ich Medi A, das meine Kollegin letzte Woche schon bestellt hat, wird mich die Software darauf hinweisen, dass das Medi bereits bestellt ist, aber einfach noch nicht geliefert wurde.
    Im Moment (sollte) muß ich sowas kompensieren, in dem ich einen Ordner mit dutzenden alten Bestellkopien durchforsten muß.

    Schöner Nebeneffekt der Software (kenne ich aus einem anderen Haus) ist, dass diese dem Besteller gleich den Preis nennen kann. Dies fördert den bewußteren wirtschaftlicheren Umgang mit Medikamenten.

    Wann ist mit Ergebnissen der Studie zu rechnen? Welches Medium (Website?) sollte man beobachten, um das Ende der Studie zu bemerken?
     
  7. Stdentin27

    Stdentin27 Newbie

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    Hallo, vielen Dank für die Antworten.

    Also die Studie befindet sich momentan noch in der Analyse der IST-Situation einhergehend mit der Vorbereitung der Schwachstellenanalyse. Endgültige Ergebnisse wird es wahrscheinlich erst gegen Ende des Jahres geben. Da sehr viele Krankenkassen an den Dokumentationen der einzelnen Projekt-Prozesse interessiert sind, werden diese wahrscheinlich auch ein entsprechendes feedback auf ihrer Homepage veröffentlichen. Die gesamte Studie wird bei Zeiten von der Universität ins Netz gestellt. Genauen Link werde ich dann noch durchgeben.

    Ich habe noch einmal eine Frage zu den möglichen Schwachstellen, die sich im Arbeitsalltag des Zentralapothekers ergeben. Also bei unserem "Untersuchungsobjekt" ist es so, dass die Station ihre Anforderungen wie schon gesagt per Fax an die Zentralapotheke schickt. Das Fax besteht dabei aus einer schon vorgedruckten Bestelliste, die alle Medikamente auflistet, die generell in der Hausliste vereinbart sind. Die Schwester kreuzt sodann nur entsprechenden AM-Bedarf an und fügt die gewünschte Anzahl hinzu. Zusätzliche Medikamente, die der Patient braucht aber nicht in dieser Hausliste enthalten sind, werden handschriftlich unter die vorgefertigte Bestelliste ergänzt.
    Ergeben sich jetzt auch schon alleine durch diesen Vorgang für den Zentralapotheker, der die Bestellanforderung entgegennimmt, Schwachstellen, die es zu beheben gilt ?

    Sofern der Apotheker die einzelnen Bestellungen abarbeitet und AM für AM aus seinem Lager zusammensucht und zum kommisionieren bereit stellt, entsteht ja ein enormer Zeitaufwand, den man z.B. mit automatisierten Kommisionierautomaten (Unit-Dose) vermeiden kann. Da sehe ich eine Schwachstelle, die man mit einer elektronischen Unterstützung beheben könnte. Aber ich verstehe noch nicht ganz, wo genau eine Schwachstelle für den Apotheker ist, wenn er die Stationsbestellung per Fax in der oben beschriebenen Form erhält ??????

    Könnte man auch sagen, dass eine weitere Schwachstelle sowohl auf der Station als auch in der Zentralapotheke darin besteht, dass die Vorratsermittlung nur nach bloßem Augenschein erfolgt ? Könnten Sie evt. auch noch etwas zu den Schwachstellen bzgl. des Lagermanagements auf den Stationen und in der Zentralapotheke sagen ???

    Vielen Dank
     
  8. MoonKid

    MoonKid Stammgast

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    Wie definieren sie den Begriff "Schwachstelle" im Kontext ihrer Studie?

    Aus Sicht eines Softwareentwicklers ist diese Fax-Variante einfach total unergonomisch, zeitaufwending und fehleranfällig.
    Vorgefertigte Formulare zu verwenden behebt das Problem der Fehleranfälligkeit nicht, sondern reduziert es nur.
    Es wird immer handschriftliche Notizen bzw. Sondermedikamente (z.B. nicht-gelistete) geben, die per Handschrift angefordert werden. Hier können sich Übertragungsfehler einschleichen. Der Apotheker muß es entziffern. Überhaupt muß der Bestellende erstmal die Arztschrift entziffern, um die Bestellung auszuführen usw.
    Der Apotheker muß auch ein vorgedrucktes Fax erstmal lesen/interpretieren und in sein System übernehmen. Auch hier kann es Übertragungsfehler geben.

    Vielleicht könnte ein Apotheker hier mehr dazu sagen.

    Hm... Lagermangement. Damit verdienen Logistiker Milliarden. Extrem komplexes Thema. Ich denke das eine Softwareunterstützung das Problem durchaus mildern und das Lagermangement vereinfachen könnte. Aber das Grundproblem (Wieviel und welche Medis brauche ich die nächste Woche?) läßt sich damit auch nicht auflösen.
    Lagermangement hängt auch sehr von der Organistationssturktur des Hauses ab. Manche Apotheken sind outgesourced und haben sehr lange Lieferzeiten und oft auch unterschiedliche Lieferzeiten, je nach Medikamententyp (Tabletten, Sonderanfertigungen, Infusionen, etc).
    Die Apotheke hat das Lagermanagmentproblem ja auch. Aber woher soll ich als Pflegekraft beim Bestellen wissen, welche Medis die Apotheke im Lager hat (also sofort lieferbar) und welche erst von Extern (Lieferzeit mehrere Tage bis Wochen, je nach Medi) bestellt weden müssen. Hier könnte evtl. eine Software entsprechende Informationen über den Lagerbestand der Apotheke an die Station durchreichen, um die Planung bei der Bestellung zu erleichtern.
    Schwieriges Thema... :-)
     
  9. spflegerle

    spflegerle Stammgast

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    Hier wird es sicher in den verschiedenen Häusern unterschiedliche Vorgehensweisen geben.
    Für unser Haus kann ich sagen, dass Medikamente in unseren Schränken nach Wirkstoffen sortiert sind,
    da sich die Namen der Präparate sowieso ständig ändern. Die Apotheke liefert jeweils das gerade günstigste Präparat, bzw. jenes, das von Pharmavertretern gerade besonders günstig angeboten wurde (unabhängig vom tatsächlichen Verkaufspreis in öffentlichen Apotheken).
    Entsprechend verordnet der Arzt keine Handelsnamen, sonder Wirkstoffnamen. Welches Präparat (welchen Handelsnamen) der Patient bekommt, ändert sich also gegebenenfalls.

    Für die Lagerhaltung wichtig wäre bei elektronischer Erfassung des Bestandes unbedingt, dass die Verfallsdaten mitdokumentiert werden und entsprechende Hinweise ausgegeben werden, wenn Arzneimittel zu verfallen drohen, um sie ggf. auf Stationen umzuleiten, wo sie voraussichtlich noch innerhalb des Verfallsdatums verbraucht werden könnten.

    Ein etwas abseitiger (weil spekulativer) Aspekt der elektronischen Erfassung und Regelung der Arzneimittelversorgung ist der Schwund durch Mitarbeiterentnahme: wird die Lagerhaltung auf ein absolutes Minimum reduziert und die Tagesration patientenbezogen jeweils täglich neu geliefert (analog zB zur Essensversorgung), so wird man den Schwund durch Mitarbeiter-Selbstbedienung auf ein absolutes Minimum reduzieren können. Das würde einerseits zwar Geld sparen und das Suchtverhalten des einen oder anderen positiv beeinflussen bzw. gar nicht erst entstehen lassen, es könnte aber auch zu einem erhöhten Krankenstand unter dem Personal führen, da es ja hinreichend bekannt ist, dass sich das medizinische Personal gerne mit stationseigenen Medikamenten doped, um überhaupt arbeitsfähig zu bleiben.
    Wäre sicher ein interessanter Seiteneffekt der Studie, zu ermitteln, inwieweit ein stark eingeschränkter Zugang zu Medikamenten sich auf den Krankenstand der Stationen auswirkt...
    Nur so ein Gedanke am Rande :-)

    Gruß spflegerle
     
  10. sigjun

    sigjun Gast

    Da es ja auch um den IST-Zustand geht wird es wohl in den meisten Krh. erhebliche Schwachstellen geben.

    Aus eigener Erfahrung sehe ich einen immensen Zeitaufwand darin herauszufinden welches Medikament wie bestellt wird.
    Die gängigen Medikamente sind nicht das Problem, aber auf Grund der ganzen Generika haben viele Patienten mittlerweile auch viele Medis, die nicht gelistet sind.
    Ich schreibe es auf, Apotheke sagt mir gibt es nicht, braucht Sonderanforderung. Könnte ich das bereits bei der Bestellung sehen wäre nicht nur Zeit gewonnen, indem ich gleich eine Sonderanforderung schreibe.

    Was ich als Optimierung bei uns empfinde ist die Sortierung und auch Anordnung des Wirkstoffes. Das hat zumindest den Bestand der Medis um ein deutliches verringert.
    Optimal wäre natürlich eine Schnittstelle direkt zur Apotheke. Jedes Medikament, das ich entnehme wird gescannt und gleich zur Apotheke gesendet, die dann automatisch Nachschub liefert. Über bleiben würden nur noch Medikamente, die nicht im Standard der jeweiligen Station gelistet sind.
     
  11. Stdentin27

    Stdentin27 Newbie

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    Könnte man also sagen, dass die Bestellanforderung seitens der Station per Fax insofern aus Sicht des Zentralapothekers verbesserungswürdig ist, als dass er die AM, die nicht in der Hausliste enthalten und daher von den Schwestern handschriftlich unter das vorgedruckte Bestellformular ergänzt wurden zuerst einmal entschlüsseln muss ? Also er muss entschlüsseln, welcher Artikel in welcher Menge geliefert werden soll. Dies führt unter Umständen zu einer telefonischen Rückfrage, was Kosten und Zeit unnötig bindet. Auch bedeuten die im Rahmen des Bestellvorgangs resultierenden Medienbrüche zu längeren Durchlaufzeiten, denn die Übertragung der Faxbestellungen in das Warenwirtschaftssystem der Apotheke bindet ebenfalls unnötige Zeit und bringt das Risiko von Übertragungsfehlern, bspw. durch Zahlendreher mit sich.

    Kann man das so sagen, ist das richtig ????
     
  12. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo hhhh,

    du kannst aber aus diesen Angaben nicht auf alle Krankenhäuser, Kliniken schliessen. Wir sind ein relativ papierloses Krankenhaus und es liegt sicher schon 10 Jahre zurück, dass wir auf Papier irgendeine Bestellung gemacht haben.
    Jede Klinik hat andere Schwachstellen.

    Schönen Tag
    Narde
     
  13. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Elisabeth
     
  14. Werner Rathgeber

    Werner Rathgeber Stammgast

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    Hallo hhh,

    in meinem Klinikum wird der laufende Materialbedarf egal ob Apotheke, Küche oder Verbandmittel über SAP bestellt.

    Ausnahme sind hier leider noch die Sonderanforderungen.

    Jede Station verfügt über eine Liste der gebräuchlichsten Medikamente und gibt diese über Bestellnummern ein.

    Testweise verfügen die Intensivstationen über einen Barcode-Scanner.

    Seltenere Medis können mit der Suchfunktion gefunden werden. Dies funktioniert leider nicht immer. Unsere EDV sagt dann immer: "Das ist ein User-Problem"

    Menge wird " PI mal Auge" bestellt und durch jährliche Apothekerkontrollen überwacht.

    Wichtig ist, das der Besteller Feiertage mit berücksichtigt und entsprechend mehr bestellt.

    Chemotherapeutika werden von der Apotheke unter sterilen kautelen nach em Rezept des Arztes anwendungsbereit vorbereitet.

    Versuchsweise sollen demnächst bei uns die Medikamente durch die Apotheke für jeden Patienten jeden Tag konfektioniert und in Bilsterverpackungen an die Station geliefert werden.

    Dies gibt es bereits in einigen Altenheimen und es werden gute Erfahrungen damit gemacht.

    Die Apotheke verdient nichts an diesem Service.

    So, das wars von mir.

    Viele liebe Grüße

    Werner
     
  15. Stdentin27

    Stdentin27 Newbie

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    Hallo zusammen,

    ich habe noch eine generelle Frage, und zwar, was leistet eigentlich ein Warenwirtschaftssystem ? Der Zentralapotheker gibt ja die Bestellanforderungen der Station zunächst in WaWiSystem ein, druckt wahrscheinlich dann eine Bestellliste aus und sucht dann die einzelnen Medikamente aus seinem Lager zum Kommisionieren zusammen. Ist das so richtig ? D.h, das WaWiSystem zeigt, welche Station wann was bestellt hat, oder ? Dies könnte man doch als eine Art Kostenkontrolle ansehen. Allerdings erfolgt diese nur für die einzelnen Stationen als GANZE und nicht patientenzentriert, was insbesondere im Rahmen der DRG-Anforderungen ls eine Schwachstelle angesehen werden kann, oder ?


    Und dann habe ich noch eine Frage: Sofern das System der Verblisterung in der Zentralapotheke eingeführt wird, welche Funktion übernimmt dann der Zentralapotheker genau und vor allem, erzielt er dadurch eine Zeitersparnis?
     
  16. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hi,

    ich gebe meine Bestellung mittels Barcode Leser in den PC ein. In der Apotheke kommissioniert ein Automat meine Bestellung und dann wird diese angeliefert. Wahlweise kann ich auch per Bestellnummer oder über Suche das Medikament eingeben. Ausgedruckt wird bei uns nur der Lieferschein, damit ich kontrollieren kann ob ich richtig beliefert wurde.

    Bestellung durch Pflegekraft, Freigabe der Bestellung durch Arzt.

    Apotheke kontrolliert meine zusammengestellte Ware.
    Lieferdienst liefert und das dreimal wöchentlich.

    Sonderanforderungen leider noch per Formular und noch nicht per PC.

    Bei der Unitdose übernimmt ebenfalls eine Maschine die Zusammenstellung der Bestellung.

    Monatlich bekomme ich eine Übersicht der von mir bestellten Waren nach Hitlisten. Das nicht nur für die Apotheke sondern komplette MaWi.

    Sonnigste Grüsse
    Narde
     
  17. MoonKid

    MoonKid Stammgast

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    Ob das ne Schwachstelle ist, kann ich nicht einschätzen.

    Allerdings kann ich hierzu anmerken, das in meinem Haus die sog. "Sonderanforderung" auch für recht banale (vermutlich nur relativ teure) Medis ausgefüllt weden muß und somit dann in Verbindung mit einem Patienten gebracht werden kann. Bei unseren Sonderanforderungen müssen wird die Bestellung mit Diagnose rechtfertigen.
     
  18. Werner Rathgeber

    Werner Rathgeber Stammgast

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    Hallo hhh,

    bisher ist bei uns die Auswertung nur Kostenstellenbezogen (Stationsweise) und somit eine Kostenkontrolle.

    Das SAP ® ist, meines Wissens nach, ein reines Tabellenkalkulationsprogramm in dem der Lizenznehmer eigene Anwendungen programmieren kann, wenn er möchte.

    Zeitersparniss durch Automatisierung,gleichzeitig werden damit "Stellfehler" verhindert.

    Kontrolle durch den Apotheker, wie es das Apothekengesetz vorschreibt.

    Viele Grüße

    Werner
     
  19. Stdentin27

    Stdentin27 Newbie

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    Hallo zusammen,

    ich habe noch ein paar Fragen und zwar:

    Ist es möglich, an ein Warenwirtschaftssystem (SAP) die Arzneimittelanforderungen der Stationen sowie eine elektronische Verordnungsunterstützung anzubinden ?

    Oder ist ein Online-Bestellservice besser, an dem man dann die Chargenverwaltung, eine elektronische Verordnungsunterstützung etc anbinden kann besser?

    Und ist eine Chargenverwaltung aus Ihrer Sicht überhaupt wichtig ? Wenn ja, wofür genau?


    Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir diesbezüglich mit einigen Beiträgen weiterhelfen könnten.

    Lieben Gruß
     
  20. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Was verstehst du unter Chargenverwaltung?

    Wir können die Medikamente den Fällen zuordnen, leider bisher nur "manuell" im PC einzugeben. Demnächst wohl automatisch.

    Schönen Tag
    Narde
     
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