Schmerztherapie in Altenpflegeeinrichtungen - ein Fallbeispiel

Dieses Thema im Forum "Der Alltag in der Altenpflege" wurde erstellt von Bianca W., 07.11.2005.

  1. Bianca W.

    Bianca W. Newbie

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    :wut: Hallo,
    ich möchte hier mal ein Thema aufgreifen, worüber ich mich tierisch darüber aufrege- Schmerztherapie bei alten Menschen im Pflegeheim! Es ist ein Goldsegen, wenn freiwillig ein Hausarzt transdermale Betäubungsmittel bei Schmerzen verordnen. Sollte aber die Dosierung nicht mehr ausreichen, da die Schmerzindensität stärker ist, dann.... Jaaa, das ist es ja!
    Die meisten alten Bewohner in Altenheimen werden für dement erklärt, damit es so aussieht, als würden sie eben nur mal so herumschreien, oder einfach nur Zuwendung suchen...
    Ich habe eine Bewohnerin über 70 Jahre alt. Sie hat Osteoporose mit diversen Wirbelkörpereinbrüchen und Skoliose. Sie wurde im letzten Jahr in einer Schmerzambulanz in Mainz mit Transtec 70 µg/std, 4x 20 Tropfen Novalgin und Voltaren Resinat eingestellt. Sie klagt aber weiterhin über sehr starke Schmerzen beim Sitzen oder beim Wetterumschwung. Sie kann es besser aushalten, wenn sie im Bett liegt. Ist das denn noch ein Leben....?! Sie kann ja noch nicht mal richtig am gesellschaftlichen Leben teil nehmen. Zudem kommt, daß ihr ständig übel ist und daher auch wenig Appetit hat. Sie sagt, sie wüsse es ja, das etwas essen müsse, aber sie könne es nicht. Nun bekommt es vor den Mahlzeiten 3 x 20 Tropen Paspertin. Dies scheint nun auch nichts zu nützen. Der Hausarzt erhöht weder die Schmerzdosis des Pflasters- noch steigt er auf eine Alternative um, oder das selbe gilt für die Übelkeit- z. B. Navoban oder Zofran. Das wäre zu teuer meinte der Arzt, aber die Dame darf sich weiter herumquälen. Die Frau rutscht tiefer und tiefer in ihre eigene Welt (Depressionen) so daß wir auch einen Neurologen hinzugezogen hatten. Der machte sich das noch einfacher,---> zerebraler Hirnabbach sprich: dement!!!

    Manchmal frage ich mich......

    Ich freue mich, wenn ihr den Betrag gelesen habt, und hoffe, auf Ratschläge, wie wir der Bewohnerin helfen können. PS. die Angehörigen geben auch Betrieb auf den behandelnden Arzt
    :evil: :evil:
    Bianca
     
  2. rosered

    rosered Newbie

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    Hi, da ich selber auch im Altenheim arbeite,kenn ich das Problem mit demn Ärzten, leider.
    Da die Medikamente sehr teuer sind, geben sie diese nur denen die sie anscheined wirklich benötigen(hat ein Dok mal zu mir geasgt).
    Zieh doch mal fachpersonal von Schmerzkliniken hinzu, Z.B. clinik home interface. Die könne dir sicher helfen, mit denen habe ich im Hospiz auch sehr sehr gute Erfahrungen gemacht.
    Ansonsten solltest du mit den Angehörigen überlegen ob ihr den HAusartz wechseln wollt und dann euich einen suchen der, von Schmerztherapie eine Ahnung hat,oder im Idealfall sogar eine Weiterbildung auf diesem gebiet hat.
    Das du der Bewohnerin Sicherheit und Geborgenheit vermitteln mußt, weißt du ja.
    Ich hoffe ich konntge dir ein wenig helfen. liebe grüße
     
  3. Susanne Huber

    Susanne Huber Stammgast

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    Hallo Bianca,

    Jeder Mensch hat das Recht auf Schmerzfreiheit!!
    Das weiß auch der Hausarzt, er "vergisst" es nur manchmal.
    Wie würde er wohl reagieren, wäre die Bewohnerin seine Mutter?

    Also, ich bin der Meinung, du hast Recht. Die Dame braucht sicher eine vernünftige Analgesie. Und du brauchst einen Plan:

    Plan 1:
    Kannst Du die Angehörigen mobilisieren? Nur die erreichen hier noch was.
    Die sollen den Arzt (oft) fragen, ob die Angehörige nicht nochmal von einem Schmerzarzt untersucht werden kann. Vielleicht kann man ja auch einen anderen Facharzt hinzuziehen, der was von Analgesie versteht. z.B. einen Chirurgen oder Orthopäden.

    Plan 2:
    DOKUMENTATION!!
    Ärzte hassen nichts mehr, als sich ewig "beschwerende" Krankenschwestern, die nicht konstruktive Kritik üben.
    Ein Arzt hätte gerne bei einer Frage immer auch einen Lösungsvorschlag. Bietet den doch an! Das kostet aber Schweiß und Vorarbeit!
    Dokumentiert die Schmerzstärke, die die Patientin angibt (z.B. VAS)
    Dokumentiert die Schmerzen mindestens 1x/Tag
    Dokumentiert bei welchen Situationen die Patientin Schmerzen hat
    Dokumentiert jedes Schmerzmttel, das die Patientin bekommt.

    Besorgt Euch den nationalen Expertenstandard "Schmerz..." von der FH Osnabrück, lest den. Da sind genug Argumentationshilfen.

    Lasst nicht locker und weist den Arzt bei jedem Hausbesuch (freundlich und nicht aufdringlich) auf Eure OBJEKTIVEN Beobachtungen hin. (Ich glaube..., ich denke... ist falsch!) Besser: Am XX:XX:XX hatte die Bewohnerin VAS 6/10, nach der GAbe von XX mg Medikament waren die Schmerzen nach 2 STunden noch bei VAS 6/9....

    OK?

    Viel Glück, Susanne
     
  4. Bianca W.

    Bianca W. Newbie

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    ... ist in alles in Arbeit

    Hallo @ all,
    vielen Dank für Eure Vorschläge! Die haben mir sehr geholfen, jetzt muß es nur noch umgesetzt werden. Die Tochter der betroffenen Bewohnerin, macht zur Zeit ein Praktikum im Hospitz, und hat auch schon einige Ideen und Erfahrungen eingeholt, heute Abend hat sie einen Termin bei der behandelnden Hausärztin. Mal schaun was die Angehörige bei der Ärztin erreichen kann. Nebenbei hat das Pflegepersonal bei einem geeigneten (neuen) Hausarzt angeklopft, der von (palliative) Schmerztherapie Ahnung hat. Dieser heißt Prof. Dr. Hardt lehrt an der Universitätsklinik Mainz Allgemeinmedizin und ist Vorsitzender in der Hospitzgruppe Ingelheim. Dieser Arzt versteht sein Handwerk! Den werden wir uns an die Strippe ziehen. Der hat auch gefragt, warum die Hausärztin das Pflaster nicht erhöht, oder auf andere Opiate umsteigt.
    Ich werde in naher Zukunft eine Fortbildung machen über Schmerzmanagement, und hoffe damit sehr, endlich unseren Bewohnern damit helfen zu können, für eine adquate Schmerztherapie!!!! Auch wenn der Hausarzt gewechselt werden muß- weil er sich nichts zutraut, oder weil es auf sein Budget geht.:kloppen:

    Ich bin gespannt, wie es nun jetzt weitergeht!
     
  5. Nordlicht

    Nordlicht Poweruser

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    Hi Bianca,
    schön, dass es voran geht,
    vielleicht informierst Du Dich schon einmal vorab über Schmerzpumpen und Ports.
    Wenn Pflasterkleben nicht mehr ausreicht, können viele Menschen mit Pumpe/Port ein entspannteres Leben führen. Und falls Euer Schmerzmanagement so etwas für die Dame vorsieht, bist Du später sicherer im Umgang und in der Argumentation.
    Viel Spaß und Erfolg bei Deiner Fortbildung.:up:
     
  6. Patmuc

    Patmuc Stammgast

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    Hallo
    Arbeite nun seit fast 6 Monaten an einem Projekt "Schmerzmanagement in der Altenpflege"
    Ich bräuchte dazu noch einige Tipps zu physikalischen Maßnahmen, die von der Pflege durchgeführt werden können. Es wär super wenn ihr ein paar Beispiele schreiben könntet, wie es bei euch läuft.
    Welche Maßnahmen sind bei den verschiedenen Schmerzen angebracht?

    Gruß Patrick
     
  7. Bianca W.

    Bianca W. Newbie

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    Hallo @ all,:spopkorns:
    ich danke Euch für die sehr hilfreiche Vorschläge und Beiträge!
    Bei der Damen wurde einiges an Medikamenten umgestellt, d.h. die Dame erhält ein Fentanyl-Pflaster 100 µg/std. 3 x 20 Tropfen Novaminsulfon an bestimmten Uhrzeiten 6:00, 14:00 und 22:00 Uhr. Zusätzlich darf noch 10 mg Sevredol (Morphin) gegeben werden. Gegen die Übelkeit erhält sie als Adjuvant 3 x 5 Tr. Haldol. Damit geht es der Pat. einigermaßen besser.
    Ich konnte bei der Fortbildung "Schmerzmitteleinsatz bei Schwerstkranken und Sterben" viel mitnehmen. Am interessantesten war das BTM "Dronabinol". Es wirkt gegen sehr starke Schmerzen, Übelkeit, ist Stimmungsaufhellend (euphoresierend) und appetitsteigernt. Allerdings ist der Wirkstoff Cannabis!Da werden die Hausärzte noch etwas dagegen haben. Jetzt muß man nur noch alles in Taten umsetzen.
    Was ich jetzt gerne in der nächsten Zeit in Angriff nehmen möchte, ein 1-wöchiges Praktikum auf der neuen Palliativ-Station in der Universitätsklinik Mainz. Ich habe 10 Tage Resturlaub, da werde ich meinen Arbeitgeber fragen, ob dies in Ordnung geht. Ich brauche Bildung, ich möchte einfach mich für die Alten Menschen einsetzen!!!:wink:

    Bis dann

    Bianca W.
     
  8. diwa27

    diwa27 Newbie

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    Hallo Bianca,
    leider habe ich heute erst deinen Beitrag entdeckt...
    Ich kenne den Allgemeinzustand der PAtientien natürlich nicht, und weiß nicht ob eine Kyphoplastie noch in Frage kommt. Kyphoplastie ist kurzum ein Auffüllen mit Knochenzement der Wirbelkörper. Der Eingiff findet in Vollnarkose statt und die Patienten sind am Tag nach der OP deutlich schmerzfreier und beweglicher, als vor der OP. Das ganze wird über winzig kleine Schnitte entlang der Wirbelsäule, an den entsprechenden Wirbelkörpern gemacht und ist sehr gut verträglich.
    Ich selbst habe sehr viele Patienten mit weit fortgeschrittener Osteoporose gesehen, die vorher kaum noch laufen konnten vor Schmerzen, und dieses nun wieder mit Freude machen.
    Wenn es für diese Pat. vielleicht nicht mehr in Frage kommt,..., der nächsten kannst du vielleicht den Rat geben.
    Die OP wird überings von Unfallchirurgen oder Orthopäden durchgeführt.
    LG und viel Erfolg bei deinem Praktikum!
    Diwa
     
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