Schlechtes Studium oder gute Ausbildung?

Dieses Thema im Forum "Adressen, Vergütung, Sonstiges" wurde erstellt von Henriettekautablette, 08.01.2013.

  1. Hallo, liebe Community!

    Ich stehe grade vor einer sehr schwierigen Entscheidung:
    Im September habe ich das Duale Studium Pflege angefangen und muss leider sagen, dass ich bisher sehr unzufrieden damit bin. Ich habe das Gefühl, mir in Schule und Uni den ganzen Tag den Hintern sinnlos plattzudrücken, und mir dann Zuhause alles selbstständig aus den Fachbüchern beibringen zu müssen. Wir haben nämlich kaum Vorlesungen, dafür eine Gruppenarbeit nach der nächsten. "Problembasiertes Lernen" nennen die das. Versteht mich nicht falsch, ich habe durchaus Lust, mir Themenbereiche selbstständig zu erarbeiten, aber nicht die KOMPLETTEN Ausbildungsinhalte! Vor allem nicht, wenn es keinerlei Aussagen zum Erwartungshorizont gibt. Dann können meine Dozenten mir auch einfach ne Bücherliste und eine Übersicht über meine Praktika geben und wir sehen uns in 4 Jahren zum Abschluss wieder!

    Nun habe ich aber für 01.04. auch noch einen Ausbildungsplatz am Uniklinikum Eppendorf zugesagt bekommen und muss mich nun entscheiden, ob ich mein Studium fortführen, oder die Ausbildung beginnen möchte. Von einigen Schülern des UKE habe ich ein sehr positives Bild über ihre Ausbildung vermittelt bekommen. Aber ich gebe dann erstmal die Möglichkeit auf einen Studienabschluss auf!

    Was haltet ihr für die beste Entscheidung? Durchhalten? Wechseln? Bessere Ausbildung oder besserer Abschluss (irgendwie ja auch ein Widerspruch in sich,oder?)? Kann mir jemand von euch noch einen Eindruck mehr von der Ausbildung am UKE verschaffen? Für zahlreiche Antworten wäre ich wahnsinnig dankbar! :-)

    Liebste Grüße,
    Henriettekautablette
     
  2. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    Der Trend geht in der beruflichen Bildung hin zum Kompetenzerwerb, zu welchem neben der fachlichen Kompetenz auch eine methodische, soziale und kommunikative Kompetenz gehören.
    Arbeiten in Gruppen fördern alle 4 Bereiche, wenn die Aufgaben sinnvoll gestellt sind.


    PBL oder POL ist eine Methodik, in welcher Du eine wichtige berufliche Fähigkeit erlernst: Dir werden weder Inhalte noch gängige Fragen präsentiert- vielmehr sollt Ihr anhand einer Falldarstellung Phänomene oder Probleme selbständig erkennen, Schwerpunkte setzen und diese eigenständig anhand geigneter Literatur bearbeiten. Genau DAS benötigst Du im ganzen Berufsleben!
    Es mag für Dich den Anschein haben, dass dieses sehr "banal" ist ....aber glaube mir, nur wenige Schüler besitzen aufgrund Ihrer schulischen Sozialisation, in welcher der Lehrer fragen stellt und man diese (richtig) zu beantworten hat, diese Kompetenz!


    Es wird einen roten Faden geben- auch wenn Du diesen vielleicht jetzt noch nicht erkennst. Den "Erwartungshorizont" macht Ihr....die Gruppe legt die Schwerpunkte fest, bearbeitet selbständig die Themen und erstellt die Ausarbeitungen.
    Meistens werden in diesem Prozess mehr Fragen aufgeworfen und vertieft bearbeitet als in einem "herkömmlichen" Lehrerzentrierten Untericht.

    Ich verstehe, dass dieses Dir erstmal Angst macht - auch für Lehrer ist es übrigens ungewohnt, die gewohnte "Kontrolle" ein Stück weit abzugeben....




    Der Prozess wird mit Sicherheit von den Lehrern begleitet!
    Und: irgendwie muss es ja auch eine Modulabschlussprüfung geben.

    Auch in der Ausbildung wirst Du auf für Dich ungewohnte Lehrmethoden treffen. Und ja: Du hast dann keinen BA!



    Du solltest Dich an einen Deiner Dozenten wenden und mit diesem Deine Situation besprechen. Vielleicht gibt es ja auch konkrete Hilfestellung "vor Ort" sowie die Möglichkeit, einen Einblick in die Inhalte der kommenden Semester zu erhalten.
     
  3. matras

    matras Bereichsmoderator
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    Volle Zustimmung zu den von Lillebrit gemachten Anmerkungen, kann ich so mit unterschreiben!
    Leitsatz: handle stehts so, dass sich die Anzahl Deiner (Wahl-)Möglichkeiten erhöht! (H.v. Förster)
     
  4. anästhesieschwester

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    Wenn Du jetzt eine normale Ausbildung startest, heißt das ja nicht, dass Du später nicht mehr studieren kannst. Es verschiebt sich zeitlich nur um einige Jahre nach hinten. Und manche Inhalte sind vielleicht mit Berufserfahrung bzw. einer abgeschlossenen Ausbildung im Pflegebereich einfacher zu verstehen, weil sie einfach schon mal angesprochen wurden.

    Gruß
    Die Anästhesieschwester
     
  5. hypurg

    hypurg Poweruser

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    Hier gehört, wenn auch in jungen Jahren oft vernachlässigt, "strategisches" Denken dazu. Wo möchtest Du mal hin?
    Möchtest Du jetzt eine Qualifikation erwerben, die vielleicht in einigen Jahren Standard ist, um überhaupt reelle weitere Karrierechancen zu haben - oder
    ist Dir das erst einmal egal und Du qualifizierst Dich anschließend.
    Vorteil: Ausbildung wird etwas entzerrt, viele Themen sind nicht mehr so abstrakt mit Berufspraxis.
    Nachteil: Zeit, Geld

    Zur Qualität der beiden Ausbildungsausrichter kann leider nichts sagen. Die allgemeinen Informationen von Lillebrit zeigen aber schon deutlich, daß hier Lehrmethoden umgesetzt werden, die zeitgemäß sind. Wie die Umsetzung im Einzelnen ist...(?)
     
  6. MichaHH

    MichaHH Senior-Mitglied

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    Lillebrit hat im Grunde schon das Meiste gesagt. Eine Stelle, an die du dich jedoch noch wenden kannst, fällt mir ein: Wenn du ein Duales Studium hast, dann gibt es doch sicher auch einen Fachschaftsrat an eurer Hochschule? Häufig kann dieser dir dann alle nötigen Hilfestellungen geben, die du brauchst.
     
  7. Baum

    Baum Senior-Mitglied

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    Ich weiss ja nicht, wie die Ausbildungen i.Allg. ablaufen, aber bei mir hatten wir während der Ausbildung auch lauter so Gruppenarbeiten. Ich schätze, dass das die Sozialkompetenz und das Teamplay stäken sollten oder was. Weiss noch nicht ganz genau.
    Ich denk aber, auch bei der Ausbildung kannst du Dich auf sowas gefasst machen... Und das richtige Lernen fängt in meinen Augen sowieso erst nach dem Examen an, fand ich.
    Falls du möglichst bald unabhängig sein möchtest (z.B. von Bafög, weg von zu Hause o.a.), ist Ausbildung sicher die Option, die schneller Unabhängigkeit bietet.
    Falls das alles aber keine Rolle spiekt für Dich, würde ich das Studium weitermachen, weil Gruppenarbeiten und Zusammenarbeit, da wird vermutlich bei beidem grosser Wert drauf gelegt (Wenngleich das Verhalten vor dem Examen nichts über das Verhalten nach dem Examen im richtigen Leben auszusagen hat...)...

    Viel Erfolg bei deiner Entscheidung,

    lG!
     
  8. MichaHH

    MichaHH Senior-Mitglied

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    Auch im dualen Studium bekommt man ein Ausbildungsgehalt, mit dem man unabhängig von Eltern&Co. leben kann!
     
  9. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Nur die ersten drei Jahre. Die restlichen anderthalb Jahre musst Du so überbrücken. Eltern, Bafög und / oder Nebenjob.

    Ich würde zwar trotzdem jedem, der die Möglichkeit hat, zum dualen Studium raten, aber man sollte diesen Punkt durchaus zugeben.
     
  10. Henriettekautablette

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    Darum geht es eigentlich nicht, da ich seit 8 Jahren nicht mehr Zuhause wohne. Ich hab außerdem das Glück, dass ich momentan neben dem Studium noch einige Stunden bei recht guter Bezahlung in meinem alten Job arbeiten kann (ich habe nach der Schule eine Ausbildung zur Dolmetscherin gemacht). Der Wechsel in die Ausbildung wäre vermutlich erstmal sogar ein finanzieller Rückschritt. Zugegebenermaßen würde mich der Umzug nach Hamburg reizen, da ich, wie erwähnt, Bekannte dort habe, die auch das UKE gut kennen, aber auch das sollte nicht ausschlaggebend für die Entscheidung sein.

    Ich hatte zunächst versucht, auf alle von Lillebrit angeführten Aspekte einzugehen, da ich das Gefühl habe, meine Frage sei so angekommen, als ob es mir darum ginge, dass ich nur die Lehrmethode kritisiere und den Gruppenarbeiten aus dem Weg gehen möchte, aber meine Antwort viel extrem lang aus und ich fürchte, keiner von euch hätte Lust gehabt, dass alles zu lesen! ;) Also versuche ich es ein bisschen mehr auf den Punkt zu bringen: Ich halte die PBL-Methode durchaus nicht für schlecht und ich unterstütze zu 100% die Auffassung, dass soziale Kompetenzen und ebenso selbstständiges Arbeiten in der Ausbildung gefördert werden müssen! Allerdings fürchte ich, wir sind da momentan auf dem falschen Weg, wenn aufgrund von Unsicherheiten in der Umsetzung die Inhalte verloren gehen! Und leider habe ich in den letzten Monaten den Eindruck bekommen, dass die Dozenten selbst noch auf sehr unsicheren Pfaden unterwegs sind, zugleich aber mit aller Kraft an ihrem Konzept festhalten wollen (es gab schon einige Proteste aus mehreren Kursen!) und ich bin mir nicht sicher, ob ich bereit bin, Versuchkaninchen zu sein, wenn ich vermeindlich besser ausgebildet werden könnte.

    Klar fände ich es fantastisch, einen höheren Abschluss zu erlangen, aber auf der anderen Seite frage ich mich, wie viel Wert dieser hat, wenn ich mich irgendwann als, im Endeffekt sogar möglicherweise, schlechter ausgebildete Kraft in der Praxis wiederfinde, und den "normalen Krankenschwestern" nicht das Wasser reichen kann, weil ich zwar vier Jahre ganz viel über die Professionalisierung der Pflege gesprochen, jedoch den Praxisbezug verloren habe...

    Grüße,
    Netti
     
  11. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Du glaubst nicht ernsthaft, dass solche Proteste nicht auch an "normalen" Krankenpflegeschulen Alltag sind? An jeder Schule oder Hochschule, egal welche Fachrichtung: Es wird einige Mankos geben, und Schüler oder Studenten werden sie beklagen. Das liegt in der Natur der Sache, das geht gar nicht anders.

    Wie willst Du den Praxisbezug verlieren? Du musst doch die gleiche Mindeststundenanzahl erfüllen wie alle anderen GuKP-Schüler auch.
     
  12. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    7. Semester Pflegepädagogik
    Da gebe ich Claudia absolut Recht. Du wirst der regulären Ausbildung im nichts nachstehen- im Gegenteil: Du hast vorallem gute Chancen auf eine passenden Job. Es werden Stellen geschaffen für Dich als akademisierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (was Du nach dem Bachelor in jedem Falle sein wirst). Um es Dir vielleicht leichter zu machen: Die Praxiserfahrung sammelst Du erst hinterher und während der letzten 3 Semester bis zum Bachelor, wirst Du in jedem Falle auch arbeiten können. Zwar nicht Vollzeit, aber immerhin Teilzeit. Was übrigens vieler meiner Mitkommilitonen/innen nach einer regulären Krankenpflegeausbildung derzeit auch tun während ihres Pflegepädagogik - Studiums. Sie haben ihr Studium direkt nach der regulären Ausbildung angefangen. Also die Situation ändert sich nicht. Du kannst sogar mit dem Pflegestudium die Zeit verkürzen. Zeit um vorallem Entscheidungen zu treffen. Lehrjahre sind niemals Herrenjahre und auch in der regulären Ausbildung wirst Du das Gleiche vorfinden, wie Du es hier beschreibst. Aus meiner Berufs- und Lebenserfahrung heraus, kann ich Dir das Studium nur ans Herz legen. Und nicht erst seit gestern ist mir bewusst, dass das Pflege- Studium eine harte Nummer ist. Aber dafür weißt Du hinterher, dass Du es durchgezogen hast und damit u.a. auch belastbarer bist. Nicht jeder zieht es durch. Deswegen stell Dich vor den Spiegel und frag Dich, was Du wirklich willst. Denn das scheinst Du gerade nicht zu wissen. Darüber hinaus würde ich mir die Pro und Kontras auf einen Zettel schreiben.
     
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