Schizophrenie und Trachealkanüle

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Janina, 17.09.2011.

  1. Janina

    Janina Senior-Mitglied

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    Hallo,
    ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen. Gibt es irgendwo die Möglichkeit einen Schizophrenen Patienten der aufgrund eines akuten Ereignis eine Trachealkanüle benötigt psychotherapeutisch unter zu bringen?
    Also konkret, gibt es psychiatrische Häuser die tracheotomierte Patienten aufnehmen?

    Lieben Gruß
    Janina
     
  2. verenalgo6

    verenalgo6 Stammgast

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    Tagchen:-)
    also ohne das ich dafür jetzte meine Hand ins Feuer legen möchte, ich bin mir wirklich nicht sicher, aber ich kann mir nicht vorstellen das in unserem Haus ein AKUT psychisch Kranker Pat. auf Grund eines Tracheostomas abgelehnt wird... Pflegekräfte und Ärzte arbeiten ja auch in einer Psych:-)
    Kannst du uns vielleicht ein paar Infos mehr über den Pat. geben? In wie weit kann er sein Tracheostoma (auserhalb einer akuten Psychose) versorgen, wieviel übernimmt die Pflege, wie oft muss abgesaugt werden und vor allem- was bedeutet der akute psychische Krankheitsschub (hat den der Pat. aktuell überhaupt?) ? Ist der Pat. auserhalb des stationären Rahmens selbst oder fremdgefährdend? Und was genau sind die Ziele/ was erwartest du wenn der Pat. in psychiatrische Behandlung kommt?

    Vlg Verena
     
  3. Janina

    Janina Senior-Mitglied

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    Ob er gerade eine akute Schizophrenie hat weiß ich natürlich nicht, der Patient hat eine Trachealkanüle und kann deshalb nicht mit uns reden. Er hat eine Tetraparese, die Rückläufig ist und Hauptsächlich sich noch als eine Schwäche und Unkoordiniertheit aller vier Extremitäten ausdrückt. Seine Trachealkanüle ist geblockt und er kann sie nicht selbst versorgen. Er muss mehrmals am Tag abgesaugt werden, was er des öftern nicht zulässt. Die Schizophrenie ist wohl schon seit Jahren bekannt und die Medikamente die er deswegen nahm wurden warum auch immer jetzt lange Pausiert. Jetzt wird der Patient wacher und aktiver und reagiert vermehrt aggressiv, das heißt er versucht nach uns zu treten und zu schlagen. Sich selbst gefährdet er indem er ständig versucht alleine das Bett zu verlassen und sich die Trachealkanüle und den Monitor zu entfernen. Den Monitor hat er nur noch zur O2 Überwachung wegen seiner Trachealkanüle. Im Moment wird versucht ihn Medikamentös ruhig zu stellen, was nur bedingt funktioniert. Die Fixierung des Patienten wurde uns untersagt. Wir sind ein wenig ratlos, weil der Patient ja versorgt werden muss, dies aber nicht oder nur teilweise zulässt.
    Gruß
    Janina
     
  4. wie schaut die Arbeit mit einem Sprechventil aus? Wäre das nach Abwägung aller Kontraindikationen möglich? Allerdings dürfte er dann keinesfalls sediert sein.

    Ich stelle mir die Situation gerade schwierig vor. Wobei wir in der häuslichen Intensivpflege auch hin und wieder Klienten haben, die so verwirrt sind, dass wir am Tag die Kanüle 10mal legen müssen (einmal umdrehen - schwupps ist sie raus :( )

    Habt ihr die Möglichkeit einer 1:1 Betreuung? Ansonsten würde ich schauen, dass eine kleine BeatmungsWG ihn zeitweise nimmt, mit Kollegen, die Psychiatrieerfahrung haben. Anfragen schadet nix.


    PS - warum trägt er die Kanüle? Kann ein Weaning anberaumt werden? Soll er die behalten? Wie kam er zu dem Tracheostoma (Fragen über Fragen)
     
  5. Janina

    Janina Senior-Mitglied

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    Sprechklappe haben wir ausprobiert, er spricht nicht. Die Trachealkanüle hat er wegen seiner Schluckstörung, wir versuchen ihn davon zu entwöhnen. Beatmet wird er nicht. Wenn wir 1:1 betreuen könnten ginge das wahrscheinlich irgendwie, geht aber leider nicht wir betreuen mind. 3 Patienten auf einmal, meistens mehr.
     
  6. Ich kann mir eine TK als Begründung für eine Dysphagie nicht vorstellen! Die TK unterstützt den Effekt eher.

    Bist du sicher, dass er nicht etwas im Bereich des Atemzentrums hat?

    Wenn er nur eine Dysphagie hat, reicht eine PEG bis ein Logopäde die Störung abklärt und neues Essverhalten mit ihm trainiert - Aspirationsgefahr mit TK enorm erhöht - insb. bei oraler Kostgabe!!! (auch bei Sokogabe über Magensonden - siehe Reflux)
     
  7. Janina

    Janina Senior-Mitglied

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    PEG hat er, die meisten haben ihre TK bei uns wegen einer Schluckstörung und die Logos therapieren ihn schon und die würden die TK noch weniger schnell entfernen als wir von der Pflege. Oral bekommt er nichts, wegen der Schluckstörung. Deswegen ist die TK ja geblockt, damit eine Aspiration verhindert wird.
     
  8. das Blocken einer TK verhindert das Risiko einer Aspiration nicht komplett. Aber da erzähl ich dir sicher nix neues.

    Dennoch ist mir das Anlegen eines Tracheostomas aufgrund einer Dysphagie neu. Zum. wenn ich mir anschaue, wozu das TS da ist.

    <--- geht heute Nacht mal auf Recherche, vielleicht ist mein Blickwinkel durch Heimbeatmung zu eng eingestellt :gruebel: :-)
     
  9. Janina

    Janina Senior-Mitglied

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    Ich wäre da auch sparsamer mit der Anlage einer TK bzw. würde die auch schneller wieder entfernen. Wir bekommen die Leute direkt von der Intensiv, die waren teilweise auch beatmet, aber ist ja letzten Endes auch egal wir dürfen ja eh nicht entscheiden wann die TK sinnvoll ist und wann nicht, wir müssen dann damit umgehen, wenn sie eine haben.
     
  10. AH! ok - wenn sie beatmet von Intensiv kommen, ist die TK ja nicht wegen der Schluckstörung sondern wegen einer Ateminsuff (ganz gleich welcher Genese) bzw. Übernahme der Atmung durch einen Respirator zur Entlastung von "wasauchimmer" gelegt worden. (Gründe für eine invasive Beatmung gibts ja ausreichend, würde das Posting sprengen - daher oberflächlich flapsig benannt)

    Dann habe ich dich falsch verstanden ^^

    Ich dachte gerade, die TK ist extra wegen der Schluckstörung gelegt worden.


    Bin auch für schnelles Weaning, allerdings muss der Patient das physisch wie auch psychisch zulassen. Versucht es wirklich mal mit einem 24h-Intensivdienst (wir nehmen auch Patienten die nicht respiratorpflichtig sind!) oder einer WG, da ist engmaschige Kontrolle "drin". Muss allerdings mit den Kassen und den Angehörigen besprochen werden - und natürlich mit eurem Patienten.

    Is nich ohne, das glaub ich dir. Mich hat eine Klientin im Durchgangssyndrom einiges an Nerven gekostet - ich glaub, wir sie auch :emba:
     
  11. Janina

    Janina Senior-Mitglied

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    Sorry, aber ich glaub nicht das wir einen Pflegedienst in Krankenhaus bekommen :gruebel:
    Die halten uns ja eh schon für bescheuert das wir so einen Terz wegen dieses Patienten machen. Unser Doc hat halt nur behauptet wir könnten ihn nicht in eine Psychiatrie verlegen, weil er noch die TK hat und ich wollte mich informieren ob das denn wirklich so ist, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass er der einzige ist mit der Problemkombination.

    Nun gut es wird wohl darauf hinauslaufen das wir uns mit ihm herumschlagen, im wahrsten Sinne des Wortes, bis er die TK los ist oder er einen von uns ernsthaft verletzt. Am besten noch den Doc persönlich, dann geht das dann plötzlich doch mit der Verlegung.
     
  12. verenalgo6

    verenalgo6 Stammgast

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    Die Frage ist ja was ihr Euch von einer psychiatrischen Behandlung versprecht...
    Eine kontinuirliche 1:1 Betreuung? Sedierung? Fixierung?!?
    Es ist auch für die Fachspezialisten schwierig zu beurteilen ob der Pat. aktuell akut psychotisch ist solange das Sprechen u.ä nicht möglich ist. Vielleicht kommt der Pat. auch mit den neuen Umständen nicht klar?!?
    Auch wir beantragen/bekommen nur das "OK" für eine Fixierung wenn massive Gründe vorliegen... aber die richterliche Genehmigung (oder die des Betreuers?) könnt ihr euch wahrscheinlich genauso beantragen oder?

    lg verena
     
  13. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Tatsächlich wäre die Psychiatrie, die ich als Schülerin kennenlernte, für die Versorgung eines Tetraplegikers mit Trachealkanüle nicht eingerichtet. Die Pflegekräfte dort waren in punkto psychischer Erkrankungen sicherlich topp, die Grund- und Behandlungspflege körperlicher Erkrankungen waren sie gar nicht mehr gewohnt. Wir bekamen einen Patienten mit Cystofix, und im Team herrschte spürbare Erleichterung, als ich glaubhaft versicherte, mich mit der Versorgung desselben auszukennen.

    Ist schon Mist, wenn der Patient, wie eine Stationsärztin von mir es ausdrückt, "Läus' und Flöh' hat".
     
  14. verenalgo6

    verenalgo6 Stammgast

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    Darf ich fragen wie alt der Pat. ist?
    Ich denke die Gerontopsychiatrischen Stationen hätten mit der Tetraparese, Pflege der Trachealkanüle usw. weniger Probleme.
    In deinem ersten Beitrag stand glaube ich noch nichts von Tetraparese oder? Von daher würde ich meine Aussage doch auch vorsichtig zurückziehen...ich befürchte unsere Akutstationen sind für solch einen Pat. nicht ausgelegt.
    Aber wie wärs wenn ihr in einer nahegelegenen Psych anruft und nachfragt?
    lg Verena
     
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