Scheinbushaltestelle

Dieses Thema im Forum "Millieugestaltung in der Altenpflege" wurde erstellt von Gego, 20.11.2009.

  1. Gego

    Gego Poweruser

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    Hallo zusammen!

    Eben bei Wikipedia entdeckt:
    Schein-Bushaltestelle ? Wikipedia

    Nun meine Frage dazu:
    Kennt jemand das Konzept oder etwas vergleichbares, wird das vielleicht schon bei Euch umgesetzt und welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

    Schönen Gruß, Gego.
     
  2. *Anni

    *Anni Junior-Mitglied

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    Hi!
    Also ich hab auch noch nie etwas ähnliches erlebt oder so, das erste Mal, dass ich überhaupt davon gehört war, als bei dieser Fernsehsendung mit Hella von Sinnen und Hugo Egon B. grrrr, wie heisst die Sendung denn nochmal?? Wo die immer Fragen zugeschickt kriegen und dann irgendwie auf die Lösung kommen müssen.....
    Naja, auf jeden Fall war da die Frage, "Wieso steht in dem Ort XY eine Bushaltestelle, an der aber niemals ein Bus hält....?"
    Ach, genial daneben heisst die Sendung :-)
    So, jetzt hab ich meinen Senf auch dazu gegeben, nicht wirklich hilfreich vermutlich :-) aber ich dachte ich schreibs mal rein.
    LG und einen schönen Tag noch
    *Anni
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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  4. Praktische Erfahrungen habe ich damit nicht, da ich im Krankenhaus arbeite. Vor längerer Zeit stand aber etwas darüber in der örtlichen Zeitung und diese Idee hat wohl viel Erfolg gehabt. Die alten Menschen treffen sich an der Haltestelle, keinem fiel auf, daß im 1. Stock kein Bus halten wird. Es begünstigt die Kommunnikation: Eine Achtzigjährige erzählt, daß sie ihre Eltern besuchen will, eine Gleichaltrige will die Kinder von der Schule abholen, eine andere dem Mann Essen ins Werk bringen, das sie aber nicht dabeihat. Ab und zu wird, nach einem Blick auf den Fahrplan, über die Verspätungen geschimpft, irgendwann klappert Geschirr und Essensdünste wabern durch den Raum, die Herrschaften bekommen Hunger, verlassen die Haltestelle, gehen Essen und hatten einen unterhaltsamen Vormittag ohne Fluchttendenzen.
     
  5. Spritze

    Spritze Senior-Mitglied

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    Hallo,
    wir haben in unserer Kurzzeitpflege so eine Bushaltestelle.
    Fahrplan, Schild, Sitzbank- alles vorhanden, nur halt eben kein Bus.:-) Von den Patienten wird es sehr gut angenommen und manchmal erleichtert es die Pflege.
    Schöne Grüße
    Spritze
     
  6. Gego

    Gego Poweruser

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    Hallo zusammen!

    Schon mal Danke für die Rückmeldungen!

    Schönen Gruß, Gego.
     
  7. MichaB

    MichaB Junior-Mitglied

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    Huhu, wir haben so ein Ding aufm Wohnberiech, sogar mit Original Haltestellenschild, Fahrplan und Kartenlocher... Wird aber lustigerweise überhaupt nicht als dieses wahrgenommen, sondern höchstens als ne Sitzgelegenheit....


    Sehr schade eigendlich, aber gut...
     
  8. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Gego,

    ich kenne ein Altenheim, das hat zwar keine Bushaltestelle, dafür aber ein altes Auto (nicht fahrbereit) im "Garten" stehen, incl Werkzeug und Autopflegematerial.

    Dies wird wohl von den Herren des Heims sehr gut angenommen und sieht optisch sehr gepflegt aus.

    Laut Aussage einer MA des Heimes wirkt es wohl recht positiv auf die dementen Bewohner, diese sind nicht mehr so unruhig.

    Schönen Tag
    Narde
     
  9. blubbblubb

    blubbblubb Gast

    Praktisch erlebt noch nicht.
    Finde die Sache an sich aber gut.
    Kann mir gut vorstellen, das es zum einem zu einer Art Treffpunkt wird. Zum anderen positives Empfinden des Dementen. Evtl kann man ihn positiv bezüglich Unruhe/ Weglauftendenz beeinflussen.

    Muss aber ehrlich sagen, hätte Bedenken so etwas zu äussern.
    Weil ich bisher nur die Erfahrung gemacht habe, das man Demenzerkrankte ja schliesslich nicht anlügt.
    Hat was für sich, klar.
    So wie Placebo-Tabletten.
    Aber wenn ich dem Gegenüber damit etwas entlastendes, positives, gutes tue - so what.
    Bewohner ist glücklich, Personal ist glücklich.:bussis:
     
  10. praktische Erfahrungen habe ich nicht, kenne das projekt aus der Literatur.Auch das Dilemma: wertschätzenden Verhalten gegenüber Menschen mit Demenz. Ich finde es aber eine gute Sache, es ist ein Angebot für die Patienten, wenn dadurch Erinnerungsarbeit geleistet werden kann, dann ist das gut.
     
  11. Neuron

    Neuron Stammgast

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    " Ich finde es aber eine gute Sache, es ist ein Angebot für die Patienten, wenn dadurch Erinnerungsarbeit geleistet werden kann, dann ist das gut."

    Ich habe mir einmal folgendes überlegt: Falls ein an Demenz erkrankter Mensch
    mit so einem Haltestellenschild eine üble Erinnerung verbindet, z.B. ein früherer Busfahrer, ein Kind , Unfall... usw..., ist so ein Schild sicher kontraindiziert.
    Nicht nur Busfahrer, Mütter, Rettungskräfte, die vor vielen Jahrzehnten vielleicht mal dabei waren, usw...
    Ich denke, solche Sachen sollten nur dann aufgestellt werden, wenn sichergestellt ist, dass unter den angesprochenen Patienten, Bewohnern usw...
    niemand ist, bei dem u.U. schockähnliche Erlebnisse , posttraumatische Dinge in der Biographie zu verzeichnen sind.
     
  12. Paula Puschel

    Paula Puschel Poweruser

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    Und wenn mal ein Patient in der Badewanne ausgerutscht ist? Oder sich auf der Herdplatte die Hand verbrannt hat?

    Ich denke der positive Effekt ist größer als der zu erwartende Prozentanteil an negativen Erinnerungen.
     
  13. Neuron

    Neuron Stammgast

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    "Ich denke der positive Effekt ist größer als der zu erwartende Prozentanteil an negativen Erinnerungen."

    Das klingt mir stark nach medikamentöser oder allgemein klinisch ärztlicher Einschätzung.
    Genau das habe ich eben hier und in diesem Zusammenhang nicht gemeint, sondern individuelle Einschätzung von pflegerisch therapeutischen Maßnahmen in Zusammenhang mit demenziel und verhaltenspsychologisch veränderten Patienten.
     
  14. Paula Puschel

    Paula Puschel Poweruser

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    Wie gesagt, es gibt auch Menschen die mit Alltagsgegenständen schlechte Erfahrungen gemacht haben, nicht nur mit Bushaltestellen. Wie gehts du damit um wenn jemand gesehen hat, wie sich jemand aus dem Fenster stürzt? Bekommt er ein Zimmer ohne Fenster?
    Oder jemandes Mutter ist nach einem Sturz im Bad gestorben - wie verhinderst du eine Konfrontation mit einem Badezimmer?
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Das eine biographische Anamnese erhoben werden sollte, versteht sich von selbst. Und die menschlichen Erfahrungen gehen manchmal eigenartige Wege.

    Vor Jahren hatte ich mal eine ältere Pat. mit so einem eigenartigen Fall. Die Pat. wirde zunehmend "komatöser" ohne das man einen somatischen Grund ausmachen konnte. In der (verspätet aufgenommenen) Pflegeanamnese berichteten die Angehörigen, dass die Dame Probs mit der Farbe Grün hat. Sie hat alle grünen Flächen gemieden. .... Unsere Bereichskleidung war damals "OP"- grün. Nach dem Kleidungswechsel tauchte die Pat. aus ihrer Katatonie wieder auf und war gut führbar.

    Ergo: Möglich ist alles. Aber von Einzelschicksalen auf die Masse zu schließen ist ein großer Fehler.

    Elisabeth
     
  16. Skepta

    Skepta Newbie

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    ich finds lustig :hicks:

    kann mir auch gut vorstellen das es was bringt.bin zwar auch im krankenhaus,aber hab schon ein paarmal ausgebüxte Patienten am Taxistand wieder aufgreifen koennen,somit denke ich mir das diese maßnahme hilfreich sein kann,es sei denn jemand hatte schon immer angst vorm busfahren =)
     
  17. HHS

    HHS Poweruser

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    Bei uns funktioniert das ganz gut- wir haben ein Bushalteschild direkt vor dem Stationszimmer gehängt, und tatsächlich wartet da der ein oder andere auf den Bus/ Zug.

    Doof nur, das man dann auch ständig gefragt wird, wann denn der Nächste Bus/ Zug geht....:D
     
  18. Neuron

    Neuron Stammgast

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    " Aber von Einzelschicksalen auf die Masse zu schließen ist ein großer Fehler. "

    Da gebe ich dir nur zum Teil recht, magst du Karl Poppers philosophische Gedankengänge zur Induktion gelesen haben. Sowohl die Naturwissenschaft als auch deren Bindeglied zum Menschen, die Humanmedizin und deren Bindeglied zum Menschen direkt vor Ort, die Pflege, ist auf Einzelfälle, wenn auch sehr viele wünschenswert sind, angewiesen. Deshalb gibt es statistische Fragestellungen und theoretische Ansätze. Jetzt meine ich nicht etwa pharmakologische Forschungsmethodik oder Patientenstatistik sondern das gedankliche Verständnis für die prinzipielle statistische Krücke von Einzelfällen auf die Gesamtheit - die 'Population' - zu schließen.

    Meine Bedenken gegenüber so einer Haltestelle, als Beispiel, sind sehr gut verstanden worden, wie ich finde.
     
  19. Paula Puschel

    Paula Puschel Poweruser

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    @Neuron:das klingt zwar schön wissenschaftliche, beantwortet aber nicht meine ernst gemeinte Frage.
     
  20. narde2003

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    Hallo Neuron,

    ich schliesse mich Paula Puschel an.

    Was machst du mit jemanden wie mir, der ein Problem mit Treppen hat, weil er schon vom 1. Stock ins Erdgeschoss Kopfüber gefallen ist?

    Ausserdem habe ich noch schlechte Erfahrungen mit Gartenzäunen.

    Wie willst du all das vermeiden?

    Schönen Abend
    Narde
     

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