Sauerstoffgabe bei erhöhter Temperatur/Fieber?

kikrabine

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Hallo,

habe da mal eine Frage bezüglich Sauerstoffgabe, bei einer unserer kleinen Patienten kam es zum Sauerstoffbedarf unter Beatmung. Eigentlich ja auch nichts wildes. Nun bekam die kleine Maus aber auch Fieber (bis 40,0 °). Hat mit der Temperatur eh immer Probleme und zahnt auch gerade.

In einer Anleitung, die beim Sauerstoff dabei war, stand nun, dass Sauerstoff bei Fieber kontraindiziert wäre. War mir und anderen Kolleginnen neu.

Hat da schon mal jemand was von gehört? Welche Gründe kann das haben?:gruebel:

Bin auf Antworten gespannt.

LG Bine
 
T

Tildchen

Gast
Hallo Bine,

davon habe ich noch nie was gehört und ich arbeite schon eine Weile im Intensivbereich. Mir fällt auch kein Grund ein.

Es ist so, dass man bei Fieber einen höheren Sauerstoffbedarf haben kann, weil bei erhöhter Temperatur weniger Sauerstoff ans Hämoglobin gebunden wird und auch noch schneller vom Hb wieder abgegeben wird. (siehe Sauerstoffbindungskurve).

Wenn der Patient den Sauerstoff benötigt, kann ich den doch bei Fieber nicht abdrehen :gruebel: :gruebel: :gruebel: ?!

Aber viellleicht fällt ja jemanden noch was Schlaues ein?

Gruß
Tildchen
 

Natse

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Hallo!
Ich arbeite auch auf Intensiv (Kinder) und habe davon noch nie was gehört. Kann mich Tildchens Meinung nur anschließen.
Wäre aber interessant, wenn sich jemand findet, der dafür vielleicht eine Erklärung hat?!
 

quotenkerl

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...Arbeite zwar auf einer Peripherstation - da regelmäßig mit sauerstoffpflichtigen Pneumonien - ist mir aber auch neu...
Mal beim Hersteller anfragen - die sind meist ganz scharf darauf, solche Bemerkungen zu erklären :wink1:
 

Gego

Poweruser
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Zitat aus einem Beipackzettel für med. Sauerstoff (Oxyparat C. Allihn GmbH - Information: Medizinischer Sauerstoff), Hervorhebungen von mir:
Nebenwirkungen:

Unter Beachtung der Gegenanzeigen sind Nebenwirkungen bei der Anwendung mit normalem Sauerstoff nicht zu erwarten. Sei der Sauerstoffbeatmung von Patienten mit verminderter Lungenbelüftung kann es zu einem raschen Anstieg der Kohlendioxidwerte kommen. Bei einer Behandlung mit 50%-igem Sauerstoff bis zu 7 Tagen sind keine klinisch bedeutsamen Symptome beobachtet worden. Eine Verabreichung von 100%-igem Sauerstoff über 24 Stunden, führt jedoch zu zellulären und funktionalen Schädigungen der Lunge (Zellveränderungen des Alveolarepithels, Sekreteindickung, Einschränkungen der Ziliarbewegung, Atelektasen sowie Veränderungen des Minutenvolumens, Kohlendioxidretention und pulmonale Vasodilatation). Das bedeutet, dass in der Regel bei einer Behandlung mit 1 bar (105 Pa) Überdruck über längere Zeit oder bei noch höheren Sauerstoffdrücken in der Atemluft nach einer kurzen Behandlung mit Vergiftungserscheinungen (Hypoventilation, Azidose bis zur Entwicklung eines Lungenödems) zu rechnen ist. Dabei ist zu beachten, dass eine zu rasche Verminderung des Teildruckes eine lebensgefährliche Sauerstoffunterversorgung (Hypoxämie) herbeiführen kann. Bei Neugeborenen kann eine lang anhaltende und hoch konzentrierte (mehr als 40%) Sauerstoffbehandlung eine zur Erblindung führende Augenlinsenschädigung (retrolentale Fibroplasie) verursachen. Darüber hinaus besteht die Gefahr des Auftretens von Blutungen (pulmonale Hämorrhagien) Zell- und / oder Funktionsstörungen in der Lunge (fokalen Atelektasen sowie hyalinen Membranschäden mit diffuser Lungenfibrose). Um die Entwicklung eines solchen Zusammenbruchs der Lungenfunktion (bronchopulmonale Dysplasie) zu vermeiden, ist es unerläßlich, während der Behandlung wiederholt den Sauerstoffdruck im arteriellen (sauerstoffreichen) Blut zu überprüfen.
 

lentschik

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ambulante Kinderkrankenpflege
Hallo,
ich denke, dass es damit zusammenhängt, dass bei Fieber im Kindesalter die Gefahr von einem Fieberkrampf besteht und die Sauerstoffgabe wäre ein zweiter Risikofaktor. Während eines Krampfanfalls sollte man ja möglichst auf Sauerstoffgabe verzichten, da dies das Krampfgeschehen verlängern könnte. Also denke ich, könnte es bei hohem Fieber dazu beitragen, dass ein Fieberkrampf auftritt.
:thinker:
 

nadl.b

Stammgast
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Elmstein-Pfalz
Beruf
Kinderkrankenschwester
Akt. Einsatzbereich
interdisziplinäre Kinderintensivstation
Hallo!

Also das mit dem Fieberkrampf halte ich für sehr weit hergeholt, und denke nicht, dass es der Grund der angegebenen Kontraindikation ist!
Ein Fieberkrampf hat eine anderen Auslöser als der Grand-Mal-Anfall bei Epilepsie!

Kann mir allerdings die Kontraindikation auch nicht erklären, da ja gerade bei beatmeten Kindern der O²-Verbrau bei erhöhter Temperatur steigt!

Wenn jemand mittlerweile mehr weiß, würde ich mich freuen wenn er hier darüber berichtet!

Liebe Grüße
 

Gerrit

Senior-Mitglied
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FKP A&I, RA
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Interdisziplinäre Intensiv
Während eines Krampfanfalls sollte man ja möglichst auf Sauerstoffgabe verzichten, da dies das Krampfgeschehen verlängern könnte.


Hallo,

ist eine überholte Meinung. Beim Krampfanfall werden die möglichen Schäden einer Hypoxie als höherrangig eingestuft.

Grüsse,

Gerrit
 

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