Rota-Virus?

Babsi

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Hilfe :(
Wer kann mir erklären was der Rotavirus ist und was da passiert :?:
Mein kleiner Cousin ist gerade mal 14 Tage alt, war bis Freitag im KH und mußte mit diesem Verdacht gestern wieder eingeliefert werden :?
Ist das schlimm :?: Mache mir große Sorgen, denn er wohnt weiter weg und ich kann mich nicht vor Ort informieren und seine Eltern wissen irgendwie auch nichts wirkliches :(

Schonmal Danke für eure Hilfe,

Sudja
 

Gaby

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Hallo Sudja,

Die Inkubationszeit für Rota Viren beträgt zwischen 1 u. 3 Tage. Die Symptome sind plötzlich auftretende wässrige Duchfälle manchesmal mit Erbrechen. Fieber kann sein, muß aber nicht. Nachgewiesen wird der Rota Virus im Stuhl. Gestillte Säuglinge erkranken weit seltener an Rota Viren. Die Übertragung von Rota Viren erfolgt fäkal - oral, überall dort wo viele Kinder zusammenkommen (Kindergrippe, Kinderkliniken, Kindergärten ...) und wird dann von den infizierten Personen mit dem Stuhl ausgeschieden. Das Virus ist sehr robust! Es besiedelt das Zottenepithel des Dünndarms, was zur Dehydrierung führt. Bei immunsuppremierten Kindern kann d. Rota Virus neben den Darmepithelien auch andere Organe angreifen (Leber). Besonders gefählich sind Rota Viren bei sehr kleinen Kindern, weil diese halt leichter einen Flüssigkeitsverlust haben. Der Verlauf von Rota Viren kann sehr leicht, aber auch sehr schwer sein.

Hoffe ich konnte dir helfen, falls du noch Fragen hast melde dich. Alles Gute für deinen Cousin.

Gaby
 

Babsi

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Danke Gaby,
aber was passiert da genauer :?: Kann er Schäden davon tragen? Er ist doch so klein und anfällig :(
 

Gaby

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Hallo Sudja,

Rota Viren verursachen wie schon gesagt Durchfälle. Meist sind diese Durchfälle sehr massiv, der Stuhl kann spritzend, schaumig sein. Wenn (Eltern behaupten ihr Kind hat Durchfall muß man immer genauer nachfragen. Da vollgestillte Kinder auch 4 - 6 mal am Tag Stuhl haben können. Dieser kann auch sehr dünn sein.)

Erwachsene haben mit Rota Viren meist kein Problem. Da hat man halt ein paar Tage Duchfall ev. muß man auch erbrechen. Aber wir haben ja auch genug Reserven.

Anders sieht das bei Kindern aus. Vor allem je kleiner die Kinder sind. Diese verfügen halt über weniger Reserven bzw. haben fast noch keine aufgebaut.

Solange Kinder noch Nahrung zu sich nehmen können wird man versuchen sie oral aufzubauen. Man versucht den Salz- und Flüssigkeitshaushalt augzugleichen. Ev. mit einer 5 %igen Glukose, einer phsiolgischen Kochsalzlösung. Es gibt auch fertige Übergangsnahrungen. Eine der bekanntesten ist die Heilnahrung (meist von Milupa). Man versucht den Kindern halt sehr oft Nahrung anzubieten. Dabei können anfangs die Abstände sehr kurz sein (1/2 bis 1 Stunde). Sobald es den Kindern besser geht macht man wieder längere Nahrungspausen, damit die Kinder wieder mehr Ruhe haben.

Wenn das Kind nicht trinkt, auch nicht teelöffelweise , oder sich sein Zustand verschlechtert wird mit einer parenteralten Flüssigkeits- Elektrolytauffüllung begonnen. In der Ambulanz macht man sich ein optisches Bild von den Kindern. (wie sieht die Haut aus, bleiben Hautfalten stehen, weinen die Kinder, wie sieht der Bauch aus... )

Das Problem bei sehr massiven Durchfällen ist der Wasserverlust und die Azidose ("die Kinder haben eine saure Stoffwechsellage"). Dies versucht man dann parenteral. Kinder mit einem massiven Wasserverlust können ein lebensbedrohliches Krankheitsbild zeigen. Dies erkennt man an eingesunkenen Augäpfeln, der Lidschlag ist selten, die Lippen sind schmal und bläulich. Die Haut bleibt in Falten stehen. Es kommt zu einer (Säure-) Atmung, die später dann oberflächlich wird. Der Bauch kann eingefallen, oder aufgetrieben sein. Es kann zu einem paralytischen Ileus kommen. Kinder die eine schwere Exsikkose haben können nicht mehr schreien, die Kinder wimmern vor sich hin. tw. auch das nicht mehr. Die Kinder können nicht mehr saugen - sie sind einfach zu erschöpft, sie haben die Kraft dazu nicht mehr. Niere und der Kreislauf können versagen. Es muß schnell geholfen werden. Die Kinder benötigen eine Infusion.

Frag doch einfach einmal nach wie es deinem Cousin geht, man muß ja nicht immer gleich das Schlimmste annehmen. Ich beobachte immer wieder das Eltern oft gar nicht richtig zuhören können wenn ihnen der Arzt versucht zu erklären wie es um ihr Kind steht. Verstehe ich auch irgendwie, da hat man so einen kleinen Wurm und muß mit dem ins Krankenhaus. Leider nehmen sich viele Ärzte nicht die Zeit und fragen nach einiger Zeit bei den Eltern noch einmal nach ob sie noch Fragen haben. Vielleicht hat er eine Infusion bekommen und es geht ihm schon wieder besser.

Es gibt kein Medikament gegen Rota Viren. Wenn die Kinder viel Flüssigkeit verlieren muß der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden. Dies ist in den "westlichen" Ländern auch nicht so schlimm wie in Ländern der "dritten Welt". Wir haben Venflons, Infusionen, Heilnahrungen. Ganz anders sieht es da in ärmeren Ländern aus. Da kann eine Durchfallerkrankung zu einer sehr schlimmen Erkrankung werden, auch tödlich enden.

Ich hoffe ich konnte dir helfen, wenn du noch Fragen hast melde dich wieder. Alles Gute

Gaby
 

Babsi

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Danke Gaby,
das war sehr informativ :up:
Ich werde heute Abend mal anrufen und mich erkundigen. Er ist bestimmt in guten Händen.

Lieber Gruß,

Sudja
 

speck-jack

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hallo...

hab mal ne frage zu den Rota-Viren. Zuerst hatte meine kleine Tochter die Viren und 1 Woche später meine große Tochter. Nun meine Frage: Kann sich die kleine auch wieder damit anstecken?
 

flexi

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speck-jack

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hi...

bekommt mann den Virus von selber oder nur wenn mann sich ansteckt?Da ich mit meiner Tochter nirgends war und sie ihn trotzdem hatte.
 

speck-jack

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könnte es mir jemand genauer sagen,kommt der virus von selber oder nur wenn mann sich ansteckt?
 

flexi

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Ein Virus kann sich nicht eigenständig fortbewegen, sondern wird transportiert. In diesem Fall hauptsächlich durch Stuhlpartikel.
Unter "sich Anstecken" versteht man im allgemeinen Sprachgebrauch das Aufnehmen von Krankheitserregern mit der Folge des Krankwerdens.

In dem von mir angeführtem Merkblatt steht es für Rotaviren eigentlich genau beschrieben:
Reservoir
Hauptreservoir für Rotaviren ist der Mensch. Rotaviren sind auch bei Haus- und Nutztieren gefunden worden, doch besitzen die hier vorkommenden Viren offensichtlich keine größere Bedeutung für Erkrankungen von Menschen.
und
Infektionsweg
Rotaviren werden fäkal-oral besonders durch Schmierinfektion, aber auch durch kontaminiertes Wasser und Lebensmittel übertragen.
bedeutet: Erreger werden durch Berührung mit erregerhaltigem Stuhl (fäkal=den Stuhl betreffend) und anschliessenden Kontakt mit dem Mundbereich (oral=zum Mund gehörig) wieder aufgenommen.

Genau diesen Ansteckungs-Weg gilt es durch entsprechende Hygiene-Massnahmen zu unterbrechen. Im häuslichen Bereich ist neben den ärztlichen Anordnungen dafür gründliche Händehygiene angesagt. Dabei auch die Kinderhände nicht vergessen!
 

Icsi-Mama

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Rota-Viren

:roll:
Meine kleine Zwillingsmädels haben den Rota-Virus erwischt. Wie, keine Ahnung? Ich habe versucht mich über die Übertragungsmöglichkeiten schlau zu machen und es taucht immer wieder kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel auf.
Meine Kleinen sind 7 Monate alt und bekommen hauptsächlich Fläschchen, natürlich mit abgekochtem Wasser.
Wir bereiten unser Trinkwasser in einem Soda-Max-Gerät selber zu, davon haben die Babies auch schon getrunken. Kann es sein, daß sich die Viren in unserem Leitungswasser befinden?
Im Grunde ist es ja egal, wie sie es bekommen haben, schlimm ist es für alle Beteiligten!! Aber mir ginge es besser, wenn ich wüßte, wie sie daran gekommen sein könnten, denn die beiden sind ja hauptsächlich noch zuhause und den meisten Kontakt haben sie mit ihrer großen Schwester und den Eltern. :-?
Vielleicht kann ir jemand weiter helfen?
Danke schön
Icsi-Mama
 

flexi

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Hallo Icsi-Mama,
lies doch vielleicht neben dem oben schon genanntem Link zum RKI auch noch diesen hier: http://www.drpabel.de/html/rotaviren.html

Du wirst ein mögliches Infektionsrisiko also nur ausschliessen können, wenn du dein Kind in einer sterilen Umgebung aufwachsen lässt.

Du Kannst natürlich etwas zur Risiokominderung tun:
Einhaltung allgemeiner Hygieneregeln: Hände waschen nach Kontakt mit möglicherweise kontaminierten Substanzen! Händewaschen vor der Zubereitung von Kindernahrung! Die überall hinfassenden Kinderhände ebenso!!

Icsi-Mama schrieb:
Wir bereiten unser Trinkwasser in einem Soda-Max-Gerät selber zu,... Kann es sein, daß sich die Viren in unserem Leitungswasser befinden?
Du bereitest nicht dein Trinkwasser zu, das nimmst du aus der Leitung. Dein Soda-Gerät versetzt dein gezapftes Wasser lediglich zur Geschmackvariation mit Kohlensäure. Im Leitungs-Trinkwasser können sich tatsächlich Viruspartikel befinden, denn diese werden nicht von den vorhandenen Filtern aufgehalten.
 

Falke1085

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Hallo@all!
Meine kleine Tochter(9 monate) liegt schon zwecks den Viren im Krankenhaus! und mein Sohn(3Jahre) hat seit heute abend durchfall und erbrechen! kann es der virus sein? wenn ja was können wir dagegen tun? ohne ihn gleich ins krankenhaus zu schaffen!
 

nadl.b

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Hallo Falke!

Eine Ferndiagnose kann ich nicht stellen! Ihr solltet auf jeden Fall darauf achten, dass euer Sohn ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt!
Mit 3 Jahren sind Kinder häufig schon eher in der Lage den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, wie das bei Säuglingen der Fall ist!
Die endgültige Sicherheit ob es sich um Rotaviren handelt, könnt ihr nur über eine Stuhlprobe beim Kinderarzt bekommen!
Bitte sucht auch in jedem Fall mit eurem "Großen" den Kinderarzt auf, falls die Durchfälle häufiger werden und er nicht mehr ausreichend trinkt!

Liebe Grüße
 

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