Religion und Psychotherapie

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Brady, 12.01.2008.

  1. Brady

    Brady Gast

    Hallo liebe Kollegen und Kolleginnen,

    habe seit ein paar Wochen einen türkischen Patienten der strenggläubiger Moslem ist und auch eine Pilgerfahrt nach Mekka unternommen hat.

    Er ist ein Hadschie und dies bedeutet in dem Glauben, dass er ab dieser Zeit sich hohen Wert- und Moralvorstellungen zu unterwerfen hat.
    Was sind eure Erfahrungen mit strenggläubigen Patienten?

    Habe zu dem Thema interessante Seiten gefunden.

    Hadsch- Die Pilgerfahrt nach Mekka

    Der religiöse Patient in Psychiatrie und Therapie

    Liebe Grüße Brady
     
  2. Poncic

    Poncic Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    14.10.2007
    Beiträge:
    77
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenpfleger, Algesiologische Fachassistenz
    Hallo!
    Also, ich habe oft erlebt, daß Angehörige von muslimischen Patienten sehr fürsorglich sind. Besuchen ihre Angehörige oder Freunde sehr oft.

    Einige Male habe ich erlebt, daß die Angehörige bei einer malignen Diagnose die Patientenafklärung nicht erlauben wollten. Der Tod wurde ganz tabuisiert.
    Bei anderen Patienten waren die Angehörige ganz anders und haben sehr gute Sterbebegleitung gemacht.
    Oft übernehmen die Angehörige auch Versorgung von gestorbenen Angehörigen.
    Das Essen spielt eine sehr grosse Rolle. Da werden sogar Kalorienberechnungen gemacht (z.B. wenn eine parenterale Ernährung läuft). Und bei Angehörigen von palliativen Patienten muß man viel Aufklärungsarbeit leisten.
    Patienten und Angehörige sind oft sehr höflich und schweigsam. Manchmal zu bescheiden.
    Also, insgesamt ehe gute Erfahrungen gemacht.


    Oh, hab grade gesehen, daß der Beitrag aus Psychiatrieunterforum gepostet ist. :wut:
    Aber evtl. ist es auch interessant welche Erfahrungen auf der Palli gemacht werden.


    Gruß, Poncic
     
  3. Brady

    Brady Gast

    Hallo Ponic,

    jede Erfahrung ist wertvoll; Danke. Würde mich freuen wenn auch die Kollegen sich aus der Somatik beteiligen.

    Liebe Grüße Brady
     
  4. Volker Rossow

    Volker Rossow Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    12.08.2006
    Beiträge:
    43
    Zustimmungen:
    1
    Beruf:
    Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin
    Ort:
    Nürnberg
    Hallo Brady

    Herzlichen Glückwunsch für dieses wertvolle Thema

    Man sieht an der interessanten Antwort, dass es ein packendes Thema ist, das weit mehr Pflegekräfte und Patienten bewegt, als das offiziell bei den Verantwortlichen bekannt ist.

    Ein großes Kompliment
    Volker
     
  5. Brady

    Brady Gast

    Hallo zusammen,

    von dem Patienten, dem ich im Eingangsthread berichtete leidet unter einer psychosomatischen Erkrankung. Klagt über starken Kopfschmerz, der ihn anfallsartig überkommt. Er war vorher schon zu umfangreicher Diagnostik und versucht immer wieder die Lösung seines Problems über eine körperliche Erkrankung zu finden.

    Der Schritt in die Psychiatrie war eine große Überwindung für ihn und er würde eine psychische Erkrankung als Schwäche ansehen.


    Liebe Grüße Brady
     
  6. tochter46

    tochter46 Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    09.08.2007
    Beiträge:
    99
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    Ort:
    Marburg/L
    Akt. Einsatzbereich:
    Psychiatrie
    Hallo,
    ich sehe die Sprachbarriere als sehr großes Hindernis.
    Erlebe es im Moment auch bei einer türkischen Patientin. Es werden nur einfache Sätze verstanden, und so verwundert es nicht, das keine befriedigende Therapie zustande kommt.
    Wir haben eine türkische Kollegin auf einer Nachbarstation, die mal dolmetschen kann, aber auch nicht immer.
    Bei dieser Pat. geht es um eine Trennungsproblematik, sie wagt aber nicht offen zu reden, weil es das in ihrem Glauben offiziell gar nicht geben darf.
    Sie fürchtet von der Familie verstoßen zu werden.

    Wir haben in einem LWV - Krankenhaus eine " Türkenstation ", schon der Name ist für mich schauderhaft und führt in meinen Augen noch mehr zur Ghettoisierung.

    Ich denke es ist schon lange überfällig, das in diesem Bereich Fortbildungen angeboten werden, damit wir unsere Patienten und ihre Glaubenszwänge besser verstehen lernen.

    lg tochter46
     
  7. Ute S.

    Ute S. Stammgast

    Registriert seit:
    15.03.2002
    Beiträge:
    274
    Zustimmungen:
    2
    Beruf:
    dipl. Pflegefachfrau HöFa-1
    Ort:
    Schweiz
    Funktion:
    Praxisausbilderin
    Hallo,

    kleiner, aber wertvoller Literaturtipp. "Transkulturelle Kompetenz im Gesundheitswesen" von Dagmar Domenig.

    Dort hat es auch noch gute Literaturverweise zu den verschiedensten Themen, u.a. Psychiatrie

    Lohnt sich.

    Ute S.
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Religion Psychotherapie Forum Datum
News Kostenlose Broschüre "Pflege und Religion" Pressebereich 26.01.2016
Weltreligion als Voraussetzung!? Ausbildungsvoraussetzungen 27.01.2010
Fach Religion wichtig für späteres Berufsleben? Ausbildungsvoraussetzungen 07.01.2008
Krankenschwester und Religion! Ausbildungsvoraussetzungen 10.12.2006
Religion/Ethik Thema: Zeugen Jehovas Ausbildungsinhalte 22.04.2006

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.