Religion/Ethik Thema: Zeugen Jehovas

Traumtänzerin

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Moin moin allerseits,

ich muss ein referat über die zeugen jehovas in religion und ethik schreiben.

Die frage die ich nicht ganz beantworten kann, ist:

"Wie können Sie als schwester/Pfleger die Patienten in religiöser hinsicht unterstützen, betreuen, begleiten?


Ich habe herumgegoogelt, aber nix passendes gefunden. das einzige as mir spontan einfällt ist, das die zeugen jehovas bluttransfusionen ablehnen.

vielleicht kann mir einer weiterhelfen und mir tipps und anregungen geben.

ich wäre euch sehr dankbar.

liebe grüße und ein schönes wochenende wünsch

:verwirrt: *~Traumtänzerin~*:verwirrt:
 

Traumtänzerin

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Dankeschön für die schnell Antwort und viiiiiiiielen Dank für den Link! Der hat mir auf jedenfall weitergeholfen!

Danköö und schönes wochenende wünscht:

:verwirrt: *~Traumtänzerin~*:verwirrt:
 

Werner Rathgeber

Stammgast
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Hallo Traumtänzerin,

ich möchte Dir hier meine Erfahrungen mit den Zeugen Jehovas mitteilen.

Ich habe lange Zeit im damals (ich weiß nicht ob das heute auch noch zutrifft) einzigen Klinikum in München gearbeitet, in dem diese Patientengruppe überhaupt behandelt worden ist.
Das wir das einzige Klinikum waren, ist übrigens eine Ausage von Patienten bzw. deren Angehöriger.

Die weitaus größte Anzahl dieser Patienten hat sich in den präoperativen Aufklärungsgesprächen eindeutig gegen eine Bluttransfusion entschieden.
Dieses wurde von uns auch befolgt, da es sich rechtlich um eine Einschränkung
des Behandlungsvertrages von seiten des Patienten handelt.
Die Anästhsieaufklärung wurde bei dieser Patientengruppe immer von einem Facharzt, meistens sogar vom Oberarzt der Intensivstation vorgenommen.
Sie dauerte in der Regel eine Stunde, also deutlich länger als sonst.

Relativ häufig waren die Patienten mit dem Einsatz des CellSavers während der OP einverstanden. Dieser konnte allerdings nur bei traumatologischen OP´s eingesetzt werden, da Carcinome eine Kontraindikation für den CellSaver darstellen.

Einige wenige stimmten den Transfusionen zu, unter der Bedingung, das die Angehörigen nichts davon erfahren.
Also haben wir die Transfusionen außerhalb der Besuchszeiten gegeben
oder der Besuch mußte so lange in der Schleuse warten, bis die Transfusion beendet war.

Ein Patient erhielt von seinem "Pfarrer"(weiß leider nicht mehr die genaue Bezeichnung), die Erlaubnis präoperativ Eigenblut zu spenden.
Er hat am Ende gar nicht alle seiner eigenen Konserven gebraucht.

Patienten, die die Transfusion ablehnten, erhielten postoperativ nach HB-Wert
Erytropoetin s.c.
Der Therapieerfolg konnte durch den HB-Wert und durch die Anzahl der Retikoluzyten gemessen werden.

Damit, sowie einer länger als sonst erforderlichen Beatmungsdauer und Intensivliegezeit konnten wir die meisten dieser Patienten gut behandeln.

Bei zwei Patienten haben wir die Hypothermie als unterstützendes Verfahren eingesetzt. Beide haben jedoch nicht überlebt. Das HB fiel bei ihnen trotz Hochdosisgabe von Erytropoetin bis auf 2,5.

Im Team gab es natürlich auch Kritik an der Behandlung dieser Patienten.
Nachdem klargestellt wurde, das die Erytopoetinbehandlung nicht teurer ist, als Konserven und diese Patienten auch aus medizinischer Sicht (wieviel HB braucht ein Mensch?) interessant sind, ebbte die Kritik auch ab.
Jedoch gab es auch Pflegekräfte, die diese Patienten nicht übernehmen wollten.

Noch eine Anmerkung von mir:
Irgendwo in der Bibel steht "und enthaltet Euch des Blutes"
Ich bin der Meinung, das es heißen soll..."des eigenen Blutes", also Inzest und dies ist eine Lebensregel, die auch medizinisch Sinn macht.

Ich hoffe, das ich Dir damit weiterhelfen konnte!

Werner
 

pflegeschüler1988

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In wie weit meinst du begleiten? Aufklärungsgespräch, Sterbebegleitung,
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Mobitz

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Werner Rathgeber schrieb:
Hallo Bei zwei Patienten haben wir die Hypothermie als unterstützendes Verfahren eingesetzt. Beide haben jedoch nicht überlebt.
Da muss ich mal unwissenderweise nachfragen: Was habt ihr Euch von der Hypothermie versprochen?? Ich kenne die Hypothermie als Einsatz nach Schädel-Hirn-Trauma, nach Reanimation und zur Organprotektion.
Aber welchen Erfolg habt ihr Euch da versprochen?? Finde das sehr interessant, weil ich mich derzeit in das Thema einarbeite. Ist zwar offtopic, aber kannst Du mir ja auch per PM schicken, wenn Du nicht zu weit vom Thema abkommen möchtest.
Das Problem an der Hypothermie wär ja, dass Gerinnungsstörungen auftreten und somit sie ja vermehrt bluten würden. Somit wäre ja eine Hypothermie alles andere als indiziert. Bin aber sehr gespannt.

Zum Thema:
Ich finde es sehr grenzwertig, dass sich die Zeugen Jehovas kein Fremdblut transfundieren lassen dürfen. Aber ich denke halt, dass sie das Recht haben, ihren Glauben auszuleben, wenn sie ausreichend aufgeklärt worden sind und die Risiken ausführlich aufgezeigt wurden. Ich möchte auch nicht, dass sich über meinen Willen hinweggesetzt wird, wenn ich dies vorher deutlich äußere. Eine sehr schwierige Situation, ... aber ich denke legitim, wenn sie voll geschäftsfähig sind und nach ausführlicher Aufklärung ihren Willen weiter so äußern. Schlimmer finde ich es bei Kindern, bei denen die Eltern das dann entscheiden. Ich könnte es für mich nicht vertreten mein Kind dem Glauben zu "opfern". Aber das ist meine Meinung und man muss (in dem Fall muss ich wirklich sagen: leider) dem Willen der verantwortlichen Personen entsprechen. Aber ich bin auch sehr froh, dass ich noch nie in der Situation war, dass ich ein Kind dieser Glaubensgemeinschaft betreuen musste (und somit auch nie ein solches Kind in eine so kritische Situation kam in meinen Diensten).
 

Werner Rathgeber

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@ Mobitz,
durch die Hypothermie haben wir uns die von Dir erwähnte Organprotektion erhofft.
Soweit ich noch weiß ( ist schon mehrere Jahre her) ist aber genau die Komplikation aufgetreten, die Du beschrieben hast.
cu
Werner
 

flexi

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Hallo zusammen,

kann es sein, daß ihr nicht mehr über die von Traumtänzerin eigangs gestellte Frage diskutiert?
"Wie können Sie als schwester/Pfleger die Patienten in religiöser hinsicht unterstützen, betreuen, begleiten?
 

Traumtänzerin

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Hej danke euch für die vielen antworten!

Leider stand der satz so da, wie ich ihn geschrieben habe.Das mit dem begleiten habe ich jetzt so interpretiert, dass meine lehrerin wohl die sterbebegleitung meinte.
man kann wirklich ellenlange aufsätze darüber schreiben, grausam.

trotzdem vielen vielen dank für die zahlreichen antworten und eure hilfe!

*greetz*:spopkorns:
 

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