Realistische Patientenaufklärung?

Dieses Thema im Forum "Pflege bei onkologischen und hämatologischen Erkrankungen" wurde erstellt von aja, 16.08.2006.

  1. aja

    aja Newbie

    Registriert seit:
    12.08.2006
    Beiträge:
    4
    Zustimmungen:
    0
    Bei uns wurde vor etwa drei Jahren eine Onkologie eingerichtet.Nachdem sich unsere Doktoren nun optimal mit dem Thema vertraut gemacht haben,bekommt einfach jeder eine Chemotherapie.Egal,ob die Metastasierug schon so weit vorgeschritten ist,daß sowieso nichts mehr helfen kann,oder der Patient alt ist und einen schlechten Allgemeinzustand hat,oder der Patient die Chemo ablehnt,und er mit falschen Versprechungen,die ganz offensichtlich gelogen sind(für den Patieten natürlich nicht ersichtlich),umgestimmt wird oder einfach keine Complience da ist.
    Wie sieht das auf anderen Stationen aus?Kennt Ihr solche Probleme?
    Wir als Pflegepersonal sind oft in der Zwickmühle,denn was sagt man einem Patienten,der mit uns reden will,nachdem er das "aufklärende" Gespräch mit dem Arzt hatte,und wir völlig anderer Meinung sind?
    Ich würde gerne von Euren Erfahrungen und Meinungen hören.
    LG,aja.
     
  2. Moni

    Moni Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    03.03.2005
    Beiträge:
    80
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    Ort:
    Berlin
    Akt. Einsatzbereich:
    Unfallchirurgie
    hallo,

    ich glaub dir das man oft zwischen den stühlen sitzt. ich arbeite selbst nicht auf einer onkologie........ich glaube man muss immer abwägen, wie ist der psychische zustand eines krebspatienten. und kann man ihm die wahrheit sagen, ohne ihn sein lebensmut gleich zu nehmen.
    habe aber gehört das man eine chemotherapie auch bekommt und ein paar monate noch zu gewinnen???

    ihr habt doch bestimmt auf eurer station supervision! oder? kann man da nicht das problem ansprechen, ihr als pflegepersonal schildert eure probleme und die ärzte genauso.

    liebe grüße
     
  3. doreen

    doreen Newbie

    Registriert seit:
    29.06.2006
    Beiträge:
    12
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    hallo,

    ich arbeite auf ner palliativstion, die aber mit der onkologie verknüpft ist. zum glück ist es in der onko meist der fall, dass die ärzte mittlerweile gut und richtig aufklären. es gibt nur sehr wenige ausnahmen.
    kommen patienten aus anderen kliniken z.b. chirurgie sieht das oft auch anders aus. die werden operiert, obwohl sie schon im voraus wissen, dass da nichts zu machen ist. das resultat einer solchen op sind meist platzbäuche, dadurch eingeschränkte mob. usw. wenn ich die patienten frage, ob sie dieses wollten, sagen sie meist, dass sie vorher nicht richtig aufgeklärt wurden, sonst hätten sie es gar nicht machen lassen.
    oft schicken andere kliniken oder häuser pat. zu uns, die überhaupt nicht wissen, was palli ist und über ihren zustand überhaupt nicht aufgeklärt wurden. da tun sichs viele ärzte einfach. oder sie haben angst vor der reaktion des pat. oder können sich eine "niederlage" in der medizin nicht eingestehen.

    ich würde mal einen arzt darauf ansprechen, wieso er den patienten nicht aufklärt. vielleicht gibt es bei euch auch einen ethikzirkel oder wie schon gesagt sind fallbesprechungen auch sehr gut.

    gruß doreen
     
  4. aja

    aja Newbie

    Registriert seit:
    12.08.2006
    Beiträge:
    4
    Zustimmungen:
    0
    Danke für die Antworten.
    Mit den Ärzten sprechen hat leider wenig Sinn.Unser Chefarzt klärt Patienten meist folgendermaßen auf:"Sie haben da ein Gewächs,aber wir haben so tolle Medikamente dagegen,daß es Ihnen bald wieder gut geht."Nebenwirkungen und Chancen?Alles kein Thema für ihn.Einem Patienten hat er versprochen,daß seine tumorbedingte Fistel vom Mund durch Unterkiefer nach außen unter der Chemo zuwächst.Was sagt man dazu?Der Chef spinnt?Mein Job ist mir doch lieb und teuer.
    Unsere Stationsärztin ist schon etwas realistischer.Doch auch sie hat oft komische Ansichten.Auch bei ihr darf niemand so leicht sterben.Bei wirklich prefinalen ist sie schon die Einzige bei uns,die ausreichend Sedativa und Analgetika anordnet.Aber ein junger Mann mit Bronchial-Ca,zwar erst Anfang Vierzig,aber aussichtslos,sollte auch bei ihr reanimiert werden.
    Wir haben das schon oft besprochen,im Team und auch mit den Ärzten.Unser chef weiß gar nicht,wovon wir reden.Und unsere Ärztin sieht es halt anders.Oder sie kann sich nicht gegen den Chef stellen.
    Es ist traurig,daß meist nur in die Akten geguckt wird,anstatt mit dem Patienten zu reden.
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

    Registriert seit:
    29.05.2002
    Beiträge:
    19.812
    Zustimmungen:
    167
    Beruf:
    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensivüberwachung
    Willst du das deutsche Gesundheitswesen auf den Kopf stellen? Ärzte und Pharma haben hier was zu sagen. Es geht um Geld, um viel Geld. Da kann man auf den Pat. keine Rücksicht nehmen. Den braucht man nur als Mittel zum Zweck. Traurig aber wahr.

    Du wirts dich entscheiden müssen. Du kannst andere nicht ändern, nur dich selbst. Manchmal- selten- sehr selten haben solche Veränderungen Folgen im Team.
    Und es ist die Frage an dich, ob du es aushalten willst, wenn keine Veränderungen kommen. Du wirst jedenfalls den Chef nicht verändern. Die Unzufriedenheit kann dich aber krank machen. Und ob es das wert ist?

    Elisabeth
     
  6. chicagogurl

    chicagogurl Newbie

    Registriert seit:
    28.04.2006
    Beiträge:
    14
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    Ort:
    Hamburg
    Akt. Einsatzbereich:
    Allgemeinpflegepool
    hallo,
    ich arbeite in einer onkologischen reha unsere chefärztin hat auch dort ihr ambulante paxis, wo wir auch chemotherapien verabreichen.
    Ich habe manchmal auch das Gefühl das jedem und allem chemos verabreicht wird.
    man sollte es aber mal so betrachten, so lange der pat unter der therapie keinen leidensdruck hat, gibt man dem pat ja ein wenig lebensqualität zurück.
    es geht hier ja auch um palliative therapien, wo man weiß das der pat nicht geheilt werden kann, aber das wachstums des tumors wird durch die chemogabe gehemmt und somit bleibt dem pat. häufig auch die qual mit starken schmerzen erspart.
    wir hatten hier einen pat der 8 jahre lang gekämpft hat und es dann leider doch nicht geschafft hat.
    ich will damit nur sagen das es einem auch unter der therapie relativ gut gehen kann, wenn man von den nebenwirkungen, die ja heute gut zu bekämpfen sind, absieht.
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Realistische Patientenaufklärung Forum Datum
News Pflege : Ohne realistische Planzahlen droht das System zu kollabieren Pressebereich 11.08.2016
Realistische Einschätzung erbeten Ausbildungsvoraussetzungen 31.01.2016
Realistische Berufsdarstellung in den Medien Diskussionen zur Berufspolitik 06.12.2007
Beurteilungen von Schülern - goodwill oder realistische Aussage? Praxisanleiter und Mentoren 09.09.2006
Job-Angebot Trainer für ACS Patientenaufklärung Stellenangebote 28.11.2014

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.