Realistische Patientenaufklärung?

aja

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Bei uns wurde vor etwa drei Jahren eine Onkologie eingerichtet.Nachdem sich unsere Doktoren nun optimal mit dem Thema vertraut gemacht haben,bekommt einfach jeder eine Chemotherapie.Egal,ob die Metastasierug schon so weit vorgeschritten ist,daß sowieso nichts mehr helfen kann,oder der Patient alt ist und einen schlechten Allgemeinzustand hat,oder der Patient die Chemo ablehnt,und er mit falschen Versprechungen,die ganz offensichtlich gelogen sind(für den Patieten natürlich nicht ersichtlich),umgestimmt wird oder einfach keine Complience da ist.
Wie sieht das auf anderen Stationen aus?Kennt Ihr solche Probleme?
Wir als Pflegepersonal sind oft in der Zwickmühle,denn was sagt man einem Patienten,der mit uns reden will,nachdem er das "aufklärende" Gespräch mit dem Arzt hatte,und wir völlig anderer Meinung sind?
Ich würde gerne von Euren Erfahrungen und Meinungen hören.
LG,aja.
 

Moni

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hallo,

ich glaub dir das man oft zwischen den stühlen sitzt. ich arbeite selbst nicht auf einer onkologie........ich glaube man muss immer abwägen, wie ist der psychische zustand eines krebspatienten. und kann man ihm die wahrheit sagen, ohne ihn sein lebensmut gleich zu nehmen.
habe aber gehört das man eine chemotherapie auch bekommt und ein paar monate noch zu gewinnen???

ihr habt doch bestimmt auf eurer station supervision! oder? kann man da nicht das problem ansprechen, ihr als pflegepersonal schildert eure probleme und die ärzte genauso.

liebe grüße
 

doreen

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hallo,

ich arbeite auf ner palliativstion, die aber mit der onkologie verknüpft ist. zum glück ist es in der onko meist der fall, dass die ärzte mittlerweile gut und richtig aufklären. es gibt nur sehr wenige ausnahmen.
kommen patienten aus anderen kliniken z.b. chirurgie sieht das oft auch anders aus. die werden operiert, obwohl sie schon im voraus wissen, dass da nichts zu machen ist. das resultat einer solchen op sind meist platzbäuche, dadurch eingeschränkte mob. usw. wenn ich die patienten frage, ob sie dieses wollten, sagen sie meist, dass sie vorher nicht richtig aufgeklärt wurden, sonst hätten sie es gar nicht machen lassen.
oft schicken andere kliniken oder häuser pat. zu uns, die überhaupt nicht wissen, was palli ist und über ihren zustand überhaupt nicht aufgeklärt wurden. da tun sichs viele ärzte einfach. oder sie haben angst vor der reaktion des pat. oder können sich eine "niederlage" in der medizin nicht eingestehen.

ich würde mal einen arzt darauf ansprechen, wieso er den patienten nicht aufklärt. vielleicht gibt es bei euch auch einen ethikzirkel oder wie schon gesagt sind fallbesprechungen auch sehr gut.

gruß doreen
 

aja

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Danke für die Antworten.
Mit den Ärzten sprechen hat leider wenig Sinn.Unser Chefarzt klärt Patienten meist folgendermaßen auf:"Sie haben da ein Gewächs,aber wir haben so tolle Medikamente dagegen,daß es Ihnen bald wieder gut geht."Nebenwirkungen und Chancen?Alles kein Thema für ihn.Einem Patienten hat er versprochen,daß seine tumorbedingte Fistel vom Mund durch Unterkiefer nach außen unter der Chemo zuwächst.Was sagt man dazu?Der Chef spinnt?Mein Job ist mir doch lieb und teuer.
Unsere Stationsärztin ist schon etwas realistischer.Doch auch sie hat oft komische Ansichten.Auch bei ihr darf niemand so leicht sterben.Bei wirklich prefinalen ist sie schon die Einzige bei uns,die ausreichend Sedativa und Analgetika anordnet.Aber ein junger Mann mit Bronchial-Ca,zwar erst Anfang Vierzig,aber aussichtslos,sollte auch bei ihr reanimiert werden.
Wir haben das schon oft besprochen,im Team und auch mit den Ärzten.Unser chef weiß gar nicht,wovon wir reden.Und unsere Ärztin sieht es halt anders.Oder sie kann sich nicht gegen den Chef stellen.
Es ist traurig,daß meist nur in die Akten geguckt wird,anstatt mit dem Patienten zu reden.
 

Elisabeth Dinse

Poweruser
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Willst du das deutsche Gesundheitswesen auf den Kopf stellen? Ärzte und Pharma haben hier was zu sagen. Es geht um Geld, um viel Geld. Da kann man auf den Pat. keine Rücksicht nehmen. Den braucht man nur als Mittel zum Zweck. Traurig aber wahr.

Du wirts dich entscheiden müssen. Du kannst andere nicht ändern, nur dich selbst. Manchmal- selten- sehr selten haben solche Veränderungen Folgen im Team.
Und es ist die Frage an dich, ob du es aushalten willst, wenn keine Veränderungen kommen. Du wirst jedenfalls den Chef nicht verändern. Die Unzufriedenheit kann dich aber krank machen. Und ob es das wert ist?

Elisabeth
 

chicagogurl

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hallo,
ich arbeite in einer onkologischen reha unsere chefärztin hat auch dort ihr ambulante paxis, wo wir auch chemotherapien verabreichen.
Ich habe manchmal auch das Gefühl das jedem und allem chemos verabreicht wird.
man sollte es aber mal so betrachten, so lange der pat unter der therapie keinen leidensdruck hat, gibt man dem pat ja ein wenig lebensqualität zurück.
es geht hier ja auch um palliative therapien, wo man weiß das der pat nicht geheilt werden kann, aber das wachstums des tumors wird durch die chemogabe gehemmt und somit bleibt dem pat. häufig auch die qual mit starken schmerzen erspart.
wir hatten hier einen pat der 8 jahre lang gekämpft hat und es dann leider doch nicht geschafft hat.
ich will damit nur sagen das es einem auch unter der therapie relativ gut gehen kann, wenn man von den nebenwirkungen, die ja heute gut zu bekämpfen sind, absieht.
 

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