Rat für Patientenumgang

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Siebi, 15.10.2010.

  1. Siebi

    Siebi Junior-Mitglied

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    Hallo zusammen,
    ich arbeite auf einer psychiatrischen Station. Akutstation, gleichzeitig Hauptschwerpunkt Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit mit riesigem Konzept.
    Das ist alles wunderbar. Das es Klienten gibt, die immer mal wieder kommen bei diesen chronischen Krankheiten ist auch (leider) vorkommend.

    Nun meine Frage an einen "Spezialfall":
    Seit Anfang des Jahres bis genau heute gibt es einen Patienten, der schon über 800 Aufenthalte dieses Jahr auf unseren Stationen im Krankenhaus (davon 95% in den psych. Stationen) hatte. Der Patient ist seit mehreren Jahren hier bekannt, war zeitweise schon untergebracht, aber es kommt immer wieder zu Rückfällen, das Verhalten kann auch zeitweise sehr aggressiv werden. Ob geschlossene Station oder offene, darum gehts gar nicht mal so. Meine Frage ist, was man mit diesem Menschen anstellen kann? Wie würdet ihr Euch als Versorgungszentrum (Pflege + Ärzte) verhalten! "Bemuttern" oder ganz radikal mit umgehen? Natürlich unter Berücksichtigung unserer beruflichen Pflichten, etc.!!!

    Weitere Info:
    Mittleres Alter / feste Rente / reist gerne durch ganz Deutschland / gibt immer wieder unsere Hausadresse an als "Zu Hause" / Verhalten wird verstärkt aggressiv bei intoxikiertem Zustand / tgl. intoxikiert


    - Unterbringung bringt so nicht viel
    - Betreuung braucht man eine Zusage des Klienten, da er (nüchtern) relativ klar ist, aber körperlich langsam immer mehr Defizite zu sehen sind
    - Eine Art Unterbringung (geschl. Einrichtung) ist sehr schwierig, solange
    der pat. nicht einwilligt...


    Ich wollte mich einfach mal erkunden, was ihr da an Ideen habt für mich und unser Haus! Sozialarbeiter, Ärzte, ... sind natürlich auch seit vielen Jahren involviert!

    Danke!
     
  2. Siebi

    Siebi Junior-Mitglied

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    Soviele Hits und niemand kann uns einen Tipp, Rat geben, oder einfach eine idee posten, was realistisch wäre?
    So rein gar kein Kommentar ist aber sehr schade...
     
  3. thorstein

    thorstein Poweruser

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    Hallo Siebi,

    ich habe selbst mal auf einer Station mit Alkoholkranken gearbeitet. Einige davon Obdachlose, ständiges Kommen und Gehen.
    Du hast die Situation so beschrieben, als ob eigentlich schon alles unternommen wurde. Ärzte und Sozialarbeiter sind schon Jahre involviert.

    Natürlich kann man jetzt anfangen, zu fragen. Wie sieht es mit der Biographiearbeit aus usw. Aber damit seit ihr doch mit Sicherheit schon durch. Es gibt einfach Fälle, wo man die weitere Entwicklung wohl abwarten muss, und dann bei Veränderungen (hier wohl Verschlechterungen) entsprechend reagiert.

    Jetzt habe ich dir zumindest erklärt, warum ich deinen Beitrag gelesen aber nicht reagiert habe.

    Grüsse
     
  4. Kleingeistkiller

    Kleingeistkiller Senior-Mitglied

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    Hallo Siebi!

    Nur für mich zum Verständnis (arbeite nicht in Deinem Bereich). Wie kann man seit Anfang des Jahres auf 800 Aufenthalte bei Euch kommen? Der gute Mann müste ja am Tag bis zu drei mal entlassen und wieder aufgnommen werden, oder?

    Gruß KGK
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Gibt es bei euch eine Einrichtung für Alkoholiker, in der der Betroffene nicht "clean" sein muss sondern kontrolliert trinken darf?

    Wer hat mit der jetzigen Situation ein Problem, der Pat. oder das Team?


    Elisabeth
     
  6. Siebi

    Siebi Junior-Mitglied

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    Nabend,
    genau so ist es. Der Patient wird oft mittlerweile rausgeschmissen, trinkt in wenigen Stunden bis ca. 4 Promille, kommt zurück in katastrophalem Zustand!
    Viel heftiger finde ich, dass er durch die ganze Welt reist und hier in unserer Stadt sehr bekannt ist bei Rettungswagen, usw.!
    Der Rausschmiss ist wohl mittlerweile eine Art Hilferuf! Denn dieser Herr wurde mehrmals geschlossen untergebracht, schon für mehrer Monate, einen tag draussen, zack, direkt wieder so! Keine Unterkunft, usw.!

    Also wenn man so möchte, katastrophale Zustände was diesen Patienten betrifft!

    Das Team macht seine Arbeit, aber es ist manchmal einfach nur noch nervend! Natürlich wird der Patient immer versorgt, was getan werden muss, aber ich verstehe es nicht... Zingen kann man ihn kaum, überreden auch eher selten, Pat. ist in abstinenten zeiten normal ansprechbar und Herr seiner Sinne... Und da ist das Problem irgendwie auch...
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Den Pat. kannst du net ändern. Du kannst nur die Teameinstellung ändern. Das hat nix mit Veränderung im Umgang mit dem Pat. zu tun. Die sollte/muss gleichbleibend sein.

    Bleibt also nur: wie kann das Team lernen mit so schwierigen Pat. umzugehen. Ich habs in letzter Zeit schon öfter empfohlen: Der schwierige Patient, ein Interaktionsphänomen, Buch und Seminare zum Umgang mit schwierigen Patienten, von Gert Kowarowsky.

    Zitat aus dem Buch:

    Euer Pat. zeigt euch eure Grenzen auf. Er nimmt die gutgemeinten Ratschläge/Hilfsangebote net an. Erster Schritt wäre also, sich selbst zu reflektieren: was ist meine Berufsaufgabe? Ist mein Auftrag den Pat. immer so zu helfen, dass es ihm optimal aus unserer Sicht geht? Oder ist die Aufgabe Begleitung auf dem vom Pat. selbst gewählten Weg?

    Elisabeth
     
  8. Siebi

    Siebi Junior-Mitglied

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    Unsere Einstellung und unsere Aufgaben bleiben ganz klar gleich! Wir behandeln jeden so, dass er wieder auf die Beine kommt und versuchen alles einzustielen, was nur geht!
    Auch unsymphtaische Patienten werden behandelt, wie jeder andere! Denke das ist nicht das Ding!

    Meine Frage ging eher in die Richtung, ob jmd. eine Einrichtung kennt, eine Idee hat, was man da noch machen kann!

    Denn wenn das so weiter geht, dann trinkt dieser Mensch sich bald "ums Leben"!
    Ob er sich unsere Hilfe nicht annimmt, wäre ich mir nicht so sicher. Er nimmt das mit, was er gerade so möchte! Wenn nicht, ist er raus und trinkt! Der Umgang macht auch weniger Probleme, auch wenn es leicht in die Aggressivität umschwenkt in letzter Zeit! Auch diese Situationen bewältigen wir wie in jeder anderen Einrichtung auch!

    Grüße
     
  9. Bluestar

    Bluestar Poweruser

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    Krankenschwester
    Akt. Einsatzbereich:
    Dialyse
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    Zuständig für Dialyse, Hygiene, Wundversorgung

    Sein Problem und seine Entscheidung, nicht deins.
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Du kannst ihm net helfen. Es wurden alle Möglichkeiten ausgelotet- Laut deinen Aussagen hat man alle Register gezogen. Er hat sich entsprechend entschieden.

    Es scheint dein Problem zu sein, dass hier das Helfen wollen eine Grenze erreicht hat, die sich net verschieben lässt- auch nicht mit Gewalt. Um es mal ganz hart auszudrücken: du begleitest ihn auf dem Weg in Tod. Auch dies kann ein Weg sein in der Pflege. Es geht net immer um Förderung.

    Ich glaube dir, dass das schwer zu akzeptieren ist. Aber du kannst dies net ändern.

    Es gibt offene Pflegeeinrichtungen, in denen man Alkoholiker unterbringt, die nicht clean sein müssen sondern kontrolliert trinken dürfen. Dürfte aber für deinen Pat. eher keine Option sein, weil der Wille den Alkoholkonsum zu steuern offensichtlich verweigert wird.
    Und ich bin mir sicher, dass auch diese Option von den entsprechenden Institutionen angeboten wurden.

    Ergo: Man kann einem Menschen net helfen, wenn er sich net helfen lassen will. Kurzfristige Annahme der Hilfsangebote bringen dich da net weiter, weil keine dauerhafte Veränderung von ihm gewünscht wird.

    Elisabeth
     
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