Psychiatrische Klinik kann suizidgefährdeten Jugendlichen ablehnen?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Michl, 28.09.2007.

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  1. Michl

    Michl Gast

    Hallo,
    ich hab mal eine Frage an die Psychiatrie-Arbeitenden (und alle anderen Wissenden).

    Eine Bekannte schilderte mir die Probleme mit ihrem pubertierenden, hyeraktiven Sohn, der erhebliche psychische Probleme hat, mit der im privaten Umfeld kaum mehr Herr zu werden ist. Letzendlich musste sie jetzt sogar wieder das Arbeiten aufhören um eine gewisse "Aufsicht" zu gewährleisten.
    Nachdem er am Wochenende wegen Alkoholvergiftung (ich vermute jetzt mal in Verbindung mit MPH, weil der Alk.spiegel "nur" bei 1,3 lag) und Unterkühlung stationär in einem somatischen Akutkrankenhaus behandelt wurde, stellte nun sein Kinder- und Jugendpsychiater (bei dem der junge Mann, 16) seit Jahren bekannt ist eine stationäre Einweisung in die Kinder- und Jugendpsych. aus.
    Diagnose/Befund: ADHS, Suizidgefahr, zunehmende Delinquenz

    Die Kinder- und Jugendpsychiatrie lehnte aber eine Aufnahme des Jungen nach einem 45-minütigen Gespräch ab.
    Eine ambulante Therapie wird empfohlen.

    Bis auf eine andere Klinik, wohin die Mutter ihren Jungen auf gar keinen Fall tun möchte, kommt wohl wegen regionaler Zuständigkeiten keine weitere in Frage. :weissnix:

    Also, ich kann hier nur wiedergeben, wie es mir erzählt wurde. Ich habe in dem Bereich mit psychiatrischen Kliniken (fast) keine Ahnung.

    Ist das so? Kann eine Klinik bei der Einweisungsdiagnose "Suizidgefahr" einen Patienten abweisen? Oder überhaupt bei einer stationären Einweisung?

    Auch wenn mir der tiefe Einblick in die Familie fehlt: der Junge hätte es wirklich nötig. An ihm wird schon gut 10 Jahre ambulant rumtherapiert.
    Welche Möglichkeiten hätte man noch?

    Grüße und Danke schonmal.
    Michl
     
  2. Brady

    Brady Gast

    Hallo Michl,

    bei bestehender Suizidgefahr wird kein Patient abgewiesen. Das würde auch kein Arzt machen. Jede Klinik hat dann auch Aufnahmepflicht und kann sich mit regionaler Zuständigkeit auch nicht herausreden.

    Vielleicht hat Dir die Bekannte aus Scham vielleicht nicht alles erzählt, oder auch nur ungenau.

    Würde ihr aber raten, das Jugendamt einzuschalten, wenn sie der Lage nicht mehr Herr wird. Denn nach 10 Jahren Therapie wird der junge Mann auch gut wissen, wie er seine Mutter dazu bekommt mit zumachen um nicht in eine Klinik zu müssen. Das ist jetzt keine Bewertung, denn auch er hat Probleme.

    Auch der sozialpsychiatrische Dienst der Stadt wäre eine Möglichkeit sich unendgeltlich beraten zu lassen.

    Wenn eine Mutter das schon seit 10 Jahren erlebt, dass ihr Kind eine psychische Krise hat, wird diese auch Schuldgefühle ihm gegenüber haben. Ist einfach so, so sind Mütter und damit funktioniert es, dass die Mutter Rückzieher macht.

    Sie muss nur versuchen konsequent durchzuhalten, was natürlich schwierig ist, bei der Liebe zum Kind. Aber anders wird sie ihm nicht helfen können.

    Liebe Grüße Brady
     
  3. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Brady,

    ich habe leider eine ähnliche Erfahrung wie Michl machen müssen, im Rettungsdienst mit einem 16 jährigen, 1,86 m grossen Jugendlichen. Der zum einen Selbstgefährdend und Fremdgefährdend war. Er sollte in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, weil auch akut suizidal. Dort angekommen, wurden wir des Hauses verwiesen mit der Begründung: Dieser junge Mann ist uns zu "gross" und zu agressiv - bitte in die Erwachsenenpsychiatrie. Also den Patienten wieder eingepackt und quer durch die Stadt in die Erwachsenenpsychiatrie oder ambulant.
    Dort - Nein, der junge Mann ist uns zu jung - wir nehmen erst ab 18 Jahren:fidee::verwirrt:

    Nach langem Hin und Her wurde er dann gnädiger Weise bei den Erwachsenen aufgenommen, bis zu dem Tag dachte ich auch, dass Patienten nicht abgewiesen werden dürfen, aber vtl. ist es ja bei den Kindern anders?

    Schönes Wochenende
    Narde
     
    #3 narde2003, 28.09.2007
    Zuletzt bearbeitet: 28.09.2007
  4. Brady

    Brady Gast

    Hallo Narde,

    das ist ja furchtbar und für mich kaum begreifbar. Jemand der suizidal ist abzulehnen, das ist so als ob ich es in Kauf nehme, dass sich jemand das Leben nimmt. Ich habe Gott sei Dank noch nie sowas mitbekommen oder auch davon je gehört.
    Sowas darf nicht sein, es ist Menschen verachtend.

    Wobei bei Kindern, sollte man doch auch besonders die Nöte der Eltern auch noch sehen. Die überhaupt in dem Fall vollkommen überfordert sind, wie jeder Mensch der selber in seiner Familie oder in seinem Umfeld mit solchen Krisen zu tun hat. Auch jemand der selber in der Psychiatrie arbeitet, ist damit überfordert, weil er auch emotional betroffen ist und dann nicht mehr in der Lage objektiv zu helfen.

    Vielleicht melden sich noch Kollegen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu dem Thema.

    Schönes Wochenende und liebe Grüße Brady
     
  5. Schlafmütze

    Schlafmütze Junior-Mitglied

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    HAllo alle,
    ich bin zwar kein Arzt aber nach meiner bisherigen Erfahrung hört sich das an als könnte hier auch was anderes vorliegen - jedenfalls sollte man nicht unversucht lassen das in Erwägung zu ziehen....Wenn der Junge schon eit langen Jahren in Psychiatrischer /oder psychologischer Behandlung ist und angebliches starkes ADHS hat und Methylph. nimmt. Dann kann seine Ursache für das Verhalten auch in einer Fehldiagnose liegen.
    Auch das führt bei kindern zu Depressionen und kann wiederum solche Reaktionen hervorrufen die der Ausdruck purer Verzeiflung sein können.
    Normalerweise sollte eine so langjährige Behandlung und Medikation doch zu einer besserung/veränderung führen.
    Starkes ADHS Verhalten wird gelegentlich auch verwechselt mit dem Verhalten bei anderen Erkrankungen.
    Ebenso gibt es leider Krankheitsbilder die sich so äussern, das die kommunikation gestört ist. z.B beim Asperger Syndrom. hier passiert leider immer wieder eine Fehleinschätzung von Patienten.
    In Amerika wird das z.B, so gehandhabt, das ie Betroffenen einen ausweis erhalten können in dem ungefähr übersetzt folgendes steht:
    für juristische Personen:
    des Verhalten insbes. der fehlende Blickontakt im Gespräch beduetet nicht das der betreffende schuldig ist, oder lügt.....usw...

    Damit spreche ich auf das symptom an, das die jenigen Betroffenen einen mangelnden ausdruck haben in gestik Mimik und sprache, oder/und gerade darin besonders stark sind ( kann dann mit ADHS verwechselt werden...) in einem ruhigen Gespräch findet für "normale menschen 2 zu wenig Blickkontakt statt, so das dies gerne als Unaufrichtigkeit( mangelnde Kooperation....u.v.m. verstanden wird.
    Es hat ein Gespräch über 45 Minuten stattgefunden?
    Asperger Syndrom ist erst seit 1994 als Diagnose anerkannt (obwohl schon 18xy irgendwann beschrieben von Hans Asperger) In Schulen und andern Institutionen gibt es Fachinformationen über Ministerien erst seit dem Jahr 2000 und so dauert es anscheinend eine Weile bid damit Ärzte ERfahrungen sammeln, leider gibt es in Deutschland nur wenige Zentren die da spezialisiert sind. Es gibt eins in Köln für beides ADS und Asperger.

    natürlich ist das alles nur spekulation aber gerade auf dem FAchgebiet muss man immer offen sein für neues und manchmal vielleicht auch unkonventionelle Wege suchen, solange man was findet das weiter hilft
    mütze
     
  6. Brady

    Brady Gast

    Hallo Schlaflabor,

    wir haben zu wenig Informationen. Deshalb sollten wir uns auch an die Fragen, die Michl gestellt hat halten.

    Spekulationen nutzen uns hier nichts. Deshalb werde ich diesen Thread jetzt schließen und bitte um dein Verständnis.

    Liebe Grüße Brady
     
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