Psychiatrie - Fachbereich oder Abstellgleis?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von BruderA, 10.12.2007.

  1. BruderA

    BruderA Newbie

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    Hallo an Alle,

    ich fertige zur Zeit eine Projektarbeit mit dem Titel "Psychiatrie - Fachbereich oder Abstellgleis" an. Der Grund hierfür ist, daß leider im 21.JH. die Arbeit der Pflegenden und die Patienten in der Psychiatrie noch immer belächelt, entwertet.... werden und von Vorurteilen behaftet sind.:motzen: Hierbei begrenzt sich das Projekt zunächst innerhalb des Krankenhauses und deren anderen Fachbereiche.

    Nun meine Frage an euch:

    Welche Vorurteile gegenüber Pflegenden und Patienten begegnen euch tagtäglich? :wut:

    Warum herrschen euer Meinung nach,noch überwiegend Vorurteile gegenüber der Psychiatrie? :schlafen:

    Welche positiven und negativen Rückmeldungen erhalten ihr von den anderen Fachbereichen?:aetsch:

    Was interessiert andere Fachbereiche an der Arbeit in der Psychiatrie?:fidee:

    Mit welchen Fragen über eure Arbeit werdet ihr häufig konfrontiert?:streit:

    Denke es reicht erst einmal, bin für alle weiteren Fragen und was euch so zu diesem Thema beschäftigt offen.
    Ich danke schon im voraus für rege Antworten:klatschspring:

    :freakjoint:Grüße von Bruder A.
     
  2. Brady

    Brady Gast

    Hallo BruderA,

    ich glaube es wäre besser, wenn Du schon mal Dinge vorgibst, wo es deiner Meinung nach Schwierigkeiten, Probleme, Vorurteile, usw. gibt.

    Du wirst sicherlich schon in Vorarbeit gegangen sein.

    Auch erleichtert es, bei diesem schwierigen Thema die Starthilfe. Die Struktur würde dann vorgeben sein und es wäre dann einfacher. Zumal es auch verschiedene Fragen sind in einem Thread.


    Liebe Grüße Brady
     
  3. BruderA

    BruderA Newbie

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    Hallo Brady,

    ja stimmt es ist ein schwieriges Thema. Die Psychiatrie selbst hat ja nun verschiedene Bereiche, dem entprechend werden die auch die Erfahrungen unterschiedlich sein.

    Da wäre schon zum einen der 1.Punkt, dass es immernoch eine Vielzahl von Mitmenschen gibt, die allein das Wort "Psychiatrie" gleich mit geschlossen Türen, "gefesselt sein" und "vollstopfen"mit Medikamenten in Verbindung bringen, ohne (vielleicht) zu wissen, was es für psychiatrische Fachabteilungen überhaupt gibt.Ich glaube allein im Akutbereich könnten da einige Pflegende genug berichten, wie über dessen Arbeit (ab)geurteilt wird. Sätze wie:"Ihr bindet "die" doch bloß fest und stellt "sie" mit Medikamenten ruhig, mehr habt ihr doch nicht zu tun..." sind leider keine seltenheit.

    2.Punkt wäre, dass sich dazu kaum einer vorstellen kann, welche Tätigkeiten die Arbeit in den verschiedenen Bereichen der Psychiatrie umfaßt. Häufigster Satz: "Ihr habt doch nix mit Pflege zu tun" unterstrichen wird dann noch die große Unwissenheit mit der Frage "Was macht ihr eigentlich den ganzen Tag?"
    Wobei dem offenen Bereich und der Psychotherapie noch weniger Verständnis entgegengebracht wird. Hier wird zu meist lächelnd abgewunken mit Sätzen wie: " Außer zum Spazieren gehen, Karten spielen und Kuchen backen kommen wir gar nicht auf Arbeit.."

    Als 3. Punkt führe ich dann mal auf, wie schnell aber von anderen Fachbreichen auf den der Psychiatrie zurückgegriffen wird, wenn diese Patienten haben, mit denen sie nicht klar kommen. Ist immer wieder erstaunlich, wie schnell sich dann auf den Fachbereich Psychiatrie besonnen wird.....

    So, hoffe mal für den Anfang ist es so ok, Brady? Es kann ja jeder, wer will ,aus seinem jeweiligen Tätigkeitsfeld seine Erfahrungen berichten.

    Grüße von Bruder A.
     
  4. Brady

    Brady Gast

    Hallo Bruder A,

    ich komme mal zu deinem 1. Punkt. Da ich auch diese Erfahrung gemacht habe. Was mich dann aber auch noch erschreckt, dass genau das Personal welches dort arbeitet, es unreflektiert selber so weiter gibt.

    Die Menschen dafür zu sensiblieren ist oft schwierig, wenn eigene Mitarbeiter es kurz und knapp so darstellen und sich nicht die Mühe machen es fachlich zu erklären.

    Diese Aussagen machen mich wütend, nicht über die Kollegen, die nicht wissen was dort los ist. Sondern über meine eigenen Kollegen. Es kommen dann unspezifische Aussagen, wie Du sie oben benannt hast.

    Wir sollten transparenter und fachlicher in unseren Aussagen werden und auch keine Mühen scheuen es immer wieder klarer darzustellen.
    Dadurch werden auch Hemmschwellen geringer.

    Was ich auch immer wieder beobachte ist, wenn jemand in einer psychischen Krise ist, dann wird schnell gesagt: "Gehe doch zum Psychologen". Das dies so einfach nicht möglich ist, dass man eventuell zum Psychiater muss wird vermieden.

    Dann wird eher gesagt, ich war bei meinem Neurologen. Obwohl dies natürlich fachlich nicht stimmt, der Neurologe ist auch die falsche Adresse.
    Das Wort "Psychiater" ist wohl so negativ besetzt, dass ich denke es braucht dringend Aufklärung und Transparenz.

    Liebe Grüße Brady
     
  5. BruderA

    BruderA Newbie

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    Hallo Brady,

    Du hast natürlich die berühmte Kehrseite angesprochen! Und auch die ist, bittere Wahrheit.
    Und ich frage mich immer wieder Warum? Warum ziehen Pflegende aus der Psychiatrie gegenüber anderen Bereichen den Kopf ein oder wie Du schon richtig sagtest reagieren sie belanglos?
    Denn dem steht wieder gegenüber, daß man auf den meisten Fortbildungen, die Rückmeldung von den Kursleitern bekommt, das mit Pflegenden aus der Psychiatrie Seminare wesentlich aufgeschlossener, offener, lockerer...stattfinden, als aus anderen Bereichen (Will da hier aber niemand zu Nahe treten) - Und Warum kann man dann nicht den anderen Fachabteilungen so entgegentreten?
    Das Projekt, welches ich gern durchführen möchte, hat natürlich auch diesen Hintergrund. Meine Vorstellungen gehen dahin, daß ich zuächst eine Umfrage in allen anderen Fachbereichen unseres Klinikums starte. (Bin dabei einen entsprechenden Fragebogen zu erstellen - deßhalb auch der Thread hier)
    Dies sollte zum einen bewirken, dass andere Fachbereiche , sich schon einmal etwas mit Fragen der Psychiatrischen Pflege beschäftigen und zum anderen würde ich dann in Auswertung der Fragebögen, eine Fortbildung anstreben, welche z.Bsp. die pflegerischen Tätigkeiten in der Psychiatrie beinhaltet.
    Eventl. zusätzlich wäre darauf hin noch innerhalb der Psychiatrie eine Fortbildung möglich, um die Mitarbeiter zu sensibilisieren fachkompetenter aufzutreten, die angesprochene eigene Hemmschwelle zu überwinden.

    LG Bruder A.
     
  6. Brady

    Brady Gast

    Hallo BruderA,

    genau die Erfahrung habe ich auch gemacht. War 2 Jahre in einer Fortbildungsreihe (Mittleres Management) unseres Klinikums, dem mehrere Häuser angeschlossen sind.

    In diesem Kurs (es fanden insgesamt 3 Kurse statt) waren insgesamt 16 Kollegen, davon mit mir 3 Kollegen aus der Psychiatrie. Alle anderen kamen von Intensiv, Innere, Urologie, Dialyse, Kinderintensiv, Ambulanz, usw..

    Es war genau die Erfahrung, die Du beschreiben hast. Wir haben ganz andere Aspekte mit hineingebracht, haben dazu beigesteuert andere Sichtweisen einzunehmen. Auch habe ich durch die Leute von der Somatik viel gewonnen und wir haben uns als Einheit gesehen. Werden uns nach dem Abschluss des Kurses weiterhin treffen.

    Also, gebe ich es nicht auf. Finde auch, dass was Du vorhast ist eine sehr gute Idee.

    Viel Erfolg und liebe Grüße Brady
     
  7. BruderA

    BruderA Newbie

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    Hallo Brady,

    möchte mich erst einmal für Deine Antworten bedanken. Ich würde mir wünschen, dass hier noch mehr Rückmeldungen erfolgen. Begrüße dabei auch, Gedanken, Kritik, Anregungen aus der Somatik.
    Würde auch, wenn ich es richtig ausformiliert habe, die Frage meiner Umfrage hier reinstellen.

    Ich absolviere zur Zeit eine Fachweiterbildung für Psychiatrie. In unserer Klasse sind Krankenschwestern und Pfleger aus 3 Bundesländern. Ich möchte einfach die Chance nutzen,so viel wie möglich aus dieser Ausbildung mit zunehmen und versuchen umzusetzen. Und dieses Thema liegt mir u.a. auch am Herzen. Der Austausch mit meinen Mitstreitern und die Praktikas geben dabei viele Anregungen manche Dinge zu überdenken, zu überarbeiten oder gar einzuführen. Ist zwar nicht manchmal einfach, aber man kann doch einiges bewegen.

    Liebe Grüße
    Bruder A.
     
  8. tochter46

    tochter46 Junior-Mitglied

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    Hallo BruderA,

    ich finde es erschreckend, wie wenig Kollegen, aus anderen Abteilungen von unserer Arbeit wissen.
    Habe etliche Kollegen im Freundeskreis, die sich immer mit Stress hervor tun, sagen aber mal die psychiatrisch Pflegenden etwas von Stress, kommen gleich diese Pauschalurteile: Eure Pat. sind doch ruhig gestellt, mit denen habt ihr doch keine Arbeit usw. Du kennst das sicher auch.
    Deine Aussage zu Punkt Nr.3 kann ich nur bestätigen, wenn es schwierige Patienten gibt, dann wird an uns gedacht, da kann man sie dann ja hin schicken, gleichzeitig werden wir aber belächelt, wenn wir einen Patienten schicken.

    Ich denke, das die vielen Vorurteile dadurch entstehen, das die Menschen unwissend sind, und es gerne bleiben wollen, wer will schon gerne etwas mit den " Irren " zu tun haben.
    Außerdem sieht man vielen psychiatrischen Pat. ihre Erkrankung nicht an, sie haben nichts vorzuweisen, wie andere vielleicht ein Gipsbein, oder eine Narbe.
    Sie haben bei einer Depression ihre tiefe Traurigkeit, und man vermeidet es zunehmend sich mit diesen Menschen auseinander zusetzen, weil es mit Sicherheit in die Tiefe geht, und man dazu kommt auch mal über sich nach zu denken, und sein leben zu hinterfragen, wer macht dasschon gerne.

    Vielfach werden auch durch die Medien, diese Berührungsängste noch angeheizt, durch unqualifizierte Berichte, wie bei uns letztens, über EKT - Behandlungen.

    Komme also zum gleichen Ergebniswie Brady, wir können nur immer wieder versuchen aufzuklären, und zu beschreiben, was und weshalb wir etwas tun.

    lg tochter46
     
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