Prophylaktische Sanierung nach Kontakt zu MRSA-Patient?

Neuromaus

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Wir haben einen Patienten (Kind, 9 Jahre alt, schwerst mehrfachbehindert) mit MRSA im Nasen-Rachen-Raum. Da dies noch nicht bekannt war, hatten wir also ohne Schutzkleidung Kontakt zu ihm. Bei Pflegetätigkeiten wie der Abnahme von Abstrichen oder dem Festhalten bei Blutentnahme und ähnlichem hat man ja nun mal sehr engen Kontakt zu dem Kind. Wir haben dabei i.d.R. Handschuhe getragen und die Händedesinfektion natürlich nach Standard durchgeführt. Aber wir waren eben, wie gesagt, nah an ihm dran ohne Schutzkittel und Mund-Nasen-Schutz.

Sollten wir uns jetzt prophylaktisch sanieren?
Oder müssen wir uns screenen lassen?

Würde mich freuen, wenn sich jemand damit ein bisschen auskennt.
 

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Was sagt euer Hygienebeauftragter?
 

InetNinja

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Mal so in der Theorie.

Würde man mit einer Prophylaktischen Sanierung nicht den gleichen Effekt haben wie mit Antibiotika verteilen wie Kammelle?

Ich würde vermuten Abstrich, wenn pos. dann Sanierung und erstmal zuhause bleiben.

Boar wenn ich das jetzt richtig zusammen bekomme.
- Bei einem Gesunden Immunsystem und Haustzustand ist die Überbesiedlung mit MRSA unwahrscheinlich
- es braucht sehr viel mehr Kontakt mit MRSA als mal im Zimmer gewesen sein und mal angefasst zu haben. Solange dir der Pat. nicht direkt ins Gesicht spuckt, Huste etc. ist die Wahrscheinlichkeit sich selber zu infizieren noch gering.
- Eine ordentlichen Händedesinfektion ist das A und O im Kampf gegen MRSA.
 

Neuromaus

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Konnten wir noch nicht fragen, da er im Urlaub ist.

Würde man mit einer Prophylaktischen Sanierung nicht den gleichen Effekt haben wie mit Antibiotika verteilen wie Kammelle?
Den Gedanken hatten wir einerseits auch, andererseits haben wir dann wieder gedacht, dass z.B. die Mundspüllösung eigentlich "nur" Polihexanid ist, was wir ja sonst auch benutzen, z.B. zur Wunddesinfektion.

Solange dir der Pat. nicht direkt ins Gesicht spuckt, Huste etc. ist die Wahrscheinlichkeit sich selber zu infizieren noch gering.
Gehustet oder gespuckt hat er nicht, aber halt normal geatmet, während ich keine 50cm von seinem Gesicht entfernt hing (über eine Zeit von mehreren Minuten).

Aber ihr meint eher, dass uns wahrscheinlich nichts "passiert" ist?
 

InetNinja

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Das hier ist eine Sehr gute Seite einer Niederländischen und Deutschen Kooperation.

Wie kann MRSA sich verbreiten?

Zitat:

In aller Deutlichkeit: MRSA ist nicht bei jedem Kontakt von Mensch zu Mensch übertragbar! Für eine effektive MRSA-Übertragung müssen meist folgende Faktoren anwesend sein:

  1. Eine ausreichende Anzahl von MRSA auf der Haut des MRSA-Trägers
  2. Direkter und wiederholter Kontakt (Aussetzung) mit bestimmten Körperoberflächen des MRSA-Trägers
  3. Übertragung von ausreichenden (vielen) MRSA’s von den einen auf den anderen Patienten
  4. Die MRSA’s müssen die Haut/die Schleimhaut erreichen während des Kontaktes
  5. Vermehrung und Siedeln des MRSA’s auf der Haut der Kontaktperson
  6. Anwesenheit von Risikofaktoren bei der Kontaktperson (Antibiotika, Wunden, Katheter, etc.)

Ob du dich infiziert hast, das kann hier keiner Sagen. Das ist ausschließlich nur per Abstrich sicher zu sagen.
Wenn du dich sorgst, mach beim Betriebsarzt einen Abstrich. Der engere Kontakt mit dem Pat. könnte dazu geführt haben, solltest du die Risikofaktoren wie Antibiotika, Wunden, Immunsuprimierung etc. haben. Ich denke du hast jetzt keinen Katheter etc. Würde mich ja sehr stören bei der Arbeit :D

Ich hab mal was gehört von wenn man selber sich mit MRSA bei der Arbeit angesteckt hat etc. gibts irgendwie keine Lohnfortzahlung und von der BG auch nichts da keine Berufskrankheit. Erstes halte ich für ein Gerücht. Meines Erachtens müsstest du über die Krankschreibung in die Lohnfortzahlung kommen. Musst ja keinem erzählen was du dir ggf. eingefangen haben könntest. Aber bevor ich hier jetzt totalen Unsinn verzapfe. evtl. kennt sich damit jemand hier aus.

Wie sieht eigentlich euer Screening aus? Wie konnte das durchgehen? Bei uns werden z.B. alle Stationären Neuzugänge Grundsätzlich PCR MRSA (alter Falter der Kostet extern ca. 60Eurönchen 8O) Abgestrichen. Egal ob die aus dem Pflegeheim sind oder aus ihr ganzes Leben in einer Einsamen Hütte in den Bergen verbracht haben. Also in wenigen Stunden hat man da ein Ergebnis.
 
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Wie sieht eigentlich euer Screening aus? Wie konnte das durchgehen? Bei uns werden z.B. alle Stationären Neuzugänge Grundsätzlich PCR MRSA (alter Falter der Kostet extern ca. 60Eurönchen 8O) Abgestrichen. Egal ob die aus dem Pflegeheim sind oder aus ihr ganzes Leben in einer Einsamen Hütte in den Bergen verbracht haben. Also in wenigen Stunden hat man da ein Ergebnis.

Zu teuer. Bei uns wird nur bei Verdacht abgestrichen.
Verdacht: aus dem Heim, letzter KH Aufenthalt höchstens 6 Monate her, schon mal gehabt, Landwirt mit Viehhaltung, Krankenpflegepersonal, Drainagenträger

Bei Besiedelung des PP (hatten wir schon) AU und sanieren. Natürlich ist es keine BG - beweise mal, es auf der Arbeit bekommen zu haben.
Wir haben keine Schnelltestung - geht alles ins Mikrobiologische Labor.
 

InetNinja

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Zu teuer. Bei uns wird nur bei Verdacht abgestrichen.
Verdacht: aus dem Heim, letzter KH Aufenthalt höchstens 6 Monate her, schon mal gehabt, Landwirt mit Viehhaltung, Krankenpflegepersonal, Drainagenträger

Bei Besiedelung des PP (hatten wir schon) AU und sanieren. Natürlich ist es keine BG - beweise mal, es auf der Arbeit bekommen zu haben.
Wir haben keine Schnelltestung - geht alles ins Mikrobiologische Labor.

War in meinem Ausbildungshaus auch so. Das ist dann aber sehr häufig in die Binsen gegangen und wir mussten nach 5 Tagen dann doch Isolieren.
Allerdings bin ich jetzt bei dem Max.Versorger wo all diese Dinge eingehen. Die haben ganz schön viel Geld... :gruebel:
 
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Neuromaus

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Wie sieht eigentlich euer Screening aus?
N/R-Abstrich auf MRSA kulturell bei jeder Neuaufnahme, egal wo sie herkommt. Wenn Wunden o.ä. wie PEG, Tracheostoma etc. da sind, dann davon Abstrich 4MRGN und MRSA kulturell.
Bei Risiko-Pat. zusätzlich 4MRGN und MRSA kulturell von kombiniertem Hautabstrich Achsel bis Leiste und Rektalabstrich.

Wir haben keine Schnelltestung - geht alles ins Mikrobiologische Labor.
Bei uns nämlich auch.

Wie konnte das durchgehen?
Der Kontakt erfolgte in der Aufnahme-Situation, also noch kein Befund da. Wir haben den Abstrich ja gerade erst gemacht. Und weil es dem Kind nicht gut ging, eben auch direkt die Blutentnahme. Gestern haben wir dann den positiven Befund bekommen.

Also wenn wir jetzt besiedelt wären, hätten wir die netten Biester jetzt schon munter über die ganze Station verteilt. Nicht so sehr über die Hände, wir sind sehr streng mit Händehygiene (off topic: und so sieht die Haut an den Händen dann auch aus, so viel Hautpflege kann man gar nicht machen, wie man bei der ganzen Desinfiziererei bräuchte...). Das Problem vermute ich eher in der Keimlast der Atemluft. Oder ist die nicht groß genug? Der Patient hat ja den MRSA im N/R-Abstrich. Der Hautabstrich war blande. Und da wir mit Kindern arbeiten, kommt man da auch schonmal nah genug dran, um ggf. Keime über die Atemluft zu übertragen.

Ich kenne mich leider nicht sooooo super gut damit aus. Wir haben sehr selten MRSA-Fälle. Und wenn, dann ist es in der Regel so: Befund → Isolation → Sanierung über 5 Tage mit allem, was dazu gehört → Abstriche an 3 Tagen hintereinander → nach dem 3. Abstrich direkt weiter Sanierung, bis Befunde da sind → 3 negative Befunde → Sanierung und Isolation beenden, Abschlussdesinfektion des Zimmers inkl. Austausch von Vorhängen, Duschvorhang usw. → Kontrollabstrich nach 1 Woche und nach 6 Wochen, die dann i.d.R. auch negativ sind.
Also wovon ich Ahnung habe ist halt eigentlich nur das Vorgehen bei nachgewiesener Kolonisation bzw. unser Hausstandard dazu. Ich weiß auch, dass in anderen Häusern die Pat. gar nicht isoliert werden, sondern nur einen MNS tragen müssen. Das ist bei uns aber aufgrund unseres Pat.-Klientels (größtenteils schwerbehinderte Kinder) nicht möglich.

Aber die Quelle, die InetNinja angegeben hat, macht da ja Hoffnung, dass eher keine Übertragung stattgefunden hat.
Weiß jetzt noch jemand, ab wann man den MRSA im Abstrich nachweisen kann? Hab in der o.g. Quelle nichts genaues gefunden, oder ich hab es übersehen.
 

matras

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Zitat:

In aller Deutlichkeit: MRSA ist nicht bei jedem Kontakt von Mensch zu Mensch übertragbar! Für eine effektive MRSA-Übertragung müssen meist folgende Faktoren anwesend sein:

  1. Eine ausreichende Anzahl von MRSA auf der Haut des MRSA-Trägers
  2. Direkter und wiederholter Kontakt (Aussetzung) mit bestimmten Körperoberflächen des MRSA-Trägers
  3. Übertragung von ausreichenden (vielen) MRSA’s von den einen auf den anderen Patienten
  4. Die MRSA’s müssen die Haut/die Schleimhaut erreichen während des Kontaktes
  5. Vermehrung und Siedeln des MRSA’s auf der Haut der Kontaktperson
  6. Anwesenheit von Risikofaktoren bei der Kontaktperson (Antibiotika, Wunden, Katheter, etc.)

Hier wird doch alles erst mal schlüssig aufgeführt! Und dann solltet Ihr Euch auch an die differrenzierte Ausdrucksweise gewöhnen. Dabei wird nämlich auch vieles klarer: zunächst würded Ihr Euch kolonisieren (besiedeln) und nicht infizieren! Damit ist bei gesunden auch die Verbreitung/Vermehrung im Wesentlichen sehr eingeschränkt (siehe hierzu auch Punkt 1.). Da die komensiale Besiedlung eine Ausbreitung durch Konkurenz um die Ressourcen weitgehend verhindert. Eine Verbreitung auf andere Patienten findet durch die am meisten gebrauchten Gegenstände (die Hände) statt und nicht über die Luft oder Flächen. Hierzu schreibst Du, dass Ihr hierbei sehr gewissenhaft seit.
Also macht auch eine prophylaktische Sanierung bei Euch keinen Sinn. Auch gibt es keine Schuldzweisung an Euch, da Ihr nach Eurem Hygienestandard gehandelt habt. Ob dieser plausibel ist ermisst sich aus der Art der überwiegenden Grunderkrankungen Eurer Patienten (neurologische Kinder mit geringem MRE-Risiko?).
Sollte also alles soweit passen!
 

Neuromaus

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zunächst würded Ihr Euch kolonisieren (besiedeln) und nicht infizieren!
Das ist mir klar. Ich hab auch nirgendwo was von infizieren geschrieben.

Eine Verbreitung auf andere Patienten findet durch die am meisten gebrauchten Gegenstände (die Hände) statt und nicht über die Luft oder Flächen.
Auch nicht bei Besiedelung des Nase/Rachen-Raums? Bei solchen Pat. müssen wir ja normalerweise Schutzkittel, Handschuhe und eben auch Mundschutz tragen. Wenn der gar nicht über die Luft übertragbar wäre, wäre doch der MNS überflüssig, oder nicht?

Also macht auch eine prophylaktische Sanierung bei Euch keinen Sinn.
Genau das wollte ich wissen.:-) Damit ist meine Frage dann beantwortet. :-) Vielen Dank!:flowerpower:

Art der überwiegenden Grunderkrankungen Eurer Patienten (neurologische Kinder mit geringem MRE-Risiko?).
Richtig! Ein großer Teil unserer Kinder hat angeborene Behinderungen und lebt genauso zu Hause wie gesunde Kinder. Bei ihnen ist demnach das MRE-Risiko nicht erhöht. Wenn die Kinder dann von zu Hause aus zur Intervallreha kommen, wird also nur das einfache Aufnahmescreening gemacht (s.o.). Als "Risiko"-Patienten zählen bei uns alle Kinder, die aus dem KH verlegt werden, egal ob sie auf einer Intensivstation waren oder nur eine komplikationslos verlaufene orthopädische OP hinter sich haben. Zudem sind alle Kinder, die aus dem Ausland kommen, als Risiko-Patienten eingestuft. Diese Patienten bekommen das erweiterte Aufnahmescreening (s.o.), ebenso wie diejenigen, bei denen irgendwann mal irgendein Keim aufgetreten ist, egal ob 3MRGN, 4MRGN oder jetzt speziell MRSA.
 

Neuromaus

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So, vielen Dank für alle Antworten. Inzwischen haben wir alle drei einen N/R-Abstrich gemacht, der negativ war. Also alles gut. Keine Besiedelung, keine Sanierung. :-)
Von meiner Seite aus kann das Thema damit geschlossen werden.
 

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