Problem mit der Versorgung von Sterbenden und dem Verstorbenen

tini1988ti66

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Hallo,

Ich habe um eine Versetzung auf eine andere Station gebeten, da ich die Geriatrie körperlich einfach nicht geschafft habe, bin auch nicht unbedingt groß. Ja nun bin ich auf dieser Station(Pneumologie, Tumorpatienten), Kollegen sind alle sehr nett auf den ersten Eindruck. Nur leider habe ich da ein Problem. Ich werde da öfter mal Sterbende Patienten haben. Damit kann ich nicht umgehen, ich weiß aber auch nicht warum ich mich da so anstelle. Also ich habe kein Problem, dass Patienten sterben. Ich habe ein Problem zu dem Patienten hinzugehen und nochmal den Blutdruck zu messen um sicher zu gehen, dass da wahrscheinlich nichts mehr ist, also der Patient verstorben ist. Ich habe da sehr negative Gefühle dabei sowie Angst. Aber ich weiß nicht warum. Ich habe dann auch ein Problem damit, den Verstorbenen umzuziehen, das macht mich dann richtig fertig. Ich liebe meinen Beruf über Alles, aber damit kann ich einfach nicht umgehen. Ich möchte das gerne in den Griff bekommen, denn meine Pflegedienstleitung hat sich sehr für mich eingesetzt, dass ich diese Stelle bekomme. Ich bin auch sehr dankbar darüber. Ich möchte das nicht aufs Spiel setzten, wegen so einem Problem, dass ich vielleicht bewältigen kann. Ich werde da alleine Nachtdienst machen müssen, davor habe ich am meisten Angst, dass dann da jemand verstirbt. Kann mir da vielleicht jemand weiter helfen??
 

muggel

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Hallo Tini,

ich hatte mal eine Kollegin, die nach dem Examen neu bei uns angefangen hat. Die hatte genau das selbe Problem wie Du! Der hatte ich angeboten, mich anzurufen, wenn jemand verstorben ist. Ich wohnte in der Näher der Klinik. Eines nachts war es dann soweit, sie rief an und ich machte mich auf den Weg! Gemeinsam haben wir dann den Patienten versorgt! Ich habe ihr viel erklärt und konnte ihr so ein bisschen die Angst nehmen. Im anschliessenden Gespräch meinte sie, dass sie sich alles viel schwieriger vorgestellt hatte und ihr meine Anwesenheit sehr geholfen habe. Vielleicht gibt es in deinem Umfeld ja auch so jemanden, der Dich da ein bisschen unterstützen kann! Auf jeden Fall solltest Du Dir Hilfe aktiv anfordern! Meine Kollegin hat die nächsten Verstorbenen übrigens allein versorgt - mit dem Wissen, dass sie jederzeit Hilfe anfordern konnte!

Lg. Muggel
 

calypso

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Schließe mich muggel an, meistens gibt es auf jeder Station jemanden, der einen "an die Hand" nimmt.

Den ersten Schritt zur Lösung hast Du ja schon getan: Du gestehst Dir Deine Schwierigkeiten mit der Situation ein. Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht zunächst unsicher ist im Umgang mit Sterbenden bzw. Toten, viele kaschieren das aber mit "Sprücheklopfen" u.ä.

Meine eigenen Ängste habe ich auch erst mit der Zeit und nach einiger Auseinandersetzung mit dem Thema abgelegt (z.B. habe ich eines Tages die Frage gestellt, warum Verstorbene mit Handschuhen angefasst werden sollen, auch wenn sie erst vor 5 min gestorben sind und ich sie vorher auch ohne Schutzhandschuhe berührt hatte). Mir haben Kollegen geholfen, die respektvoll und natürlich mit den Toten (und den Lebenden!) umgegangen sind, und letztlich der Gedanke, wie sollen andere mit mir bzw. meinen Angehörigen umgehen.

Wenn ich den Sterbenden vorher öfter versorgt habe, habe ich sie ein Stück weit als Persönlichkeit kennengelernt - diese Persönlichkeit bleibt für mich auch nach dem Tod bestehen, mit dieser Einstellung kann ich den Verstorbenen dann auch weiter versorgen.

Es bleibt aber eine heikle Sache, das Ausbleiben der Vitalzeichen zu "kontrolllieren". Ich verlasse mich da zunächst auf meinen "Blick" und warte eine Weile, ob noch ein Atemzug zu erkennen ist. Den Blutdruck messen wir im Hospiz nicht, sondern überprüfen mit einer kleinen Leuchte die Pupillen auf Reaktion. Den Tod feststellen darf ohnehin nur der Arzt, den ich im Krankenhaus schneller da habe als im Hospiz.
 

scilla33

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Ich hatte die selben Probleme wie Du. Z. Zt. belege ich einen Kurs in Palliativ Care Pflege. Dieser Kurs ist so lehrreich und super gut aufgebaut, dass ich jetzt nach einer Woche schon keine Angst mehr davor habe, einen sterbenden zu betreuen, im Gegenteil, ich könnte mir sogar vorstellen im Hospiz zu arbeiten.
Zu diesem Thema gibt es auch viele Broschüren (z.B. christopherus hospizverein münchen - für ein würdevolles Leben bis zuletzt - kann man downloaden). Wichtig ist ja auch der Umgang mit den Angehörigen.

Frag mal nach, ob Dein Arbeitgeber Dir so einen Kurs anbietet. Bei mir zahlt das Arbeitsamt auch einen Zuschuss.

Bestimmt sind auch Kollegen bereit, Dir bei der Versorgung von Verstorbenen zu helfen, bis Du die ersten Ängste überwunden hast.

Grüße

Scilla
 

Neuron

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Sterbende Patienten haben. Damit kann ich nicht umgehen, ich weiß aber auch nicht warum ich mich da so anstelle.
Das mag vielleicht an deinem eigen Lebensalter liegen. Nach meiner Erfahrung sind es eher die Sterbenden Menschen, die denen, die diesen beistehen sollen und wollen das nötige "Augenzwinkern" schenken können.

Ich habe dann auch ein Problem damit, den Verstorbenen umzuziehen, das macht mich dann richtig fertig.
Danke für den Tipp.:smoking: Ich muss also als Patient nach Möglichkeit ein kleines Schriftstück aufsetzen, in dem steht geschrieben, wenn was schief geht, dann wegen umziehen und Schwester Y Problem, Text vorlesen. Schwester Y möge an ganz viel jüngere Schwester Z denken, die vor einem ähnlichen Problem mal stehen könnte wenn Schwester Z die ältere Schwester Y mal umziehen müsste!

Ich möchte das gerne in den Griff bekommen,
Na dann stelle dich selbst mal meditativ in einem KH mit Totenflecken vor.

Ich hoffe, ich konnte dir einige hoffentlich etwas ungewöhnliche Tipps geben.

Gruß Neuron
 

muggel

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@ Neuron: Vielleicht könntest Du Dein anzunehmendes Philosophie-Studium mal aussen vor lassen und Klartext sprechen! Ich glaub' nicht, dass sonst irgend jemandem durch Deinen Beitrag geholfen ist!!!

Danke.
 

Elisabeth Dinse

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@ tini1988ti66- Ich glaube niemand von uns hat keine Probleme mit dem Tod und mit dem Umgang mit toten Menschen. Es ist etwas anders, einen lebenden Menschen zu versorgen als einen toten Menschen.

Du schreibst von negativen Gefühlen und Angst. Was ängstigt dich konkret? Such dir eine Person deines Vertrauens und besprich diese Ängste/ negativen Gefühle mit ihm. Findest du niemanden, dann frag bei eurem Seelsorger nach.

Eine schnelle Hilfe ist vielleicht: RR-Messen zur Feststellung des Todes ist nicht nötig.

Wie war das auf der Geriatrie? Dort müsstest du doch auch mit dem Tod in Kontalt gekommen sein und Pat. für den letzten Weg vorbereitet haben?

Elisabeth
 

Schwester.S.

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Hallo Tini,
...das ganze ist ein Lernprozess- vielleicht wird an Deiner Klinik auch "palliativ Care 2, als Kurs WB angeboten?
Das hilft sehr !

viele Grüße Katrin:freakjoint:
 

Neuron

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@calypso,
@muggel

"Empathie cum morte" oder weniger schwülstig
"Stell' dir vor, du bist tot."

Darüber habe ich geschrieben, was ist daran denn so unverständlich?

Tonnen von Papier sind doch von Vertretern der Spezies homo sapiens schon
über Himmel, Höllen, Nachleben, Astralwesen, Geister, Seelen, Nirvanas,
usw. geschrieben worden. Auch Pflegeliteratur ist davon ja nicht verschont geblieben.

Also ich verstehe die Aufregung nicht wirklich.

Es lag ganz in meiner Absicht, meinen Text etwas "verwinkelt" zu schreiben.

Würde mich freuen wennes bei euch doch noch zu einem A-ha Effekt kommt!:flowerpower:
 

Elisabeth Dinse

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Nicht alle Probleme sollten ausschließlich aus der Ebene des Patienten beschaut werden. Auch Pflegekräfte sind Menschen.

Und wir alle sind mit den Mythen, welche tief in unserer Kultur verwurzelt sind, aufgewachsen. Der eine kann damit gut umgehen, der andere weniger. Ängste vor dem Tod sind in unserer Gesellschaft nichts besonderes.

Zu seinen Ängsten zu stehen und sich nach Hilfe umzutun zeugt von Kompetenz.

Elisabeth
 
I

I. R. Rigator

Gast
Tini1988, den Umgang mit Verstorbenen kann man lernen. Dummerweise gibt es Kollegen, die Dich dumm von der Seite anquatschen werden, wenn Du zugibst, damit ein Problem zu haben, aber hoffentlich gibt es auch andere, die Deine Probleme ernst nehmen und Dir helfen werden. Das kann man lernen. Meistens.
Wenn nicht, bleibt Dir m.E. nur der Weg, irgendwo zu arbeiten, wo keiner stirbt, z. B. eine Augen-Ambulanz. Aber ich denke, daß Du das hinkriegen kannst, da Du das offensichtlich willst und Dir Deine Problematik bewußt gemacht hast.
Ich wünsche Dir viel Erfolg und verständnisvolle Kollegen.
 

tini1988ti66

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Ich möchte mich ganz herzlich für Euere Antworten bedanken. Sie haben mir weiter geholfen. Bin im April auf einer Palliativweiterbildung, vielleicht hilft es mir ja weiter.

Lg, Kerstin
 

gabi1953

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Ich möchte mich ganz herzlich für Euere Antworten bedanken. Sie haben mir weiter geholfen. Bin im April auf einer Palliativweiterbildung, vielleicht hilft es mir ja weiter.

Lg, Kerstin
Liebe Tini,
habe Deinen Beitrag hier gelesen und möchte Dir gratulieren, daß Du das für so viele schwierige Thema durcharbeitest und Dir einfach sagen:
Nur, wer nicht nachdenkt, hat keine Probleme. Deine Probleme hatte ich früher auch und habe sie dann überwunden, als ich dazulernte:
Von einem Toten geht nichts schlimmes aus, stelle Dir doch bitte im Fall des Sterbens von jemand vor, wie Du gerne versorgt werden würdest, wenn Du an dessen Stelle wärst. Derjenige kann sich auch selber nicht mehr helfen, und wenn Du ihn fertig umkleidest, tust Du ein letztes Mal ihm einen Hilfsdienst, Du erweist dem Menschen vor dir eine gewisse Ehre.
Das ist sehr viel für den anderen, denn nicht immer sind Angehörige da, und diese wäre auch froh, wenn Du es für sie tust, sie können es ja nicht.
Habe nur Mut, Du wirst eine gewisse Routine mit der Zeit bekommen, dann fällt es Dir leichter.
Liebe Grüße von Gabi1953
 

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