Praktisches Examen: Die Ungewissheit, die Angst...

Dieses Thema im Forum "Rund um die Abschlussprüfung (Examen)" wurde erstellt von Sternocleidomastoideus, 17.07.2011.

  1. Sternocleidomastoideus

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    ... aus diesem Grund habe ich mich angemeldet und möchte mir einfach mal ein paar Meinungen anhören,
    auch wenn das scheinbar hier der meistgewählte Themeninhalt ist und einige sicher langweilt...
    Bin ich nun durchgefallen oder nicht? Auch ihr könnt mir das nicht beantworten,
    ich weiss, aber ggfs. grobe Tendenzen geben.

    Okay, also:
    Gestern hatte ich mein praktisches Examen. Ich sollte 3 Patienten versorgen, wobei folgendes gewünscht war:

    Hauptpatientin mit vaskulärer Demenz, mit viel Hilfe in den Stuhl mobilisierbar:
    VZ-Kontrolle, Med-Gabe, BZ-Stix, Insulingabe, Übernahme Körperpflege, Mobilisation.

    Nebenpatient 1, kardioembolische Hirninfarkte, Aufsteher:
    VZ-Kontrolle, Med-Gabe, ggfs. Heparinperfusor, Verweilkanülen Verbandwechsel,
    Hilfe bei der Körperpflege, Beratungsgespräch zu Marcumar

    Nebenpatientin 2, Aufsteherin mit Bandscheibenvorfall L5/S1:
    VZ-Kontrolle, Med-Gabe, Schmerzinfusion aufbereiten, Verweilkanülenverbandwechsel,
    Beratungsgespräch zur Rückenschule


    Gut, es ging also los: Die Übergabe war mir sehr gut gelungen, auch die Strukturierung meines Ablaufplans war gut.
    Ich startete mit der Medikamentenkontrolle, es war alles in Ordnung.
    Ich ging zuerst zu meinem 1ten Nebenpatienten, alles lief gut. Der RR war zu hoch und
    ich habe seine entsprechenden Medikamente + Pantozol vorgezogen.
    Die Verweilkanüleninspektion war sicher zu lässig. Sie war mit einer Mullbinde umwickelt und
    aus Nervosität oder was auch immer hab ich nicht darunter geguckt, sondern nur palpiert.

    Danach ging ich zu meiner Hauptpatientin. Und schon beim Blutdruckmessen ging es mit der Aufregung erst richtig los.
    Sie hatte ein langes Oberteil an und da dieses Abschnüren würde, musste ich den Ärmel ausziehen.
    Dabei handelte ich unsicher und ungeschickt, aber es ging irgendwie.
    Nichts dramatisches, aber ab da war bei mir irgendwie vorbei.
    BZ Stix ist gelaufen, Insulin hat sie nach Schema erhalten. Wobei dort noch ein Resttropfen
    an der Kanüle verblieben ist, als ich vorher die Durchlässigkeit überprüft hatte. Dennoch habe ich injiziert...


    Bei meiner letzten Patienten habe ich die Schmerzsituation erfragt, ein paar Tipps zur Obstipationsprophylaxe
    auf den Weg gegeben (Tramal als Infusion), aber die Vygoinspektion vergessen!


    Als die Patienten frühstückten, bereitete ich die Schmerzinfusion vor, das war auch okay soweit.
    Danach wollte ich den Blutdruck meines ersten Patienten nachmessen, aber der war sich laut Mitpatient eine Bildzeitung kaufen.
    Toll! Okay, dann ging ich zu meiner Hauptpatientin um ihr ihre Morgenmedikation zu geben.
    Dies stellte sich als äußerst schwierig dar. Sie hat die Tabletten nicht richtig runterschlucken können
    (Sie hat keine Dysphagie...), die Tabletten verblieben dauernd im Mundraum. Das erschien mir eine kognitive Ursache zu haben.
    Ich hab ewig und stets zum Trinken angeleitet, aber es ging nur schleppend vorran.
    Ich beschloss ihr einen Joghurt zu organisieren, aber es war keine mehr über. Dann nahm ich noch ein Weissbrot mit,
    weil sie währenddessen meinte, dass sie ihre Tabletten sonst immer mit Brot einnimmt.
    Das wollte sie dann aber nicht... Also weiter mit Trinken versucht. Nach bestimmt 20 min (!) ging es dann endlich weiter...

    Ich wollte nochmal zu meinem ersten Nebenpatienten wegen des Blutdrucks, aber er war schon wieder abwesend... Toll!
    Also ging ich zu meiner Hauptpatienten, um die Körperpflege durchzuführen.
    Sie konnte die Pneumonieprophylaxe leider kognitiv nicht umsetzen, also habe ich nur herzwärts
    gewaschen, getrocknet und gecremt... Thrombose- und Dekubitusprophlylaxe mit vorheriger Hautinspektion habe ich durchgeführt.
    Ich habe den Abwurf vergessen, musste den also nachträglich reinholen und das Fenster aufgelassen.
    Die Mitpatienten machte freundlicherweise darauf aufmerksam[...]
    Die Pflege gestaltete sich als etwas zeitaufwendig, da die Pat. eine Fallneigung nach links hatte,
    was ich vorher nicht wusste. Die Patienten hatte einen Hautausschlag am Oberkörper, der mit Fuzidine
    (Hautantibiotikum, kurz vorher angeordnet) versorgt wird. Der Ausschlag war sehr massig und da ich punktuell eincremte
    (keine Ahnung ob das so richtig war), dauerte das ganze auch sehr lange.
    Ingesamt war ich sehr unsicher und ängstlich bei der Körperpflege.
    Ich habe auch extremst geschwitzt und laut Kollegen soll ich auch sehr blass ausgesehen haben.

    Das letzte was ich geschafft habe war die Mobilisation in den Stuhl, wobei ich dann natürlich auch nicht mehr souverän wirkte...
    und sie zudem äußerst adipös war. Zum Schluss habe ich nur noch deligieren können, das der Blutdruck nochmal nachgemessen wird,
    dann begann die Reflektion.Die meiste Zeit hat das mit der Hände- und Flächendesinfektion gut geklappt denke ich,
    einmal habe ich aber den Pflegewagen kontaminiert. Bei der Körperpflege war ich so wuschig, auch beim Ausschlag da,
    dass ich gefühlte 1000 mal in den Handschuhekarton gegriffen habe.
    Wo die Zeit geblieben ist kann ich auch nicht sagen... Die 2 Verbände und die 2 Beratungsgespräche habe ich nicht geschafft !


    Fragen zur Demenz usw. konnte ich schnell und gut beantworten, bei 3 Fragen zu situativen Sachen nicht ganz...
    Was kostete mir die meiste Zeit? Ich habe irgendwas geschwafelt, bin aber nicht mehr auf die Medikamenteneinnahme gekommen....
    Wie hätte ich die Situation für die Patientin und mich angenehmer gestalten können?
    Ich sagte nur, dass wenn ich das vorher gewusst hätte, ich ihr die Tabletten zu ihren Gewohnheiten,
    also zum Brot essen, verabreicht hätte. Ich weiss nicht was sie hören wollte - vielleicht mörsern?
    Bin ich in dem Moment nicht drauf gekommen.
    Und was mir an ihrer Stabilät aufgefallen ist? Naja die Fallneigung nach links beim Waschen an der Bettkante...
    Wie hätte ich anders vorgehen können? Ich sagte: ungern im Bett (=nicht ressourcenorientiert),
    Dusche im Stuhl mit Lehnen... Mehr fiel mir in den Moment nicht ein. Was auch nicht was sie hören wollte...
    Vielleicht eine Decke als Halteuntersützung, bin ich aber in dem Moment auch nicht drauf gekommen.


    Als ich gehen durfte empfand ich die ganze Prüfung als eine einzige Katastrophe und ich habe wirklich Angst, dass ich nicht bestanden habe...
     
  2. Binca

    Binca Junior-Mitglied

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    Um durchzufallen, muß man sich schon grobe Fehler leisten. Das z.B. der Patient zur Kontrolle nicht auf Station war, ist nicht deine Schuld und Du hast es ja übergeben, das noch kontrolliert werden muß.Was sagt eigentlich dein Praxisanleiter, war er bei der Prüfung dabei ? Kann er dir kein Feedback geben ? Vielleicht ist es ja nicht so optimal gelaufen, aber durchgefallen?
    Ich drücke dir die Daumen!
     
  3. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Leitung HOKO
    Wir wollen mal hoffen, dass sich der Praxisanleiter korrekt verhält und nichts zum Prüfungsergebnis sagt, da dies eine vorwegnahme des Ergebnisses wäre und somit die Prüfung anfechtbar.

    Meine Glaskugel behauptet aber, dass es nicht zum Durchfallen gereicht hat, es wird sicher keine 1 mit Stern.

    Hast du den Patienten darauf hingewiesen, dass du den RR noch nachmessen willst und er bitte im Zimmer bleiben soll? Wenn ja, bist du sicher nicht dafür verantwortlich zu machen, dass er nicht im Zimmer war.
     
  4. Sternocleidomastoideus

    Registriert seit:
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    Die Praxisanleiterin darf natürlich auch nichts sagen. Ich hatte sie nur noch 1-2 mal nach der Prüfung gesehen, aber sie hatte ihr Pokerface auf, das ist für mich absolut nicht einschätzbar oder lesbar...

    Dem Patienten habe ich leider nicht gesagt, dass er sich im Zimmer aufhalten soll. Ich war irgendwie davon ausgegangen, dass er das wüsste...
     
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