Pneumonieprophylaxe: Bauchlagerung?

Franzi716

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Hallo,

ich bin derzeit mit einem Forschungsprojekt beschäftigt, in welchem geklärt werden soll, wie effektiv die Bauchlagerung zur Pneumonieprophylaxe beim Patienten im Krankenhaus ist. Es gibt einige Studien zum Thema Bauchlagerung bei ALI/ARDS, bzw. Ventilator-assoziierter Pneumonie, die sich ja eher auf den intensivmedizinischen Bereich beziehen, nicht aber direkt zu Pneumonie allgemein. Habt ihr damit vielleicht Erfahrung in der Praxis? Ich habe diese Form von Prophylaxe, auch auf einer pneumologischen Station, noch nicht zu Gesicht bekommen.

Ich freue mich über Antworten, vielleicht könnt ihr mir mehr dazu sagen.
Viele Grüße!
 

Toolkit

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Meines Erachtens nach ist die Bauchlagerung definitiv keine Pneumonieprophylaxe. Von dem intubierten Patienten mit ARDS mal ganz abgesehen. Auch dort ist die Bauchlagerung "umstritten", bzw. eine Ultima Ratio vor der ECMO-Anlage und nur im SCHWEREN ARDS (Horowitz-Quotient <100 bei PEEP mind. 5)

Ziel der Pneumonieprophylaxe:
  • kein verlegendes Sekret
  • Reduktion Atelektasen
  • Minderbelüftung verhindern
  • Hygiene NRR

Dorso-basale Atelektasen sind wohl der Klassiker als Grundlage für eine Pneumonie. Wie soll da die BauchLAGERUNG helfen? Es ist meines Wissens nach sogar bewiesen, dass das Sekret nicht der Schwerkraft folgt. Es gab da eine Mini-Studie an 8 Schafen. Ich gucke morgen mal, ob ich die hier noch habe.

Die Belüftung der Lunge ist in sitzender Position optimal. Die Bauchlagerung beengt beim Einatmen viel zu sehr. Das ist ein contra.

Grüße,
Tool
 

Franzi716

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Vielen Dank erstmal für die Antwort.

Klar, das war auch mein erster Gedanke, wie denn Bauchlagerung zur Pneumonieprophylaxe beitragen soll. Zumal eine Minderbelüftung somit zu relativ hoher Sicherheit gegeben wäre.
Nur stört mich, dass es dazu kaum verwertbare Studien gibt. Man findet einige wenige, die sich, wie schon gesagt auf den Bereich ARDS/ALI/VAP stützen, aber wie du ja schon geschrieben hast, auch umstritten sind. Es gibt dann wiederum unterschiedliche Zeitangaben, wie lange der Patient in Bauchlage bleiben soll, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Wobei es eine Studie von Guerin et al. (2004) gibt, die benennt, dass sich in Bauchlage eine "verbesserte Sekretmobilisation aus dys- und atelektatischen Lungenkompartimenten" vorweisen lässt. Aber vielleicht findest du ja die Studie noch, würde mich freuen.

Grüße
 

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