Pflegeplanung für Patienten mit Problemen im Zusammenleben mit anderen Bewohnern

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Azze, 03.08.2006.

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  1. Azze

    Azze Newbie

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    Muss eine Pflegeplanung schreiben über einen Patienten der Probleme hat mit anderen Mitbewohnern. Ihn stört alles, möchte am liebsten allein sein. Da er Alkoholiker ist besteht Gefahr, dass er dadurch abstürzen könnte. Als Ziel habe ich geschrieben "zusammenleben auf der Station sowit wie möglich ist zu akzeptieren". Die Maßnahmen fehlen mir. Danke für euere Tipps.
     
  2. Brady

    Brady Gast

    Hallo Azze,

    erzähle mal ein wenig mehr von diesem Bewohner.

    Wo trifft er auf andere Bewohner?
    Was sind seine Gewohnheiten/Hobbys?
    Warum sollte er sich nicht zurückziehen dürfen? Kann auch eine Ressource sein.

    Mir fehlen einfach mehr Informationen.

    Liebe Grüße Brady
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Komisch, dachte in der Schweiz arbeitet man schon mit Pflegediagnosen.

    Aber zur Frage. Warum darf der Pat. sich nicht zurück ziehen? Welche Erfahrungen hat er bis dato mit den Mitmenschen gemacht? Alkoholabusus ist nicht gesellschftsfähig. Alkoholiker gehören eher zum Rand der Gesellschaft aus der Sicht der Mitmenschen. Vielleicht spürt er ähnliches in der Gemeinschaft und möchte sich dieser Situation so selten wie möglich aussetzen.

    Elisabeth
     
  4. Azze

    Azze Newbie

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    [Hallo Brady

    Der Pat. würde den ganzen Tag im Aufenthaltsraum sitzen und TV schauen. Jede andere Bewohner/ rin stört ihm und er reagiert gerreizt.
     
  5. Brady

    Brady Gast

    Hallo Azze,

    ist vielleicht naive Frage. Aber hat man ihn schon gefragt warum er so gereizt auf andere reagiert?

    Hast Du noch nicht mehr Informationen über ihn? Ist wenig...Lebensgeschichte?, Angehörige?, usw....

    Liebe Grüße Brady
     
  6. Azze

    Azze Newbie

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    Die Angehörige kommen ab und zu zu Besuch. 42 mal eingetreten in der Klinik, der Fall der nicht verhebt, rückfalltendenz nach dem Austritt (ca. 4 Tagen und wieder einweissung). Durch Alkoholkonzum gefärdert er sich selbst. Im Moment ist er sehr angepasst, macht in der Therapie mit.
     
  7. Brady

    Brady Gast

    Hallo Azze,

    irgendwie habe ich das Gefühl es ist Dir doch nicht so wichtig. Ich finde es traurig, daß Du nicht mehr weisst. Ich hätte bei ihm Fragen ohne Ende.

    Wann baut er einen Rückfall? Was war im Vorfeld? Gibt es einen Auslöser?

    Was hat er beruflich gemacht? Was für Angehörige? Zu irgendeinem einen besonderen Bezug? Ehefrau?, Kinder?, Enkelkinder?, Geschwister?

    Warum ist er jetzt angepasst und nimmt an den Therapien teil?

    Gruß Brady
     
  8. Azze

    Azze Newbie

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    Hallo Braddy
    Und ob es mir wichtig ist.Im Vorfeld des Rückfalls passiert folgendes. Der Pat. ist in der Reizsituationen nicht in der Lage sich damit auseinanderzusetzen. Z.B. eine Pat. läuft ganz komisch, ein anderer Pat. ist laut. Solche Stresssituationen kann er nicht aushalten, geht in den Ausgang und trinkt Bier (bis nichts mehr geht). Meiner Erfahrung nach, kommt erst in diesen Momenten vor, dass der Pat. über den Auslöser sich aussert.
    Im Wöchentlicem Gespräch spreche ich den Pat. schon darauf an, wie er sein Problem in den Griff bekommt.Ich habe ihm die Option vorgeschlagen, dass er den Auslöser direkt anspricht. Er sagte aber zu mir, dass das sehr schwierig wird (er traue sich nicht zu). Ich bin der Meinung dass er trotzdem sein Problem selber lösen sollte. Er erwartet natürlich dass wir Pflegenden für ihn reagieren. Ich muss sagen, dass sein Soziales Umfeld gut ist. Seine Schwestern kommen fast regelmässig zu Besuch. Er gehzt nicht gerne zu seiner Mutter. Den Grund gibt er an: sie gibt ihm Vorchrifte, habe stets das Gefühl dass er nie Von Alkohol wegkomme usw. Das treibt ihn dann dazu dass er einfach hinaus geht und masslos trinkt. Er ist geschieden, hat 2 Kinder. Die hat er seit 8 Jahren nicht mehr gesehen, denn die Frau verbitet jegliches Kontakt. Nur in der Therapie findet er sich zu recht, ist sehr hilfsbereit. Da kann er völlig abschalten. Vor allem ist er am Wochenende gereizt. Er verbringt natürlich viel Zeit auf der Station und konfrontiert sich wieder mit den Leuten. Als Massnahme habe ich mit ihm abgemacht, dass er auf uns Pflegenden zukommen sollte, damit das Problem gelöst wird. Er teilt sich schon mit, den Skils kennt er einigermassen. Was mich stört, dass er von uns viel erwartet. Er fragt immer warum kann man bei dem oder dieser etwas nicht ändern damit sie nicht so sind. Da habe ich das Gefühl, jeder soll sich ändern, er aber nicht. Im Moment kann er TV selber schauen. Ich frage mich wie reagiert er wenn jemand kommt und nicht nur Sport schauen will. Darauf bin ich gespannt. Ich habe es probiert ein bischen ausführliches zu berichten. Ob es mir gelungen hatte, sag mir Bescheid. Gegenüber Konstruktiver Kritik bin ich schon offen.
     
  9. Tanzmaus

    Tanzmaus Newbie

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    Hallo, irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Patient das Alleinsein braucht, da er sonst " hinausgetrieben " wird. Warum soll er eine solche Rückzugsmöglichkeit nicht erhalten? Alles andere macht meiner Meinung nach keinen Sinn. Und die Gegenwart anderer Pat. reizt ihn nur, da wird er nicht vom Trinken abgehalten. Was wird in der Therapie anders gemacht als bei Euch? Vielleicht sollte man das herausfinden, dann weißt du evtl. welche Maßnahmen ihm gut tun. Und das er viel fordert von euch, könnte auch an seinem Krankheitsbild liegen. Ihr solltet vielleicht mal eine Fallbesprechung durchführen mit allen Beteiligten und erst dann eine Pflegeplanung erstellen.
    LG Tanzmaus
     
  10. Azze

    Azze Newbie

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    Danke viel mal für die schnelle Antwort. Wir sind eine Rehabstation, sind 16 Leuten da, 2 Tv Apparaten. Der Pat. sucht das Problem immer wieder bei den anderen. Er ist schon viele male ausgetreten (eigene Wohnung, eigenes TV Apparat). Trotzdem, ging er trinken. Grund: diese und jene haben ihn genervt. Jetzt planen wir wieder einen ------austrit. Er drängt drauf, möchte nicht länger bleiben, bis ende September möchte er austreten.
     
  11. Tanzmaus

    Tanzmaus Newbie

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    Hallo, also da ist eine Planung etwas schwierig, hast recht. In erster Linie müßte das Ziel bei ihm doch wohl Entzug sein?
    LG. Tanzmaus
     
  12. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    *grübel* In der Somatik würde niemand auf die Idee verfallen in die Pflegeplanung die Entfernung des Blinddarmes oder den Einbau eines künstlichen Gelenkes aufzunehmen. Warum gehört in der Psychiatrie die Therapie (Entzug) in die Pflegeplanung? Es kann in der Pflege doch nur um begleitende Pflege gehen- die Therapie unterstützend. Was ist denn die Idee des Therapeuten?

    Elisabeth
     
  13. eunerpan

    eunerpan Senior-Mitglied

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    Hallo!


    ich misch ich jetzt auch mal ein ....:mrgreen:

    Ich würd ja sagen als Pflegediagnose wäre vielleicht so was wie unwirksames coping ganz nützlich ....... Entzug als Pflegediagnose wäre mir neu ....... fällt im weitesten Sinne unter selbstschädigendes Verhalten

    ...und wenn fernsehen so ziemlich das Einzige ist was er macht, würd ich sagen, kann man das auch unter die Pflegediagnose Beschätigungsdefizit fassen :gruebel:


    Lieben Gruss
     
  14. Brady

    Brady Gast

    Hallo Azze,

    wie alt ist eigentlich der Patient? Er macht eine Rehabilitation bei euch und verstösst gegen Regeln? Konsequenzen? Wielange bleibt er bei euch? Wann wird er nach hause entlassen? Wie wohnt er?

    Liebe Grüße Brady
     
  15. Azze

    Azze Newbie

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    Der Pat. ist 46 Jahre alt. Entlassen wird er noch nicht. Im Moment ist er sehr gereizt. Grund: die 2 Zimmergenossen verlasen bald die Station. Jetzt beschäftigt er sich nur damit; wer kommt jetzt in das Zimmer, ist er gepflegt oder nicht, schnarcht er, in welchem Zustand ist er usw. Die "Reissen" sind da. Der Pat. ist immer noch trocken, hat sich im Griff. Ich habe ihm gesagt, dass wir abwarten sollen und erst dann reagieren. Er ist sehr skeptisch, was das ganze anbelangt. Ein einerzimmer ist nicht möglich.
     
  16. Brady

    Brady Gast

    Hallo Azze,

    ist er schonmal getestet worden? Hirnorganisch?, IQ? Durch Alkohol vielleicht Defizite im kognitiven? Manchmal ist das nicht so leicht zu erkennen.

    Sein Thema ist wohl auch Eigenverantwortung übernehmen. Was sind seine Pläne für nach der Entlassung? Hat er überhaupt welche? Sein Ziel?


    Liebe Grüße Brady
     
  17. Azze

    Azze Newbie

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    Halo Brady

    Er wünscht sich demnächst einen Standort.Im Moment erlebt ihn jeden/e gereizt und unterschwellib aggressiv. Neulich kam eine Pat. auf die er auch schlecht reagierte. Er sagte zu mir dass er es kaum noch aushalten kann. Eine Wohnung oder einen Heim hat er nicht. Sogar, viele Heime wo er früher war wollen ihn nicht aufnehmen. Er ist nicht Gruppenfähig. Im Gespräch aussert er sich soweit adäquat. Am Wochenende z.B. verbrachte er etwa 12 Stunden vor dem TV Kasten. Unglaublich. Nicht war.

    Azze
     
  18. Savannah

    Savannah Junior-Mitglied

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    Hallo Azze,

    welche Alternativen hätte es am Wochenende denn zum Fernsehkonsum gegeben? Wie ist Euer Setting?

    Ich denke , dass es für Deinen Patienten schwierig ist, trocken seine Perspektivlosigkeit auszuhalten. Auch scheint sein Freiheitsdrang und Wunsch nach Selbstbestimmung sehr gross zu sein. Er wird da seine Erfahrungen gemacht haben, aber da wisst Ihr anscheinend nicht viel drüber.
    Also weiter suchen...
    Wichtig ist es, nach Ausnahmesituationen zu schauen. Niemand verhält sich 24 Stunden am Tag gleich. Wann ist er nicht gereizt?
    Ein weiterer Ansatz könnte sein, den Menschen nicht gruppenkompatibel machen zu wollen (scheint ja nicht sein Ziel zu sein), sondern die Gruppe soweit zu stärken, dass sie auch Menschen respektiert, die schwierig sind.

    Lieben Gruss
     
  19. Azze

    Azze Newbie

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    Hallo Savannach

    Sien Fernsehkonsum ist enorrm. Zu den schwächeren Mitpat. ist er stark. Sobald er merkt,dass jemand stärker ist schweigt er. Im prinzip ist er sehr schwach. Er traut sich nicht mit den stärkerer zu konfrontieren. In solchen Situationen kommt er meistens auf uns zu und erwartet, dass wir reagieren. Natürlich sage ich zu ihm, dass er selber reagieren soll um sein Problem lössen zu können. Reaktion drauf ist, übermässiges trinken.
     
  20. lex

    lex Junior-Mitglied

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    Hallo AZZE,
    ich arbeite seit ca. 4 Jahren mit Alkoholikern zusammen, betreue Entzüge. Die Fragen die Du Dir gerade stellst habe ich mir genau so gestellt. Warum sind immer die anderen Schuld? Warum sollen sich immer die anderen ändern ? Wieso will der Alkoholiker das man seine Probleme löst, obwohl er sie selber lösen sollte?
    Weil er sonst nicht zum Alkoholiker geworden wäre ! All das ist Bestandteil seiner Erkrankung.
    Ich glaube nicht das es wirklich Sinn macht die von Dir beschriebenen Probleme mit einer Pflegeplanung beheben zu wollen. Du übenimmst dann lediglich die gleiche Aufgabe die der Alkohol auch hat. Probleme lösen.
    Sinnvoller hören sich die wöchentlichen Gespräche an. Hier solltest Du versuchen ihn in seiner Eigenverantwortung zu bestärken, mit ihm Lösungswege zu erarbeiten, ihn in positiven Verhalten zu bestärken und negatives Verhalten offen ansprechen.
    Hört sich toll an? Beiß ich mir seit 4 Jahren die Zähne dran aus. Nicht verzweifeln !!!
     
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