Pflegediagnosen

*caro

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:gruebel: Hallo!
Wer von euch arbeitet in der Pflegepraxis mit Pflegediagnosen?
Mich interessiert, nach welchen Pflegediagnosen ihr arbeitet (NANDA, ICNP oder habt ihr eigene erarbeitet), wie lange es gedauert hat, Pflegediagnosen in die Praxis zu implementieren und wie "erfolgreich" ihr damit seid. Sind also die Pflegenden damit zufrieden, lässt es sich gut umsetzen im Pflegealltag? Gibt es bei Euch sog. Pflegediagnostikerinnen? Ich habe in letzter Zeit einiges darüber gelesen, aber ich habe eher den Eindruck, dass sich dieses System in unseren Breitengraden (D) nicht durchgesetzt hat. Während in Österreich die Arbeit mit Pflegediagnosen durch das GuKGesetz vorgeschrieben ist, oder? Welche Erfahrungen macht ihr in Österreich???

Caro
 

sisterNic

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Hallo..

wir arbeiten mit den DRG'S..

Hat sich bisher gut bewährt bei uns und auch die Umsetzung war schnell gemacht..

LG,Nic

Link: http://www.mydrg.de/
 

Sinclaire

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Hallo SisterNic,

das eine hat nur sehr begrenzt etwas mit dem anderen zu tun.

Pflegediagnosen sind die in eine einheitlich Fachsprache gebrachte Darstellung von Pflegephänomenen - ähnlich wie dies bei den Ärzten der Diagnoseschlüssel des ICD (internatonal classifications of diagnosis).

Die DRGs sind eine fallpauschalisierte, leistungsorientierte Bezahlung für Krankenhäuser, die seit 01.01.2004 für alle Krankenhäuser (ausser Psychiatrie) die einzige Abrechnungsform darstellt. Diese Fallpauschalen bauen auf den Diagnoseschlüsseln auf und sind in die 24 MDCs (major diagnosis classifikations) unterteilt. Jede diese MDC weist wiederrum Untergruppierungen auf, in in sich nach Schweregrad bzw. Nebendiagnosen (PCCL) abgegrechnet werden.

Es hat also nur bedingt etwas miteinander zu tun. Man muss allerdings ganz deutlich sagen, dass medizinische Diagnosen nichts mit Pflegediagnosen zu tun haben, d.h. auch die Aussage, "ja, wir verwenden den ICD 10" falsch wäre.

Cheers

Ingo :gruebel:
 

sisterNic

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Wie auch immer,

dann arbeiten wir eben mit beidem.
Nach DRG's und extra Pflegediagnosenblätrer haben wir auch noch.

LG,Nic
 

*caro

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Hallo Ingo und sisterNic!
War schon ein bisschen verwirrt wegen DRG und Pflegediagnosen. Aber danke für die Aufklärung!
LG Caro :flowerpower:
 

kattinka

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Was genau versteht man eigentlich unter Pflegediagnosen? Ist es nicht eine Vereinheitlichung von Pflegeproblemen? Zum Beispiel: Problem 'Dekubitusgefahr'? Oder wie muss ich das verstehen? Kann mir jemand mal bitte ein Beispiel geben, damit ich es auch mal begreife? :-) Danke, Kattinka
 

Sinclaire

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Hallo Katinka,

Pflegediagnosen befassen sich mit einer einheitlichen Fachsprache in der Pflege, d.h. wenn ich ein Phänomen mit einem Diagnoseschlüssel beschreibe, weiß überall auf der Welt anhand dieses Diagnoseschlüssels, was damit gemeint ist.

Dies ist z.B. der dem ICD 10 der Fall. Hierbei handelt es sich um dem medizinischen Diagnoseschlüssel, welcher von der WHO veröffentlicht wird. Wenn ich z.B. jemanden bezeichne mit der Diagnose E 78.2, so weiß jeder Mediziner, dass ich damit einen Patienten meine, der eine Stoffwechselstörung hat, nämlich ein gemischte Hyperlipidämie. In den DRGs findet eine ähnliche Eingruppierung statt und zwar fällt es unter die Stoffwechselstörungen in der MDC Gruppe K - genauer gesagt K63 Angeborene Stoffwechselstörung. Viele Prozeduren (operativer Art) und alle Diagnosen sind derart verschlüsselt.

Die Pflegewissenschaft arbeitet seit geraumer Zeit daran eine ähnliche Klassifikation von Pflegehänomenen darzustellen, was allerdings weitaus komplexer ist. Dies haben z.B. die NANDA Pflegediagnosen gezeigt, die letztlich nicht dazu in der Lagen waren komplexere Pflegephänome darzustellen. Daher wurden am Pflegewissenschaftlichen Institut in Kopenhagen die ICNP entwickelt (International classification of nursing praxis). In den USA wurden andere Wege gegangen, dort hat man aufbauend auf die NANDA Diagnosen die NIC (Nursing Intervention Clasification) and NOC (Nursing Outcome Clasification) entwickelt.

So findet sich zum Beispiel in der Klasse U der NOC unter # 2000 Lebensqualität. Dort wird nach Indikatoren unterteilt - z.B. unter 200001 "Zufriedenheit mit dem Gesundheitszustand" mit der Wertigkeit Extrem gefährdet (1) bis Nicht Gefährdet (5). Wenn ich jetzt z.B. einen Patienten mit der Outcomediagnose 20001 (2)bezeichne, dann weiß eine andere Pflegende, dass der Patient einen weitgehende Gefährdung der Zufreidenheit mit dem Gesundheitsstatus einhergeht. Anderes Beispiel: Die NOC Diagnose 031001(2) sagt mir dass die Person Probleme mit der Toilettenbenutzung hat und eine unterstützende Person oder Hilfsmittel bei der Blasenentleerung benötigt.

Alle Klarheiten beseitigt :gruebel:

Cheers

Ingo :mrgreen:
 

*caro

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Hallo Kattinka!
Pflegediagnosen gibt es mittlerweile seit 1982, bzw. damals wurde in den USA und Canada die NANDA gegründet. Diese Organisation ist damit beauftragt, Pflegediagnosen zu erstellen und zu überprüfen. Dieses System hat sich in unseren Regionen m.E. nicht durchgesetzt, der URsprung ist tatsächlich die USA, dort wurde bereits 1950 das erste Mal gefordert, dass Diagnosen zu stellen eine Aufgabe der Pflege ist.
Pflegediagnosen bestehen aus drei Teilen: Pflegediagnosetitel (kurz und knapp), der Ätiologie (Ursachen, beeinflussende Faktoren) und Kennzeichen, Symptomen, Merkmalen. Durch Befragung und Untersuchung werden die letzteren zwei eingeschätzt und benannt.
Ich habe den Eindruck (nach Lektüre), dass sich Pflegediagnosen nicht so ohne weiteres in die Pflegepraxis implementieren lassen. Z. B. lassen sich die amerikanischen Pflegediagnosen nicht ohne weiteres in unser "System" übernehmen.
Aber hierzu hätte ich gerne noch weitere Infos von denjenigen, die dies bereits hinter sich haben.
Ich bin gespannt.
Vielleicht hat dir das ein wenig Klarheit verschafft. :gruebel:
LG
Caro
 

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