"Pflegebeben Stärke 9"...

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von squaw, 08.01.2014.

  1. squaw

    squaw Poweruser

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  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Um dies in einen Kontext zu stellen bräuchet es mehr als nur die Daten aus dieser einen Studie. Mir fallen spontan Skillmix, Aufgabenbereiche, Liegedauer ein. Wenn ich den unterscheidlichen Bildungsstand mit einbeziehe, dann kann es sein, dass die geringeren Zahlen in anderen Ländern auch darauf beruhen, dass die dortigen Kollegen den Bedarf anders festlegen können und Tätigkeiten, die man in D als essentiell ansieht gar nicht erst in Betracht ziehen.

    Hat jemand Zugang zur Studie selbst?

    Elisabeth
     
  3. HHS

    HHS Poweruser

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    "Abstract

    Background Little is known of the extent to which nursing-care tasks are left undone as an international phenomenon.

    Aim The aim of this study is to describe the prevalence and patterns of nursing care left undone across European hospitals and explore its associations with nurse-related organisational factors.

    Methods Data were collected from 33 659 nurses in 488 hospitals across 12 European countries for a large multicountry cross-sectional study.

    Results Across European hospitals, the most frequent nursing care activities left undone included ‘Comfort/talk with patients’ (53%), ‘Developing or updating nursing care plans/care pathways’ (42%) and ‘Educating patients and families’ (41%). In hospitals with more favourable work environments (B=−2.19; p<0.0001), lower patient to nurse ratios (B=0.09; p<0.0001), and lower proportions of nurses carrying out non-nursing tasks frequently (B=2.18; p<0.0001), fewer nurses reported leaving nursing care undone.

    Conclusions Nursing care left undone was prevalent across all European countries and was associated with nurse-related organisational factors. We discovered similar patterns of nursing care left undone across a cross-section of European hospitals, suggesting that nurses develop informal task hierarchies to facilitate important patient-care decisions. Further research on the impact of nursing care left undone for patient outcomes and nurse well-being is required.
    "

    Prevalence, patterns and predictors of nursing ... [BMJ Qual Saf. 2013] - PubMed - NCBI

    Auf CINAHL habe ich zudem eine detaillierten Abstract gefunden. Eine kleine grobe Zusammenfassung:

    Heißt, das man bisher international gesehen nicht wusste, inwieweit pflegerische Tätigkeiten ungetan gelassen werden müssen.
    Die Studie versucht die Prävalenz (Vorkommen) und die Muster zu beschreiben und wie weit diese pflegeorganisatorischen Faktoren zusammenhängen.

    Auch, das überall in Europa pflegerische Tätigkeiten nicht getätigt werden können. Ja, es wurde auch der Skillmix untersucht, welchen Grad des Abschlusses, der Workload und die Arbeitszufriedenheit.

    Deren Fazit war: Unabhängig von der jeweiligen nationalen finanziellen Situation hängt dies mit der Krankenhausarbeitsumfeld ab. Sprich- so wie ich das jetzt verstehe(!), das Land kann noch so reich sein und Geld in das Pflegesystem stecken- es muss an der Arbeitsorganisation im Krankenhaus geschraubt werden, wenn gewisse pflegerische Tätigkeiten nicht liegen bleiben sollen.

    Die große Streuung im Bezug auf die Stellenzahl und den Skillmix lässt auf einen Mangel eveidenz-basierter Entscheidungen vermuten.
    Es rechtfertigt weitere Untersuchungen inwieweit dies auf den Outcome der Patienten hat.
    Also das,was Schwendimann ja auch im verlinkten Interview sagt.

    Leider komme ich an die Studie nicht kostenlos heran.....
    Und es wird wohl einiges an Statistikverständnis brauchen, diese Studie zu lesen und zu verstehen.
     
  4. HHS

    HHS Poweruser

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    Die Studie wurde bereits November 2013 peer-reviewd veröffentlicht.
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Das ist in meinen Augen der Focus überhaupt wenn man mit so was argumentieren will. Es muss nachweisbar sein, dass genau diese fehlenden pflegerischen Maßnahmen schlussendlich mehr Kosten verursachen.

    Elisabeth
     
  6. HHS

    HHS Poweruser

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    Sicher, aber um argumentieren zu können war diese Studie erstmal notwendig.
    Man muss erst mal sehen, ob es wirklich ein Problem gibt und wie sehr es verteilt ist, und wenn ja, wo es liegt.

    Der nächste Schritt wäre dann eben die Studie, die genau das Outcome vergleicht in Bezug auf das jetzige Ergebnis.
    Hört sich für den Laien leicht machbar an, ist aber in der Realität aufwändig und dauert.
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Was willst du argumentieren? Wir haben schon mehr als genug internationale Studien, die immer wieder vom Tisch gewischt werden weil D in allem einen Sonderweg wählt. Das Outcome bestätigt ihnen, dass der Weg der bessere ist als der der anderen Länder. Politiker und BWLer ticken anders als Pflegekräfte. Man kann viel Geld für viele Studien ausgeben bei denen ganz viel wertvolle Zeit gebunden wird mit dem Ergebnis: ein schönes Abstarkt in einer Zeitung und ein kurzes Schulterklopfen. Wir könnten aber auch gleich die Basis, die BWLer und die Politiker in eine Boot mit den Wissenschaftlern sitzen und gemeinsam überlegen wo der Kahn hin laufen soll.

    Elisabeth
     
  8. HHS

    HHS Poweruser

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    Wir hatten bisher keine Studie, die für ganz Europa aufschlüsselt welche konkreten Pflegemaßnahmen nicht ausgeführt werden können. Und auch keine die die möglichen Ursachen aufzeigt. Und vorallem nicht alles zusammen in einer einzigen Studie.

    Vermutet haben wir das alles irgendwie ja schon. Aber belegen ließ sich das bisher nicht objektiv. Auch in der Politik zählen Fakten!
    Mit der Studie hätten Wir nun ein weiteres Argument.

    Wenn es ein "Wir" gäbe....
     
  9. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Die Pflegewissenschaftler nutzen dich sonst auch Studien aus den Staaten wenn es um den Nachweis der Auswirkungen des Personalmangels geht. Nun geht man neue Wege?

    So lange ich die Studie nicht gesehen hab- und damit meine ich nicht das Abstrakt- so lange sehe ich diese mehr als kritisch.
    wie so viele andere auch- wenn sie das Outcome des Pat. außer acht lässt. Steigt die Liegezeit durch Komplikationen, die sich aus unterlassenen Pflegeleistungen ergeben? Damit kannst argumentieren. Alles andere ringt den zuständigen Instanzen nur ein müdes Lächeln ab.

    Unabhängig von der Studie- wo bekommt man Daten her zur Struktur des Gesundheitswesens in den verschiedenen Ländern? Mich hat die Aussage: 1;5 neugierig gemacht. Sowas muss ja finanziert werden. Aktuell ist mir nur präsent, dass D im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten besonders schnell altert und damit die Morbiditätsrate steigt. Aber ist das wirklich alles?

    Elisabeth
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ausführliches Abstract besorgt.Da Vorabveröffentlichung muss man auf die originale Studie wohl noch warten... falls die jemals öffnrtlich zugänglich wird. Ist ja ein kann nicht ein muss.

    Was steht da nun genau.

    Gespräche mit dem Pat. 81.0 (11.6) .... 52.6 (18.5)
    Erstellung bzw. Aktualisierung der Pflegeplanung/ Pflegepfade 55.2 (11.3)... 41.7 (13.8)
    Beratung Patient und Angehörige 51.3 (14.0) ... 40.6 (17.1)
    Mundpflege 30.2 (14.3) ... 34.4 (14.5)
    Pflegedokumentation 40.7 (13.7) ... 27.5 (13.2)
    Patientenüberwachung 37.7 (12.6) ... 27.2 (13.6)
    Pflegeplanung 43.7 (12.3) ... 25.8 (14.9)
    Veränderung der Liegeposition 22.4 (13.1) ... 24.7 (15.5)
    Hautpflege 28.5 (14.2) ... 24.5 (12.8)
    Entlassungsmanagement 23.5 (9.5) ... 22.4 (11.0)
    zeitl korrekte Medikamentengabe 20.2 (10.6) ... 22.4 (11.0)
    Schmerzmanagement 19.7 (10.1) ... 10.0 (9.2)
    Behandlung und Verordnungen 14.2 (9.4) ... 9.2 (9.0)

    Leider gibt es keinen Einblick in Fragebögen, so dass man nur schwer Aussagen treffen kann, außer:
    D hat es nicht so mit allem, was mit Pateintenkontakt außerhalb der physischen Pflege zu tun hat. Das ist aber ein traditionell gewachsenes Problem, dass bei einer Befragung logischerweise deutlich werden muss. Pflegeplanung existiert in D hauptsächlich in Form der Dokumentation von Maßnahmen- siehe PPR/PKMS. So etwas wie Pflegediagnostik, z.B. NANDA ist unbekannt. Von NIC und NOC wollen wir gar nicht erst anfangen. Ich finde es in dem Zusammenhang bezeichnend, dass die PKMS eigentlich für die Doku des Pflegeaufwandes bei Querschnittspat. entwickelt wurde. Kein Wunder, dass die meisten Stationen gar nicht dazu kommen ihren Aufwand angemessen geltend zu machen. Stichwort: Liegedauer.

    Was mich sehr erstaunt, dass im Alltag offenscihtlich die heilige Kuh der deutschen Pflege- die Ganz- oder Teilkörperwaschung- geschlachtet wurde. Oder kann es sein, dass man hier ein Manko empfindet, wenn man den Pat. nicht tägl. gründlich "persilrein" wäscht?

    Alles in allem keine umwerfend neuen Erkenntnisse. Es rächt sich, dass man jahrelang versucht hat, das Prinzip "alle machen alles" angefangen von der Pflege bis hin zu haushälterischen Tätigkeiten verfolgt hat. Selbst heute wird dies eingefordert. Man kann sich scheinbar- selbst in Manageretagen- nicht vorstellen, Arbeiten adäquat zu delegieren.

    Elisabeth (die immer noch gerne die komplette Studie oder zumindest die Fragebögen einsehen würde)
     
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