Pflege: Medikamente unbeaufsichtigt stehen lassen

f-t-hofmann

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Ich habe gehört, Medikamente darf man nicht unbeaufsichtigt stehen lassen. Das macht auch Sinn, gerade, wenn demenzkranke Patienten auf der Station sind.
Aber wo kann man nachlesen, welche rechtliche Folgen ein solcher Fehler hat? Gibt es eine Verordnung, die das verbietet oder ist das strafbar, selbst, wenn keiner zu Schaden kommt?

f-t-hofmann


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"Jedes Ding lässt sich von drei Seiten betrachten, von einer wirtschaftlichen, einer juristischen und einer vernünftigen."
(August Bier, 1861 - 1940, dt. Mediziner u. Biologe)​
 

markus

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Billiger gimmick oder ernst gemeinte Frage ????

Guten Tag Herr Hofmann,

die (hier fehlt ein Adjektiv) Art der Fragestellung hat mich veranlasst, Ihrem Link zu folgen. Ist damit das Ziel Ihrer Anfrage erreicht?

Sie haben nun ärgste Zweifel an der Qualität der deutschen Juristenausbildung bei mir hervorgerufen.

Meine Mutter (Verkäuferin) tröstete mich in meiner Schulzeit mit den Worten: " Man muss nicht alles wissen, aber man muss wissen, wo man nachschaun kann".

Sollte es Ihnen gelungen sein, ein Jura- Hochschulstudium solange zu betreiben, um dann auf diesem Wege recherchieren zu müssen ??:o

Mit neugierigen Grüssen
 

f-t-hofmann

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Guten Tag Herr Markus

Leider ist die Gesetzgebung in diesem Bereich sehr komplex und sie gehört nicht zur Juristenausbildung. Da ich zur Zeit nicht kurzfristig in eine ensprechende Bibliothek komme, wo ich ein Fachbuch zum Thema finden könnte, wollte ich einfach mal einen schnellen Hinweis erlangen, in welche Richtung ich weitersuchen muss. Da ich selbst dieses Wissen privat brauche und nicht gewerblich fand ich es nicht anstößig, hier im Forum zu fragen.

MfG,
F-T-Hofmann
 

f-t-hofmann

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Die allgemeinen Regeln zu diesem Thema kenne ich. Es geht mir in erster Linie um Prävention bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist - bzw. ein demenzkranker vergiftet. Wie schwerwiegend ist es, allein das Tablett mit vorbereitenten Medikamenten für den Tag auf einer Station stehen zu lassen ohne das etwas passiert? Wann ist das ein Kündigungsgrund? AMG, BtMG, SGB XI und MPG sind für mich alle recht unbekannt und ihr Zusammenwirken doch sehr komplex.

Ich habe im Netz nach Spezialgesetzen und Verordnungen gesucht, aber bis auf das BtMG (§§ 15, 29 IV, I Nr. 6 und Nr. 11) nichts gefunden. Ich gehe davon aus, dass solch ein Verhalten ordnungswidrig nach § 32 I Nr. 6 BtMG sein könnte. Dafür wäre aber eine spezielle Verordnung nötig, die ich noch suche.

Wenn in der betreffenden Medikamentenschale keine Betäubungsmittel sind, reicht das nicht für das BtMG. Innerhalb der Verkehrssicherungspflichten würde schon ein Pflegestandard reichen, um eventuell eine ein Pflicht zu begründen und eine Beweislastumkehr zuungunsten des Pflegedienstes zu bewirken. Ich kenne aber keine allgemeingültigen Pflegestandards. Ich habe noch keine vernünftige Bibliothek gefunden, die die entsprechenden Pflegefachbücher hat. Ich wäre deshalb dankbar für eine Buchempfehlung.

MfG, fth
 

flexi

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Hallo f-t-hoffman,
es gelten ganz generell die Lagerungsvorschriften, die auf dem Beipackzettel vermerkt sind. Dazu gibt es jeweils eine Fülle von örtlichen Dienstanweisungen, die natürlich nur für das jeweilige Haus rechtsgültig sind.
Allgemein steht dort eigentlich regelmässig sinngemäss drin:
Die Arzneimittel sind gegen unbefugte Entnahme zu sichern und hygienisch einwandfrei zu lagern, nach Möglichkeit in einem kühlen, trockenen und staubarmen Raum, ggf. in verschließbaren Arzneimittel-Schränken.
Eventuelles Fehlverhalten einzelner Bediensteter wird dann sicher über strafrechtliche und haftungsrechtliche Bestimmungen im Individualfall abzuhandeln sein. StGB und BGB sind Ihnen sicher bekannt.
Ansonsten wenden sie sich doch mal an einen Ihrer Kollegen, der Medizinrecht studiert hat, oder besuchen sie die juristisch betreute Seite von www.wernerschell.de .
 

markus

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Worum geht es denn ??

Soll jetzt niemand in den Brunnen fallen, oder soll ein Kündigungsgrund her ?
Butter bei die Fische !!
 

f-t-hofmann

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@alle

Danke für die Antworten, insbesondere den Link zu Werner Schell. Ich bin jetzt ausreichend informiert.

@markus

Die Frage bei mir war, inwieweit die Pflegeleitung zumindest abmahnen muss, wenn sie ein herrenloses Tablett entdeckt. Der fragliche Mitarbeiter ist nämlich sonst sehr zuverlässig und macht gute Arbeit. Andererseits setzt sich die Leitung selbst der Haftungsgefahr aus, wenn sie nichts (oder zu wenig) unternimmt und doch nochmal ein Tablett rumsteht und sich dann jemand vergiftet.
 

stefan1981

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hm...

Da fällt mir noch ein wichtiger Aspekt ein.

In den meisten Häusern werden Medikamente ja nachts gestellt und dann in der Nachtrunde ausgeteilt!

Nun ist die Frage, inwiefern ist man abgesichert wenn die Tablettenschachteln den ganzen Tag auf dem Nachtschrank liegen? Woher weiß man denn, das sich nicht der Besuch eine kleine Schmerztablette/Schlafpille rausnimmt/ dazu tut!?
Oder woher weiss ich, dass der "abhängige" Bettnachbar nicht sein Tablettenschälchen auffüllt bzw. entleert (in ein anderes hinein...) ?

Ich bin momentan auf dem Wissensstand, dass derjenige der die Tabletten stellt auch dafür verantwortlich ist - doch wo endet diese Verantwortung?

Normalerweise müsste man, bevor man dem Patienten die Tabletten gibt, die Tabletten noch einmal kontrollieren! Ich war jetzt seit November auf 9 Stationen - keine dieser Stationen hatte die Zeit die Tabletten vorher zu kontrollieren!!!

Was sagt ihr dazu?

mfg Stefan
 

Elisabeth Dinse

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@Stephan
deine Patienten im beschriebenen Fall kaum entmündigt sein. Das Bereitstellen der Tabletten ist in diesem Falle ein Service. Siehe auch aktivierende Pflege.

Elisabeth
 
B

Brady

Gast
Bei uns bekommt der Patient die ganze Schachtel (psychiatrische Tagesklinik)ausgehändigt. Unser Ziel ist es , daß der Patient damit selbständig und eigenverantwortlich umgeht. Ansonsten kommt es immer auf den Einzelfall an. Entweder Medikamententraining in Stufen, oder eben auch Einnahme im Beisein. Ich muss aus pflegerischer Sicht erkennen, wann es meine Verantwortung ist. Egal ob in der Somatik oder in der Psychiatrie.
Liebe Grüße Brady
 

stefan1981

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.....

Wir gucken halt auch immer, wie ist der Patient geistig drauf.
Ggf. reichen wir ihm sie dann auch.

Aber man weiss ja nie was für Besuch kommt (obwohl man ihm nichts unterstellen möchte) und nicht jeder Patient outet sich gleich....

"Fakt ist - aufpassen und gucken wie ist der Patient drauf. Ich denke mal der Faktor Besucher und Mitpatienten lässt sich schwer kontrollieren".

mfg Stefan
 

f-t-hofmann

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@stefan1981

soweit deine Frage die Verantwortung für das Stellen der Medikamente für mehrere Patienten betrifft, wird sie schon in einem anderen Thread behandelt.

Die Verantwortung dessen, der die Medikamente stellt, endet natürlich, wenn ein anderer (zurechnungsfähig und fachlich kompetent) neu entscheidet.

Wenn Du ausgebildet bist und dem Patienten etwas aus einer Schachtel auf seinem Nachtisch gibst, wird die Verantwortungskette unterbrochen und Du musst dich vergewissern, dass sie die Medizin enthält, die verordnet ist und die Schachtel nicht offensichtlich manipuliert ist.

Wenn Du den Verdacht hat, dass der Bettnachbar "abhängig" ist, darf keine entsprechende Medizin auf dem Nachttisch liegen. Wenn es dafür keine Anhaltspunkte gibt und es für die Medizin keine Sondervorschriften gibt (BtM, ...), wo ist das Problem?
 

markus

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f-t-hofmann schrieb:
@markus

Die Frage bei mir war, inwieweit die Pflegeleitung zumindest abmahnen muss, wenn sie ein herrenloses Tablett entdeckt. Der fragliche Mitarbeiter ist nämlich sonst sehr zuverlässig und macht gute Arbeit. Andererseits setzt sich die Leitung selbst der Haftungsgefahr aus, wenn sie nichts (oder zu wenig) unternimmt und doch nochmal ein Tablett rumsteht und sich dann jemand vergiftet.

....die Pfegeleitung muss zum Glück gar nichts, zumindest nicht auf Zuruf von Aussenstehenden..
Wenn der Mitarbeiter nämlich sonst sehr zuverlässig ist und gute Arbeit macht wird ein korrigierendes Gespräch völlig ausreichen.
..und ansonsten kommt es auf die Umstände im Einzelnen an.
Beste Grüße
 

Elisabeth Dinse

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wo ist das Problem?
Ich denke, dass Problem liegt in dem Wunsch alles was abweicht möglichst abzustrafen mit gesetzlicher Hilfe.
Management besteht nicht nur aus Abmahnung und Kündigung. Gutes Management zeichnet sich aus durch Motivation der Mitarbeiter etwas in einer betimmten Form zu leisten. Bei ihrem Beispiel wäre eine umfangreiche Aufklärung über eventuelle Folgen wahrscheinlich ausreichend. Dienstanweisungen mit Regiecharakter bringen dagegen meist nur das Gegenteil- Dressuren sind schwerer zu erhalten bei sich ständig wechselnden Umgebungsfaktoren. Pflegekräfte sollen denken können.

Elisabeth
 

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