Perspektivenwechsel in der Pflege, eine wirklich schwierige Patientin

Dieses Thema im Forum "Tätigkeitsberichte" wurde erstellt von narde2003, 13.09.2005.

  1. narde2003

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    Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

    hier muss ich euch einen Tätigkeitsbericht aus einer anderen Perspektive erzählen.

    Ich hatte vor einiger Zeit einen Unfall bei einem Skiwochenende in Österreich.
    Die Geschichte spielt aber hauptsächlich in München.

    Ich flog nachts eine steile Treppe kopfüber vom 1. Stock ins Ergeschoss herab.
    Während des Fluges war ich mir sicher, dass wenn ich unten angekomme tot bin,
    nach dem ich nach der Landung noch denken konnte, konnte ich also nicht tot sein, aber sicher war ich querschnittsgelähmt.
    Ich rief um Hilfe, eine Freundin kam, und half mir mich zu entwirren, also kein Querschnitt.
    Ich konnte alles mehr oder weniger gut bewegen, deshalb ging es erst mal wieder in mein Bett zurück.
    Man sollte gerade in fremden Häusern immer das Licht anschalten, wenn man die Treppe runter will.

    Am nächsten Morgen ging es mir nicht wirklich besser und ein Freund hat mich nach München in ein großes Krankenhaus gefahren, da habe ich früher gearbeitet.

    In der Chir. Nothilfe wurde ich erst mal zum Röntgen geschickt.

    Ergebnis: HWS verschoben, evtl. Fraktur, leider streikte das CT.
    Claviculafraktur rechts, Metacarpale Fingerfraktur am kleinen Finger rechts.

    Also muss ich wohl dableiben, HWS wird mit Halskrause versorgt, der Finger geschient und ein Gilcristverband angelegt.

    Jetzt bekam ich noch unter Protest ein Krankenhausnachthemd angezogen, weil das ja so praktisch ist. Ich fand mein T-Shirt auch ganz angenehm und auf eine Station verlegt.

    Es war die Privatstation, eine nette Schwester, die mir auch gleich was zum Essen bringen wollte.
    Ich wollte aber lieber ein Schmerzmittel.
    Das lies dann doch länger auf sich warten, so dass mittlerweile mein Lebensgefährte auch schon da war mit meinen Klamotten, da war noch zufällig ein Diclofenac dabei, womit ich mich erst mal gedopt habe und das Krankenhausnachthemd gegen ein T-Shirt und Jogginghose vertauscht habe.

    Nach 2 Stunden, die Schmerzen dank Diclo deutlich besser, kam der Doc zur Aufnahme. Der war etwas entsetzt, dass ich schon ein Diclo genommen habe.

    Was hätten sie mir verordnet? -Diclo - wo ist jetzt das Problem? ÄH, das ist nicht üblich - Wären sie früher gekommen, oder hätte es einen Schmerzstandard gegeben, hätte ich nicht selber nehmen müssen!

    Am nächsten Tag bei der Visite (einen Arzt kannte ich noch) fragte ich ob ich duschen gehen kann, den Verband solange abmachen?

    Ja, wenn mir jemand hilft, darf ich, logisch mein Lebensgefährte, auch Krankenpfleger hilft mir.

    3 Tage später werde ich operiert und danach auf eine andere Station verlegt.
    Da ich spät auf dem OP-Programm stehe und ich dem Personal arbeit abnehmen will, bringe ich schon mal meine Tasche auf die andere Station.

    Ich werde freundlich begrüsst, was das soll, jetzt schon die Tasche zu bringen, das ist nicht üblich - Sorry, ich wollte nur jemandem die Arbeit ersparen.

    Im Aufwachraum schlafe ich meine Narkose aus und stelle fest, dass ich jetzt mehr Schmerzen habe als vorher. Dank guter Verbindungen, bekomme ich soviel Schmerzmittel wie ich brauche, das gute Dipi.
    Als alles nicht besser wird, hat eine Anästhesistin erbarmen mit mit und hängt mir eine PCA-Pumpe an, obwohl das bei einer so kleinen Sache nicht üblich ist.

    Noch benebelt komme ich auf meine neue Station, es ist kurz vor der Übergabe zum Nachtdienst.

    Beim Nachtdienst muss ich mal. Ich bekomme die Schüssel.
    Leider liege ich nicht so wie es sich die Schwestern vorstellen.
    Ich kann gar nicht so schell reagieren, wie ich im Bett nach oben gezogen werde.

    Ergebnis: Ich tobe und habe noch mehr Schmerzen als zuvor. Als ich die Schwestern frage warum sie sowas machen meinte die Eine, na sie lagen ja schief im Bett, das geht doch nicht.
    Ich habe sie gefragt, ob sie schon mal was von Kinästhetik gehört hat, oder dass Patienten sowas evtl. selbst machen?
    Da meinte sie ich soll mich nicht so anstellen, sie macht das schliesslich tagtäglich.
    Mich fassen sie bitte nicht mehr an, ich liege so im Bett wie ich will.

    Am nächsten morgen ist meine Venenverweilkanüle para.
    Der Pfleger erklärt mir auch gleich wie das Passieren konnte: Na, da ist ihr Handy dran Schuld, das erleben wir Tag für Tag:fidee:

    Ja, klar, vorallem wenn es ausgeschaltet im Nachtkästchen liegt!

    Aber er will mir erstmal die Waschschüssel bringen, die ich dankend ablehene, da ich duschen will und werde, dafür kommt nähmlich später mein Freund.

    Also jetzt aber, das machen wir hier aber nicht, sie haben doch noch die PCA-Pumpe - die ist abgestöpselt, weil PARA!!!!!

    Ja, da kommt hernach jemand und legt ihnen eine neue Nadel. Vielleicht kann man auch auf andere Medikamente umstellen?

    Nein es kommen 2 PJlerinnen. Ich habe nicht die schönsten Venen.
    Meine Damen bevor sie mir eine neue Nadel legen, erstmal Hände desinfizieren!

    Die beiden ziehen unverrichteter Dinge, aber mit desinfizierten Händen ab - ich habe 2 neue Freundinnen gewonnen.
    Jetzt kommt der Oberarzt der Anästhesie persönlich und will mir eine neue Nadel legen - brauche ich noch eine? Ähm, ne eigentlich können sie ja schlucken, oder?

    Ja kann ich. Also Tabletten und Tropfen, ich habe ihn auch nach der Studie gefragt, wonach Handy's Venenverweilkanülen schrotten - Es standen viele Fragezeichen über seinem Kopf

    Es kommt das Frühstück, dazu bitte ich die Schwester doch bitte mir die Semmel aufzuschneiden und die Marmeladenverpackung zu öffnen, da es mit einer Hand so schlecht geht, macht sie und will mir auch für Morgen dann Weissbrot bestellen, jetzt sind die Fragezeichen über meinem Kopf.

    Am Vormittag kommt mein Freund, entfernt erstmal die Bettgitter und mobilisiert mich, weil da war bis jetzt keine Zeit, klar es dauert ewig, bis man die Bettgitter abgeschraubt hat.
    Wir verabreden uns für den Nachmittag zum Duschen.
    Bei Visite wird das weitere Vorgehen festgelegt und ich werde gefragt weshalb ich mich nicht waschen will - will ich schon aber nicht in der Waschschüssel, die so freundlich verfärbt mich angelacht hat.
    Also ich darf duschen, wenn es den Stationsablauf nicht behindert - tut es nicht, wir machen alles selber.

    Mittagessen habe ich ausgewählt, was sich gut mit einer Hand essen lässt, leider bekomme ich etwas ganz anderes und bräuchte Schneidehilfe. Schnell eine Sr. eingefangen und sie gebeten mir das Fleisch doch zu zerkleinern - wieso, sie sind doch fit und laufen rum - vermutlich bekomme ich morgen passiert.

    Am nachmittag wird der Gips zirkuliert.
    Auf Station werde ich gefragt ob alles passt, ja bis jetzt schon, ansonsten melde ich mich.
    Eine neue Nachtschwester, fragt mich ob der Gips drückt, nein bis jetzt nicht, aber ansonsten melde ich mich. Sie meint, das müsste ich schon jetzt sagen, da Nachts kein Arzt im Haus ist. Klar, in einem Haus mit 1000 Betten, der Maximalversorgung, gibt es nachts keinen Arzt.
    Ich brauche auch keinen.

    2 Tage später ist das Redon raus und ich will heim, hier hält mich nichts mehr, vor allem ist eine Bettnachbarin eine ehemalige Patientin meiner Station.

    Für das Redonziehen habe ich wieder die PJler geschreckt, ich muss mit meinem Hygienewahn ein rotes Tuch für sie sein.
    Ich bin halt kleinlich, zuerst am Bein meiner Bettnachbarin rumfummeln und dann an meine Schulter ranwollen.
    Ich habe mir die Schulter mit einem Folienverband versorgen lassen (selbstmitgebracht). Das finden die Ärzte hier neumodisches Zeug, ich nicht, so kann jeder auf die Wunde schauen aber nicht drauf fassen.

    Ich mache einen Abschlussbesuch in der Nothilfe, HWS ist nicht gebrochen und sage den Ärzten, dass es für mich keinen Grund mehr gibt zu bleiben.

    Die Stationsöse, nur sie ist für Eintragungen in die Kurve berechtigt, sagt mir ich muss noch in die Nothilfe - da war ich schon - sie bekommt einen Tobsuchtsanfall, wie ich das machen kann.
    Das hat man mir schon bei Visite gesagt.
    Eine Diskussion mit dem Oberarzt, der stimmt mir völlig genervt zu, dass es wirklich keinen Grund gibt weshalb ich noch hier bleiben soll und ich darf heim, obwohl es nicht üblich ist 2 Tage früher heimzuwollen.
    Oberarztzitat: wären nur alle Patienten so wie sie

    Ja, dann ginge es etwas hygienischer zu.

    Fazit: mündige Patienten, Kunden, verwirren Krankenhäuser
     
  2. Nemo(w)

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    ich verschlang mit meinen gedanken deine geschichte.....danke-->har sich gut gelesen und regt zum nachdenken an, zum 2. tut mir leid für dich dieses wirrwarr durchgemacht zu haben......
     
  3. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Nemo,

    ich fand es sehr spannend das Krankenhaus mal aus einer anderen Perspektive zu sehen, ansonsten hätte ich nie gedacht, dass "WIR" (Krankenschwestern) so sein können.
    Es hat mich auch zum Nachdenken angeregt und ich versetze mich mehr in die Patienten hinein, obwohl ich sicher noch nie so extrem war.

    Böse waren sie ja nicht, nur es sind halt so eingefahrene Strukturen und keiner denkt nach.

    Böse war nur die Stationsleitung, aber die geht sicher irgendwann in Pension.

    Ich habe es gut überlebt, auch die Metallentfernung und bin wieder zu früh nach hause gegangen, aber würde ich die Geschichte noch schreiben, dann wäre der Artikel zu lang geworden.

    CU
    Narde
     
  4. annekem

    annekem Newbie

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    wahnsinn, hilfe, wie schnell man vergisst, dass der mensch vor mir auch noch eine eigene meinung hat, und einen mund um zu sagen, was er will.
    sorry, ich möchte mich für die anderen schwestern (und mich selbst?) entschuldigen, sicher hat sich jeder pflegende schon mla irgendso ein ding geleistet, natürlich ohne es böse zu meinen, wahrscheinlich ohne es zu merken...
    warum schickst du den bericht nicht mal an die stationen, annonym natürlich. ohne namen zu nennen, vielleicht bekommt eine dieser schwestern das auch in die hand und fängt an nachzudenken?
    grüßle von schülerin anne
     
  5. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Anne,

    vielleicht ist eine der Schwestern ja auch in dem Forum und liest es?

    Ich habe übrigens mal versucht mit den Schwestern hinterher zu reden, denen ist es überhaupt nicht aufgefallen:thinker: wie sie mit Patienten umgehen - Nennt sich wohl Alltagstrott.

    Übrigens seit ich nur noch zu 25% auf einer Intensivstation und 75% in einem Klinikprojekt arbeite, fällt mir auch auf meiner Station einiges mehr auf als vorher.

    Versuch mal die KollegInnen auf so etwas anzusprechen :daumen: .

    Schönen Abend noch
    Narde
     
  6. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    Hallo narde,

    es scheint tatsächlich so zu sein, dass Dir einiges nicht auffällt wenn Du in "der Mühle Stationsalltag" bist......

    Während meiner Ausbildung in einem somatischen KH ist mir auch nur zu Anfang der etwas "rüde Umgangston" der examinierten aufgefalle.

    In der Psych. (nach dem Examen) ist es es ein viel Patientenorientierteres Arbeiten.



    Naja....nun bin ich - im Rahmen meiner Kinästhetiktrainerausbildung- ab und an mal auf Station.....:roll:

    Finde ich teilweise nicht so witzig, was ich da sehe. Auch haben viele völlig falsche Vorstellungen bezüglich der Kinästhetik.....es wird nicht als Chance zum ressourcenorientierten und Patientenbezogenen Arbeiten gesehen sondern eher als die "ich habe mal eine Technik gelernt und wende die jetzt imer so an ......hau-ruck aber rückenfreundlich" gesehen.
    :angry:

    Versucht man dann zu erklären, dass es darum geht den individuellen Weg für den Einzelnen zu finden, kommt bloss : "Keine Zeit".
    (Obwohl....es ist schon ein Phänomen. Im Zimmer beeilen die sich....auf dem Flur geht man dann wieder einen Schritt langsamer....*g*)

    Die Erwartungen an mich sehen so aus:
    " Komm auf Station.......vollbringe - möglichst schnell- ein Wunder....und dann geh ins nächste Zimmer"
    :lol1:

    Ich möchte damit sagen, dass mir - so als Aussenstehende - der Alltagstrott einer Station deutlich mehr aufällt als den Leuten, die da arbeiten...
     
  7. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Lillebrit,

    das Thema keine Zeit bekomme ich auch immer zuhören, bei meine Gastspielen.

    Komischerweise habe ich diese Zeit schon, da es auch nicht länger dauert, ich aber hinterher einen entspannteren Patienten habe, der mir dadurch wieder Zeit spart.

    Gerade im Intsivbereich, wo ich jede Menge Überwachung habe, kann ich es gut nachverfolgen.
    Nun investiere ich mal 10 Minuten für den Patienten, mache etwas nur für ihn, dann ist dieser hinterher deutlich entspannter, ruhiger.

    Ich habe schon durch diversen Techniken (beruhigend ausgestrichen, Handmassage), erlebt, dass die Frequenz von 200 auf auf 120 gefallen ist, ohne Medikamente oder die Sättigung wieder hoch ging.

    Wieviel Zeit brauche ich um ständig die Alarme zu quittieren, wieder Medikamente geben usw.

    Also für mich zählt der Zeitfaktor nicht!

    LG
    Narde
     
  8. Ute S.

    Ute S. Stammgast

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    Hallo,

    ja, ich denke so ein Perspektivwechsel tut immer ganz gut. Hatte auch mehrmals das "Glück" Pflege aus Sicht des Patienten zu erleben. Habe ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht, seltener, dass ich als selbständiger Mensch wahrgenommen wurde. Die eher schlechteren Erfahrungen habe ich in Deutschland gemacht. Hier in der Schweiz habe ich eigentlich, bis auf die Tatsache, dass ich mal halb kollabierend in der Toilette eine Ewigkeit warten musste und ich mich dann selbst wieder in's Bett geschleppt habe, gute Erfahrungen gemacht. Sehr Patientenorientiert. Muss dazu sagen, dass es in einem Privatspital war. Diese Situation hat aber dazu geführt, dass ich versuche, den Patienten als seinen eigenen "Spezialisten" zu sehen und nur wenn es wirklich diametral verquert läuft eingreife. Ich versuche den Patienten über meine Handlungen aufzuklären und auf seine Wünsche und Vorstellungen wenn möglich einzugehen. Es ist mir allerdings bewusst, dass ich damit sehr oft gegen den Strom schwimme und öfters auch bei meinen Kolleginnen anecke.
    Was ich in dieser Hinsicht immer als sehr positiv erlebt habe, war unser Bezugspflegekonzept und die Übergabe am Bett. So haben sich die Patienten ernst genommen gefühlt und waren deutlich mehr compliant. Funktioniert natürlich nur, wenn die Patienten klar sind und nicht dement, dann wurde die Pflege mit den Angehörigen besprochen und diese z.T. auch mit einbezogen (Duschen usw.)

    Ich merke auch, dass ich zwischendurch wieder in den Alltagstrott reinfalle, besonders wenn viel los ist und wir knapp an Pflegenden, versuche mich aber dann wieder zurück zu nehmen, wenn mir das auffällt.

    Gruss

    Ute S.
     
  9. Cookie

    Cookie Newbie

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    Hallo!

    Ich habe schon sehr oft im Krankenhaus gelegen. ich kann nur sagen, ich fühle mit dir.
     
  10. Electronica

    Electronica Junior-Mitglied

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    Hallo!

    Irgendwie konnte ich mir das Lächeln nicht verkneifen, obwohl man eigtl. heulen sollte.
    Bin jetzt den 3. Tag auf der Gyn im Allgemeinhaus, am 1. Tag war es für mich noch eine große Umstellung, "klare" Pat. zu pflegen, denen man das Thermometer geben kann, die quasi selber messen...

    Dort ist mir aufgefallen, dass die Schwestern einen sehr rüden Umgangston haben, viel quatschen (zB. bei den Wöchnerinnen, das könnte ich garnicht auf einmal behalten). Ohne Punkt und Komma, dann noch in schlechtem Deutsch und alles ist irgendwie unorganisiert...

    Gerade dort, wo es auf Beratung ankommt, sollte man doch sehen, dass die Pat. viel mitnimmt, und sehen, dass es verständlich ist. seltsam.
    Oder sie sind nur kurz angebunden und unfreundlich.
    Naja, viell. liegts an meiner nichtvorhandenen Berufserfahrung, dass ich irgendwie empört darüber bin..
     
  11. Jumanji

    Jumanji Senior-Mitglied

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    Hallo!

    Der Bericht ist zwar schon etwas älter, aber so ähnlich habe ich es leider auch mal erlebt. Ich glaube, seitdem bin ich eine "scheußliche" Patientin. Ich habe schon jetzt wieder Mitleid mit dem Pflegepersonal, was mich im Krankenhaus betreuen muss, wenn ich mal wieder rein muss. Wenn ich da bin, quengel ich immer gleich los "ich will wieder heim", wenn man mich hungern lässt, bin ich unausstehlich. Stört jemand meinen Nachtschlaf, mutiere ich zur Zicke, aber ansonsten versuche ich generell trotz Störungen verträglich zu sein.

    Ok, nun zu meinem Krankenhausaufenthalt. Bin notfallmäßig in der Ambulanz aufgeschlagen, weil Bauchschmerzen - sehr rechtslastig, ich selber fürchtete - akute Appendizitis. Bin aber nicht mit der Türe ins Haus gefallen, sondern habe erstmal nur von Bauchweh gesprochen. Die Maschinerie setzte sich in Gang. Untersuchungsmarathon, Blutabnehmen, Urinkontrolle, Gyn-Konsil (gut, da hatte ich die Bedingung, nur ne Frau), danach dann.... ne der Blinddarm ist das nicht, die Entzündungswerte sind in Ordnung. Naja, erstmal zur Beobachtung dageblieben. Das Wochenende stand ja unmittelbar vor der Türe. Essen durfte ich nicht - stand mir auch nicht wirklich der Sinn nach. Bis morgens um 4 ausgehalten, dann nach nem Schmerzmittel gefragt. Naja, da hieß es dann, sie dürfen keins, bevor der Arzt da war. Um 10 Uhr ist mir dann der Kragen geplatzt, weil immer noch kein Arzt in Sicht und ich hab den roten Klingelknopf entdeckt und Ärger gemacht. Untersuchungsmarathon zwei. Ultraschall, BE, Urol. Konsil (der Urologe.. boah, dass ist typisch Blinddarm). Abführmaßnahmen, Kontrastmittelröntgen wegen V. a. Ileus. Schmerzmittel tatsächlich um 14 Uhr Novalgin i.v.! Endlich Erleichterung - leider nicht lange.. mit einem Mal Atemnot, Ausschlag, jucken und Kribbeln an Händen und Füßen, Schwindel - Dumm... mein Asthmaspray im Schrank und nicht greifbar. Infusion sofort abgedreht und geklingelt. Puuh, der Dok wurde ausnahmsweise mal schnell. Hab dann Novalgin gestrichen bekommen, wurde angemeckert, was mir denn einfiele die Infusion abzudrehen. Fenistil i.v. und mein Asthmaspray halfen dann zum Glück recht schnell. Weiterhin.. Der Blinddarm kann es nicht sein, die Blutwerte sind in Ordnung. Novalgin dürfe ich zu Hause ruhig als Tabletten oder Tropfen nehmen, die Reaktion habe an der hochdosierten Infusion gelegen (O-Ton Oberarzt Chirurgie) :gruebel::kloppen:. Diesen Ratschlag hab ich mal fleißig ignoriert. Montags Chefarztvisite. Der Dok meinte.... der Blinddarm könne es nicht sein, urologisch und gynäkologisch ist ja auch alles o.B.. Wären sie damit einverstanden, wenn wir mal einen Neurologen hinzuziehen? Natürlich, alles, was hilft mach ich mit. Nachmittags hatte ich dann einen überaus netten Psychiater am Bett stehen, der mich allerlei Sachen fragte - auch ob ich Stimmen höre und anschließend feststellte.. also ich vermut mal, es ist der Blinddarm! Er schrieb mich psychiatrisch und psychisch gesund und hat auf seinem Konsiliarschein erwähnt, dass es vermutlich doch ne Appendizitis ist. Die Chirurgen am nächsten Tag in der Visite. Also, der Blinddarm kann es nicht sein, die Entzündungswerte sind nach wie vor normal. Entweder wir entlassen sie jetzt oder wir holen den Donnerstag auf Verdacht einfach raus und gucken wat passiert. Ich hab mich dann für die OP entschieden aber drauf bestanden dabei ne diagn. Laparoskopie zu machen, falls vielleicht was anderes dahintersteckt.
    Am Abend vor der OP kam die Nachtschwester rein, bewaffnet mit Klinikhemd, Einmalslip und DK-Set. Ich frag... warum DK. Ihre Antwort "Wenn der Doktor morgen am Bauchnabel mit dem Skalpell den Schnitt macht, dann kann der ihre Blase verletzen!" :gruebel: Meine Blase liegt nicht wirklich unterm Bauchnabel. Meine Rückfrage, ob man den DK nich im OP legen könne, weil dann schlaf ich ja, wurde verneint, das ginge nicht, der müsse am Tag der OP auf Station gelegt werden. Ich hab das ganze am nächsten Tag mit dem Stationsarzt geklärt und legen im OP war kein Problem. Zum Dank bekam ich statt 12Ch einen 16Ch DK. Unterhose durfte ich post-OP auch nicht anziehen. "Da bekommen sie eine Blasenentzündung, weil dann der Schlauch abknickt". Gut, selbst ist die Frau und der Beutel hing zum Glück in Reichweite. Mobilisation am nächsten Morgen fand trotz meines Hinweises, dass mir im Sitzen schon schwindelig ist, statt, weil "Sie müssen jetzt ums Bett laufen". Wollte es nur auf etwas später verlegen, bis sich nicht mehr alles dreht. Vom Rückweg ins Bett, weiß ich nichts mehr, da ich dem Stationsdrachen doch überraschenderweise kollabiert bin. Waschen fiel erstmal aus, bis ich meinen Kreislauf wiedergefunden hatte. Die Bitte, mir zumindest die Zähne putzen zu dürfen, wurde ignoriert. Am 2. PostOP Tag, war ich dann aber wieder so fit, dass meine Bettnachbarin, die zum Waschen immer ins Bad geschoben wurde wegen Knie-TEP, von mir den Rücken gewaschen bekam. Das Pflegepersonal hatte das nicht nötig ihr weder Füße noch Rücken zu waschen und das schon eine ganze Woche nicht. An die Füße kam ich bei ihr nicht dran. Die endgültige Diagnose des Arztes lautete dann bei mir doch.... akute Appendizitis. Boah.. bin ich froh, dass das Teil raus ist und nach der OP hatte ich bis auf ein bisschen Wundschmerz keine Schmerzen mehr.

    Resumee: Hoffentlich werde ich niemals so eine zickige und unfähige Schwester, wie ich da erlebt habe.

    Zum Glück hab ich auch andere Krankenhausaufenthalte erlebt, wo das Pflegepersonal und Ärzte "erste Sahne" waren.

    LG Jumanji
     
  12. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Ui jo der Thread ist wirklich schon uralt, aber trotzdem sehr lesenswert.

    Ich gehöre auch zu denjenigen, die tolle Erlebnisse hatte. Ich erspare die Details. Die damaligen Erlebnisse haben aber immerhin dazu geführt, dass ich mein 2. Kind ambulant, mit eigener Hebamme entbunden habe. Beim 1. Kind endete es leider in einem Kaiserschnitt der an sich gut verlaufen ist. Allerdings alles was danach kam war einfach nur ein Trauerspiel. Seitdem leide ich unter einem extremen Fluchtreflex wenn ich nur das Wort Krankenhaus höre ;)
     
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