Patient nach Reanimation verstorben - wie kann man das verarbeiten?

mickystar

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hallo,

ich bin seit 3 jahren examiniert und habe jetzt meine erste richtige reanimation durchführen müssen. erfolgreich, aber doch sehr erschütternd für mich. der patient ist leider kurz darauf verstorben (noch beim transport ins akut-krankenhaus). ich arbeite auf einer frühreha-station. der patient war quietschfidel und das ganze kam urplötzlich. wie sind eure erfahrungen diesbezüglich? wie kann man so etwas gut verarbeiten?

freue mich über eure kommentare und hilfen!
liebe grüße
micky:nurse:
 

Rothweiler

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Hi Michystar,
jede Reanimation die man mitmacht ist hart. Oftmals mitentscheidend bei der Verarbeitung ist, wie die Rea gelaufen ist. Ob alles geklappt hat, oder ob es Probleme gab.
Vielleicht hast Du die Möglichkeit mit Kollegen, die beteiligt waren nochmals darüber zu sprechen. Vor allem was dich dabei so bewegt.
Außerdem hilft es immer, wenn ihr die Möglichkeit hättet 1-2 Mal pro Jahr an Reanimationstrainings teilzunehmen. Das vermittelt extrem viel Sicherheit, und kann zu Beginn einer Rea durch bedachtes Arbeiten unheimlich viel Ruhe in so eine Situation bringen.
Gruß, Rothweiler:up:
 

Moni

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Hey,

wir haben 2 mal im jahr reanimationsfortbildung. trotzdem hätte ich große angst vor fehlern oder evtl. unsicherheiten in so einem notfall. ich arbeite auf einer chirurgischen station, bei uns kommt so gut wie nie solch ein notfall vor. ich habe selbst noch nie so etwas mitgemacht.
toi, toi, toi, hoffe bleibt auch so!

schöne grüße :wavey:
 

nightshade

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Hallo.Ja,so etwas ist nicht so einfach.Wie bereits gesagt wurde,ist natürlich das Training sehr wichtig.Aber auch bei der "Besten"Rea,kann ein Mensch versterben.Das kann man einfach nicht immer verhindern.Tja,wie geht man damit um?Denke,wenn es Dich allzusehr beschäftigt,arbeite es auf.Mit Kollegen oder Freunden.Reden kann gut tun.Man sollte sich nur bewusst werden,das das immerwieder vorkommen kann.Da braucht man unbedingt eine Strategie.Und das man manchmal einfach den Kittel nach der Arbeit ausziehen sollte und wie den Kittel das meiste auf der Arbeitsstelle lassen.....Leicht gesagt,aber mir hat das meistens geholfen.Ausgleichssport finde ich auch sehr wichtig!
 

Manuel

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Nach einer belastenden Situation, wie einer Reanimation, kann es hilfreich sein mit unbeteiligten Kollegen zu sprechen, aber auch mit einem anderen Menschen, dem man vertraut und dem man seine Gefühle mitteilen kann. Oft ergibt sich auch später ein Gespräch, unter den an der Reanimation Beteiligten, gerade wenn der Patient verstorben ist. Um bei einer Reanimation handlungsfähig zu sein ist es sinnvoll, dass man selbst das Ablaufschema einer Rea verinnerlicht hat. Jeder Handgriff muss sitzen, das kann man selbst hin und wieder im Kopf durchspielen. Dann entgleitet die angespannte Situation, im Falle eines Falles, nicht noch zusätzlich in ein unüberschaubares Chaos, bei dem jeder etwas tut, aber unkoordiniert oder falsch. Nach solchen Reas quält einen der Gedanke "Wir hätten vielleicht doch noch helfen können", zu Recht. Bei einer Rea versucht jeder sein Bestes zu geben, aber nicht jeden kann man durch jedwede Bemühungen wiederbeleben, das sollte man sich immer vor Augen halten.:|

ciao

Manuel
 

Lichtenberg

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Hallo Micky!

Führe Dir auch vor Augen, dass Du alles dafür getan hast, den Patienten zu retten; Du hast ja geschrieben, dass die Reanimation erfolgreich war. Was nun weiter passiert, liegt einfach nicht in unserer Hand.

Aber Du hast getan, was in Deiner Macht stand und darauf kannst Du Stolz sein.

Kopf hoch!

Liebe Grüße,
Lichtenberg
 

Schwester S*

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Hi Micky,
wie jetzt schon öfter erwähnt, ist eine Reanimation nie so leicht wegzustecken.
Ich hatte meine erste Reanimation als Praktikantin!! Es kam auch bei der Patientin völlig unerwartet und ich habe es auch nicht leicht verarbeiten können..ich hatte ja auch von nix ne Ahnung.
Nun bin ich Oberkursschülerin uns hatte schon einige Reanimátionen durchgemacht, nur leider sehr wenige erfolgreich!

Mir hat mein Einsatz auf einer Früh-Reha Station sehr geholfen...dort habe ich so viele Menschen Z.n. Rea gesehen.. deren Leben nun wirklich nicht merh schön ist...sie sind ewig auf Hilfe angewiesen und nicht wenige leiden unter einer Hypoxie, welche ihr Leben und vor Allem ihr Bewusstsein stark einschränkt= kompletter Pflegefall.

Seitdem weiss ich, dass nicht jede Reanimation die erfolgreich war, ein wirklicher Erfolg für den Patientin ist, das ist leider selten so (behaupte ich jetzt mal)

Manchmal hilft es auch einfach, mit seinen Kollegen ein Gespräch darüber zu führen oder eine Supervision zu besuchen.

Ausserdem sind wir auch nur Menschen, und können leider keinen Gott spielen, es kommt so, wie es kommen soll.

Liebe Grüße



 

doreen

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hallo micky,

wichtig ist, dass du herausfindest, was für dich am schlimmsten an der situation im nachhinein war. der tod allein oder das drumherum oder weil du den patienten gemocht hast...ich habe jeden tag mit sterben zu tun. hatte am anfang probleme, damit umzugehen, wenn eine 23 jährige frau stirbt. ich versuche eine gewisse distanz zu halten zu den patienten. ich denke, auch im umgang mit tod und sterben braucht man eine gewisse erfahrung, die man mit der zeit bekommt.

supervisionen, fallbesprechungen o.ä. sind sehr gut, um das thema noch mal in ruhe zu besprechen. vielleicht geht es ja anderen ähnlich wie dir.

lg doreen
 

michiko

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Wir sind keine Maschinen - nur auf Funktion getrimmt. Wir sind Menschen, denen Gefühle eigen sind. Weil der Tod, genau wie die Krankheit, keine natürlichen Vorgänge sind, sondern einschränkende (Krankheit) und abschließende (Tod) gegen die eigentliche Vorsehung (Leben ohne Ende), werden wir auch immer wieder damit hadern, wenn wir die Unterlegenen gewesen sind. Klar, man kann auch eine Mauer aufrichten, sich distanzieren. Das geht aber nur, solange es fremde Menschen betrifft. Bei Angehörigen oder sich selbst ist das fast unmöglich.

Schmerz ist erlaubt. Fragen ist erlaubt. Auch Hadern ist erlaubt. Solange daraus die richtigen Konsequenzen gezogen werden, sind sie sogar hilfreich. Bäumen wir uns aber dagegen auf, werden wir schnell ungerecht. Und in die Ungerechtigkeit werden oft Mitmenschen mit hineingezogen (warum muß ausgerechnet mir das passieren, konnte das nicht den oder jenen treffen) oder auch Gott (wenn es einen gerechten Gott gäbe, warum läßt er das zu). In den seltensten Fällen aber stehen wir zu unserer Verantwortung als Menschen für diesen Zustand. Noch seltener sind wir bereit, daraus die Konsequenzen zu ziehen und unser Leben zu ändern.

Wir geben anderen die Schuld, damit alles am Ende so bleibt, wie es ist. Doch immer ist es so, daß wir unsere Ohnmacht vor Augen geführt bekommen. Da hilft es auch nichts, daß wir uns einreden, wir sind die größten. Der weise Salomo sagte einmal: Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, damit wir klug werden. Ich glaube, das gilt auch noch im 21. Jhdt. n. Chr.

Johannes
 

Lissimail

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Hallo!!!
Ich kann deine Gefühl verstehen!!! Ich bin zwar erst Schülerin im Anfang des 3 Jahrs, habe aber schon 4 Reas mit gemacht!! Nach den ersten 2 war ich auch sehr betroffen, ich habe mich dann mit einen langjährigen Intensivfachpfleger unterhalten und der gab mir einen Tipp und zwar erstmal mit den anderen kollegen auf station reden und wenn die nächste Rea kommt das "emotional" zurück zustellen!! und bei der rea nicht darüber nachdenken!!! Ich habe ihn auch erst für verrückt gehalten aber es klappt!! Und vorallem ist man dann auch viel ruhiger!! und kann auch klarer denken und sein handeln koorordinieren!!

LG LISSI
 

chicagogurl

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Hallo,
ich arbeite in einer onkologischen rehaklinik.selten ist es bei uns das wir rea´s durchführen müssen.
am donnerstag hatten wir eine die leider erfolglos war....... das ist eine belastende situation und ich war froh das wir uns mit der einen ärztin und den beteiligten schwestern am abend nochmal getroffen haben um darüber zu reden. danach ging es mir und den anderen auch besser.
wichtig ist ein team in dem man über solche eregnisse reden kann......
ich habe immer wieder feststellen müssen das man wenn man solch einen notfall hat, das alle handgriffe sitzen, aber auch nur weil wir jedes jahr gute rea fortbildungen machen.
 

heriion

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Ich finde es schwer, über eine Rea zu sprechen.
Bei uns stirbt durchschnittlich pro Woche mindestens 1 Person. Oft sind es 3 Personen in 3 aufeinader folgenden Tagen. Nennt es Aberglauben aber mir scheint es ist ein Gesetz.
Nicht immer wird reanimiert. Oft wird Eine DNR "ausgehandelt". Da wo reanimiert wird entscheidet das Alter des Pat. über mein Zustand nach der Rea.
Ich hab selten Junge Pat reaniemiert, das hat dann aber voll eingeschlagen. Danach gehe ich auf eine lange Wanderung/Berggehen, wo ich meine Gedanken wieder ordnen kann. Da kann ich jeden Schritt nochmal durchgehen.
Bei Pat mit mehrfachen Erkrankungen und sehr hochen Alter, erlebe ich den Tod nach der Rea. ganz anders. Irgend wie Gottgegeben. Da reicht es den Notfallwagen wieder zu richten um seine Gedanken zu ordnen.
Entscheidend ist, das die Rea glatt verlaufen ist.
 
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Hallo alle zusammmen,

ich arbeite in einer zentralen Notaufnahme und ich sehe sehr viele Reanimationen, besonders in diesem Sommer war es unglaublich schlimm.
Ich bin zwar schon 3 Jahre in der ZNA tätig habe aber immer noch Angst vor jeder Reanimation die kommt.
Wenn mal wieder ein Anruf von der Leitstelle kommt:"Patient mit kardio-pulmonaler-Reanimation", beginne ich sofort am ganzen Körper zu zittern.
Meine Herzfrequenz steigt, ich habe das Gefühl mir kommt das Herz aus dem Hals geschossen, ich habe meine Finger nicht mehr so recht unter Kontrolle, mir wird schwindelig und auch ein wenig schlecht.
Aber so bald der Patient dann im Schockzimer liegt und man anfängt zu drücken, geht irgendwie alles von alleine. Man läuft dann wie eine Maschiene.
Leider versterben ja viele Patienten noch im Schockzimmer und darüber denke ich dann noch tagelang nach. Was mir bei uns gut gefällt, wir besprechen es im Team und dann geht mir meist schnell wieder besser.
Was ich allerdings ganz grausam finde sind Notärzte die multimorbide und sehr alte Patienten reanimieren. Ich denke diese Ärzte klopfen sich dann im Nachhienein auf die Schulter und sagen sich:"Ich habe es mal wieder geschafft, ich bin ein so toller Hecht."
Wenn auf über 90-jährigen noch umhergedrückt wird dann stehe ich daneben
und denke im Stillen so bei mir:" Sie haben es gleich geschafft, sie haben das LEben gleich überwunden."
Es gibt sicherlich Leute, die dass jetzt nicht verstehen können, aber es ist meine Meinung und die vertrete ich auch.
Ich bin der Meinung, dass das Leben irgendwann mal zu Ende ist und dass man diese alten Leute dann auch in Ruhe lassen sollte.
Was ich aber besonders schlimm finde, wenn gleichaltrige dort auf diesem Bett liegen und sie es nicht schaffen, das ist hart.

Also was immer hilft, reden, reden, reden, sowohl mit dem TEam als auch mit Freunden und Familie.
Ich schreibe nun schon seit 3 Jahren alles auf, was mich dort so bewegt und das ist eine Menge.

CIAO
 

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