Patient ist palliativ und weiß es nicht!

Dieses Thema im Forum "Leben und Tod im Krankenhaus, Umgang mit Sterbenden" wurde erstellt von Lina87, 23.03.2012.

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  1. Lina87

    Lina87 Junior-Mitglied

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    Hallo!
    Ich war heut völlig geschockt als ich von einem Pat. in meinem Bereich gehört habe....
    Der Pat. ist Baujahr 56 (glaub ich), auf jedenfall noch nicht alt. Sein ganzer Bauch ist voller Tumore und er ist definitiv palliativ.
    Das schlimme: Er weiss es nicht !!!! Weil die lieben Angehörigen nicht möchten das er es erfährt. Der Patient ist aber völlig fit im Kopf. Und die Ärzte verschweigen ihm das tatsächlich weil die Familie es so möchte!?
    Das kann doch nicht rechtens sein?!?!?!? Jeder Mensch hat doch ein Recht darauf zu wissen, dass er bald sterben muss oder nicht?
     
  2. Marty

    Marty Poweruser

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    Hallo, Lina,

    das klingt ein bißchen so, als ob du den Angehörigen einen Vorwurf machst. Kennst du sie und die Verhältnisse in der Familie? Ich bin ein Mensch der so eine Diagnose wissen wollen würde, aber ich kenne genug, die davor die Augen verschließen möchten. Ja, es gibt irgendwie ein Recht darauf, das ein Mensch prinzipiell die Wahrheit erfährt, aber in diesem Fall wissen die Angehörigen es vielleicht besser, das der Patient jetzt besser zurechtkommt, in dem die bittere Wahrheit nicht offen ausgesprochen wird. Und vielleicht ahnt er es ja selbst schon. Und vielleicht kommt ein besserer Zeitpunkt, wenn die Angehörigen diese Schockdiagnose etwas mehr an sich ranlassen können. Ja ich weiß, die Zeit...
    Was ich eigentlich sagen will, man hüte sich vor vorschnellen Beurteilungen der persönlichen Situation von Patienten und deren Angehörigen.

    Gruß, Marty
     
  3. Uwe81

    Uwe81 Newbie

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    Hallo,

    ich denke jeder Patient muss vollständig über seine Krankheit aufgeklärt werden. Nur dann kann er den Rest seines Lebens planen. Selbst wenn er es nur schwer verkraften würde.
    Da gibt es dann auch Seelsorger oder Psychoonkologen, die helfen könnten. Vielleicht warten die Ärzte noch auf irgendwelche ausstehende Untersuchungsergebnisse. Sie können es ihm jedenfalls nicht vollkommen verschweigen.
     
  4. Bachstelze

    Bachstelze Poweruser

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    So etwas habe ich am Anfang meiner Ausbildung erlebt. Die Patientin starb im Glauben, sie hätte "irgendwas mit dem Kreislauf" und verstand überhaupt nicht, warum es ihr so schlecht ging.
    Die Patientin war noch jung, Mitte 40 und ich war und bin fassungslos, das ein Mensch, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. volljährig und mündig aufgrund seiner Angehörigen nicht über seine Erkrankung aufgeklärt wird.
     
  5. thorstein

    thorstein Poweruser

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    So leid es mir tut, aber vielleicht hat ja der Patient auf die Aufklärung verzichtet. Das darf er nämlich schon und kommt gar nicht so selten vor. In manchen Ärztehirnen gibt es das sogenannte therapeutische Privileg der Nichtaufklärung. D.h. der Arzt glaubt zu wissen, das dem Patienten die Diagnosestellung nicht zuzumuten ist. Vgl. dazu:
    https://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/zblchir/doi/10.1055/s-2000-10059
     
  6. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Will der Patient die Diagnose wissen? Dann darf der Arzt sie ihm, rechtlich wie moralisch, nicht verschweigen. Auch wenn die Angehörigen dies anders sehen.
     
  7. calypso

    calypso Stammgast

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    Wieso wissen denn die Angehörigen Bescheid? Oder war es mit dem Patienten vereinbart, dass seine Angehörigen informiert werden dürfen?
     
  8. Lina87

    Lina87 Junior-Mitglied

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    So seh ich das auch. Es weiss doch keiner, ob jemand vor seinem Tod noch etwas klären möchte, mit jemandem reden noch etwas erledigen wie auch immer.
    Aber nein....die Ärzte warten auf keinen Befund.
     
  9. Lina87

    Lina87 Junior-Mitglied

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    Vollkommen richtig.
     
  10. eiermatz

    eiermatz Senior-Mitglied

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    Die Patienten wissen doch meistens genau bescheid, wollen die Angehörigen schonen oder vermeiden, dass sie schon als Todgeweihte, anders behandelt werden als normal.Jeder geht da wohl anders mit um, ich wäre jemand, der das wohl auch nicht gesagt bekommen wollte.
     
  11. Hypertone_Krise

    Hypertone_Krise Poweruser

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    Ich habe solange wie ich als GuK arbeite noch NIE erlebt,dass ein Patient seine Diagnose , bzw. Prognose NICHT wissen wollte- unabhängig davon, dass es immer wieder Angehörige gibt, die meinen, ihn ( bzw. sich selbst ) schonen zu müssen.
     
  12. Schwester.S.

    Schwester.S. Junior-Mitglied

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    Ich finde es nicht in Ordnung , mit der Familie müsste kommuniziert werden - oder das ethik Kommite dazu gezogen werden , denn der Pat. hat ein recht auf seine Diagnose !
     
  13. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Würde der Patient die Diagnose lieber nicht wissen, so hat er auch ein Recht darauf, dass Ärzte und Pflege ihn nicht aufklären. Nur ist dies die Entscheidung des Patienten und nicht der Angehörigen.

    Die Familie meint es nicht böse; sie denkt, es sei besser so. Von daher wäre es nicht gut, sie einfach über den Haufen zu fahren. Das Warum der Aufklärung sollte mit ihr kommuniziert werden - wenn es jetzt schon so unglücklich gelaufen ist und die Angehörigen vor dem Patienten Bescheid wussten.
     
  14. BamBamsche

    BamBamsche Poweruser

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    Also ich weiss ja nicht, aber ich habe noch nie erlebt, dass die Angehörigen vor dem Patient über die Situation aufgeklärt wurden (sofern der Pat nicht komatös, total dement oder sonstwie nicht mehr im Besitz seiner geistigen Kräfte war). Normalerweise MUSS der Pat zuerst aufgeklärt werden, denn sonst verstößt man gegen den Datenschutz. Klar, wenn der Pat die Einverständniss gibt, dass Angehörige informiert werden dürfen, kann man das ja auch machen, aber man redet doch zuerst mal mit dem Betroffenen selber oder? Warum ist das bei euch nicht so gelaufen?
     
  15. -Claudia-

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    Das machen eben leider nicht alle Ärzte so. Und hier ist das Kind nun schon mal in den Brunnen gefallen.

    Meistens ist es doch so, dass die ersten Gespräche, während der Diagnostik, schon mit Patient und Angehörigen geführt werden. Zumindest der Partner wird meist vom Patienten selbst mit einbezogen. Dann wird der Patient beispielsweise untersucht oder operiert, ist noch nicht wieder voll da, aber die Ergebnisse haben wir schon und der Angehörige fragt danach. Der Patient hatte bisher nichts dagegen, dass die Familie Bescheid weiß, also kann ich davon ausgehen, dass ich die Familie auch jetzt einweihen darf. Meiner Meinung nach zumindest.

    Das gibt der Familie allerdings nicht das Recht, den Patienten zwangsweise im Unklaren zu lassen.
     
  16. Jlo

    Jlo Junior-Mitglied

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    Leider so ein Erfahrung habe ich selbst gemacht:
    Patient und die Angehörigen ohne Aufklärung, ohne richtige Diagnostik, ohne Einwilligung. Wäre der Patient wenigstens palliativ? Aber das ist sogar nicht der Fall.
    Sedierung wurde nur durch Arzt entschieden, ohne jegliche Aufklärung und Einwilligung der Pat. die Angehörigen oder Betreuers.
    Sediierung erfolgte durch Pflegepersonal ohne Arzt, ohne Vitalkontrolle, ohne Monitoring und ohne überprüfung ob der Pat. so möchte.
    Nach 20 min. wurde der Pat.ins Jenseits geschickt.
     
  17. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich wäre sehr vorsichtig mit solchen Aussagen. Du schilderst hier einen strafrechtlich zu verfolgenden Strafbestand- aktive Sterbehilfe.

    Elisabeth
     
  18. Jlo

    Jlo Junior-Mitglied

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    Danke Elisabeth, das hast du gut erkannt. Schade nur das Ärzte das nicht erkannt haben.
     
  19. BamBamsche

    BamBamsche Poweruser

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    Wenn aber du anscheinend sowas erkannt hast, warum hast du dann nicht gehandelt? Und die entsprechenden Leute angezeigt? Meinst du nicht, dass es deine Pflicht wäre, bei sowas zu handeln anstatt dich hinterher in einem Forum darüber auszulassen?
     
  20. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es so abgelaufen ist. Palliative Sedierung ohne Monitoring - kein Thema, machen wir oft. Aber ohne den Hauch einer Diagnose? Sehr unwahrscheinlich. Du verzichtest bei weit fortgeschrittener Erkrankung vielleicht auf die Tumorsuche - weil's dann auch keinen Unterschied mehr macht, woher genau die Metastasen stammen - aber aus Jux und Dollerei bekommt kein Patient Midazolam.

    War es wirklich eine palliative Sedierung oder nur eine einmalige Gabe von Schmerzmitteln? Denn bei der kann ich durchaus vom mutmaßlichen Willen ausgehen. Und keins von beidem schickt einen Patienten "ins Jenseits". Jedenfalls nicht bei den Initialdosen, die ich kenne.
     
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