Palliativ-Fortbildung?

Severin

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Hallo zusammen,

ich hab da mal wieder eine Frage, die mich jetzt seit ein paar Tagen beschäftigt.

Unsere PDL macht zur Zeit eine Palliativ-Fortbildung (oder wie immer man das jetzt auch nennen mag), da unser ambulanter Dienst plant, sich in Zukunft auf dem Gebiet der ambulanten Sterbebegleitung zu spezialisieren. Da wir auch bereits mit einem stationären Hospiz zusammen arbeiten, ist auch eine ambulante Sterbebegleitung gar nicht mal so dumm.

Jetzt hat mich die Cheffin angesprochen, ob ich nicht auch Interesse an einer solchen Weiterbildung hätte. Von der Ausbildung her würd sich das ja anbieten ihrer Meinung nach, außerdem könne sie sich das für mich gut vorstellen.

Ich dagegen zweifel noch etwas. Einerseits wäre es eine Herausforderung irgendwo, den Menschen ein würdiges Sterben zu ermöglichen. Ich denke auch, dass ich die nötige "Sensibilität" besitze ... aber andererseits weiß ich nicht, ob ich das selbst so gut wegstecken kann bzw. ob es eine Aufgabe wäre, die ich auf Dauer bewältigen kann.

Klar, ich "tue etwas gutes", ich helfe den Sterbenden. Für uns gäbe es natürlich auch die Möglichkeit zur Supervision etc ... aber ich kenne mich, ich weiß, dass ich schon beim Gedanken daran, dass mir vertraute Patienten sterben, irgendwie anders wird.

Eine Weile würde das sicherlich gut gehen ... aber in ein paar Jahren?
Und eine Fortbildung machen, wenn man direkt den Hintergedanken hat, dass es vielleicht eh nicht auf Dauer ist?

Hat da jemand von euch Erfahrung mit? Also jemand, der vielleicht selbst in der ambulanten Hospizpflege arbeitet? Der vielleicht vorher genau das gleiche Problem hatte, aber sich doch irgendwo "daran gewöhnt" hat? (Kann man sich an sowas gewöhnen?)

Lieben Gruß

eine weiterhin grübelnde Severin
 

Frechdachs

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Man gewöhnt sich nie daran!

Gott sei Dank!

Stell dir vor, du würdest das nur noch in Routine machen?

Einem Menschen in den letzten Monaten, Wochen Tagen, Stunden, Minuten Routine geben?

Wir sind unverwechselbar und jeder auf seine ART etwas ganz besonderes!
Deshalb ist jeder neue Palliativ Patient eine neue Herausforderung an das Leben, so qualitativ Hochwertig, wie man es gerne auch den anderen Patienten ermöglichen möchte.

Wenn du das gleiche denkst, dann mach die Ausbildung.
Es ist nicht jedermanns Sache. Man muß schon an die Menschlichkeit glauben!

Da ihr ja, wie du schreibst, mit einem stationären Hospiz zusammenarbeitet, wird auch ein ambulanter Hospizdienst da sein zur Unterstützung.
Das schöne an Palliative Care ist, du bist nie alleine und der Patient um den du dich kümmerst, hat das gleiche Gefühl. Du kannst tun und du darfst auch loslassen und wirst gefangen. So empfinde ich dies zumindest.

Wenn es mir zuviel wird, kannich mich zurückziehen ohne konsequenzen!

Liebe Grüße Frechdachs
 

Atis

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Hallo Severin

Hast du die Ausbildung gemacht?
 

Severin

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Hey ..

nein, ich habe sie bisher nicht gemacht (auch wenn drei meiner Kolleginnen vor ein paar Monaten damit begonnen haben) und ich denke auch nicht, dass ich sie noch machen werde.

Wir hatten vor einigen Monaten einen Patienten, der im Sterben lag. Und obwohl ich den Mann nur wenige Tage kannte, habe ich "zu sehr mitgelitten", dachte an nichts anderes mehr und konnte so gar nicht mit der Situation umgehen, obwohl es relativ "leicht" war eigentlich, da sowohl der Mann als auch seine Familie den Tod akzeptiert und auch irgendwo als Erlösung darauf gewartet haben.

Für mich scheint das wirklich nichts zu sein. Zwischendurch, ja. Aber dauerhaft, weil man es laut Weiterbildung von mir erwartet .. nein. Aber ich habe Respekt vor jedem, der es kann.
 

Atis

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Das kann ich sehr gut verstehen; es ist einfach so, das jeder sein besonderes Faible hat; der eine für Demenzkranke mit denen ich nicht so viel anfangen kann und der andere eben für die Begleitung Sterbender.

Ich habe vor mich in dem Bereich weiterzubilden, allerdings denke ich, das erst die Kinder erwachsen werden müssen, damit ich den Kopf frei und genügend Zeit habe und mich voll darauf einlassen kann.
 

Pierre

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Hallo Severin !

Vor 2 Jahren hab ich einen Palliativ-Care - Kurs abgeschlossen in der Hoffnung mit Sterbenden besser umgehen zu können und mit der Situation selbst besser zurecht zu kommen.Das ist mir auch gelungen,und ich arbeite in einem organisiertem Palliativ-Pflegedienst.

Aber - Du weisst sicher wie die Zeit in der häuslichen Pflege bemessen ist, und man kaum in der Lage ist sein Handwerkszeug und Erfahrungen anzuwenden.Kannst Du noch mehr Handwerkszeug nicht anwenden ist da sicher auch ein hoher Frustfaktor.Du weisst sicher besser wie deine Arbeitsbedingungen sind.

Trotzdem - nicht aufgeben !
 

rvq

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Also die Ausbildung ist gut und gibt viele Denkanstöße. Allerdings hilft die beste Ausbildung nichts wenn man keine Erfahrungen sammeln kann oder macht.

Bin grade mitten drin, kurz vor ende und arbeite seit 6 Jahren in der ambulante palliativ Versorgung. Und merke bei den anderen Kursteilnehmern schon so ein bisschen Übervorderung mit dem Thema was allerdings nach meiner meinung aufgrund geringer Erfahrung (Umgang mit Sterbenden) zurückzuführen ist.

Eine gute Informationsquelle im Netz ist die Seite der Deutschen Gesellschaft für palliativ Medizin.
 

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