Obstipation bei ausschließlicher Ernährung über PEG

eiseule

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Brauch Euren fachlichen Rat!
Verorgen ambulant einen Patienten der ausschliesslich über Sonde (High Energy, Ballasstoffreich) ernährt wird und immer wieder kurz vorm Ileus steht (Angehörige versorgen ihn). Patient ist komplett Bettlägerig, hat ALS, bekommt 3 Flaschen Sondenkost und 1000 ml Tee. Movicol hat ausser Blähungen nichts gebracht. Abgeführt hat er nur nach Gabe von Rizinusöl über die Sonde. Soll jetzt aber nicht permanent Rizinusöl bekommen. Hat jemand eine Idee?
 

heriion

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Hi Eiseule

Nicht immer ist die Ernährung schuld. Oft spielen neben den Fähigkeiten des Ernährten seine Medikamente eine Rolle. In dienen Fall hört es sich nach einer Medikamenten induzierten obstipation an. was ist wenn dein pat ehr auf der trocknen seite ist? Hast du ein Diätologen der dir helfen kann?

:spopkorns: herion
 

narde2003

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Hallo Eiseule,

was hast du gegen Rizinusöl? Hat es der Arzt verordnet?
Gute Erfahrung habe ich auch mit Milchzucker/Lactulose gemacht.

Sonnige Grüsse
Narde
 

Sheila

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Hallo Eiseule,
Wie wäre es mit Pflaumensaft per PEG? Wir hatten damit schon Erfolg, haben dies einmal die Woche verabreicht.(Nach Arztabsprache)
Liebe Grüße Sheila
 

Elisabeth Dinse

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*wunder* wie kann man ein Symptom begalndeln über dessen Ursache man sich im unklaren ist?

Was ist bis dato bekannt: Bettlägrigkeit, ALS, 1,5l Sonde, 1l H2O
Macrogol hat nix gebracht, Rhizinusöl aber war erfolgreich.

Welche Medikamente werden sonst noch eingenommen? Sind Hindernisse in der Darmpassage wie Briden, Kolon Ca.; Rectocele u.ä. ausgeschlossen?

Macrogol ist ein ein osmotisch wirksames Abführmittel- bedeutet: Wasser wird im Darm gehalten u. durch das damit erhöhte Füllungsvolumen die Peristaltik angeregt.
Daraus ergibt sich die Frage: wenn schon die ursprüngliche Ernährung zu eienr Obstipation führte, wie soll das Macrogol wirken? Wieviel Flüssigkeit wurde zusätzlich gegeben?

Rhizinusöl ist ein antiabsorptiv- hydragog wirksames Abführmittel- bedeutet: die Resorption von Flüssigkeit u. Na+ wird gehemmt u. der Einstrom von Flüssigkeit u. Elektrolyten (Na+, K+, Ca++, Cl–) in das Darmlumen gefördert. antiresorptiv = antiabsorptiv
sekretagog = hydragog
Vermehrte Sekretion, Erweichung des Kotes u. verstärkte Peristaltik sind die Folge.
Daraus würde ich ableiten: Rhizinusöl wirkt auch ohne zusätzliche Flüssigkeitszufuhr, da Wasser in den Darm gezogen wird.

Das löst aber noch nicht dein Problem. Bleibt also nur die Ursachenforschung... oder eine kontinuierliche Gabe von Laxantien.

Elisabeth
 

eiseule

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Hallo, erstmal danke für eure Antworten:daumen:

Der Patient ist Dauerbeatmet, erhält "nur" noch Atosil 2x15° als Dauermedikation.
Vorher nie Abführprobleme gehabt, keine Divertikel, Briden oder sonstige Darmerkrankungen bekannt.
Sehe das Hauptproblem in der Immobilität, an der wir momentan noch nichts ändern können. Ziel ist langfristig allerdings wieder die Mobilisation in den Multifunktionsrollstuhl.

Heerion: Diätassistenten? Leider Fehlanzeige. Habe mit der zuständigen Dame der Firma die für Sondenkost zuständig ist geprochen, da hab ich aber auch nur Schulterzucken geerntet. Will jetzt mal an den Gebietsleiter rantreten. So viel ich weiss, bieten die auch BIM-Messung an, um überhaupt mal den wirklichen Bedarf festzustellen. Bis vor 2 Wochen musste der arme Mann noch mit 1000 Kcal leben........aber egal, ist schon wieder ein anderes Thema

Narde: hab nix gegen Rhizinusöl, möchte es nur nicht dauernd verwenden.
Patient stand letzte Woche wie gesagt, kurz vorm Ileus und alle anderen Abführmassnahmen haben nicht gewirkt einschliesslich Einlauf mit Darmrohr. Patient kann kaum auf der linken Seite liegen und konnte Einlaufflüssigkeit auch nicht wirklich halten. Sind dann auf die Idee mit dem Rizinusöl gekommen, was ja auch gut gewirkt hat. Lactulose hat wieder zu viele Blähungen verursacht.

Elisabeth: du triffst es mal wieder auf den Kopf: mir will einfach nicht in den Kopf, warum er jetzt diese Abführprobleme hat (hat schon im Krankenhaus begonnen). Irgendeinen Grund muss es ja wohl geben und ich möchte nicht, dass er die nächsten 20 Jahre (Patient ist Anfang 60) Abführmittel über die Sonde bekommen muss. Der Stuhlgang ist natürlich durch das Rizinusöl mehr flüssig, was für ihn und seine Angehörigen auch nicht wirklich angenehm ist. Von Wohlbefinden kann schon mal gar nicht mehr die Rede sein (ohne die zusätzlichen Gefahren wie Mazeration der Haut, Harnwegsinfekte und Dekubitalulzera), mit denen man auf Dauer auch rechnen muss.


Macrogol ist ein ein osmotisch wirksames Abführmittel- bedeutet: Wasser wird im Darm gehalten u. durch das damit erhöhte Füllungsvolumen die Peristaltik angeregt.
Daraus ergibt sich die Frage: wenn schon die ursprüngliche Ernährung zu eienr Obstipation führte, wie soll das Macrogol wirken? Wieviel Flüssigkeit wurde zusätzlich gegeben?

Nach Packungsanweisung 125ml pro Beutel. Im Akutstadium wurde dann laut Arztanordnung auch keine Flüssigkeit mehr gegeben, da der Patient schon permanent am Aufstossen war und der Bauch derart gebläht dass man schon an der Tür stehend wusste, was los ist. Beim Abtasten des Bauches sowie abhören hatte ich lehrbuchmässig die Flüssigkeitsspiegel vor Augen. Diese Situation möchte ich ihm ein zweites Mal auf jeden Fall ersparen.
 

Elisabeth Dinse

Poweruser
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Da wäre doch schon ein Anhaltspunkt: Atosil

Nebenwirkung: Obstipation (s. Anticholinerge Wirkungen)

Anticholinergica
Substanzen, die die Acetylcholin-Wirkung hemmen; meist Stoffe mit atropinartiger Wirkung (s.u. Parasympatholytica).

Sieht fast so aus, als wenn ihr um eine medikamentöse Obstipationsprophylaxe nicht herum kommt.

Wie groß und wie schwer ist der Pat. Und wie groß ist der H2O Anteil der Sondenkost?

Wenn der Pat. eh schon zuwenig H2O aufnimmt dann kann das Movicol nicht wirken- siehe Wirkungsweise. Hat der Pat. eine Flüssigkeitsbeschränkung?

Elisabeth
 

Strandmuschel

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Atosil aht nun mal als Nebenwirkung Obstipation.
Bei Movicol o.ä. Präparaten muß dazu viel getrunken werden.
Folglich hebt sich die Wirkung ja faßt auf.
Bei meinen Erfahrungen in der Gemeindepflege muß man/frau da mit härteren bandagen kämpfen.
Z.B. regelmäßig Laxoberal Trpf. o.ä.
Gruß
Conny
 

Elisabeth Dinse

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Atosil aht nun mal als Nebenwirkung Obstipation.
Bei Movicol o.ä. Präparaten muß dazu viel getrunken werden.
Folglich hebt sich die Wirkung ja faßt auf.

Das verstehe ich jetzt nicht. Wieso hebt Atosil die Wirkung von Movicol auf?

Elisabeth
 

Strandmuschel

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Elisabeth Dinse schrieb:
Das verstehe ich jetzt nicht. Wieso hebt Atosil die Wirkung von Movicol auf?

Elisabeth

Sorry :-)
Habe mich wohl falsch ausgedrückt.
Also Atosil hat als eine der vielen Nebenwirkungen Obstipation.
Und das kommt ziemlich häufig vor.
Da muß ich (aus Erfahrung) leider mit größeren Kalibern ran, als mit Moricol.
z.B. Laxoberal.
Gruß
Conny
 

eiseule

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Glaube nicht, dass es allein vom Atosil kommt, da er dies schon seit einiger Zeit erhält ohne Probleme diesbezgl. gehabt zu haben.

Der Patient ist 187cm, wiegt ca 85 kg

Anteil des Wassers der Sondenkost liegt bei 80ml/100

zusätzlich zum Movicol hat er 125ml erhalten (Herstellerempfehlung)

Strandmuschel: meine Erfahrung ist, dass viel zu schnell zu Laxoberal o.ä. gegriffen wird, da es so schön einfach ist. Hauptsache der Patient hat abgeführt. Möchte ihn nicht daran gewöhnen, wenn es einen anderen Weg gibt.
 
H

Hülsi

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Ich würde in Absprache mit dem behandelnden Arzt die Flüssigkeitszufuhr erhöhen, denn bei einem Mann mit 85 kg ist der Flüssigkeitsbedarf schon etwa 2,5 Liter und bei 1000 ml Tee und 1200 durch SK ist das doch etwas wenig, wobei mir warscheinlich schon die Kalorienzufuhr durch nur 3 Flaschen pro Tag schon etwas gering vorkommt. Vielleicht erricht ihr schon durch etwas mehr Flüssigkeit auch eine Verbesserung der "Darmtätigkeit".
Hülsi
 

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