Nötigung zur Verfälschung von Pflegeberichten unter Kündigungsandrohung

Dieses Thema im Forum "Arbeitsrecht / Gesundheitsrecht / Krankenpflegegesetz" wurde erstellt von Barotrauma, 14.07.2014.

  1. Barotrauma

    Barotrauma Gast

    Hallo zusammen.

    Irgendwie habe ich immer nur Pech mit meinen Arbeitgebern

    Ich stehe gerade vor einem Problem und weiß weder was ich machen, noch wie ich mich wirklich verhalten soll.

    Die Firma in der ich tätig bin ist überkorrekt was sämtliche Dokumentation angeht. Die Dokumentation steht über dem Patienten, dass geht soweit, dass beide GF's wöchentliche telefonische Berichte anfordern, zusätzlich zu allen Pflegeberichten, die sie ebenfalls lesen. Angehörige mehr oder weniger verpflichtet werden/sind sämtliche ärztlichen Befunde und Untersuchungsergebnisse ins Büro zu faxen.

    Heute Morgen erhielt ich einen Anruf der Teamleitung, die mich anwies, sämtliche von mir geschriebenen Pflegeberichte der zurückliegenden 14 Tage neu zu schreiben.

    Begründung: In einem Pflegebericht hatte ich mich verschrieben (ein einziges Wort) und dieses leserlich durchgestrichen und mit "geä." und meinem Kürzel abgezeichnet. In einem zweiten Pflegebericht hatte ich versehentlich in die Spalte des Datums, die Uhrzeit und in die Spalte der Uhrzeit der Datum geschrieben. Und in einem dritten Pflegebericht hatte ich das Wort "Fortsetzung" (wir müssen dies über den Pflegebericht schreiben, wenn im aktuellen Pflegebericht eine neue Seite begonnen werden muss) an die falsche Stelle geschrieben.

    Laut der Teamleitung würde die Krankenkasse solche Pflegeberichte nicht akzeptieren und unsere Geschäftsführung ebenfalls nicht, da man hohe Anforderungen an die Qualität der Dokumentation habe. Ich müsse aus diesem Grund alle Berichte berichtigen (sie hatte gleich noch weitere Änderungen die ich vornehmen sollte) und neu verfassen (da ja auf der Rückseite der "fehlerhaften" Berichte auch andere Pflegeberichte von mir stehen, die trotz fehlerfrei ebenfalls neu erstellt werden müssten)

    Ich erklärte der Teamleitung, dass meine Pflegeberichte fachlich vollkommen korrekt wären, dass sie trotz der geringfügigen Fehler einwandfrei nachvollziehbar sind und dass sie auch den MDK Richtlinien entsprechen und das nach meinem Kenntnisstand jegliche Verfälschung der Dokumentation, Urkundenfälschung sein.

    Ich erklärte der Teamleitung ruhig und sachlich (sie war leider weder das Eine noch das Andere), dass die Krankenkasse in den fast 11 Monaten, die ich den Kleinen Patienten nun betreue (wir haben vor drei Monaten gemeinsam den Pflegedienst gewechselt) noch niemals irgendetwas an der Dokumentation und den Pflegeberichten zu beanstanden hatte. Darauf bekam ich erklärt, das die Krankenkasse angeblich die Leistungszahlung verweigere, wenn die eingereichten Pflegeberichte nicht fehlerfrei wären. (ich kann mir zwar einiges an Kassenschikane vorstellen, aber wir hatten noch niemals irgendwelche Probleme mit unserer Krankenkasse und wenn ich mit der Sachbearbeiterin telefonieren musste, war sie immer höflich und sachlichen Argumenten zugänglich).

    Einige Stunden später bekam ich einen Anruf vom kaufmännischen Geschäftsführer, mit dem ein sachliches Gespräch leider überhaupt nicht möglich war. Meine nochmals vorgebrachten Argumente sämtlichst ignorierte bzw. mir sofort ins Wort fiel ohne das ich ausreden konnte. Er sagte mir telefonisch, dass ich bis morgen Mittag sämtliche Pflegeberichte wie von ihm gefordert zu berichtigen und neu zu schreiben hätte, dies wäre eine dienstliche Anweisung und hätte meine Kündigung zur Folge, sollte ich seiner Anweisung nicht bis zu diesem Zeitpunkt nachkommen.

    Ich bat dann um eine schriftliche (per Fax oder Email hätte mir vollkommen ausgereicht) Ausfertigung dieser Dienstanweisung, was er mit der Begründung ich wäre weisungsgebunden und er würde keine weitere Diskussion mit mir darüber führen, ablehnte.

    Ich bin gerade völlig überfordert.

    Komme ich der Forderung nach, schreibe mehr als 6 Seiten Pflegebericht neu und mache mich evtl. strafbar (?)


    Wenn das Ändern der Pflegeberichte rechtlich korrekt ist, warum weigert man sich dann mir eine mündlich erteile Dienstanweisung schriftlich zu geben, damit ich abgesichert bin? Zumal ich mich noch für meine Bitte gerechtfertigt habe, in dem ich darauf hingewiesen habe, dass man in meiner PDL Ausbildung gelehrt hat, dass dies Urkundenfälschung sei und ich aus diesem Grund verunsichert bin.

    Sicher ist, wenn ich der Anweisung nicht nachkomme werde ich gekündigt (bin ja noch in der Probezeit) auch wenn das bedeutet, dass die Pflege meines Patienten nicht mehr abgesichert ist(der GF ist sehr cholerisch).

    Es wurde mir auch gesagt, dass das fehlerhafte Original in der Firma archiviert würde und die "Berichtigung" für die Kasse und ggf. den MDK Verwendung findet.

    Wie sieht das z.B. aus, wenn man mich in ein paar Monaten loswerden will, dann tauchen wie durch Zufall zwei Arten von Pflegeberichten gleichen Datums mit meiner Unterschrift aber einigen Änderungen auf? Und keiner weiß mehr was von einer mündlichen Dienstanweisung und ich habe ja keinen schriftlichen Nachweis.

    Ich musste bei Einstellung unter anderem eine Dienstanweisung unterschreiben die jegliche Falscheintragung, Verfälschung ect. der Dokumentation mit evtl. fristloser Kündigung wegen Dokumentenfälschung ahndet. (auch darauf habe ich Teamleitung, GF und die über Mikrofon mithörende PDL hingewiesen, da wurde mir gesagt, dass dies eine rechtlich erlaubte Fehlerberichtigung und keine Verfälschung im Sinne dieser Dienstanweisung wäre)
     
  2. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
    Mitarbeiter

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    Lassen wir mal die ganze unmögliche Verhaltensweise Deiner Vorgesetzten beiseite und konzentrieren uns auf die Frage der Strafbarkeit.

    Du hast Dich im Pflegebericht einige Male verschrieben oder bist in die falsche Spalte gerutscht. Diese Berichte sollst Du jetzt praktisch "ins Reine schreiben". Es geht nicht um inhaltliche Veränderungen oder nachträgliche Eintragungen von Tätigkeiten, die nicht durchgeführt wurden o.ä. Du sollst einfach das, was da steht, nochmal genauso schreiben, nur ohne die Fehler. Richtig?

    Dann muss ich Deinen Vorgesetzten in diesem Punkt Recht geben: Es handelt sich nicht um eine Dokumentenfälschung, sondern um eine vollkommen legale Fehlerberechtigung. Ein Arztbrief mit Rechtschreibfehlern wird auch neu geschrieben (wenn sie jemandem auffallen). Es handelt sich nicht um eine Straftat.

    Ich stimme mit Dir darin überein, dass sich Kassen und MDK nicht an solchen Kleinigkeiten stören dürften. Da ich jedoch weiß, dass z.B. ein MDK-Mensch von unsere Klinik fordert, dass ein bestimmtes Formular nun nicht mehr die Bezeichnung "Anamnesebogen" tragen darf, sondern mit "Basis-Assessment" beschriftet werden muss (während der Inhalt völlig identisch bleibt), kann ich leider nicht völlig ausschließen, dass Deine Vorgesetzten Recht haben, was die Abrechnung angeht. Es gibt solche und solche Sachbearbeiter. Und es ist gut möglich, dass Dein Pflegedienst bereits schlechte Erfahrungen gemacht hat und deshalb 150%ig dokumentiert.
     
  3. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Ich möchte mich Claudia anschließen.

    Wir bekamen unsere PKMS-Pat nicht abgerechnet, weil handschriftliche Kringel um die Gründe fehlten. Eingetragen, abgezeichnet war das alles. Aber die Kringel fehlten. Ende vom Lied.

    Manche Bearbeiter ... ach, lassen wir das ;)


    Also zur SInnhaftigkeit kann man sich streiten, vielleiht ist es nötig, vielleicht will man auch zukünftigen genaueren Kontrollen dadurch entgehen, dass man immer perfekt arbeitet. Immerhin verwendet dein geschäftsführer ne Menge (teure) Zeit dafür!

    Die Art und Weise ist daneben, klar.
     
  4. Barotrauma

    Barotrauma Gast

    Glaubst du, dass fällt dem MDK oder der Kasse nicht auf, wenn alle Pflegeberichte von Rechtschreibfehlern und Verschreibern frei sind und wie "hingemalt" aussehen?

    Es geht ja nicht nur um Berichtigungen, sondern ich soll eben auch einige andere Dinge anders formulieren bzw. gar nicht im Pflegebericht erwähnen. Ich darf auch die korrekte Arbeitzeit nicht dokumentieren. Bei diesem Patienten variieren die Arbeitszeiten täglich. Beginn mal um sechs Uhr, mal um sieben Uhr mal acht Uhr und Ende entsprechend 12h später (ist mit den Angehörigen so vereinbart). Dokumentieren muss ich aber immer von 6-18Uhr. Ich darf auch in Pflegeberichten keine Zeiten eintragen (z.B.10 Uhr Patient schwallartig erbrochen) sondern muss auch dort den Pflegebericht von 6-18 Uhr schreiben. Bei Bedarfsmedikation hat das häufiger schon zu Verschreibern geführt, wenn ich z.B. 19Uhr eine Schmerzmedikation gegeben habe, diese aber dann entweder nicht dokumentieren durfte oder aber auf 18 Uhr schreiben musste (weil laut LNW, Pflegebericht und Dienstplann ich ja 20 Uhr nicht mehr im Dienst bin)

    Im Übrigen muss ich das Neu schreiben der PB in meiner Freizeit machen. Beim Patienten habe ich dafür keine Zeit, da man dort oft nicht mal die reguläre Dokumentation im Dienst machen kann.
     
  5. Schwester Rabiata 2

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    Such dir eine neue Stelle. So einen Umgangston muss sich niemand gefallen lassen. Schon gar nicht zu Pflegenotstandszeiten.
     
  6. Phoenix79

    Phoenix79 Gast

    An was für Arbeitgeber gerätst du immer?

    Ich sehe das leider etwas Anders als meine Kollegen. Denn der MDK sagt klipp und klar, wie mit Fehlern in der Pflegedokumentation umzugehen ist. In einer vor kurzem stattgefundenen Dokumentationsschulung in unserem Pflegedienst (durch eine MDK Mitarbeiterin) wurde ein ähnlicher wie der von Barotrauma beschriebene Fall geschildert mit dem Hinweis, dass auch dies im weiteren Sinne unter Dokumentenfälschung fällt. Vorallem aufgrund der Tatsache das es keinerlei Gründe für ein solches Vorgehen gäbe. Eine Mitarbeiterin fragte z.B. nach, was aber wäre, wenn Wasser oder ähnliches ausversehen über die Dokumentation läuft. Antwort: Auch dies rechtfertigt kein neu erstellen, da die Dokumentation aufgrund Verwendung dokumentenechter Tinte immer noch lesbar ist. Schon das Verwenden von nicht dokumentenechten Stiften könnte (mit viel böser Absicht) als Dokumentenfälschung ausgelegt werden, da man ja so die Dokumentation auch absichtlich unleserlich machen könnte. Vermutlich wird keiner soweit gehen, aber sicher sein kann man nie.


    Ja, weils vom Arbeitszeitgesetz verboten ist. (bei Dienstende 20Uhr und Beginn sechs Uhr wäre das nämlich eine Überschreitung der Schichtzeit, da diese innerhalb von 24h ab Schichtbeginn nicht mehr als 12h betragen darf)
    Das ist rechtlich eindeutige: URKUNDENFÄLSCHUNG
    Ich würde gern sagen, dass ich das für unwahrscheinlich und rechtlich nicht haltbar erachte. Dem ist aber so nicht.
     
  7. pflegekraft87

    pflegekraft87 Stammgast

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    Das ist echt ne blöde Situation. Wenn du deinen Job behalten willst kommst du nicht drumherum den ganzen Käse neuzuschreiben. Ich würde trotzallem anonym beim MDK anrufen, denen die Situation schildern und fragen was korrekt wäre. Wenn dir der Geschäftsführer weiter blöd kommt such dir n anderen Job aber geh bitte nicht ohne vorher der Obrigkeit ans Bein zu pinkeln. Das Heisst: Meldung beim Gewerbeaufsichtsamt (verstoß gegen Arbeitszeitgesetz) sowie Nötigung zur Urkundenfälschung (Androhung der Kündigung).
     
  8. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Das ist doch egal, was sollte an Pflegeberichten ohne fehlern schlimm sein.
    Schlimm wäre, wenn alles eine Handschrift ist ;)


    Die Arbeitszeitgeschichte ist definitiv NICHt korrekt.
    Deine sonstigen Änderungen klingen jetzt auch nicht mehr nach formellen Fehlern, das hattest du nicht erwähnt.

    Zu nacharbeiten ind er Freizeit muss dir glaube ich auch keiner was zu sagen ;)
     
  9. Barotrauma

    Barotrauma Gast

    Ich hatte mich heute telefonisch und anonym beim MDK erkundigt. Dort riet man mir dringend davon ab, der Anweisung meines Arbeitgeber nachzukommen, solange ich diese nicht schriftlich hätte. Daraufhin hatte ich eine Mail an den GF formuliert, in dem ich ihm erklärte, dass mein Kenntnissstand (es ist Urkundenfälschung) ein anderer ist als seiner (es ist keine) und das ich aufgrund dieser Tatsache verunsichert bin, was richtig und falsch ist. Das ich seiner Anweisung selbstverständlich nachkommen werde, aber nochmals darum bitte, dass er mir schriftlich anweißt das und wie ich die Pflegeberichte ändern soll.

    Kurz nach dem ich die Mail abgeschickt hatte tauchte PDL unangemeldet beim Patienten auf und überreichte mir die Kündigung.

    Erst später stellte ich fest, dass sie die gesamte Patientenakte von ihr mitgenommen wurde. Ich schrieb dann eine Email in der ich nachfragte was mit der Akte sei und wie ich jetzt dokumentieren solle und bat um eine Antwort per Mail. Die Antwort bekam ich aber per sms. Die Patientenakte verbleibe im Büro und ich solle sämtliche Dokumentation auf vorort befindlichen Ersatzdokublättern führen. Ich verstehe nicht was das soll?

    Vorallem befinden sich in der Akte ja auch sämtliche ärztliche Anordnungen, der Medikamenten- und Ernährungsplan; Überleitungsbogen und die Pflegeplanung die ich eigentlich morgen evaluieren müsste.
     
  10. schlitzkompresse

    schlitzkompresse Poweruser

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    Hallo Baro,

    wenn so mit dir umgegangen wird, war eh was ganz Faul an der Sache. Wir hatten gestern MDK Prüfung (alles 2 Wochen) und da hab ich gleich mal den Prüfer zu deiner Thematik befragt. Es ist natürlich nicht korrekt die Doku neu zu schreiben auch wenn es sich nur um das ausbessern von Schreibfehlern handelt. Der MDK, zumindest hier bei uns, sieht das mit Schreibfehlern nicht so eng. Selbst ihm als Gutachter passiere dies, es sind alles eben nur Menschen. Er hätte sich die Anweisung auch schriftlich geben lassen, aber nun ist der Käse ja gegessen. Des weiteren meinte er dass du dich ggf. ans Gewerbeaufsichtsamt (Arbeitszeit) und an den MDK bzw. KK wenden sollst da das mit der „neuen“ Doku ja vermutlich kein Einzelfall sein wird, kannst du ja anonym machen. Letztendlich hast du nun eh nichts mehr zu verlieren.
    Schau das du ein Arbeitszeugnis bekommst und wende dich bei Bedarf an deine Gewerkschaft.
    Zum Thema MDK möchte ich noch sagen das es nicht immer die Buhmenschen sind, wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum MDK es ist immer ein geben und nehmen und gerade bei solchen Dingen hat man da wirklich wertvolle Partner bzw. Druckmittel gegen miese Arbeitgeber.
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich denke mal, dass heute dein Weg stante pede zum Anwalt führen sollte. Ausgedruckte Mails würde ich mitnehmen. Du willst da zwar nicht wieder anfangen. Aber ich denke, dass der Anwalt da noch so einiges für dich rausholen kann.

    Außerdem darf man wohl davon ausgehen, dass jetzt jemand anderes abschreibt. Damit lässt sich der Straftatbestand der Urkundenfälschung par excellence nachweisen.

    StGB - Strafgesetzbuch .

    Das Vorenthalten von wichtigen Unterlagen dürfte den Anwalt ebenfalls interessieren. Damit gerätst du in den Bereich der mehr als gefährlichen Pflege. Eine ungewollte "Körperverletzung" kannst ja hier nicht ausschließen.

    Elisabeth

    PS Gewerkschaft dürfte zu langsam sein. Hier braucht es ein umgehendes Handeln- nicht nur zum Schutz von Barotrauma sondern auch zum Schutz des Pflegebedürftigen. Ergo: Anwalt.
     
  12. Schwester Rabiata 2

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    Das ist echt ein Ding.... Zu wenig Personal, aber dieses wird auch noch gekündigt. Ein cholerischer GF... Nimm Elisabeths Rat an und sei froh, dass du den Laden los bist!
     
  13. Barotrauma

    Barotrauma Gast

    Vielen Dank ersteinmal für Eure Hilfe. Ausgedruckte Emails ... es gab ja nie was schriftliches (darauf hat mein AG ja geachtet) nur meine Email, auf die ich ja aber keine Anwort bekommen habe. Naja und die sms das die Doku im Büro verbleibt.

    Anzeige beim MDK/KK/Gewerbeaufsicht werde ich auf jeden Fall demnächst erstatten.

    Das schlimme. Die wirklich leidtragenden sind mein kleiner Patient der mich als Bezugsperson verliert und die Angehörigen, die im Moment wirklich am Ende ihrer Kräfte sind, da es ja für den wechsel zum aktuellen Pflegedienst trifftige gründe gab und die ganze Sache sehr nervenaufreibend war. Noch schlimmer wiegt, dass der große Bruder des Kleinen momentan auf der Intensivstation liegt und sein Zustand sehr kritisch ist.

    Trotz dessen haben sich die Angehörigen heute die Finger wund telefoniert, da sie ohne mich eigentlich nicht bei dem PD bleiben wollen (schon der Wechsel zum jetzigen PD fand nur unter der Bedingung statt, dass ich mitkomme).
    Viele Dienste haben gleich gesagt sie nehmen keine Kinder. Einige andere haben abgelehnt, weil sie es personell nicht abdecken können und der Rest hat gesagt es dauere zwischen 3-6Monaten ein Team zusammenzustellen. (das ist leider auch die Erfahrung, die wir beim letzten Mal gemacht haben).
     
  14. Mausie

    Mausie Stammgast

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    Hallo Barotrauma,

    ich bin total geschockt von dem, was du da beschreibst. Aktuell habe ich mich auch bei verschiedenen Pflegediensten für die Kinderkrankenpflege beworben und hab jetzt ein bisschen bammel. Aber zu deiner Situation: ich kann dir nur raten, nicht "demnächst" zu KK/ MDK/ Gewerbeaufsicht zu gehen, sondern MORGEN. Da muss schnellstmöglichst eingegriffen werden, bevor dein (Ex)Arbeitgeber unter Umständen noch etwas vertuschen kann. Und du solltest auch MORGEN zum Anwalt. Dieses Verhalten duldet keinen Aufschub, die Behörden müssen sich dringend darum kümmern. Ich würde sogar fast soweit gehen, den Pflegedienst direkt bei der Polizei wegen Nötigung (man hat dir mit Kündigung gedroht und sie schließlich ausgesprochen) und Urkundenfälschung anzuzeigen.

    Es tut mir wirklich Leid, dass du jetzt deinen Arbeitsplatz verloren hast, aber sag dir am Ende immer "wer weiß, wofür es gut ist" ;) Lass dich nicht unterkriegen
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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  16. schlitzkompresse

    schlitzkompresse Poweruser

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  17. Barotrauma

    Barotrauma Gast

    Nein. Ich habe dann noch mal mit den Eltern (war ja eigentlich nur eine Sache zwischen Ihnen und mir bzw. die anderen Kollegen haben den gleichen Rüffel bekommen) das sachliche Gespräch gesucht und einige Dinge angesprochen und auch erklärt. Sie zeigten sich einsichtig, so dass das Problem aus der Welt war/ist und auch die Hygieneschwester kommen durfte.

    Sie haben mir auch sofort eine sehr gute Referenz geschrieben, damit ich mich damit bewerben kann.

    Das war ich.
    Ich hatte heute vormittag mit verdi telefoniert und dort gab man mir gleich für heute nachmittag einen Termin, da dort eine interne Schulung stattfand und deswegen ein Arbeitsrechtler vorort war.

    Ergebnisse waren leider ernüchternd:
    1. Kündigung in der Probezeit ergo ohne Begründung ergo nicht anfechtbar, weil kein Grund notwendig.
    2. die telefonische Androhung einer Kündigung falls ich die Pflegeberichte nicht neu schreibe erfüllt den Straftatbestand "Nötigung zu einer Straftat durch Drohung" (§240 StGB). Aufgrund der Tatsache, dass ich aber für das Telefonat keine Zeugen habe, ist dies nicht beweisbar. Der Anwalt war dann der Meinung, dass mein AG ganz genau wusste, was er tat, da er ja die schriftliche Anweisung und auch die Antwort auf meine Mail (wie sämtlichen noch notwendigen dienstlichen Mailverkehr) verweigerte. Der Entzug der Patientenakte stellt zumindest laut StGB keinen Straftatbestand dar. Er meinte außerdem, dass würde ich die Nötigung zur Anzeige bringen, könnte der Arbeitgeber mir sogar Rufschädigung aus niederen Beweggründen (Rache wegen der Kündigung)vorwerfen und die Wahrscheinlichkeit, dass er damit durchkommt sei nicht gerade gering.

    Auch der Anruf beim MDK bzw. man verband mich mit der "Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen" bei der AOK, war sehr ernüchternd.

    Der MDK sei generell überlastet, so dass man sowieso nicht allen Anzeigen nachgehen könne. Das das von mir verlangte Dokumentenfälschung sei, stünde zweifelsohne fest. Auch das Entziehen der Patietenakte wäre ein Verstoß gegen MDK Richtlinien. ABER: Da noch nichts gegen die Firma vorliege, ich außerdem keine Beweise habe und man eben aufgrund der Tatsache das ich gekündigt wurde, ebenso auf einen Racheakt schließen könne, wäre die Wahrscheinlichkeit wohl relativ gering, dass es zu einer entsprechenden Überprüfung kommt. Die Dame am Telefon entschuldigte sich dann noch bei mir, dass sie mir leider nichts anderes sagen könne.

    Ich hab die Schnauze voll.
     
  18. Bachstelze

    Bachstelze Poweruser

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    Das kann ich mir vorstellen.
    Vor allem resultiert aus solchen Erfahrungen, das gerade ältere Kollegen sich nicht mehr trauen sich zu beschweren. Denn für sie ist es ja deutlich schwerer einen neuen Job zu finden. Trotz Personalmangel suchen sie ja nach wie vor die Zwanzig- oder höchstens Dreißigjährige mit 20 Jahren Berufserfahrung.
     
  19. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
    Mitarbeiter

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    Off topic, aber das ist regional sehr unterschiedlich. Hier im Rhein-Main-Gebiet z.B. wirste auch als älteres Semester mit Kusshand genommen.
     
  20. Auto-Flow

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    Hallo Barotrauma.

    Als ich Deine Postings gelesen habe, war ich total entsetzt, bin ich eigentlich immer noch.

    Der Patient kommt an erster Stelle auch wenn die Dokumentation extrem wichtig ist. Und die Geschäftsführer leiden an Langeweile?



    Das sind doch Kinkerlitzchen. Es gibt nichts, was es rechtfertigt Dokumentation nochmals abzuschreiben. Wir haben einige ausländische Pflegekräfte im Unternehmen, die gut Deutsch sprechen, aber eben trotzdem mit starkem Akzent und auch alles Andere als perfekt. Auch den Pflegeberichten sieht man das logischerweise an. Da sind dann eben mehr RS und Grammitik Fehler drin als üblich. Aber noch nie haben der MDK und die Krankenkassen auch nur ein Wort der Kritik darüber verloren. Niemals würde ich von meinen Kollegen verlangen, sowas nochmal abzuschreiben.

    Das ist totaler Unsinn und mit Qualität hat sowas schon lange nichts mehr zu tun.

    Du hast genau auf den Punkt gebracht, worauf es ankommt und dein Kenntnisstand ist korrekt.

    Warum sollten sie? Deiner Teamleitung sind lediglich die Argumente ausgegangen. Dann schiebt man es eben auf die Kasse.


    Das ist ein Missbrauch des Direktionsrechts, wegen Unzulässigkeit einer Weisung.

    Wenn einem die Argumente ausgehen beendet man die Diskussion eben. Und schriftlich hast du es nicht bekommen, weil er genau gewusst hat, dass er dir so etwas nicht anweisen darf.

    Dreister geht es ja wohl nicht mehr.

    Es ist unglaublich!

    Bitte? Du brauchst doch die ärztlichen Anordnungen. Was ist wenn der Patient ins Krankenhaus muss? Wenn der MDK plötzlich beim Patienten vor der Tür steht? (wobei, dass wäre für Dich gut, dann könntest du die Situation gleich eins zu eins schildern).

    Da könnte ich vor Wut an die Decke gehen. Es gibt soviele Pflegeeinrichtungen die arbeiten korrekt und werden schikaniert und wenn man nichts findet, dann erfindet man eben was und nimmt Mitarbeiter so in die Mangel, dass die nicht mehr wissen wo vorne und hinten ist und solche Unternehmen können schalten und walten wie sie wollen, ohne das was passiert.

    Das kann ich verstehen. Aber tröste Dich damit, dass du eine reines Gewissen hast und das du sicherlich sehr schnell eine sehr viel bessere Arbeit findest. Keiner von uns hat es nötig, für solche Arbeitgeber tätig zu sein.

    Im Übrigen kannst du schon noch was tun. Sorge dafür, dass Andere von uns nicht in die gleiche "Falle" tappen. Man kann seinen Arbeitgeber (egal ob Ex oder aktuell, auch Unternehmen wo man sich nur beworben hat) bewerten:
    Arbeitgeber bewerten und Erfahrungsberichte lesen. KUNUNU.COM

    Ich würde mir wünschen, dass mehr von uns das machen, dann könnte man sehen, wo sind die guten Arbeitgeber und welche sollte man meiden. Vielleicht wachen dann auch solche Arbeitgeber wie Deiner mal auf und verändern was, wenn sie kein Personal mehr finden.
     

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