Neurologie

Torenpad

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Hallo!
In unserem Haus will echt keiner auf der Neuro arbeiten. Weil alle so das Klischee-Bild vom Apoplektiker oder vom Apalliker haben. Auch ich kann mich davon nicht freisprechen. Wenn ich hier sehe, daß der letzte Beitrag vom November letzten Jahres stammt, fühle ich auch wenig Interesse im Forum an diesem Fachgebiet. Darum möchte ich gerne all meine KollegInnen, die auf einer Neurologie-Abteilung arbeiten, einmal fragen, ob sie mir nicht berichten wollen, was ihren Tag so spannend macht, daß sie immer wieder gern an die Arbeit gehen. Was bedeutet Euer Fachgebiet für Euch? Warum habt Ihr euch für Neurologie entschieden? Was erzählt Ihr einer Schülerin über Euer Fach? Woher holt Ihr Euren Enthusiasmus?
Danke für Eure zahlreichen Reaktionen!
 

sisterNic

Stammgast
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Hallo an alle..

ich bin seit 2001 examinierte Krankenschwester.
Schon in der Ausbildung war ich von der Neurologie total fasziniert.

Nach meinem Examen begann ich meine Arbeit als KS in der Neurologischen Klinik Bad Aibling auf der Aufnahmestation.

Die Klinikschwerpunkte liegen im:
-Zentrum zur Behandlung und Rehabilitation von Patienten mit neurologischen Erkrankungen aller Schweregrade, insbesondere nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma

-Behandlung neurologischer Erkrankungen einschließlich einer Intensivstation, Phase B (Frührehabilitation), Phase C (weiterführende Rehabilitation), Phase D (Anschlussheilbehandlung) sowie geriatrische und teilstationäre Rehabilitation

-Therapiezentrum für Alzheimersche Kranke und deren Angehörige

(Ihr könnt ja auch mal da nach schauen:
www.schoen-kliniken.de oder
http://www.schoen-kliniken.de/Kliniken/Neurologische_Klinik_Bad_Aibling/Klinik_Homepage.htm?Menue=menue_kliniken&Knoten=1_2http://www.schoen-kliniken.de/Kliniken/Neurologische_Klinik_Bad_Aibling/Ueber_uns/Leistungsspektrum.htm


Dort verbrachte ich 4 Monate, bevor im Rahmen von Umstrukturierungen und in Zusammenarbeit mit der Argirov-Klinik in Kempfenhausen (bei Starnberg) für 2 Monate an den Starnb. See ging.

Nach diesen 2 Monaten ging ich nach Dachau, wo ich anfänglich auf der Kardiologie arbeitete, bis unsere Station im Oktober 2002 zur Neurologie umfunktioniert wurde.

Es kamen viele neue Herausforderungen auf uns zu.
Viele meiner Kollegen waren mit den Krankheitsblidern nicht vertraut und das machte dass Arbeiten umso schwerer.
Da ich schon einige Erfahrungen in diesem Gebiet gesammelt hatte, war ich Einigen voraus und konnte meine Erfahrungen weitergeben.

Am Anfang hatten wir da auch noch allein Nachtdienst, doch dann bekamen wir die erste Überwachungseinheit (2Monitorplätze für das TEMPIS-Projekt http://www.tempis.de ).
Dass schafften wir gerade noch, doch sollten bald die 2 nächsten Monitorplätze folgen.
Seitdem schieben wir zu 2. Nachtdienst, weil es wegen der vielen Pflegefälle, die die Neurologie nun durch dir verschiedenen Krankheitsbilder oft hat, nicht mehr anders geht.

Und es sind nicht nur Schlaganfälle, die da liegen.
Rückenschmerzen, Kopfschmerzen/ Migräne, Hirnblutungen, Tumore in der Wirbelsäule, Krampfanfälle, TIA's, PRIND/RIND, Schlafstörungen, Schlafapnoesyndrome, zum Teil sogar psychiatrische Krankheitsbilder finden sich alle auf der Neuro wieder.

Es ist nicht nur die Vielfältigkeit der Erkrankungen, die mich an diesem Gebiet so faszinieren, sondern auch, dass man ab und zu mal nicht so alltägliche Dinge hat (Lyse-Therapie bei Z. n. frischem Apoplex oder so).

Neulich hatten wir einen Pat. Er war als Radfahrer mit einem Auto kollidiert.
Im CT zeigte sich eine Kontusionsblutung, im Rö eine Rippenserienfraktur li. und eine Tossy-III Fraktur (Clavicula).
Er hatte ausserdem eine retrograde Amnesie.

Am nächsten Tag wurde ein Kontroll-CT durchgeführt, wo sich eine Contra-Coup-Läsion zeigte (der Pat. hatte also nachgeblutet).
Dies führte zu einer Verlegung in die Neuro-Chirurgie nach München.

Ein paar Tage später kam er wieder, in erstaunlich besserer Verfassung.

Wie oft hat man solche Pat. die als kompletter Pflegefall zu uns kommen, aufgepäppelt werden (Infusionstherapie, Ernährungstherapie, Krankengymnastisch und Logopädisch betreut werden müssen,irgendwann auf Reha gehen, ein halbes Jahr später wieder da sind und auf ihren eigenen Beinen stehen und gehen können.

Doch wie eine Medaille gibt es auch Kehrseiten.
Das eine Pat. kommt, sehr viel Hilfe bei der Mobilisation braucht, nach einer Woche wieder selbständig ist und just an diesem Tag einen so schweren Apoplex bekommt, dass sie ein Vollpflegefall ist und es bleiben wird.

Natürlich gehören viele Sachen zur Neuro dazu, wie etwa spez. Lagerungsarten (auch 2-stündl. Um-/Weich-/Hochlagerung), 2-stdl. Mundpflege usw., mehr Mobilisation, um die Pat. wieder fit zu bekommen, aber ich kann nur sagen:

Liebe Pflegekräfte, traut Euch auf die Neuro. Sie ist nur halb so schlimm, wie manche denken. Das Fachgebiet ist sehr weit gefächert und damit sehr vielfältig und interessant. Ihr werdet davon profitieren und Ihr könnt dabei nur gewinnen!!!
 
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sisterNic

Stammgast
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Mei,

ist des lang her, als ich den Beitrag geschrieben habe.

Aber ich bin gottseidank immer noch derselben Meinung..

:beten: gg

Nic
 

himmlische schwester

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anästhesie
hab nach dem examen 2 jahre auf der neuro phase b verbracht und bereue unglaublich dort aufgehört zu haben....
 

Peanut

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Hallo!! :mrgreen:
Arbeite seit 2001 auf einer neurologischen Station, und habe es noch nie bereut! Schon in meiner Ausbildung fand ich meine "Neuro-Einsätze" immer klasse, weil es dort so wahnsinnig viele und komplexe Krankheitsbilder gibt! Haben auch eine Stroke Unit und eine Epilepsie-Station mit in unserer Neuro-Abteilung! Also schon alles wahnsinnig spannend und interessant. :up:
Bin seit 2001 auch als Mentorin (und bald, hoffe ich, auch Praxisanleiterin :emba: ) bei uns tätig, und ich habe auch von den ganzen Schülern nur gutes Feedback erhalten.
Ich für meinen Teil kann nur sagen, daß ich die Arbeit auf der Neurologie super interessant und spannend finde!! :nurse:

Einen lieben Gruß
Peanut :rocken:
 

Manuel

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Gesundheits- und Krankenpfleger, RS
Während der Ausbildung war ich auf einer neurologischen Station der Kinderklinik eingesetzt. Die Zeit dort hat mir sehr gefallen. In der "großen" Pflege bin ich nur aushilfsweise als Schüler auf der Neuro gewesen. Das waren aber nur zwei Tage.

ciao
Manuel
 

nebukadnezar

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Krankenschwester, Sozialpflegeassistent
Hallo,

immer wieder und wieder und wieder würde ich mich dafür entscheiden.
Ich bin seit 2003 Krankenschwester und habe es schon in meiner Ausbildung total genossen auf Neurologischen Stationen zu arbeiten. Sei es Stroke unit oder neurologische Intensiv.
Die Krankheitsbilder finde ich sehr spannend und interessant, ausserdem kann man sich in der Pflege mit Bobath und Perfetti so richtig austoben und ich hatte immer das Gefühl, dass selbst komatöse Patienten auf meine Pflege positiv (mit Vitalzeichen) reagiert haben und das hat mir viel zurückgegeben.

Aber da musst du dir dein eigenes Bild machen.
Ich z.B. würde nie auf einer chirurgischen Station arbeiten wollen.

Schöne Grüße
nebukadnezar
 

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