NANDA Pflegediagnosen in der psychiatrischen Pflege

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von MiChung, 02.07.2007.

  1. MiChung

    MiChung Gast

    Hallo Zusammen,

    gibt es bei den psychiatrischen KollegInnen jemanden, der mit den NANDA Pflegediagnosen arbeitet?
    Mich würde interessieren, wie Ihr damit zurecht kommt, bzw wie verbreitet es überhaupt mittlerweile ist, mit Pflegediagnosen zu arbeiten.

    Bin gespannt auf Eure Rückmeldungen.

    LG MC
     
  2. Strampampel

    Strampampel Newbie

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    Hallo Mi Chung,

    Wir arbeiten seit ca 1 Jahr mit den Nanda Pflegediagnosen.Die wurden bei uns eingeführt ,weil man damit am PC besser damit arbeiten kann.Ích fand es am Anfang sehr anstrengend, besonders als wir es noch schriftlich machen mußten,und immer wieder im Buch nachschaauen mußten.Mittlerweile wird es am PC gemacht .Es sind mehrere Antworten vor gegeben und man muß meistens nur anklicken.das klappt jetzt ganz gut und die pflegediagnosen wiederholen sich immer wieder
     
  3. MiChung

    MiChung Gast

    Hi,

    die PD an sich (per EDV) gibt´s bei uns auch schon einige Jahre , auf den meisten Stationen werden diese auch erstellt - das aufwändige ist z.Zt. jedoch die praktische Arbeit damit, vor allem auf sog. weiterführenden Stationen, auf die die Patienten mit bereits vorhandener PD verlegt werden.
    Bei den Zugängen von anderen Stationen werden die PD angepasst, bzw. geändert. Das Problem bei uns ist die zeitraubende Technik, da das Programm nicht besonders anwenderfreundlich funktioniert und einige "Macken" hat.....
    Zudem sind die PD sehr somatisch orientiert, für uns in der psychiatrischen Pflege nicht immer brauchbar - mich würde interessieren, ob mit Textbausteinen gearbeitet wird und ob es interessante, brauchbare Literatur gibt, die Ihr empfehlen könnt.

    LG
     
  4. Imhotep

    Imhotep Newbie

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    Hallo MiChung!

    Es ist ein Problem mit den Pflegediagnosen und es wird immer eins bleiben, egal ob EDV gestützt oder steinzeitlich per Handschrift (wie bei uns). Als Grund für die Problematik möchte ich die fehlende klare bzw. nicht definierte Zuständigkeit des Pflegepersonals nennen.

    Wenn ich mir die NANDA Pflegediagnosen so anschaue, komme ich zu der Erkenntnis, dass diese nicht für Pflegepersonal geschrieben sind, bestenfalls von Theoretikern für Theoretiker. Zu erkennen sind größere Schnittmengen zum psychologischen, sozialpädagogischen, ärztlichen und erzieherischen Bereich sowie zu Parapsychologie und Esotherik.

    Ich kann zwischen dem Inhalt meiner Ausbildung und dem Anspruch der Diagnosen keine Verbindung herstellen. Als Krankenpfleger in der (forensischen) Psychiatrie habe ich im Grunde genommen keinerlei Anordnungskompetenz, bestenfalls eine Durchführungskompetenz für von ärztlicher Seite genehmigte Aktivitäten oder Erfordernisse. Die allermeisten, in der alleinigen Kompetenz des Pflegepersonals liegenden Aufgaben sind absolute Routinetätigkeiten die sich täglich wiederholen und haben in der Regel nur administrativen Charakter oder es ist Behandlungspflege, nicht was man speziell planen müßte, man muß nur lesen können.

    Bei den permanenten Überbelegungen (im Durchschnitt 28 Betten belegt) und den 2 bis 3 Mann Besetzungen der Dienstschichten läuft eh nur Aufbewahrung. Aber mit den Überbelegungen wird eben fett Geld verdient, aus diesem Grund stört sich auch keiner wirklich daran das die Arbeit mit der Pflegetheorie mehr schlecht als recht läuft. Jeder meiner Kollegen erledigt die Pflegebürokratie nur aus einem Grund; um sich nicht angreifbar zu machen gegenüber der mittleren Führungsebene, das ist der einzige Grund!

    90% der mühseelig geschriebenen Planungen sind reiner "Schwachsinn" (auch meine Planungen) und eigentlich nur reiner Datenmüll der noch dazu für 30 Jahre aufbewahrt wird. Entweder enden die Planungen und Durchführungsnachweise in deutlichen Kompetenzüberschreitungen oder sie laufen sich tot. Die Evaluation über Jahre hält keiner durch, irgendwann geht dir auch die letzte Idee aus ohne das der Patient den Hauch einer Zukunftsperspektive hätte.

    Ein Mitspracherecht der Pflege bei Sitzungen im multiprofessionellen Team existiert theoretisch auf dem Papier, praktisch bewegen wir uns niemals gleichberechtigt auf gleicher Augenhöhe mit Sozialpädagogen, Ärzten und Psychologen. Das stört mich auch garnicht weiter, nur der eigene Berufsstand könnte uns wenigstens mit seiner aufgezwungenen Bürokratie in Ruhe lassen. Die Schreiberlinge dieser ganzen Pflegetheorie- und Diagnose Bücher verfolgen privatwirtschaftliche Interessen, ebenso die Programmierer der Anklick und Auswähl Software, das ist OK, sollen sie Kohle verdienen, aber muß man die Ansichten denn gleich zum Dogma erheben?

    Ich kenne keinen einzigen Pfleger und keine einzige Schwester welche sich jeh positiv zur Pflegebürokratie geäußert hätte, alle stönen außer die Pöstchen- und Stabsstelleninhaber, und das ist bezeichnend für das System. Bürokraten müssen unablässig neue Bürokratie erfinden um ihre Posten zu rechtfertigen.
     
  5. MiChung

    MiChung Gast

    Hallo Imhotep,

    den Zusammenhang verstehe ich nicht ganz. Die Zuständigkeiten des PP zu beschreiben, liegt doch in unserer Hand. (Wobei ich denke, dass es gerade in der psychiatrischen Pflege viele "Schnittmengen" mit anderen Bereichen gibt und auch geben darf)

    Du hast Recht damit, dass die vorgegebenen Textbausteine ziemlich unbrauchbar sind und zum Teil auch so skurril, dass ich mich frage, in welchem Zustand der ein oder andere Satz wohl verfasst wurde. Insbesondere die in der EDV Fassung hinterlegten Sachen (die zum Teil etwas von der Buchfassung abweichen) haben in unserer AG schon für viel Heiterkeit gesorgt :-)
    Aber ich muss mich ja nicht an die Textbausteine halten, sondern kann über Freitext arbeiten und eigene Standards entwickeln, die speziell auf meinen Bereich abgestimmt sind, bzw. ganz individuelle Planungen verfassen.

    Die Pflege in der forensischen Psychiatrie ist sicher nochmal speziell. Es wird dort wenig Bewegung bzw. Veränderung geben.

    Was ist denn mit den klassischen psychiatrisch pflegerischen Aufgaben wie z.B.
    Begleitung, Unterstützung, Anleitung bei der Bewältigung des Alltags,
    Tagesstrukturierende Maßnahmen und achten auf das Einhalten von Zeiten und Regeln?
    Gibt es das in der Forensik nicht? Und ist es nicht auch in anderen Bereichen so, dass man sich mit allen an der Behandlung beteiligten Personen bespricht, wie man sich gemeinsam dem jeweiligen Behandlungsziel nähert und nicht nur in eigener Regie "sein Süppchen kocht"?

    Naja, immerhin ein Grund ;) bei uns ist der Grund, dass man gegenüber dem MDK seine Tätigkeiten darstellen und nachweisen muss, damit z.B. ein Patient eine entsprechende "Pflegestufe" bewilligt bekommt und angemessen versorgt werden kann....
    Vielleicht bin ich ja ein wenig blauäugig, aber ich versuche immer, den positiven Nutzen in den Vordergrund zu stellen. Wir kommen ja nicht umhin, mit dem System zu arbeiten. Also kümmere ich mich darum, es mir möglichst so zurecht zu biegen, dass es für mich am besten passt.

    Jammern hilft ja eh nicht. In den meisten Kliniken, die mit diesem System arbeiten, gibt es Arbeitsgruppen, die sich um eine Anpassung der PD für die jeweiligen Bereiche kümmern. Dabei ist die Qualität der Ergebnisse natürlich auch davon abhängig, inwieweit gute Vorschläge/ Anregungen und Kritik von den Mitarbeitern kommen, die in der Praxis damit umgehen müssen.


    LG
     
    #5 MiChung, 10.08.2007
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10.08.2007
  6. Imhotep

    Imhotep Newbie

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    Alles was du aufgezählt hast wir von uns erledigt, der Stufenplan gibt die Möglichkeiten vor, nicht ich. Unter tagesstrukturierenden Maßnahmen verstehe ich AT, BT, Kunsstherapie und Musiktherapie. Falls einer nicht hingeht fällt das sofort auf, weil er ja nicht selbständig das Haus verlassen kann, oder die Therapeuten reklamieren Abwesenheit. Meine Aufgabe besteht darin, die Patienten zu wecken und ihnen die Tür aufzusperren damit sie das Haus verlassen können. Das ganze wird dann von uns 3-fach dokumentiert. Die Teilnahme an irgendeiner tagesstrukturierenden Maßnahme wird den Patienten in der Visite vorgegeben und richtet sich nach Freizügigkeiten und Möglichkeiten (die sind systembedingt sehr begrenzt). Nimmt er nicht teil wird er nicht weiter gestuft, da gibt es nichts was ich persönlich planen müßte, alles ist vorgegeben durch den Stufenplan.

    Entlastende Einzelgespräche könnte man auf Bedarf planen, irgendwann stürzt jeden die Decke auf den Kopf und er gerät unter Druck, dann bietet es sich an. Ich persönlich möchte diesem System welches auf Willkür, Zufall aber vor allem dem Zeitfaktor aufbaut nicht ausgeliefert sein. In anbetracht der Delikte sind die meisten Verweildauern absolut unangemessen und eher politisch herbeigeführt, wobei sich viele Patienten auch tatsächlich selbst im Weg stehen. Einer mit einem IQ von 55, der noch nicht einmal weiß warum er überhaupt da ist, der hat seine Zukunft auch ohne mein zutun schon hinter sich, Sexualstraftäter sowieso.

    LG
     
  7. Brady

    Brady Gast

    Hallo Imhotep,

    nach deinen Schilderungen nehme ich an, dass du in der Forensik arbeitest. Tagesstrukturierende Maßnahmen sehe ich als einer meiner Hauptaufgaben an, aber zu dem nicht alleine als Mittel der Durchsetzung, sondern um Halt zu geben. Je nach dem was der Patient benötigt, es gehört dazu die Auseinandersetzung mit ihm, warum, wieso, weshalb er damit Probleme hat?

    Die nächste Stufe wäre, er nimmt es als sein Problem wahr und wir könnten damit arbeiten. Aber wie so oft, ist es erstmal nicht so, denn ein Mensch braucht Zeit.
    Struktur ist das wichtigste meiner Meinung nach, was unseren Patienten Sicherheit gibt.

    Ich arbeite in einer Tagesklinik, unsere Patienten kommen freiwillig. Aber auch dort sind Regeln.
    Ich verstehe deine Argumentation, denn täglich grüßt das Murmeltier, aber anders geht es nicht.

    Wenn ich aber selber nicht hinter dem stehe was ich tue, dann hat es ein Patient ganz schnell raus.

    AT oder BT sind für mich auch strukturierende Maßnahmen, aber nicht nur...
    Für mich als Pflegepersonal ist es die Aufgabe, dahinter zu stehen, wenn ein Patient dahin soll. Nicht nur deshalb, sondern weil es eine Behandlungsmöglichkeit für ihn ist. Auch wenn er mit dem nicht einverstanden ist. Wer von uns kann immer das machen, wozu er Lust hat?
    Dann muss er eben dies erproben; aushalten....kann auch ein Ziel sein.

    Wobei, dies hat eigentlich nichts mit Pflegediagnosen in psychiatrischer Pflege zu tun.

    Liebe Grüße Brady
     
  8. MiChung

    MiChung Gast

    Hi Imhotep,

    unter "tagesstrukturierende Maßnahmen meinte ich natürlich die pflegerischen - hab mich wohl nicht so genau ausgedrückt - . Ich meinte Dinge wie wecken, Frühstück vorbereiten, dafür sorgen, dass die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden, Zimmerpflege (aufräumen, Bett beziehen, Schränke ordnen, Wäschepflege, etc.) u.ä.
    Natürlich gibt es in der Forensik Besonderheiten in der Pflege und sicher ist eine sinnvolle Pflegeplanung dort nicht so einfach zu erstellen - dennoch möglich. Aber es ist wie Du meinst, immer dasselbe und man evaluiert sich tot....

    Es klingt, als seist Du dort auch nicht besonders glücklich ;)

    LG
     
  9. Imhotep

    Imhotep Newbie

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    Besonders glücklich nicht, aber um die Familie zu ernähren reicht es.

    Die pflegerische Tagesstrukturierung ist vorbestimmt, wir geben nur Hilfe an dem Punkt wo der Patient nicht selbst handeln kann. Wäschewechsel ist z.B. jeden Samstag und das machen die Patienten schön selbst. Schließlich wollen sie entlassen werden, da muß man soetwas selbst können nur die Wäsche gebe ich aus der Wäschekammer weil da sonst keiner heran kommt.

    Das wecken wird ebenfalls 7.00 Uhr von einem Kollegen erledigt, dabei wird gleich die Anwesenheits-Kontrollliste geführt. Aus dem Bett prügeln wir allerdings niemand, wer es übertreibt bekommt die Konsequenzen bei Freizügigkeiten oder in der Gesamtperspektive zu spüren.

    Bei Problemfällen schaut die Bezugsperson nach der Schrankordnung, ansonsten findet in der 1. Woche eines Monats jeweil Zimmervisite statt. Da bekommen sie dann vom Oberarzt einen Anschiß wenn es wüßt aussieht (und die Leute wissen, dass der Herr OA viel zu sagen hat).

    Die Pflege der eigenen Wäsche ist in aller Regel kein Problem, Einzelfälle bekommen einen Hygieneplan der dann täglich abgezeichnet werden muß, aber das ist sehr selten.

    Wie du siehst gibt es nich viel was durch eine Pflegediagnose beschrieben werden müßte, alle Arbeiten sind tägliche Routinen und sind bereits im Arbeitskalender der Pflegepersonals beschrieben. Wo wir pflegerisch eingreifen müssen ist, die Auswirkungen der jahrelangen geschlossenen Unterbringung abzumildern, also die systembedingten Pflegeprobleme. Nicht die Probleme welche der Patient mitgebracht hat stehen zur Debatte, sondern die, die er hat, weil er 24h am Tag in irgend einer Form reglementiert wird.

    So muß ich zum Beispiel permanent die Ausgangszeiten überwachen, aufschreiben wann wer wohin gegangen ist, muß im Hinterkopf haben wer wie lange draußen sein darf. Kommt einer nicht pünktlich zurück muß eine Fahndung eingeleitet werden.

    Der Patient kann nicht selbständig einkaufen, kann nicht selbständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, kann nicht selbständig zur Sporttherapie, in die Kirche usw. Da sind wir ständig am machen und tun, kannst dir vorstellen bei 29'ziger Bettenstand und 3 Mann im Dienst was da geht.

    Die Arbeit ist schon abwechslungsreich, was mich nur nervt sind die Pflegedogmatiker mit ihren pseudowissenschaftlichen, durch nichts bewiesenen Pflegetheorien. Das System Forensik stinkt natürlich auch an einem Punkt, die Aufenthaltsdauer ist oft zu lang und ohne Perspektive, da werden komplett hospitalisierte Personen herangezüchtet ohne das man noch etwas dagegen tun könnte. Die Hoffnungslosigkeit wird ab einem bestimmten Punkt so groß, dass derjenige sich von der realen Außenwelt entfremdet und diese sogar als bedrohlich für ihn ansieht. Bei den aktuellen sozialen und politischen Rahmenbedingungen nur all zu verständlich. Für diese Leute kann ich nichts weiter tun als ihnen ein Mindestmaß an Lebensqualität innerhalb der geschlossenen Abteilung zu bieten (eben durch begleitete Aktionen). Aber ich kann es niemals überprüfen, denn viele Ansichten in der Psychiatrie sind ausschließlich subjektiv, auch das Wohlbefinden. Die Pflegetheoretiker haben sich zur Evaluation subjektiver Eindrücke und Gefühle nicht geäußert.

    Dann gibt es noch den von mir nicht aufzuklärenden Widerspruch, wenn ein Patient gern in eine bestimmte Wohnform entlassen werden möchte, ich persönlich auch der Meinung bin das das sinnvoll wäre, aber die Entscheidungsträger nicht mitspielen. Dann kann ich mir die Haare ausraufen, solidarisiere mich eventuell sogar mit dem Patient stehe aber vor der völligen Unbeeinflußbarkeit der Situation. An diesem Punkt versagen auch sämtliche Pflegetheorien.

    LG
     
  10. Brady

    Brady Gast

    Hallo Imhotep,

    danke für den Einblick in deine Arbeit. Kann mir vorstellen, dass diese Arbeit an einem zehrt. Habt ihr Supervisionen? Wie läuft es mit den Teamgesprächen?
    Übergaben?

    Liebe Grüße Brady
     
  11. MiChung

    MiChung Gast

    Hi Imhotep,

    ich halte auch nichts von den sogenannten Pflegetheoretikern. Wie gesagt finde ich das Buch zu den NANDA Diagnosen zum Teil auch grenzwertig. Die Diagnosen an sich finde ich in meiner Arbeit zum Teil schon wieder.
    In meiner Arbeitsgruppe sind auch Kollegen, die in der Forensik arbeiten. Zur Zeit befassen wir uns damit, eine eigene "Syndrom - Pflegediagnose" für die Bereiche zusammen zu schustern, in denen Patienten mit langer Verweildauer (zu denen die forensischen Patienten ja zweifellos gehören) behandelt werden. Dort sollen eben die von Dir geschilderten Schwierigkeiten bedacht werden: Hoffnungslosigkeit, Beschäftigungsdefizit, Perspektivlosigkeit u.ä.
    Wir sind aber noch am Anfang unserer Überlegungen - und es ist Urlaubszeit.... falls Du Interesse hast, kann ich Dir zu gegebener Zeit gerne wieder berichten, was wir zusammengetragen haben.
    Natürlich ist die Arbeit mit den Diagnosen (bzw. Pflegeplanungen an sich ) sehr zeitaufwändig und oft wird auch "schöngeredet", aber wir kommen doch nicht umhin. Die Energie mich darüber aufzuregen, dass manches unsinnig ist, nutze ich lieber dazu dem ganzen wenigstens soviel Sinn zu verpassen, wie es mir möglich ist. Dabei lasse ich meist die ganzen Vorgaben außer acht und beschreibe in den Planungen meine tatsächliche Arbeit.
    Mit der Zeit kristallisieren sich dann eine Hand voll immer wieder kehrender Diagnosen heraus, die Ziele und Maßnahmen sind auch meist ähnlich - so dass es irgendwann auch routinierter läuft.
    Ich sehe auch hier die Möglichkeit, meine pflegerische Arbeit darzustellen und überprüfbar zu machen. Es ist nicht so wenig, was wir tun. Manche Dinge scheinen auch so selbstverständlich, dass man gar nicht darüber nachdenkt es zu dokumentieren (über die "Maßnahmensettings kann man Routinetätigkeiten, die jeder immer macht, bzw. Grundsätzlichkeiten dokumentieren). Vereinfachend finde ich in der EDV- Version, dass man viele Tätigkeiten nur noch abklicken und nicht mehr explizit beschreiben muss.
    In den Genuss kommst Du auf Deiner Station ja leider (noch?)nicht.

    LG
     
  12. Imhotep

    Imhotep Newbie

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    Hallo MiChung!

    In einer Zeit des inneren Aufbegehrens und der persönlichen Psychohygiene, habe ich versucht, ein automatisiertes Skript in Java/html zu entwickeln um die Arbeit zu vereinfachen. Du findest eine Betaversion unter www.pc3x.de/betaversion.html. Ursprünglich war das mal ein Metataggenerator für html Kopfinformationen, dass Script habe ich umgebaut und teilweise schon mit Daten gefüttert. Die Auswahlmenüs sind unendlich erweiterbar und das ganze natürlich kostenlos. Man könnte es für jeden Fachbereich neu programmieren.

    Das Skript besteht aus nur einer einzigen Datei und benutzt keine Datenbank, im oberen farbig hinterlegten Teil kann man Stammdaten eingeben im unteren Teil diverse Problematiken auswählen. Das ganze ist derzeit vielleicht etwas theorielastig, kann aber schnell geändert werden.

    Auswählen, Knopfdruck und den ganzen Schmarrn gleich noch rauskopieren und in die Kardexblätter drucken war meine (auf Faulheit) beruhende Idee. Das ganze liegt jetzt seit 1,5 Jahren brach, wenn du Lust hast können wir weiter an dem Ding programmieren. Der Vorteil, man kann die Datei an jedem PC nutzen, es muß kein Programm installiert werden und mit aktuell 61 KB ist sie auch noch winzig klein. Wäre zu dem was ihr vor habt eine gute Ergänzung.

    Falls Du Lust hat, kann ich zur leichteren Kommunikation/ Datenübermittlung ein Formular entwickeln welches nach Problem - Diagnose - Maßnahmen - Durchführungsnachweis untergliedert ist. Dann kommt es bei mir schon schön vorformatiert an. Also wenn euch Ideen kommen, als Word-Datei verfassen dann rauskopieren, online in das Kontaktformular einfügen und absenden. Ich werde das dann sobald ich Zeit habe in den Generator einarbeiten.

    :daumen: Ist nur ein Vorschlag



    Gruß Imhotep
     
  13. MiChung

    MiChung Gast

    Hi Imhotep,

    Deine Erklärungen in allen Ehren *g*, aber Du kommunizierst hier mit einer ziemlichen Technik - Niete.
    In der Praxis sieht es für mich allerdings ganz einleuchtend aus - hab jetzt grad keine Zeit, mich näher damit zu befassen, werd ich aber in absehbarer Zeit noch tun.
    Wir arbeiten in unserer Klinik mit dem KIS (KrankenhausInformationsSystem) von MediCare. Die komplette Krankendoku soll künftig nur noch über EDV laufen. Es wurden mit und mit immer mehr Module dazu genommen, so dass derzeit nicht mehr viel übrig ist, was nicht über EDV läuft (Medikamente, ärztliche Anordnungen laufen noch über die handschriftliche Doku)

    So ist auch die laufende Pflegedokumentation incl. Pflegeanamnese und Pflegeplanung ins System eingepflegt worden.
    Die NANDA Diagnosen sind per EDV abrufbar und zum Teil auch schon Textbausteine hinterlegt - eben die, die man besser nicht anklickt, wenn man eine gescheite Planung verfassen will ;) - ich hätte aber trotzdem Lust zumindest die Info´s gegenseitig auszutauschen. Aber wie gesagt, kann noch dauern da Urlaubszeit. Frühestens Mitte September weiß ich/ hab ich mehr.

    Dafür, dass du zunächst eher "contra" PD klangst, entwickelst Du jetzt doch erstaunliches Interesse.... oder täuschte mein Eindruck *g* ?


    Bis denn LG
     
  14. MiChung

    MiChung Gast

    nochmal @ Imhotep,

    hab mir Deine Ausführungen mal angesehen, da hast Du Dir echt viel Mühe gemacht. Warum hast Du es denn so lange "brach liegen" lassen? Bis auf das ein oder andere - wie ich finde - zu hoch gegriffene Ziel, könnte man doch damit arbeiten.
    Wobei ich die NANDA Diagnosen dort nicht finde, arbeitet Ihr denn nun danach oder immer noch nach dem "alten" System: Problem - Ziel - Maßnahmen?

    Etwas ähnliches (allerdings nur in einer einfachen Excel Datei) haben wir auf meiner letzten Station auch gemacht. Vor der Einführung des Medi-Care Systems haben wir die Pflegeplanungen auch nicht mehr handschriftlich verfasst, sondern Pflegediagnosen incl. Ziele und Maßnahmen gesammelt, gespeichert und nach Bedarf Teile davon in ein Formular kopiert.

    Die (unreflektierte, unsortierte) Sammlung habe ich noch. Kann ich Dir zukommen lassen, wenn Du magst. Du müsstest mir allerdings sagen wie - und (aus-) sortieren müsstest Du Dir auch alles selbst. Du wirst nicht alles brauchen können und Vieles ist auch doppelt und zum Teil "unglücklich" formuliert....

    LG
     
  15. Brady

    Brady Gast

    Hallo MiChung,

    wir arbeiten noch nicht mit psychiatrischen Pflegediagnosen, aber das Thema interessiert mich brennend.
    Würde gerne mehr davon erfahren. Wie sieht es bei einer pflegerischen Verdachtsdiagnose aus?
    Wie weit ist der Patient involviert?
    Was passiert, wenn der Patient, dann nicht mit dem übereinstimmt?

    Finde es sehr spannend und würde sehr gerne mehr erfahren? Welche Erfahrungen habt ihr überhaupt?

    Liebe Grüße Brady
     
  16. MiChung

    MiChung Gast

    Hallo Brady,

    mit den Pflegediagnosen verhält es sich ähnlich wie mit den Ärztlich/Therapeutischen Diagnosen.

    Im Idealfall sollte es so sein:

    Zu Beginn der Behandlung wird mit dem Patienten ein Anamnesegespräch geführt, für den es einen speziellen standardisieren Anamnesebogen gibt.
    (Das wird auf jeder Station und je nach Situation unterschiedlich gehandhabt, z. T. findet ein gemeinsames Aufnahmegespräch: Arzt - Pflege - Patient - ggf. Angehörige statt, z.T. werden terminierte pflegerische Anamnesegespräche geführt)

    Anhand der Informationen die ich vom Patienten selbst, ggf. dessen Angehörigen und durch meine eigenen Beobachtungen und Einschätzungen erhalte, suche ich die passende(n) Pflegediagnose(n) aus. Dabei orientiere ich mich an den (vermuteten) ursächlichen Bedingungen und den Symptomen bzw. Schwierigkeiten, die der Patient/ Angehörige beschreibt.
    Entsprechend erstelle ich (im Idealfall mit dem Patienten) die Pflegeplanung: welche Ziele sollen/ können während der Behandlung erreicht werden, welche Maßnahmen eignen sich......

    Mit der Zeit sucht man nicht mehr stundenlang im Buch, welche Diagnose nun passt, sondern weiß irgendwann welche PD in Frage kommen. Bei bestimmten Erkrankungen gibt es meist auch bestimmte Pflegediagnosen.

    Im Prinzip ist es nicht anders als die bisherigen "klassischen" Pflegeplanungen. Der Pflegeprozess bleibt gleich. Es gibt regelmäßige Überprüfungen/ Evaluationen (auch hier im Idealfall mit dem Patienten).
    Im Verlauf zeigt sich manchmal, dass eine andere Pflegediagnose besser passt, dann wird sie geändert.

    Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass es auf den offenen, ruhigeren Stationen ganz gut läuft.
    Schwierig ist es auf den Stationen, auf der die Patienten häufig wechseln (Akutaufnahme, Suchtaufnahme).
    Hier macht es Sinn, standardisierte Planungen zu entwickeln, die zeitlich weniger aufwändig sind. Meist geht es ja dort auch um Entaktualisierung der Akutsymptomatik - in welcher Form auch immer.

    Problematisch ist bei uns in der Klinik leider die EDV. Das System hat seine Tücken, ist in der Anwendung relativ kompliziert, weil unlogisch aufgebaut und KollegInnen, die nicht so geübt im Umgang mit dem PC sind, kommen schnell an ihre Grenzen (und meiden die Auseinandersetzung damit eher).

    Es gibt zwar immer wieder Schulungen, in denen der Umgang mit auftauchenden EDV Problemen geübt wird, aber irgendwie hinkt man doch oft hinterher....

    .. das so im Groben...

    LG
     
    narde2003 gefällt das.
  17. MiChung

    MiChung Gast

  18. Brady

    Brady Gast

    Hallo MiChung,

    vielen Dank für die guten Informationen. Hoffe, dass es auch bei uns mal langsam voran geht.

    Liebe Grüße Brady
     
  19. Imhotep

    Imhotep Newbie

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    Bei uns ist die EDV ebenfalls ein Schwachpunkt, da funktioniert noch nicht einmal die Hardware. Da nur 256MB Arbeitsspeicher vorhanden sind und Virenscanner und administrative Spy-Programme im Hintergrund laufen, lagert das System bereits ständig Daten auf die lausige Festplatte aus. Wenn man dann auch noch das Outlook zu öffnet versucht kann man erst mal Kaffee trinken gehen.

    Module gibt es schon viele, dass Pflegeplanungsmodul befindet sich seit mehreren Jahren in der Beta-Phase, jedes Jahr im Januar heist es, das es so gegen Jahresende starten könnte. Das einzig gute was ich dem Einsatz der EDV abgewinnen kann ist, dass durch die unterschiedliche Rechtevergabe von Seiten der Administration (vorerst theoretisch) viele Tätigkeiten wegfallen würden, denn das mit der ärztlichen Hilfskraft funktioniert dann nicht mehr. Die Herren Doktoren müssen dann ihren kompletten Laborkram und diverse andere Anforderungen (Röntgen, EKG, Sono und was weiß ich nicht noch) selbst erledigen.

    Wer hat den Erfahrung mit der elektronischen PP? Kann man sich da nur die Diagnose auswählen oder ist das System dann schon zu konkreten Handlungsanweisungen (Durchführungsnachweisen) in der Lage? Wurde die ärztliche Kompetenz durch die Rechtevergabe tatsächlich gestärkt, da ja nun das Pflegepersonal gezwungener Maßen nicht mehr jeden Wunsch von den Lippen ablesen darf? Muß jede Laboruntersuchungen neu angeordnet werden oder erlaubt das System Dauerwünsche in Intervallen (z.B.Olanzapinspiegel 4-wöchentlich)?

    Gruß Imhotep
     
  20. MiChung

    MiChung Gast

    Hallo Imhotep,

    wir arbeiten nach diesem Buch:

    Pflegediagnosen und Maßnahmen von Marilynn E. Doenges (Autor), Mary Fr. Moorhouse (Autor), Alice C. Geissler-Murr (Autor)

    Das Programm, mit dem wir die PP erstellen ist quasi mit dem Inhalt des o.g. Buches "gefüttert".

    Wir können sowohl die PD als auch passende Ziele, Maßnahmensettings und Maßnahmen per Mausklick auswählen - oder aber eigene Ziele und Maßnahmen als "Freitext" eingeben (letzteres macht oft mehr Sinn, da die Vorgaben sehr allgemein gehalten sind).
    Zudem erarbeiten wir innerhalb einer AG Textbausteine für die verschiedenen Bereiche (Allgemeinpsychiatrie, Gerontopsychiatrie, Sucht, u.a.) die besser passen und nicht ganz so allgemein gehalten sind. Diese sind im Intranet der Klinik einsehbar und können bei Bedarf ins System kopiert werden.
    Die Maßnahmen kann ich mit einem Zeitfenster eingeben (z. B: die Arzneivergabe mit den entsprechenden Uhrzeiten, oder ein regelmäßiges Pflegegespräch das tgl. im Spätdienst erfolgen soll).
    Es gibt eine Ebene "Pflegedurchführung", dort erscheinen "Balken" so wie in einem Diagramm - nur horizontal (in der Länge der eingegebenen Uhrzeiten). Diese Balken brauche ich nach Durchführung der Maßnahme nur "abklicken" ( es ist innerhalb des Systems ersichtlich, wer was wann abgeklickt hat).

    Puh - ich hoffe das war jetzt einigermaßen verständlich - ist schwierig so ohne Anschauungsmaterial...

    Das Thema der Zusammenarbeit zwischen ärztlich- therapeutischen Mitarbeitern und Mitarbeitern der Pflege ist wohl in jedem Haus und wahrscheinlich sogar auf jeder Station unterschiedlich und auch besser in einem eigenen Thread aufgehoben ;)
    Ich habe in der Zusammenarbeit bisher überwiegend gute Erfahrungen gemacht ( ....Du wie´s klingt eher nicht...) darauf hat auch ein PC Programm keinen Einfluss, sondern die Bereitschaft/ Möglichkeit Dinge miteinander zu besprechen.

    Innerhalb des KIS (Krankenhaus Informations Systems) mit dem wir arbeiten, hat jeder seinen eigenen Bereich zu dem er "aktiven" Zugang hat . Das gute ist jedoch, dass jeder alle Bereiche einsehen kann. So kann ich als Mitarbeiter der Pflege alle Einträge der anderen an der Behandlung beteiligten Mitarbeiter einsehen (Ergotherapie, Sozialdienst, Ärzte/ Therapeuten) - und umgekehrt.

    Die Laboranforderungen werden in der Regel von den Ärzten eingegeben, aber ich breche mir keinen Zacken aus der Krone das auch schon mal zu machen - solange ich das Gefühl habe, die Zusammenarbeit ist in Bezug auf "Geben und Nehmen" ausgeglichen....

    Man kann auch mehrere aufeinander folgende Laboranforderungen eingeben, wobei ich im Moment überfragt bin, ob es eine Möglichkeit gibt
    " Dauerwünsche" einzugeben.

    Viele Grüße MC
     
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