Nähen in der KJP - alles begann mit einem Monster Ein kleiner Erfahrungsbericht

Nachteule69

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Jugendstation in der KJP
Eine meiner Kolleginnen hat fundierte Nähkenntnisse "mitgebracht" und den Patienten für die Sommerferien im letzten Jahr ein kleines Nähprojekt angeboten - Monsterchen nähen ;)
Ich hab mich selbst nie so richtig ans Nähen getraut, wurde belehrt: wer Autoscooter fahren kann, der kann auch nähen lernen und man kann alles wieder auftrennen und muss nicht, wie beim Kochen, die Fehler aufessen ... gesagt, getan und schon war es passiert, das Nähvirus hatte mich erwischt und ganz viele Patienten ebenfalls.
Immer mit Learning by doing ging es weiter, habe einen Patchworkkurs gemacht und nach und nach immer mehr Nähzubehör, samt "geerbter" und durch unsere Technik abgesegnete Nähmaschinen, angeschleift. Es fanden sich auch immer mehr Stoffreste und so manche Firma hat inzwischen eine "Wundertüte", die wir gefüllt einsammeln dürfen, in die aussortierte Schätze aus dem Lager oder von Nähkursteilnehmern und Kunden wandern.

Meist wird die Lust der Patienten (meist zwischen 13 und 18, aber auch schon mal darunter) geweckt, wenn ich mich im Gruppenraum mit irgendeinem Projekt hinsetze, oder unsere "Schätze" sortiere und aufräume. Schnell finden die Patiente Dinge, die sie ausprobieren, Gegenstände, die für sich selbst oder andere machen möchten und es kommen superschöne Dinge dabei heraus. Angefangen von Knautschbällen, die mit Reis gefüllt werden und zum Stressabbau dienen, Notfallkoffer-Beutel für die Skills, sogar Röcke und Kleider haben wir schon entstehen sehen.

Unglaublich, was sich dabei alles beobachten lässt: Patienten, die ADHS haben sitzen versunken eineinhalb Stunden an ihrem Projekt, ohne irgendwelche Unruhe zu zeigen, Patienten mit schlechter Stimmung vergessen an der Nähmaschine völlig, was zuvor noch so belastet hat und Mädels, die schlecht in die Gruppe integriert waren, freuen sich riesig, weil sie von MPen ganz anders wahrgenommen werden, weil sie "es voll drauf haben" und nach zwei Tagen "die Nähexperten" sind, die um Rat gefragt werden...ich selbst komme mit den Patienten ganz anders in Kontakt, als bei endlosen Nachmittagen mit UNO und co (bin kein Spielefreund) und es entstehen tolle Dekos für die Station.

Auch in den Familien haben sich schon interessante Dinge ereignet: Bsp.: 1 Patientin lebt mit den Eltern und Grosseltern in einem Haus, hat aber zur Oma gar keinen Bezug und umgekehrt, Oma ist eben "alt und uncool" und die Enkelin hängt nur rum und am handy...nach dem 5. oder 6. Nähprojekt kam das Mädel aus der Besuchszeit mit der Oma und beide hatten endlich eine Gemeinsamkeit - Nähen in Omas Keller, auf der alten Singer und einen grandiosen Stoff-Einkaufsrausch zu zweit, der mit einer coolen Tasche für Oma und Enkelin hoffentlich noch lange nicht geendet hat...

Toll fände ich, wenn Ihr auch von Euren Erfahrungen berichtet oder Euch traut Euere Hobbies mit auf die Arbeit zu nehmen ;)

Nachteule69
 

Elfriede

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Meine Häkelnadel setzt auch privat keinen Rost an.
Da fällt für meine Pat. immer mal was ab.

Bettpuschen (-schuhe) aus reiner Shettlandwolle
sind für AVK-Patienten goldwert.

Eine einzigartige Mütze für eine Ca-Patientin kommt
in der Chemo genial.

Einer MS-Patientin (46J.) musste ich das Häkeln
unbedingt beibringen. ( ! Tagesstruktur)
- Gute Massnahme für §87b -

(---- Ja Elisabeth, "Agnes" ---)

Wenn die Pat. die Mitbringsel bezahlen wollen, nehme
ich maximal den Materialwert und empfehle eine Spende
an die Tafeln oder "Brot für die Welt".

LG, Frieda
 
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Hallo zusammen,

ich bin zwar weder im Bereich Psychiatrie noch im Handarbeiten besonders bewandert, aber ich finde eure Ideen klasse! Das musste ich jetzt einfach mal eben loswerden.
Wünsche einen schönen Sonntag.

Gruß
Die Anästhesieschwester
 
Zuletzt bearbeitet:

BellaSwan2012

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@Nachteule

das ist ja echt eine coole Idee. Ich war schon auf der Suche nach neuer Inspiration.
In Winter stricken die Pats als gebe es keinen morgen, aber gerade jetzt immer Sommer, hab was neues gesucht, als immer nur Basteln und Spiele.

Wie läuft es bei euch im Konkreten ab? Wie viele Nähmachinen habt ihr denn?
 

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