Nachtschicht in der Onkologie

Dieses Thema im Forum "Tätigkeitsberichte" wurde erstellt von Christina1986, 15.07.2007.

  1. Christina1986

    Christina1986 Junior-Mitglied

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    Gesundheits- und Krankenpflegerin
    Akt. Einsatzbereich:
    Fachweiterbildung A/I Innere Intensiv
    Ich arbeite seit April auf einer onkologischen Station mit 24 Planbetten ( die eh nie eingehalten werden :-) ) und möchte euch ein bißchen was über eine Nachtschicht von mir schreiben.
    21.20 Uhr ist Dienstbeginn. Ich bekomme eine Übergabe vom Spätdienst was den Tag über so vorgefallen ist. Mein erster Eindruck: "Scheint ruhig gewesen zu sein, hoffentlich bleibt es bei mir auch so..."
    Um 22 Uhr mache ich meinen ersten Rundgang und hänge die i.v. Antibiosen an, mache die Patienten nochmal für die Nacht frisch und erkundige mich nach ihrem Befinden. Weiter wie bis zu Zimmer 2 komme ich nicht. Da fängt die Klingelei schon wieder an. Es ist mal wieder die Dame aus Zimmer 4, die mit der Klingel spielt. Ich versuche sie mit Gesprächen zu beruhigen. Kaum bin ich aus dem Zimmer draußen klingelt sie schon wieder und strahlt mich an. Das kann ja heiter werden. Als ich es dann doch wieder nach Zimmer 2 schaffe muss ich feststellen, das der Patient mit Ohrenschmerzen 39,0 Grad C hat. Also mal schnell den Doktor zum Blutkulturen abnehmen, angepiepst. Als sie abgenommen sind häng ich ihm noch schnell Perfalgan i.v. an. In Zimmer 3 schlafen beide Damen schon- was für ein Glück. Wieder in Zimmer 4 angekommen muss ich ernüchtert feststellen, das die Dame eben versucht übers Bettgitter zu steigen. Ich leg sie zurück ins Bett und piepse den 1. Dienst an. Anordnung über 20 Tropfen Atosil ( Stesolidwar mir dann doch zu heftig). Der 3. Dienst legt der Dame dann noch "schnell" ( 30min) ne Nadel, in dieser Zeit stehe ich neben dem Bett und halte ihr die Hände fest, als sie versucht nach dem Arzt zu schlagen. Dank ihrer schlechten Venen dauert es ganze 30min bis eine Nadel liegt. Noch schnell ne 1000ml Delta angehängt und ab nach Zimmer 5. Der Patient schläft ebenfalls schon. In Zimmer 6 rede ich noch kurz mit den beiden Herren, häng eine i.v. Antibiose an. Und siehe da, der Port läuft mal wieder nicht, also schnell was zum Spülen geholt. Die Dame in Zimmer 7 ist wegen niedriger Leukos umkehrisoliert. Also vermumme ich mich und rein ins Zimmer. Sie schläft schon. Was für ein Glück für mich.Zimmer 8 ist noch wach, Zimmer 9 schläft bereits. In Zimmer 10 rede ich noch eine Weile mit der Patientin, die sich dann auch schlafen legt. Zwischendurch klingelt Zimmer 8 und will eine Novalgintablette falls sie heute Nacht Schmerzen bekommt- 5min vorher war ich im Zimmer drin und habe gefragt ob sie noch was braucht :-( Zimmer 11 ist leer, es ist aber ein Zugang von der Hauptaufnahme angekündigt. Zimmer 12 häng ich die Antibiose an. Zimmer 13 ( ein Frauenvierbettzimmer!!!!): Eine Dame möchte auf den Topf, die andere aufs Klo geführt werden und die dritte Dame erhält eine i.v. Antibiose. Als ich dann alle Wünsche erfüllt habe, legen sich die Damen auch schlafen. Zwischendurch hat es immer wieder geklingelt, die eingelaufenen Antibiosen abzuhängen. Mittlerweile ist es 23.10 Uhr. Ich trage erstmal die nachgemessenen Vitalzeichen ein. Langsam kehrt Ruhe auf der Station ein. Ich schaue nochmal nach der Dame in Zimmer 4, sie schläft mittlerweile.
    Um 23.30 Uhr fange ich dann an, die i.v Medikation für den nächsten Tag zu richten. Es ist nun ruhig auf Station. Um 0 Uhr richte ich die Tabletten für den nächsten Tag. Es wird wieder unruhiger auf Station und klingelt im 5min Takt. Den Patienten macht das heiße Wetter sehr zu schaffen. Um 1 Uhr mache ich dann meinen 2.Rundgang und messe nochmal die Temperatur nach. Er hat jetzt 37,5 Grad C. Schnell nochmal die Dame in Zimmer 4 gelagert. Sie schläft- Gott sei Dank. Atosil hilft halt doch noch. Um 1.30 Uhr fange ich an, Kurvenblätter vorzuschreiben, bestelle Apotheke und Lager, richte die Durchgangswägen für den nächsten Morgen und dann mach auch ich mal Pause. HIn und wieder klingelt es mal. Um 3 Uhr mache ich meinen 3. Durchgang. Alle Patienten schlafen, nur die Dame aus Zimmer 4 hat eingestuhlt. Ich mache sie schnell frisch, da der ganze Oberkörper mit Stuhl beschmiert ist ( sie steckt immer ihre Hände in die Windel). Die Patientin ist desorientier, beschimpft mich was das denn soll. So viel zum Thema Dankbarkeit. Um vier schreibe ich meine Kurven und Pflegeberichte. Anschließend ziehe ich die i.v. Sachen für den Frühdienst auf, ebenso die Ernährungsbeutel. Um halb sechs mache ich schnell meinen letzten Durchgang, leere die Urinbeutel und Toilettenstühle, verteile neue Urinflaschen. Die Dame in Zimmer 7 gefällt mir nicht, sie hat Zuckungen am ganzen Körper, ihr läuft Speichel aus dem Mundwinkel und sie hat Wortfindungsstörungen. Hat auch seit abends nicht mehr ausgeschieden. Also schnell den Doktor aus dem Bett geholt. Es könnte ja immerhin ein frischer Schlaganfall sein. Händedruck ist beidseits normal. Der Doktor rätselt rum und er kommt zu dem Verdacht das es eine beginnende Sepsis ( CRP 300) sein könnte. Sie hat keine Halbseitensymptomatik. Schnell noch die Blutanordnungen des Doktors ausgearbeitet und mittlerweile ist auch der Frühdienst eingetroffen. Ich mache schnell meine Übergabe und verabschiede mich dann in mein wohlverdientes Bett :-) Der angekündigte Zugang ist natürlich nicht gekommen sondern auf ner anderen Station untergebracht worden.

    Liebe Grüße Christina
     
    #1 Christina1986, 15.07.2007
    Zuletzt bearbeitet: 15.07.2007
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